Ich möchte die vier letzten Wahlen und die dazugehörigen Umfragen untersuchen. Den ersten Teil findet ihr hier. Und bitte schreibt mir nicht, dass es eine Fehlertoleranz gibt; das weiß ich auch selbst. Es ist trotzdem irrig, anzunehmen, dass bei einem Umfragewert von 4 % alle Ergebnisse zwischen 1 und 7 % gleich wahrscheinlich sind.
Sachsen-Anhalt (Quelle: wahlrecht.de):
| Institut | tatsächlich | FG Wahlen | Infratest dimap | Durchschnitt |
| CDU | 32,5 | 32 | 33 | 32,5 |
| SPD | 21,5 | 24 | 24 | 24 |
| Grüne | 7,1 | 5 | 5,5 | 5,25 |
| Linke | 23,7 | 24 | 25 | 24,5 |
| FDP | 3,8 | 5 | 4,5 | 4,75 |
| durchschnittliche Differenz | 1,3 | 1,3 | 1,2 |
Nur zwei Umfragen für diese Wahl, beide sehr nah am eigentlichen Ergebnis dran, keine signifikanten Unterschiede. Eine durchschnittliche Abweichung von lediglich 1,3 Prozentpunkten. Die Umfragen wurden vor dem Erdbeben erhoben, die Wahl fand nach dem Erdbeben und dem Nuklear-Unfall statt; das ist meiner Meinung nach ein hervorragendes Indiz dafür, dass die meisten neuen Grünwähler, die durch Fukushima hinzukamen, sonst wohl SPD gewählt hätten. Auf jeden Fall liegt hierin meine Erklärung dafür, dass die Grünen leicht unterschätzt wurden und die SPD überschätzt. Insgesamt aber gute Arbeit von den Instituten.
Baden-Württemberg:
| Institut | tatsächlich | FG Wahlen | Infratest dimap | Forsa | Emnid | YouGov | Durchschnitt |
| CDU | 39 | 38 | 39 | 38 | 38 | 36 | 38,25 |
| SPD | 23,1 | 22,5 | 22 | 24 | 23 | 22 | 22,88 |
| Grüne | 24,2 | 25 | 24 | 24 | 25 | 26 | 24,5 |
| Linke | 2,8 | 4,5 | 4,5 | 4 | 4 | 5 | 4,25 |
| FDP | 5,3 | 5 | 5,5 | 5 | 5 | 6 | 5,13 |
| durchschnittliche Differenz | 0,88 | 0,64 | 0,72 | 0,68 | 1,76 | 0,58 |
Außer YouGov haben alle Institute eine bemerkenswert gute Arbeit geleistet, den Ausgang der Landtagswahl in Baden-Württemberg vorherzusagen. Der Durchschnitt (aus dem ich die britische Firma YouGov herausgerechnet habe), ist sogar noch näher am tatsächlichen Ergebnis dran. Bemerkenswert auch hier wieder: Forsa hat, wie schon in NRW, die SPD als einzige Partei zu hoch eingeschätzt. Ich frage mich wirklich, was sie bei Landtagswahlen anders machen als bei bundesweiten Umfragen. Sieger hier ist Infratest dimap, allerdings liegen alle Insitute so nah beieinander, dass eine Rangfolge kaum Sinn macht.
Rheinland-Pfalz:
| Institut | tatsächlich | FG Wahlen | Infratest dimap | Emnid | Durchschnitt |
| CDU | 35,2 | 35 | 36 | 35 | 35,33 |
| SPD | 35,7 | 37 | 36 | 38 | 37 |
| Grüne | 15,2 | 13 | 13 | 13 | 13 |
| Linke | 3 | 4 | 4 | 4 | 4 |
| FDP | 4,2 | 5 | 5 | 5 | 5 |
| durchschnittliche Differenz | 1,1 | 1 | 1,3 | 1,1 |
In Rheinland-Pfalz gab es in der Zeit kurz vor der Wahl nur diese drei Umfragen; klar ist, dass die SPD im Schnitt ein wenig zu hoch, die Grünen zu niedrig eingeschätzt wurden. Auch hier sieht man wieder eine bemerkenswert geringe Abweichung bei allen Umfragen und kaum Differenzen zwischen den Instituten. Infratest dimap als knapper Sieger aber wieder zu knapp, als dass dies relevant wäre.
Bremen:
| Institut | tatsächlich | FG Wahlen | Infratest dimap | Durchschnitt |
| CDU | 20,3 | 19 | 20 | 19,5 |
| SPD | 38,6 | 37 | 36 | 36,5 |
| Grüne | 22,5 | 24 | 24 | 24 |
| Linke | 5,6 | 6 | 7 | 6,5 |
| FDP | 2,4 | 4 | 3 | 3,5 |
| durchschnittliche Differenz | 1,3 | 1,3 | 1,3 |
Wahlen in Stadtstaaten, vor Allem, wenn ich mir die Wahlsysteme betrachte, stelle ich mir als schwierig zu prognostizieren vor; jedoch haben auch hier die FG Wahlen und Infratest dimap sehr gute Zahlen geliefert, ein geringer durchschnittlicher Fehler, kaum Abweichungen.
Zu den vier hier untersuchten Wahlen haben die FG Wahlen und Infratest dimap die meisten Umfragen geliefert. Ihre Zahlen sind durch die Bank sehr aussagekräftig gewesen. Ausreißer gab es keine; die Fehlertoleranz ist gewahrt worden. Auch Emnid und Forsa waren recht gut dabei, ohne grobe Schnitzer und ohne Tendenz in irgendeine Richtung.
„Tagessieger“ ist Infratest dimap, allerdings, waren die Rennen so knapp, dass es wirklich keinen großen Unterschied macht. Glanzstück der Umfrager war Baden-Württemberg.
Ein paar Worte zu irgendwelchen Tendenzen:
- Die SPD wurde in Sachsen-Anhalt zu hoch angesetzt (Fukushima), sonst einmal ein bisschen zu hoch, einmal etwas zu niedrig: keine Tendenz.
- Die CDU zweimal ein klitzekleines bisschen unterschätzt (allerdings innerhalb der Fehlertoleranz).
- Die Grünen in Sachsen-Anhalt zu niedrig (Fukushima), ein paar Abweichungen sonst, allerdings wieder in keine Richtung.
- Die Linken wurden bei allen Wahlen von den Umfrageinstituten zu hoch angesetzt. Der Unterschied war nie besonders groß, aber spürbar. Vielleicht ist dies so etwas Ähnliches wie eine Tendenz.
- Die FDP ganz leicht überschätzt.
Insgesamt lässt sich, außer vielleicht, vielleicht bei der Linken, im Augenblick nicht ausmachen, dass Landtagwahlumfragen die Unterstützung einer Partei signifikant und einseitig falsch einschätzen würden.


Kommentare, Kommentare