Mein linksradikales Utopia

Aufgrund von Kommentaren, Erfahrungen und Medienstimmen der letzten Jahre meiner poli­ti­schen Tätigkeit, möchte ich in diesem Artikel kurz charak­te­ri­sie­ren für welche Welt ich einstehe, wie das Ideal aussieht für das ich und viele andere Menschen kämpfen, die neuer­dings als „links­ra­di­kal“ oder gar „links­ex­tre­mis­tisch“ verschrieen werden.

Mein Utopia ist keine Stadt, kein Land, kein Staat, sondern eine Welt. Eine Welt in der alle Menschen in Frieden zusam­men­le­ben, ohne dass auch nur ein einzel­nes Individuum Not leiden muss. Eine Welt in der alle Menschen die maximal mögli­che Freiheit genie­ßen, solange sie dabei niemand anderen in seiner oder ihrer Freiheit einschrän­ken. Es soll eine welt­weite Gesellschaft der Akzeptanz und Toleranz sein, die es jedem Menschen ermög­licht sich selbst zu verwirk­li­chen. Eine Welt ohne Grenzen, mit unbe­grenz­ter Reisefreiheit und ohne jegli­che Ausgrenzung. Eine Welt in der die Menschen mit zukunfts­be­wuss­tem Handeln sowohl diese offene Gesellschaft, als auch die Natur und Ressourcen, die ihnen diese utopi­sche Welt ermög­li­chen, für kommende Generationen bewah­ren. Eine Welt in der die Menschen ein Miteinander leben, anstatt ein Gegeneinader und in der alle die Notwendigkeit einse­hen für die Gemeinschaft zu Handeln, ohne das dazu der Zwang durch Herrschaftsverhältnisse nötig ist. Eine Welt in der es Geld, wenn über­haupt, nur noch braucht, um eine gleiche und gerechte Verteilung des Wohlstandes zu ermög­li­chen, weil es nicht mehr um Profit geht, sondern um Menschen.

Der Weg zu diesem Utopia ist ein langer und stei­ni­ger, denn es gilt nicht nur viele physi­sche, sondern auch viele gedank­li­che Grenzen zu über­win­den. Ich kenne viele Menschen, welche die von mir beschrie­bene, utopi­sche Welt bejahen, aber dennoch nicht bereit sind etwas zu ändern. Zum einen, weil sie sich mit den bestehen­den Verhältnissen arran­giert haben und verdrän­gen, dass sie ein Leben auf Kosten Anderer leben. Und zum anderen, weil sie die Hoffnung auf jegli­che Veränderung aufge­ge­ben haben oder nie hatten. Oft gehen diese beiden Einstellungen Hand in Hand.

Niemand sagt, dass es einfach wird, im Gegenteil. Aber wenn wir nicht bereit sind, gegen die herr­schen­den Verhältnisse aufzu­be­geh­ren und weiter­hin die schrei­en­den Ungerechtigkeiten dieser Welt akzep­tie­ren, dann verur­tei­len wir die kommen­den Generationen ebenso in diesem menschen­ver­ach­ten­dem System zu leben. Haben sie das verdient? Nein, haben sie nicht! Deshalb müssen wir die Blockaden dieser Welt bekämp­fen, sowohl die gedank­li­chen als auch die physi­ka­li­schen.

Weil sich die Notwendigkeit dieser neuen, utopi­sche Welt allein aus der mensch­li­chen Vernunft ergibt, ist es unsere Verantwortung den jungen Menschen dieser Erde ein größtes Maß an Bildung zukom­men zu lassen und zwar ausnahms­los allen, egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welchen Glaubens und welcher Sexualität. Wenn wir eine bessere Zukunft wünschen, dann darf Bildung keine Ware sein, sondern muss selbst­ver­ständ­lich an alle nach­fol­gen­den Generationen weiter­ge­ben werden, auf dass sie nach bestem Wissen und Gewissen für eine neue und bessere Welt einste­hen können!
Dabei sollte es sich jedoch weniger um Bildung handeln, die es den jungen Menschen ermög­licht ihre Verwertbarkeit für das vorherr­schende, kapi­ta­lis­ti­sche Elendssystem zu stei­gern. Es geht um Bildung, die es ihnen ermög­licht über das herr­schende System hinaus­zu­den­ken und sich eine neue, bessere Welt zu erträu­men, diese konkret fest­zu­ma­chen und die notwen­di­gen Änderungen umzu­set­zen!

Eine weitere Handlungsmaxime, die sich aus der eingangs beschrie­be­nen Utopie ergibt, ist es die Missstände in dieser Welt aufzu­zei­gen, ihre Ursachen im kapi­ta­lis­ti­schen System zu erken­nen und dies öffent­lich zu benen­nen und zu erklä­ren, immer und überall. Je mehr Menschen auf die Probleme aufmerk­sam gemacht werden, je öfter das passiert, desto schwe­rer ist es das Leiden als unwi­der­bring­li­che Begleiterscheinung des Kapitalismus zu leugnen, oder zu verdrän­gen. Je präsen­ter die Ursachen und Zusammenhänge sind, desto einfa­cher ist es den Menschen die Notwendigkeit einer Veränderung zu erklä­ren.
Da die Utopie welt­um­span­nend ist, lässt sie sich nur durch­set­zen, wenn die Mehrheit der Bevölkerung aller Kontinente dahin­ter steht und bereit ist gegen alle Widerstände der Herrschenden, die von der jetzi­gen, kapi­ta­lis­ti­schen Ordnung profi­tie­ren, aufzu­be­geh­ren. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit möglichst viele Menschen welt­weit zu infor­mie­ren und zu bilden, damit sie diese Utopie mit uns teilen und weiter verbrei­ten!

Wo immer die menschen­ver­ach­ten­den Auswirkungen des Kapitalismus sicht­bar werden, sind wir verpflich­tet öffent­lich sicht­bar dagegen aufzu­be­geh­ren und das in einer Art und Weise, welche den Menschen die Sachverhalte und Zusammenhänge klar werden lässt und sie so zum Nachdenken und Mitdemonstrieren anregt. Die besag­ten Nebenprodukte des kapi­ta­lis­ti­schen System sind viel­fäl­tig und oft auf den ersten Blick diesem schwer zuzu­ord­nen. Sie reichen von Verelendung, Diskriminierung, Ausgrenzung, bis hin zu daraus resul­tie­ren­dem Faschismus, Hunger und Krieg. In meinem und unserem Utopia soll es derlei nicht mehr geben!

Macht mich diese Utopie und mein Eintreten dafür nun zu einem links­ra­di­ka­len Element unserer jetzi­gen, kapi­ta­lis­ti­schen Gesellschaft? Wenn dem so ist, dann bin ich wohl aus Überzeugung links­ra­di­kal und viele meiner Genoss*innen ebenso!

Autor: Roter Claus

Provokant, überspitzt, abgrundtief ehrlich und in jedem Fall polarisierend: Alltägliche Gedanken zu Politik und Weltgeschehen. Immer mit einer Priese Sozialismus und voller Halbwahrheiten!

11 Gedanken zu „Mein linksradikales Utopia“

  1. Macht mich diese Utopie und mein Eintreten dafür nun zu einem links­ra­di­ka­len Element unserer jetzi­gen, kapi­ta­lis­ti­schen Gesellschaft?

    Wohl eher zu einem sehr jungen und uner­fah­re­nen.

  2. „Macht mich diese Utopie und mein Eintreten dafür nun zu einem links­ra­di­ka­len Element unserer jetzi­gen, kapi­ta­lis­ti­schen Gesellschaft?”

    Mal abge­se­hen davon, dass ich die Einschätzung, die Gesellschaft in Deutschland wäre beson­ders „kapi­ta­lis­tisch” einge­stellt über­haupt nicht nach­voll­zie­hen kann, würde ich sagen: Nö. Utopien sind okay und dürfen auch gerne idea­lis­tisch sein. Spannend und poten­zi­ell „links­ra­di­kal” (was ja auch alles Mögliche heißen kann) wird eine Utopie erst durch die Wahl der Mittel sie in die Tat umzu­set­zen. Wenn man sie zum Beispiel poli­tisch versucht durch­zu­set­zen, also letzt­lich mit Gewalt, ist man wohl defi­ni­tiv links­ra­di­kal einge­stellt und wird den freien Willen von Millionen Menschen brechen müssen, was sicher­lich den Nachteil haben dürfte, das viele Menschen sich mit deinem Traum eher nicht so richtig anfreun­den werden. Zumal „gleiche Verteilung” ja irgend­wie impli­ziert, das vielen Leuten erstmal etwas wegge­nom­menw werden müsste. Wenn die das nicht frei­wil­lig geil finden, hat sich das Ziel des Friedens ja schon­mal erle­digt.

    Aber Utopien sind ohnehin norma­ler­weise dann besser, wenn sie Utopien bleiben. Wenn man sie versucht zu verwirk­li­chen sterben erfah­rungs­ge­mäß immer sehr viele Menschen.

  3. Kopf hoch !
    Es werden sich Menschen finden lassen die bereit sind für dieses Utopia über Leichen zu gehen.
    Das ist bereits schon einmal gesche­hen, und das wird immer wieder gesche­hen.

    Ein Utopia das nur funk­tio­nie­ren kann wenn es die gesamte Welt umfasst ist tota­li­tär.
    Was geschieht mit denen die sich über das Wesen des Kapitalismus aufklä­ren und nicht zu den glei­chen Schlüssen kommen ? Ist für die Platz in diesem Utopia ?

    Bildung soll übri­gens ermög­li­chen ein freies uns selbst­be­stimm­tes Leben zu führen.
    Dazu gehört auch das erler­nen eines Berufs, der es einem Menschen ermög­licht selber Waren oder Dienstleistungen zu produ­zie­ren und mit anderen Menschen auszu­tau­schen.
    Diese Waren und Dienstleistungen dienen dazu die Bedürfnisse der Menschen zu stillen, dazu zählt auch das Bedürfnis nach Bildung.

    Die Vorstellung das Bildung keine Ware sein soll zeigt IMHO einen elitä­ren Bildungsbegriff der nur dazu dient momen­tane Ungerechtigkeiten im Bildungssystem zuguns­ten der Eliten zu festi­gen.
    Bildung darf keine Ware sein ist die Parole der Bonzenkindern die auf Staatskosten eine Berufsausbildung zum Arzt machen, das als Bildung dekla­rie­ren und kein Problem damit haben das andere für ihre Berufsausbildung arbei­ten oder zahlen müssen.

  4. „Eine Welt in der alle Menschen die maximal mögli­che Freiheit genie­ßen, solange sie dabei niemand anderen in seiner oder ihrer Freiheit einschrän­ken”

    Diese Maxime steht so ziem­lich im Widerspruch zu allem, was sich typi­sche Linke so wünschen. Insbesondere auch zu dem, was sie unter „gleiche und gerechte Verteilung des Wohlstandes” verste­hen.

    1. Wenn man Freiheit nur als Verpflichtung zum Zusammenraffen von möglichst viel Eigentum defi­niert, hast Du Recht. Das ist die gängige neoli­be­rale Definition von Freiheit. Den Menschen davon zu befreien ist die linke Definition von Freiheit.

      1. Ich kenne keinen Liberalen, der Freiheit so versteht. Du soll­tets deine Vorurteile nicht mehr der Realität verwech­seln.

        Dass Linke andere Menschen gern von deren Eigentum „befreien” wollen, ist einer der vielen Widersprüche zu der oben genann­ten Maxime.

  5. „Eine Welt [..] in der alle die Notwendigkeit einse­hen für die Gemeinschaft zu Handeln, ohne das dazu der Zwang durch Herrschaftsverhältnisse nötig ist.”

    und

    „Deshalb müssen wir die Blockaden dieser Welt bekämp­fen, sowohl die gedank­li­chen als auch die physi­ka­li­schen.”

    Ergibt das nicht zusam­men: Handle frei­wil­lig für „die Gesellschaft” oder wir bekämp­fen Dich ?

  6. Ich bin 29 und komme aus Lettland. Ich habe mit meinen eigenen Augen ein Linkes Elendssystem erlebt und die folgen so eines Systems, wie Sie wissen war ganz Baltikum ca. 50 Jahre durch die russen-komu­si­ten besetzt.

    Wollen Sie wirk­lich in einem Linken-Elendssystem leben? In dem Sie nie aus einer grauen und von Armut und staat­li­cher Willkür gepräg­ten Existenz heraus­kom­men können, in der nur eine „Oberschicht” an Parteibonzen ein Leben in Luxus und Braus führt?

    Denken Sie bitte nur an eins. Wieso werden alle Länder mit einer Roten-Sozialistischen Regierung zu einer Pseudo-Diktatur? Weil die Ideen nicht funk­tio­nie­ren und die Menschen dieses System sofort abwäh­len würden. Als neues­tes Beispiel scheuen Sie sich nur Venezuela an — früher eine flurie­rende Demokratie, jetzt eine von Armut und Gewallt geplagte Diktatur in der nur Hugo Chavez in Luxus lebt.

  7. klasse. Während die einen noch über eine opti­male Verwendung der zu knappen Resourcen rätseln, vertei­len Sozialisten den Wohlstand schon­mal gerecht.

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