Berliner Erklärung

Seit über 60 Jahren gilt in Deutschland laut Grundgesetz, dass Frauen und Männer gleich­be­rech­tigt sind. In der Realität ist die Gleichstellung aller­dings noch lange nicht verwirk­licht. Die anhal­tende Benachteiligung von Frauen in allen gesell­schaft­li­chen Bereichen steht damit im Widerspruch zu unserem Grundgesetz und zu inter­na­tio­na­lem Recht.

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Berliner Erklärung
Dezember 2011

Seit über 60 Jahren gilt in Deutschland laut Grundgesetz, dass Frauen und Männer gleich­be­rech­tigt sind. In der Realität ist die Gleichstellung aller­dings noch lange nicht verwirk­licht. Die anhal­tende Benachteiligung von Frauen in allen gesell­schaft­li­chen Bereichen steht damit im Widerspruch zu unserem Grundgesetz und zu inter­na­tio­na­lem Recht.

Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Berliner Erklärung, wollen diese Ungerechtigkeiten und den dauern­den Verstoß gegen Art. 3 Absatz 2 GG nicht länger hinneh­men. Geschlechtergerechtigkeit ist ein Gebot, das es endlich umzu­set­zen gilt. Deshalb haben wir uns in einem über­par­tei­li­chen und gesell­schaft­li­chen Bündnis zusam­men geschlos­sen, um im Konsens gemein­sam der Gleichstellung zum Durchbruch zu verhel­fen. Wir sind Frauen und Männer aus Politik, aus Verbänden, aus Wirtschaft und Gewerkschaften, aus Wissenschaft und Forschung, aus Kultur und Medien – kurz: aus der ganzen Breite der Bevölkerung. Wir wollen eine gerechte Gesellschaft, die Frauen und Männern die glei­chen Verwirklichungs- und Teilhabechancen auch prak­tisch einräumt.

Unser erstes Ziel ist, mehr Frauen in die Entscheidungsprozesse der Wirtschaft einzu­be­zie­hen – pari­tä­tisch und gleich­be­rech­tigt. Alle bishe­ri­gen Versuche, dieses Ziel mit frei­wil­li­gen Vereinbarungen zu errei­chen, sind geschei­tert. Die Zeit ist reif für eine verbind­li­che gesetz­li­che Regelung zur geschlech­ter­ge­rech­ten Besetzung von Entscheidungsgremien der Wirtschaft, wie Aufsichtsräte und Vorstände. Nur so lässt sich Umdenken in den Vorstandsetagen beför­dern und damit die Besetzungspraxis von Entscheidungsfunktionen verän­dern.

Deshalb treten wir in einem ersten Schritt für eine Quote bei den Aufsichtsräten der börsen­no­tier­ten, mitbe­stim­mungs­pflich­ti­gen und öffent­li­chen Unternehmen ein, die zunächst mindes­tens 30 Prozent betra­gen soll. Damit die Maßnahme Wirkung entfal­tet, wollen wir flan­kie­rend Fristen und empfind­li­che Sanktionen regeln. Die Quote für Aufsichtsräte kann aber nur der Anfang sein!

Die gleiche Beteiligung von Frauen an Entscheidungsgremien ist auch ein Gebot der wirt­schaft­li­chen Vernunft. In gemisch­ten Führungsgremien können Frauen und Männer zu besse­ren Entscheidungen kommen, gemischte Teams stei­gern den wirt­schaft­li­chen Erfolg von Unternehmen. Das belegen natio­nale und inter­na­tio­nale Studien.

Zahlreiche Parteien und Verbände haben konkrete Vorschläge für Frauenquoten vorge­legt. Bei Unterschieden in der Höhe der Quote und in einzel­nen Aspekten sind alle Vorschläge von der Überzeugung getra­gen, dass nur verbind­li­che gesetz­li­che Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Entscheidungsgremien führen. Diesen breiten Konsens wollen wir jetzt nutzen, um spür­bare Verbesserungen für Frauen zu errei­chen.

Uns Unterzeichnerinnen und Unterzeichner eint der Wille, über­par­tei­lich und über­frak­tio­nell Mehrheiten für die berech­tig­ten Belange von Frauen zu gewin­nen und so das staat­li­che Gleichstellungsgebot nach Art. 3 Absatz 2 Satz 2 GG endlich umzu­set­zen.

Quelle: berlinererklaerung.de

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

Ein Gedanke zu „Berliner Erklärung“

  1. Mumpitz.
    Die einzi­gen realen Defizite bei der Gleichberechtigung bestehen darin, daß Frauen inzwi­schen per Gesetz in diver­sen Bereichen bevor­teilt werden.
    Wenn eine Frau in der Wirtschaft Karriere machen will, dann stehen ihr die Möglichkeiten dazu genauso offen wie Männern.

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