Emanzipierte Netzpolitik in der Praxis der SPD — ein Widerspruch?

10. November 2011
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Am 3. Dezember 2011 machen die Berliner Netzpolitiker ein netzpolitisches Get-Together und Singen Youtube-Hits. Soweit so gut. Das ganze beginnt um 18 Uhr. Soweit so schlecht.

Bevor ich selber Vater geworden bin, konnte ich mir schwer vorstellen, wie schwer es ist, abends in der Zeit von 1820 Uhr auf externe Veranstaltungen zu gehen. Das ist aber die Zeit, in der Babies gebadet, gewickelt und ins Bett gebracht werden. Und in der Regel verschiebt sich das nur wenig nach hinten, selbst bei etwas älteren Kindern.

In Berlin sind ja am laufenden Bande politische Veranstaltungen — insbesondere abends. Die beginnen in der Regel immer zwischen 18 und 19.30 Uhr. Damit schließt man alle Menschen mit kleinen Kindern aus. Ich hab das Glück, dass ich mich mit meiner Freundin absprechen könnte, wenn ich abends irgendwo hin muss. Aber will ich so eine Rollenverteilung — ich sitze abends im Männerklüngel der Netzpolitik und meine Freundin kümmert sich um das Kind? Eigentlich nicht!

Wie muss es da erst für alleinerziehende Mütter und Väter sein? Die Rituale der Politik sorgen dafür, dass diese Gruppe von Menschen sich in der SPD und in anderen Parteien nicht engagieren kann, selbst wenn sie es wollten.

Jetzt ist es so, dass ich auch nicht auf einmal zu nem Prenzlberg-Papi geworden bin, der überall Rücksicht verlangt. Ich kann ja auch die Veranstalter verstehen — 18 Uhr ist einfach die Zeit, wo die meisten können. Wenn man ein volles Haus haben will, muss man den frühen Abend nutzen. Ich hab so auch gedacht, wenn ich früher Veranstaltungen geplant habe. Und mir ist nie aufgefallen, dass bei solchen Veranstaltungen ganz selten junge Eltern dabei sind.

Aber was mich noch viel mehr traurig macht, ist eine gewisse Scheinheiligkeit in Bezug auf digitale Kommunikationsformen. Bei jeder Gelegenheit mahnt man Livestreams an, zum Beispiel bei öffentlichen Veranstaltungen. Aber bei den Veranstaltungen der SPD Netzpolitiker gibt es das sehr selten. Der netzpolitische Kongress am Wochenende in Nürnberg bietet keinen Livestream. Und Get-togethers wie das Treffen am 3.12. auch nicht — dabei kann man mittlerweile mit einem Smartphone einen Livestream organisieren.

Warum haben wir Netzpolitiker soviel Angst uns zu öffnen? Warum verfallen wir auf die gleichen Hinterzimmerrituale der Parteienpolitik wie alle anderen Gruppen in den Parteien? Warum überlegen wir uns nicht, wie digitale Teilhabe in der Praxis aussehen kann?

Ein privater Meinungsbeitrag.


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2 Responses to Emanzipierte Netzpolitik in der Praxis der SPD — ein Widerspruch?

  1. Der Ruhrpilot | Ruhrbarone on 10. November 2011 at 08:04

    […] Debatte: Emanzipierte Netzpolitik in der Praxis der SPD — ein Widerspruch?…Rot steht uns gut […]

  2. Robin on 10. November 2011 at 10:38

    Ha! Danke. Geht mir genauso. Und meine Tochter jubeliert herade auf dem Spielbogen zu dieser Meinung.
    Ganz toll wird das übrigens, wenn die Gattin auch noch ein Mandat wahrnimmt, wie das bei uns ist.

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