Das Thema „Frauen in der Politik” bzw. „Frauenquote” wurde hier im Blog schon mehrmals bearbeitet. Die Piratenpartei, das ist den Leserinnen und Lesern dieses Blogs sicherlich bekannt, ist eine junge neue Partei, die zu gefühlt 90 Prozent aus Männern besteht. Genaue Zahlen liegen mir nicht vor, da diese von der Piratenpartei nicht erhoben werden — man definiert sich selbst schließlich als Post-Gender-Partei. Fakt ist: die neue Piratenfraktion in Berlin besteht aus 14 Männern und einer Frau. (Aktuell debattieren die Piraten übrigens, ob sie wirklich transparent sein wollen oder ob das nicht nur für andere gelten soll. Der erste Wahlbetrug wird also jetzt schon vorbereitet — als Oppositionspartei. Das muss man erst einmal schaffen.) Nun, die Zusammensetzung der neuen Fraktion hatte einen sehr polemischen Text von Michael Angele im „Freitag” zur Folge, Tenor: die Piratenpartei ist jung-männlich-weiß. Wie es im Internet so ist, werden auch Kritiker kritisiert: „So verfährt auch Michael Angele, wenn er sich das Wissen, das ihm laut eigener Aussage zu borniert erscheint, mal selbst zu eigen macht, um sich mit Hilfe einer Partei gleich mal ein bisschen progressiv zu fühlen.” Nun, Texte im „Freitag” und in Blogs entfalten naturgemäß keine große Breitenwirkung — Texte bei „Spiegel Online”, insbesondere wenn sie von so hervorragenden Autorinnen wie Sibylle Berg geschrieben werden, hingegen schon: Sibylle Berg stellt die Debatte vom Kopf auf die Füße und stellt fest: „Die Männer machen, was sie immer machen, sie verengen das Blickfeld, vernachlässigen Körper– und Familienpflege und arbeiten an etwas, das ihnen sinnvoll erscheint, aus welchen Gründen auch immer. Die Frauen tun derweil ebenfalls das, was sie oft tun: Sie würden auch gerne, aber da muss erst noch der Besuch bei den Eltern sein, der Ausflug mit Gernot, die Epilation, das gute Buch, das Studium, der brillante Film, der Schlaf, das Telefonat, und Politik ist nicht besonders aufregend.” Das ist natürlich furchtbar polemisch, aber es ist eben so: Polemik funktioniert nur, wenn sie einen wahren Kern trifft. Ansonsten würde man diese noch nicht einmal ignorieren, wie man so schön sagt. (Am Rande bemerkt: dass die fantastischen Berg-Texte bei „Spiegel Online” unter „Kultur” und nicht unter „Politik” laufen lässt tief blicken. Die meist flachen Textchen von Fleischhauer und Augstein hingegen werden unter „Politik” abgelegt — Politik ist eben Männersache, Kultur wiederrum — okay, da darf auch mal eine Frau ran, man ist ja gar nicht so, nech?) Auf Twitter beschweren sich Piraten, dass der Berg-Text völlig falsch wäre, schließlich habe man progressive Beschlüsse hinsichtlich Kinderbetreuung etc. pp. Nun gut. Das mag sein. Aber Papier ist geduldig. Entscheidend ist letztendlich die Tat, nicht das Wort. Zwei Beispiele: obwohl die SPD Baden-Württemberg gegen die Vorratsdatenspeicherung ist, setzt sich der SPD-Innenminister Baden-Württembergs dafür ein. (Es soll keiner sagen, ich habe eine tiefrote Brille auf.) Und obwohl die Grünen für kostenlose Kitas sind, war ihnen die Subventionierung der Öko-Bauern in Baden-Württemberg wichtiger. Die SPD konnte sich hier leider nicht durchsetzen.
Kurz und gut: es ist gut, eine progressive Beschlusslage zu haben. Ausreichend ist das aber mitnichten. Noch immer gibt es Podien, auf denen keine Frau vertreten ist, selbst bei den Grünen, wie oben verlinkt; und wenn feministische Forderungen wie gebührenfreie Kitas im Zweifelsfall anderen Themen weichen müssen, dann bringt das den Frauen auch nichts. Auch in der SPD ist hier noch ein weiter Weg zu gehen. Es geht voran, aber es ist nicht leicht. (Wenn man als Mann diese Themen bearbeitet, wird man zudem nicht wirklich für voll genommen. Ist halt doch ein Frauenthema, gell!)
tja, kaum sind sie gewählt.…..
aber ich habs ja eh schon gewusst: „es ist unfair, politiker an ihren wahlversprechen zu messen!„
ich sag ihnen meine meinung, herr soeder:
wie die medien die unerfahrenheit dieser (mir übrigens sehr sympathischen truppe) vorführt ist einfach nur noch widerlich.….. genauso wie der „willkommensgruß im parlament” der roth an die piraten.… einfach nur noch zum kotzen arrogant!
.… und auf meinung und kommentare des ehemaligen nachrichtenmagazins SPIEGEL ist eh gesch.…..!
wahlbetrug ist meiner meinung aber auch was ganz anderes:
nicht den willen des volkes berücksichtigen!
die justizministerin hat recht: über zwei drittel der bürger wollen die vorratsdaten-speicherung nicht.
wetten sie kommt mit spd-hilfe sobald die fdp weg vom fenster ist?
soweit ich weiß, gehts heute in berlin stuerabkommen mit der schweiz. auf das verhalten der spd in bundestag und bundesrat bin ich äusserst gespannt! sie auch????
herr soeder, die spd sollte sich lieber gedanken machen wie es kommen konnte, dass die piraten ins parlament einziehen!
Bin nur bis zur Debatte über Transparenz gekommen. Das war mir schon zu doof ;) Sorry.
BTW. Gerade wird gestreamt und hier ist das ProtokollPad: https://fraktion.piratenpad.de/sitzung110922
Tjo.
> Und obwohl die Grünen für kostenlose Kitas sind, war ihnen die Subventionierung der Öko-Bauern in Baden-Württemberg wichtiger.
> und wenn feministische Forderungen wie gebührenfreie Kitas im Zweifelsfall anderen Themen weichen müssen, dann bringt das den Frauen auch nichts
Wie viele Frauen (und Männer), die auf kostenlose Kitas angewiesen wären, wählen denn überhaupt grün?
Die neue Volkspartei, die keine ist
http://www.nachdenkseiten.de/?p=8850