Steinbrück und Schmidt

Bis gestern Abend war ich mir sehr sicher, dass es eine gute Sache wäre, würde Steinbrück der Kanzlerkandidat der SPD. Die Steinbrück/Schmidt-Sendung im ARD jedoch hat mich wirk­lich ins Grübeln gebracht. Was genau verspricht sich Steinbrück davon, einen alten Mann als Vaterersatz zu nutzen, sich quasi hinter ihm zu verste­cken? Schmidt hat dann noch wirk­lich Absurdes über China formu­liert, Tenor: der Chinese an sich ist zu Demokratie gar nicht fähig, wegen der großen chine­si­schen Tradition von über 4400 Jahren. (Sinngemäß, nicht wort­wört­lich.) Demokratie sei darüber hinaus auch kein Wert an sich. Damit nun kann ich gar nichts anfan­gen. Werterelativismus ist nicht meine Sache. Steinbrück saß während der Sendung im Wesentlichen nur dabei und lächelte wissend, Neues hat er nicht gesagt. Das Neue war wohl, dass Schmidt sich jetzt eindeu­tig für Steinbrück ausspricht. Bitte, sein gutes Recht. Aber, soviel sei gesagt: zuviel Abhängigkeit von einer Person tut nicht gut. Steinbrück muss sich von Schmidt eman­zi­pie­ren, wenn er wirk­lich Kanzlerkandidat werden will. Mit dem gest­ri­gen Auftritt hat er seinem Ziel einen Bärendienst erwie­sen.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

8 Gedanken zu „Steinbrück und Schmidt“

  1. @ Christian:

    Nicht, dass mich der Partei-interne Kampf nach dem Amt des Oberschwallers sonder­lich inter­es­sie­ren wuerde, aber ich moechte hier mal meine (evtl. durch pol bias beein­flusste, man kennt das) Wahrnehmung der beiden gege­nue­ber­stel­len:

    - Schmidt kann man m.E. auf den Satz „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen” zusam­men­fas­sen. Letztendlich so ne Art poli­ti­scher Buchhalter.
    — Steinbrueck ist mir in Erinnerung als Aufsichtsrat in Staatsbanken, die wert­lose CDOs gekauft haben, um sich danach ueber „Banker” zu beschwe­ren.

    -> Ich waehle Schmidt.

    P.S.: Nachdem es ja nicht um die beiden geht, sondern um Steinbrueck vs. Gabriel, wuerde ich Steinbrueck waehlen… das ist in etwa so wie die Wahl, ob man erschos­sen oder in sieden­des Oel getaucht werden moechte. :)

  2. Ein Kommentar an die SPDler hier:

    Ich denke es gibt gefa­ehr­li­che Parallelen zwischen Merkel und Gabriel.

    - Beide sind (Parteibrille abset­zen) 100%ige Opportunisten
    — Beide waren Zoeglinge von erfolg­rei­chen Politikern (Kohl — Schroeder)
    — Beide haben nur Politik (= Machtpoker) gelernt, sonst nichts.

    -> Wenn das die Wahl 2013 sein soll: Merkel oder Gabriel… gute Nacht, Deutschland.

    Die SPD koennte hier in die Bresche sprin­gen und einen guten (also nicht: „bekannt”, „Dummschwaetzer”, „erfolg­reich in der Partei”, „Medienclown”) Kanzlerkandidaten aufstel­len. Denn ob ihr’s glaubt oder nicht: Die meisten Leute merken, wenn sie von macht­gei­len Volltrotteln regiert werden.

    1. Wenn es denn nur der Gabriel wäre.
      Ich sehe keinen in der SPD, der mich dazu bewegen könnte, dort mein Kreuz zu machen.
      Gabriel hat die Ausstrahlung eines windi­gen Gebrauchtwagenverkäufers (Zahl der gewon­ne­nen Landtagswahlen: 0, ich weiß, der Bundestrend war schuld), Steinbrück ist ein ausstrah­lungs­lo­ser Bürokrat, der jahre­lang die Aktentasche von Gerd getra­gen hat (Zahl der gewon­ne­nen Bundestagswahlen: 0), Steinbrück, der seine Rolle als vermeint­lich frei­den­ken­der Mahner gefun­den hat gegen die Politik, die er in der Bundesregierung umge­setzt hat (als Belohnung für null gewon­nene Landtagswahlen, ich weiß, der Bundestrend war schuld, außer­dem hatte er mit Rüttgers einen überaus charis­ma­ti­schen Publikumsliebling als Gegner).
      Ich bin ja weit davon entfernt CDU zu wählen, aber welcher dieser Loser, von denen keiner mir politsch irgen­wie nahe stünde, soll mich bewegen, bei der angeb­li­chen Volkspartei SPD mein Kreuz zu machen?

  3. wer bestimmt eigent­lich bei der spd den kanz­ler­kan­di­da­ten?
    die blöd-zeitung? der mann spielt sich hier in den vorder­grund, das ist schon bald unver­schämt! demo­kra­tisch ist es auf keinen fall!
    es wird folgen­des passie­ren: die medien jubeln den mann hoch bis er kanz­ler­kan­di­dat ist. und sowie er es ist, werden sie ihm die fragen stellen, mit denen sie jetzt noch hintan halten. „wer hat den banken­sek­tor dere­gu­liert?”, „wie war das mit dem verstrei­chen lassen der 5-jahres­frist bei der hre-bank?”, „wer hat den nied­rig­lohn-sektor ausge­baut ohne auffang­netz (mindest­lohn)?”, „wesssen staats­e­kre­tär war herr asmus­sen?”.… usw.
    dann werden die medien dem vergess­li­chen wähler auf die sprünge helfen und der schau­spie­ler stein­brück wird eine klat­sche einfah­ren die sich gewa­schen hat.
    ganz abge­se­hen davon: mein gedächt­nis funk­tio­niert hervor­ra­gend!
    ich werde einer „schrö­der-vermächt­nis-spd” niemals meine stimme geben!

  4. http://www.tagesspiegel.de/politik/nein/5502646.html

    sehr geehr­ter herr soeder,
    obigen artikel von rudolf hickel empfehle ich zu lesen.
    ich finde der artikel ist eine gute zusam­men­fas­sung von „wie kam es zur kapi­ta­lis­mus-krise” zu „ist-zustand” bis „was getan werden sollte”.
    viel­leicht verste­hen sie dann mich und andere, die in dieser hinsicht der kanz­ler­kan­di­da­ten-troika nicht sonder­lich viel zur lösung der probleme zutrauen. ein rezept, geschweige denn vorschläge haben sie nicht. also ginge es unter einem kanzler stein­brück weiter wie bisher: wursch­teln!
    .…auf dem rücken derer, die die spd vertre­ten sollte!

  5. .…genau das, liebe spd:
    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kanzelerkandidat-spd-braucht-programm-statt-personality/60120631.html

    ausser­dem würde ich der spd-führung drin­gendst raten, herrn stein­brück einen schuss vor den bug zu setzen! er wird eine wahl sowas von krachend verlie­ren! selbst wenn die wähler an totaler demenz leiden würden und als orien­tie­rung am wahltag nur in wiki­pe­dia nach­le­sen würden:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Peer_Steinbr%C3%BCck
    .…ich empfehle die abschnitte „wirt­schafts­krise” und „spd-bundes­tags­ab­ge­ord­ne­ter”

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