Lesetipp: „Der rechte Abschied von der Politik”

6. August 2011
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Ein fabelhafter Artikel:

Charles Moore ist Konservativer bis in die Knochen. … Moore schreibt: „Ich habe mehr als 30 Jahre gebraucht, um mir diese Frage zu stellen. Aber heute muss ich es tun: Hat die Linke doch Recht?” Und fährt fort: „Die Reichen werden reicher, aber die Löhne sinken. Die Freiheit, die dadurch entsteht, ist allein ihre Freiheit. Fast alle arbeiten heute härter, leben unsicherer, damit wenige im Reichtum schwimmen. Die Demokratie, die den Leuten dienen sollte, füllt die Taschen von Bankern, Zeitungsbaronen und anderen Milliardären.” …

Unbedingte Leseempfehlung.

Kurz zusammengefasst: Linke müssen begreifen, dass der radikale Flügel der Republikaner, die sog. „Tea Party”, kein normaler politischer Gegner ist. Es ist kein Gegner, der andere Ansichten vertritt, bei einer Niederlage aber die Niederlage einsieht und zu Kompromissen bereit ist. Nein: „Tea Party” und Konsorten sind der Feind, der bekämpft werden muss.


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9 Responses to Lesetipp: „Der rechte Abschied von der Politik”

  1. Rayson on 6. August 2011 at 22:37

    Eye, nicht Exemplare… Sch… Handy ;-)

  2. Frank on 7. August 2011 at 08:51

    Sehr guter Artikel. Bringt sehr gut den Frontverlauf auf den Nenner: Liberalismus ist de facto immer der Liberalismus der Privilegierten. „Freiheit” ein Kampfbegriff dieser Privilegierten.

    Es geht ihnen nie um mehr Freiheit für die, von deren Ausbeutung sie leben. Es geht ihnen immer nur um die Ausdehnung ihrer eigenen Privilegien. Die Gefahr dieser neuen Oligarchen liegt in ihrer Kompromisslosigkeit. Sie verlangen die Übernahme ihrer Spielschulden durch den Steuerzahler — da zählen sie sich nicht zu den Steuerzahlern. Aber gleichzeitig fordern sie Steuersenkungen für sich.

    Mit anderen Worten: Klare Grenzziehung zwischen dem oberen 1% und dem Rest.

    Es läuft komischerweise auch immer so, dass die Konservativen von den Demokraten einen ausgeglichenen Haushalt übernehmen und diesen dann für ihre Kriege ausbeuten. Kriege nach außen, für Öl. Kriege nach innen, für die Überwachung der Mittel– und Unterschichten.

    Und erst wenn die Gewinne aus diesen politischen Projekten privatisiert sind, gehen sie daran, die Kosten zu sozialisieren. Und wenn es dann richtig ungemütlich wird, lassen sie die Demokraten ran.

    Vielleicht sollte Obama vor der nächsten Wahl einfach sagen: Zieht Euren Karren selbst aus dem Dreck. Wenn es der Mehrheit der Amerikaner zu hart wird, werden die schon auf Washington marschieren..

    • der_gude_don on 7. August 2011 at 10:12

      jaja, der gute Obama. Guantanamo geschlossen, weniger Soldaten in den Krieg geschickt, Gesundheitssystem verbessert und Haushalt konsolidiert. Und jetzt stänkern die doofen Republikaner noch rum.

      • jnnj on 10. August 2011 at 07:32

        Jaja, die guten Republikaner… Wer hat Guantanamo geöffnet, Kriege angefangen, die Gesundheit der amerikanischen Bevölkerung in den Händen von Pharma-Konzernen gelassen und das militäre Budget explodieren gelassen? And dann muss der Obama alles zack zack regeln?

        • der_gude_don on 10. August 2011 at 21:42

          > Wer hat Guantanamo geöffnet

          warum hat er es denn nicht dicht gemacht, wenn die Demokraten das angeblich soooo anders sehen?

          > und das militäre Budget explodieren gelassen?

          das war dann ja mal wohl Obama :-D

          > And dann muss der Obama alles zack zack regeln?

          zack zack”? hehe, weder das noch nach mehreren Jahren …

  3. jpj on 8. August 2011 at 16:09

    Ich habe den Artikel Charles Moore’s gelesen. Moore stellt darin fest, welchen Dienst Murdoch der Pressefreiheit tat, als er diese in den 1980ern aus den Klauen der Gewerkschaften riss; was Murdoch daraus machte, sei hingegen bedauerlich und „die Rechte” habe dies zu spät bemerkt. Dann versucht Moore, eine Analogie zur Schuldenkrise der Politik zu bilden: Die Leichtigkeit, mit der ab den 1980ern Darlehen zu erhalten gewesen seien, hätte zwar zahllosen Kleinunternehmen überhaupt eine Existenz ermöglicht; aber Darlehen, die in den Konsum flössen, seien wenig hilfreich und die Garantien des Staates für die Darlehensgeber zeigten, dass dieses System bloß einige wenige bereichere. Die Kritik einiger Konservativer in den USA an den riesigen Staatsausgaben und Defiziten Obamas scheine richtig, aber deren Vertrauen in die Robustheit ihrer Volkswirtschaft sei ein Fehler.

    Mir scheint Moore’s Argumentation verworren. Seine Analogie wirkt gequält, seine Schlüsse folgen nicht. Dass die Darlehensblase in den Konsum und besonders in den Immobilienmarkt ging, lag nicht an der Dummheit verantwortungsloser Massen. Es war und ist das erklärte Ziel der Politik; Keynesianer Paul krugman lobte die amerikanische Zentralbank 2001 ausdrücklich für den „Boom sowohl in Eigenheimkäufen als auch in Darlehens-Refinanzierungen, was beides der Witschaft half, eine noch schlimmere Rezession zu erfahren” und forderte „rapide steigende Privatausgaben um kränkelnde Geschäftsinvestitionen auszugleichen”. Die Zentralbank solle „eine Immobilienblase zu erschaffen, um die Nasdaq-Blase zu ersetzen”. Es ist gerade die Tea Party — vermutlich die Konservativen, von denen Moore schreibt — die mit Ron Paul einen Präsidentschaftskandidaten unterstützten, der nicht strenger vor einer Wirtschaft auf Pump warnen und schärfer mit dem politischen Filz ins Gericht gehen könnte. Es ist gerade die Tea Party, die 2008 gegen das überparteiliche TARP-Programm rebellierte — ein Programm, das Obama unterstützt hatte und in dessen Zentrum die endgültige Verstaatlichung marktverzerrender Institute wie Fanny Mae und Freddy Mac standen, des Bankenversicherers AIG, von Chrysler und General Motors.

    Die Tea Party ist nicht der Feind — wenn man von von Tea-Party-Crashern wie Allen West, Paul Ryan und zuvorderst Sarah Palin absieht. Die Tea Party Ron Pauls und der anti-TARP-Demonstrationen setzt sich gerade aus jenen zusammen, die eben nicht zu den reichen Rupert Murdochs, Tim Geithners oder Erik Princes gehören; sie sind die Mehrheit, die immer härter für eine immer unsicherere Zukunft arbeiten sollen.

    Moore scheint mir ein Gefangener eines rinks-lechts-Schemas zu sein, das immer weniger mit der Wirklichkeit zu tun hat — falls es das jemals tat. lassen Wir diese Falle hinter uns.

  4. Frank on 14. August 2011 at 23:40

    Frank Schirrmacher von der FAZ hat Christians Lesetip und Moores Artikel inzwischen offenbar auch gelesen:
    http://www.faz.net/artikel/C30351/buergerliche-werte-ich-beginne-zu-glauben-dass-die-linke-recht-hat-30484461.html

    • jürgen on 15. August 2011 at 09:05

      wenn mit „die linke” nicht allegemein links/rot gemeint ist, sonder „die linke” (partei), dann stimme ich dem zu.
      ich verbinde „links” nicht unbedingt mit der spd.
      ich habe sarah wagenknecht gelesen „freiheit statt kapitalismus„
      es steht da sehr wenig bis garnichts drin, was die spd willy brandts nicht unterschreiben könnte.
      von wegen komunisten-schreckgespenst.…saudumme hetze!!!

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