Früchte des vergifteten Baumes

8. Oktober 2011
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Die aktuellen Meldungen zum sog. „Bundestrojaner” sind schlimm. Besonders erhellend ist der Kommentar von Frank Schirrmacher. Der CCC (Chaos Computer Club) hat sich mit der Entschlüsselung des „Staatstrojaners” erneut große Verdienste um Demokratie und Freiheit erworben, die nicht zu gering geschätzt werden können.

Unabhängig von den sozialen, kulturellen und politischen Implikationen, die sich aus der Sachlage ergeben: auf die Schnelle fällt mir nur ein, für Deutschland zu fordern, ein „erweitertes Verwertungsverbot” gesetzlich festzuschreiben. Denn der Gesetzgeber, das Parlament, wollte diesen „Bundestrojaner” nicht. Es waren die Behörden, der Apparat, der hier wie wild am Rad gedreht hat. Der Apparat ist viel zu gierig. Diese Gier kann man nicht effektiv bekämpfen, denn die Behörden und Dienste arbeiten im Geheimen. Man kann nur dafür sorgen, dass die Gier nach Daten und Wissen keine Früchte trägt. Deshalb muss die sog. „Früchte des vergifteten Baumes”-Doktrin nach US-Vorbild gesetzlich festgeschrieben werden. Nur so kann der Gesetzgeber es erreichen, dass Gerichte die unrechtmäßig erhobenen Daten nicht verwenden dürfen, wodurch der Anreiz für den Apparat, diese Daten zu erheben, dramatisch sinkt.

Die weiteren moralischen, soziologischen und demokratischen Aspekte, die sich aus den neuen Tatsachen und Möglichkeiten ergeben, müssen ebenfalls bearbeitet werden, völlig klar — jetzt brauchen wir aber vor allem eine pragmatische Lösung.

PS: Ich bin kein Jurist.


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7 Responses to Früchte des vergifteten Baumes

  1. Schwoab on 8. Oktober 2011 at 22:54

    Das scheint wohl eine sehr SPD-spezifische Krankheit zu sein, dass man urplötzlich unter Amnesie zu leiden scheint, wenn der Dreck aus der eigenen Regierungszeit *endlich* zu Tage kommt und wiederum beweist, dass keine der etablierten Parteien — auch keine SPD — daran interessiert ist, eine bürgernahe und freiheitliche Politik zu machen.

    Und was sagt uns das wiederum über den Zustand unserer Demokratie? Eine Farce… Ein riesen Schauspiel… ;) Keiner wird ‚s besser machen und die pragmatischen Lösungen wird die SPD zwar jetzt *heucheln*, aber sobald man selbst wieder Regierungsverantwortung trägt, wird die Grundrechtsschere wieder angesetzt, wie beim Otto-Katalog, als dieser ganze Wahnsinn erst so richtig begann.

  2. jürgen on 9. Oktober 2011 at 09:59

    noch was:

    WER FREIHEIT AUFGIBT UM SICHERHEIT ZU GEWINNEN, DER WIRD AM ENDE BEIDES VERLIEREN.„
    (benjamin franklin)

    der mann oben rechts auf ihrer seite würde diesen satz dick und mehrfach unterstreichen. das brauch ich ihnen nicht zu sagen, das wissen sie!

  3. F.Alfonzo on 9. Oktober 2011 at 20:05

    @ Chrsitian: Verwertungsverbot kann nur in einem Land funktionieren, in dem Grundrechte bedingungslos gelten (und nicht nur nach Deutscher Tradition so lange, bis sie durch entsprechende Gerechtigkeits– und Allgemeinwohl-Gesetze ausser Kraft gesetzt werden).

    In Deutschland werden seit Jahrzehnten tagtaeglich Beweise verwertet, die in illegalen Hausdurchsuchungen entdeckt werden, die darueberhinaus auch noch aus voellig anderen Gruenden durchgefuehrt wurden. Art. 13 GG ist also schon mal ein Witz.

    Hier geht es um dem Schutzbereich des an sich wesentlich schwaecheren Art. 2 GG, der Definitionsgem. schon durch beliebige Gesetze eingeschraenkt werden kann…

    So zieht sich das durch den gesamten Grundrechtskatalog. Das politische Prinzip ist: „Wir verstossen nicht gegen Grundrechte, also koennen wir machen was wir wollen”. Von Leuten die so argumentieren ist sicherlich keine Selbstbeschraenkung i.S.E. Verwertungsverbots zu erwarten. Erschwerend hinzu kommt auch, dass Behoerden, die wissentlich gegen das Grundgesetz verstossen auch keinerlei Sanktionen zu erwarten haben. Jedenfalls ist mir kein einziger Fall bekannt.

  4. matt on 10. Oktober 2011 at 18:11

    Interessante Idee, soll das Verwertungsverbot dann auch für Steuer-CDs gelten?

  5. Alreech on 12. Oktober 2011 at 22:40

    Hm, ich vermute mal das gestohlene Daten und Bundestrojaner nicht mehr so unbeliebt sind, wenn es um Steuerhinterziehung geht. ;)

    Immerhin hat der Staat das Recht einem Alles zu nehmen,da er es besser als man selbst verwenden kann.
    Und jedes Bisschen was er uns in seiner Gnade übrig lässt, sind Geschenke für die er sich rechtfertigen muß.
    Etwa wenn es Steuergeschenke für Reiche oder Hotels gibt.

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