Netanyahus Rede vor dem US-Kongress

Israels Ministerpräsident Binyamin Netanyahu hat am Dienstag eine Grundsatzrede vor dem ameri­ka­ni­schen Kongress gehalten, die im Folgenden in voll­stän­diger deut­scher Über­set­zung wieder­ge­geben wird:

Ihre herz­liche Begrüßung ist mir eine große Ehre. Und es ist mir eine große Ehre, dass Sie mir die Gelegenheit gegeben haben, ein zweites Mal das Wort an den Kongress zu richten.

Herr Vizepräsident, erin­nern Sie sich an die Zeit, da wir die Neuen in der Stadt waren?

Ich sehe eine Menge alter Freunde hier. Und ich sehe eine Menge neuer Freunde Israels hier. Demokraten wie Republikaner.

Israel hat keinen besseren Freund als Amerika. Und Amerika hat keinen besseren Freund als Israel. Wir stehen zusammen, um die Demokratie zu vertei­digen. Wir stehen zusammen, um den Frieden voran­zu­bringen. Wir stehen zusammen, um den Terrorismus zu bekämpfen. Herzlichen Glückwunsch, Amerika, herz­li­chen Glückwunsch, Herr Präsident. Sie haben bin Laden. Den wären wir los!

In einem insta­bilen Nahen Osten ist Israel der Anker der Stabilität. In einer Region wech­selnder Allianzen ist Israel Amerikas uner­schüt­ter­li­cher Verbündeter. Israel war immer pro-amerikanisch. Israel wir immer pro-amerikanisch sein.

Meine Freunde, in Israel müssen Sie keine Nationsbildung betreiben. Wir sind bereits gebildet. Nach Israel müssen sie die Demokratie nicht expor­tieren. Wir haben sie bereits. Sie müssen keine ameri­ka­ni­schen Truppen schi­cken, um Israel zu vertei­digen. Wir vertei­digen uns selbst. Sie sind sehr groß­zügig dabei gewesen, uns die Mittel zu geben, um die Verteidigung Israels selbst zu über­nehmen. Danke Ihnen allen, und danke Ihnen, Präsident Obama, für Ihre stand­hafte Verpflichtung gegen­über Israels Sicherheit. Ich weiß, die Zeiten sind wirt­schaft­lich schwer. Ich weiß es sehr zu schätzen.

Die Hilfe für Israels Sicherheit ist eine kluge Investition in unsere gemein­same Zukunft. Denn im Nahen Osten beginnt gerade ein gewal­tiger Kampf zwischen Tyrannei und Freiheit. Und ein großer Aufruhr erschüt­tert die Erde vom Khyber-Pass bis zur Straße von Gibraltar. Die Beben haben Staaten erschüt­tert und Regierungen zu Fall gebracht. Und wir alle können sehen, dass der Boden sich noch immer bewegt. Dieser histo­ri­sche Moment verspricht eine Morgenröte von Freiheit und Chancen. Millionen junger Menschen sind entschlossen, ihre Zukunft zu ändern. Wir alle blicken auf sie. Sie bringen Mut auf. Sie fordern Würde. Sie sehnen sich nach Freiheit.

Diese außer­ge­wöhn­li­chen Szenen in Tunis und Kairo erin­nern an die von Berlin und Prag 1989. Während wir ihre Hoffnungen teilen, müssen wir uns aller­dings auch daran erin­nern, dass diese Hoffnungen abge­würgt werden können wie 1979 in Teheran. Sie erin­nern sich daran, was damals passierte. Der kurze demo­kra­ti­sche Frühling im Iran wurde durch eine grau­same und uner­bitt­liche Tyrannei abge­bro­chen. Dieselbe Tyrannei erstickte die demo­kra­ti­sche Zedernrevolution im Libanon und brachte diesem leid­ge­prägten Land die mittel­al­ter­liche Herrschaft der Hisbollah.

So steht der Nahe Osten heute an einer schick­sal­haften Kreuzung. Wie Sie alle bete ich dafür, dass die Völker der Region den seltener beschrit­tenen Pfad, den Pfad der Freiheit, einschlagen werden. Niemand weiß besser als Sie, worin dieser Pfad besteht. Dieser Pfad wird nicht allein durch Wahlen geebnet. Er wird geebnet, wenn Regierungen Proteste auf städ­ti­schen Plätzen zulassen, wenn der Macht der Herrscher Grenzen gesetzt werden, wenn Richter Gesetzen verpflichtet sind und nicht Männern, und wenn Menschenrechte nicht von Stammesloyalität oder der Herrschaft des Pöbels zerschmet­tert werden.

Israel hat diesen Pfad, der im Nahen Osten lange Zeit zurück­ge­wiesen wurde, stets begrüßt. In einer Region, in der Frauen gestei­nigt, Schwule gehängt und Christen verfolgt werden, ragt Israel heraus. Es ist anders.

Die große engli­sche Schriftstellerin George Eliot sagte vor über einem Jahrhundert voraus, dass der jüdi­sche Staat nach seiner Gründung „wie ein heller Stern der Freiheit inmitten der Despotien des Ostens“ leuchten werde. Nun, sie hatte Recht. Wir haben eine freie Presse, unab­hän­gige Gerichte, eine freie Wirtschaft, stür­mi­sche parla­men­ta­ri­sche Debatten. Sie denken, Sie gehen hart mitein­ander um im Kongress? Dann verbringen Sie einmal einen Tag in der Knesset. Seien Sie meine Gäste.

Mutige arabi­sche Demonstranten kämpfen derzeit um dieselben Rechte für ihre Völker, für ihre Gesellschaften. Wir sind stolz darauf, dass mehr als eine Million arabi­sche Bürger Israels seit Jahrzehnten diese Rechte genießen. Von den 300 Millionen Arabern im Nahen Osten und Nordafrika genießen nur Israels arabi­sche Bürger wirk­liche demo­kra­ti­sche Rechte. Von diesen 300 Millionen Arabern ist weniger als ein halbes Prozent wirk­lich frei, und sie sind alle Bürger Israels!

Diese erstaun­liche Tatsache offen­bart eine Grundwahrheit: Israel ist nicht, was falsch ist am Nahen Osten. Israel ist, was richtig ist am Nahen Osten.

Israel unter­stützt das Verlangen der arabi­schen Völker in unserer Region auf ein Leben in Freiheit voll­ends. Wir sehnen uns nach dem Tag, da Israel eine von vielen wirk­li­chen Demokratien im Nahen Osten sein wird.

Vor 15 Jahren stand ich auf eben diesem Podium und sagte, die Demokratie müsse Wurzeln schlagen im Nahen Osten. Nun, sie hat begonnen Wurzeln zu schlagen. Dieser Anfang trägt das Versprechen einer strah­lenden Zukunft von Frieden und Wohlstand. Ich glaube nämlich, ein wahr­lich demo­kra­ti­scher Naher Osten wird ein wahr­haft fried­li­cher Naher Osten sein.

Aber während wir auf das Beste hoffen und hinar­beiten, müssen wir auch die mäch­tigen Kräfte erkennen, die sich dieser Zukunft wider­setzen. Sie wider­setzen sich der Moderne. Sie wider­setzen sich der Demokratie. Sie wider­setzen sich dem Frieden.

Unter diesen Kräften rangiert an erster Stelle der Iran. Die Tyrannei in Teheran behan­delt ihr eigenes Volk brutal. Sie unter­stützt Angriffe gegen ameri­ka­ni­sche Truppen in Afghanistan und im Irak. Sie knechtet den Libanon und Gaza. Sie finan­ziert den Terrorismus weltweit.

Als ich zuletzt hier stand, sprach ich von den schlimmen Folgen eines Iran, der sich atomar bewaffnet. Nun läuft die Zeit aus, und das Scharnier der Geschichte könnte sich bald umkehren. Denn die größte Gefahr für die Menschheit könnte bald über uns kommen: ein mili­tantes isla­mi­sches Regime mit Atomwaffen.

Der mili­tante Islam bedroht die Welt. Er bedroht den Islam. Ich habe keine Zweifel, dass er am Ende besiegt werden wird. Er wird am Ende den Kräften von Freiheit und Fortschritt unter­liegen. Aber wie andere Fanatismen, die zum Scheitern verur­teilt waren, könnte der mili­tante Islam vor seinem unver­meid­li­chen Untergang einen fürch­ter­li­chen Preis von uns allen fordern.

Ein atomar bewaff­neter Iran würde einen atomaren Rüstungswettlauf im Nahen Osten in Gang setzen. Er würde Terroristen einen nuklearen Schutzschirm bieten. Er würde den Albtraum vom nuklearen Terrorismus zu einer klaren und gegen­wär­tigen Gefahr auf der ganzen Welt machen. Ich will, dass sie verstehen, was das bedeutet. Sie könnten die Bombe überall plat­zieren. Sie könnten sie auf einer Rakete plat­zieren. Sie könnte auf einem Frachtschiff in einem Hafen oder in einem Koffer in der U-Bahn sein.

Die Bedrohung für mein Land kann nicht über­schätzt werden. Wer sie igno­riert, steckt seinen Kopf in den Sand. Weniger als sieben Jahrzehnte nachdem sechs Millionen Juden ermordet wurden, leugnen Irans Führer den Holocaust des jüdi­schen Volkes, während sie gleich­zeitig zur Vernichtung des jüdi­schen Staates aufrufen.

Politische Führer, die solches Gift versprühen, sollten aus jedem respek­ta­blen Forum auf dem Planeten verbannt werden. Aber es gibt etwas, was die Empörung noch größer macht: der Mangel an Empörung. In großen Teilen der inter­na­tio­nalen Gemeinschaft begegnet man den Aufrufen zu unserer Zerstörung mit schierem Schweigen. Es wird dadurch noch schlimmer, dass viele Israel dafür verur­teilen, dass es sich selbst gegen die Verbündeten des Iran verteidigt.

Aber nicht Sie. Nicht Amerika. Sie haben anders agiert. Sie haben das irani­sche Regime wegen seiner geno­zi­dalen Absichten verur­teilt. Sie haben harte Sanktionen gegen den Iran verab­schiedet. Die Geschichte wird es Amerika danken.

Präsident Obama hat gesagt, die Vereinigten Staaten seien entschlossen, den Iran daran zu hindern, Atomwaffen zu entwi­ckeln. Er veran­lasste den Sicherheitsrat mit Erfolg dazu, Sanktionen gegen den Iran zu verab­schieden. Sie im Kongress haben sogar noch härtere Sanktionen verab­schiedet. Diese Worte und Taten sind exis­ten­tiell wichtig.

Das Ayatollah-Regime stellte sein Atomprogramm nur einmal kurz ein, im Jahr 2003, als es die Möglichkeit einer mili­tä­ri­schen Aktion fürch­tete. Im selben Jahr gab Muamar Gaddafi sein Atomprogramm auf – aus demselben Grund. Je mehr der Iran glaubt, dass alle Optionen auf dem Tisch sind, desto geringer ist die Gefahr einer Konfrontation. Daher bitte ich Sie darum, weiter eine klare Botschaft zu über­mit­teln: dass Amerika niemals zulassen wird, dass der Iran Atomwaffen entwickelt.

Was Israel anbe­langt: Wenn die jüdi­sche Geschichte irgend­etwas lehrt, dann das, dass wir Aufrufe zu unserer Vernichtung ernst nehmen müssen. Wir sind eine Nation, die aus der Asche des Holocaust entstanden ist. Wenn wir ‚Nie wieder‘ sagen, dann meinen wir ‚Nie wieder‘. Israel behält sich stets das Recht auf Selbstverteidigung vor.

Meine Freunde, während Israel stets wachsam in seiner Verteidigung sein wird, werden wir nie unser Streben nach Frieden aufgeben. Ich nehme an, wir geben es auf, sobald wir ihn erreicht haben. Israel will Frieden. Israel braucht Frieden. Wir haben histo­ri­sche Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien erreicht, die für Jahrzehnte gehalten haben.

Ich erin­nere mich daran, wie es war, bevor wir Frieden hatten. Ich wurde bei einem Feuergefecht im Suezkanal beinahe getötet. Ich meine das wört­lich. Ich habe an den Ufern des Jordans gegen Terroristen gekämpft. Zu viele Israelis haben Angehörige verloren. Ich kenne ihre Trauer. Ich verlor meinen Bruder.

Niemand in Israel will also zu diesen fürch­ter­li­chen Zeiten zurück­kehren. Der Frieden mit Ägypten und Jordanien hat lange als ein Anker von Stabilität und Frieden im Herzen des Nahen Ostens fungiert.

Dieser Frieden sollte durch wirt­schaft­liche und poli­ti­sche Unterstützung aller geför­dert werden, die dem Frieden verpflichtet bleiben.

Die Friedensabkommen mit Ägypten und Jordanien sind lebens­not­wendig. Aber sie reichen nicht aus. Wir müssen auch einen Weg finden, um einen dauer­haften Frieden mit den Palästinensern zu schmieden. Vor zwei Jahren habe ich mich selbst einer Lösung von zwei Staaten für zwei Völker verschrieben: einem paläs­ti­nen­si­schen Staat an der Seite des jüdi­schen Staates.

Ich bin bereit, schmerz­hafte Kompromisse einzu­gehen, um diesen histo­ri­schen Frieden zu erzielen. Als Regierungschef Israels ist es meine Verantwortung, mein Volk zum Frieden zu führen.

Dies ist nicht leicht für mich. Ich sehe ein, dass wir bei einem wirk­li­chen Frieden einen Teil des jüdi­schen Heimatlandes werden aufgeben müssen. Das jüdi­sche Volk ist in Judäa und Samaria kein auslän­di­scher Besatzer. Wir sind nicht die Briten in Indien. Wir sind nicht die Belgier im Kongo.

Dies ist das Land unserer Vorväter, das Land Israel, in das Abraham die Idee des einen Gottes brachte, wo David sich Goliath entge­gen­stellte und wo Jesaia eine Vision von ewigem Frieden hatte. Keine Geschichtsverzerrung kann das vier Jahrtausende alte Band zwischen dem jüdi­schen Volk und dem jüdi­schen Land leugnen.

Aber es gibt noch eine andere Wahrheit: die Palästinenser teilen dieses kleine Land mit uns. Wir trachten nach einem Frieden, in dem sie weder Israelis Untertan noch seine Bürger sein werden. Sie sollen ein würde­volles natio­nales Leben führen als ein freies, lebens­fä­higes und unab­hän­giges Volk in ihrem eigenen Staat. Sie sollen eine pros­pe­rie­rende Wirtschaft haben, in der ihre Kreativität und unter­neh­me­ri­sche Initiative gedeihen können.

Wir haben bereits die Anfänge dessen gesehen, was möglich ist. In den letzten beiden Jahren haben die Palästinenser damit begonnen, ein besseres Leben für sich selbst aufzu­bauen. Ministerpräsident Fayad hat diese Bemühungen ange­führt. Ich wünsche ihm eine schnelle Genesung von seiner jüngsten Operation.

Wir haben der paläs­ti­nen­si­schen Wirtschaft geholfen, indem wir Hunderte von Straßensperren für den freien Verkehr von Gütern und Personen entfernt haben. Die Resultate sind sehr bemer­kens­wert. Die paläs­ti­nen­si­sche Wirtschaft boomt. Sie wächst um mehr als 10% pro Jahr.

Die paläs­ti­nen­si­schen Städte sehen heute ganz anders aus als noch vor wenigen Jahren. Sie haben Einkaufszentren, Kinos, Restaurants, Banken. Sie haben selbst E-Businesses. All dies geschieht ohne Frieden. Man stelle sich vor, was mit Frieden geschehen könnte. Frieden würde beiden Völkern eine neue Ära ankün­digen. Er würde den Traum eines umfas­sen­deren arabisch-israelischen Friedens zu einer realis­ti­schen Möglichkeit machen.

Hier ist also die Frage. Man muss sie stellen. Wenn die Vorzüge des Friedens mit den Palästinenser so klar sind, warum ist er uns versagt geblieben? Alle sechs israe­li­schen Ministerpräsidenten seit der Unterzeichnung der Osloer Verträge haben der Gründung eines paläs­ti­nen­si­schen Staates zuge­stimmt. Auch ich gehöre dazu. Warum ist also kein Frieden erreicht worden? Weil die Palästinenser bislang nicht bereit waren, einen paläs­ti­nen­si­schen Staat zu akzep­tieren, wenn dies bedeu­tete, daneben eine jüdi­schen Staat zu akzeptieren.

Sie sehen, unser Konflikt ging nie um die Gründung eines paläs­ti­nen­si­schen Staates. Er ging immer um die Existenz des jüdi­schen Staates. Dies ist es, worum der Konflikt geht. 1947 stimmten die Vereinten Nationen für eine Teilung des Landes in einen jüdi­schen und einen arabi­schen Staat. Die Juden sagten Ja. Die Palästinenser sagten Nein. In den letzten Jahren wiesen die Palästinenser zweimal gene­röse Angebote von israe­li­schen Ministerpräsidenten zurück, einen paläs­ti­nen­si­schen Staat auf nahezu dem gesamten Territorium zu errichten, das Israel im Sechs-Tage-Krieg gewonnen hatte.

Sie waren schlicht nicht willens, den Konflikt zu beenden. Und ich bedauere, sagen zu müssen: Sie fahren damit fort, ihre Kinder zum Hass zu erziehen. Sie nennen weiter öffent­liche Plätze nach Terroristen. Und – schlimmer noch – sie pflegen weiter die Phantasie, dass Israel eines Tages von den Nachkommen paläs­ti­nen­si­scher Flüchtlinge über­flutet werde.

Meine Freunde, dies muss ein Ende nehmen. Präsident Abbas muss tun, was ich getan habe. Ich stand vor meinem Volk — und ich sagte ihnen, es war nicht leicht für mich – und sagte: ‚Ich werde einen paläs­ti­nen­si­schen Staat akzep­tieren‘ Es ist Zeit, dass Präsident Abbas sich vor sein Volk stellt und sagt: ‚Ich werde einen jüdi­schen Staat akzeptieren.‘

Diese sechs Wörter werden die Geschichte verän­dern. Sie werden den Palästinensern klar machen, dass dieser Konflikt ein Ende nehmen muss. Dass sie nicht einen Staat aufbauen, um den Konflikt mit Israel fort­zu­führen, sondern um ihn zu verän­dern. Sie werden das israe­li­sche Volk davon über­zeugen, dass sie einen wirk­li­chen Partner für Frieden haben. Mit so einem Partner wird das israe­li­sche Volk bereit sein, einen weit reichenden Kompromiss zu machen. Ich werde bereit sein, weit reichende Kompromisse zu machen.

Dieser Kompromiss muss die drama­tisch demo­gra­phi­schen Wandlungen reflek­tieren, die seit 1967 vonstat­ten­ge­gangen sind. Die große Mehrheit der 650 000 Israelis, die jenseits der Grenzen von 1967 leben, wohnen in Vierteln und Vororten von Jerusalem und dem Großraum Tel Aviv.

Diese Gebiete sind dicht bevöl­kert, aber geogra­phisch recht klein. Nach jedem realis­ti­schen Friedensabkommen werden diese Gebiete, so wie andere Orte von stra­te­gi­scher und natio­naler Bedeutung in die endgül­tigen Grenzen Israels einge­glie­dert werden.

Der Status der Siedlungen wird nur in Verhandlungen entschieden werden. Aber wir müssen auch ehrlich sein. So sage ich heute etwas, das jeder, der es ernst mit dem Frieden meint, öffent­lich sagen sollte. Bei jedem Friedensabkommen, das den Konflikt beendet, werden einige Siedlungen jenseits der israe­li­schen Grenze verbleiben. Über die genaue Grenzziehung muss verhan­delt werden. Wir werden sehr groß­zügig in Bezug auf die Größe eines zukünf­tigen paläs­ti­nen­si­schen Staates sein. Aber wie Präsident Obama sagte, wird die Grenze anders verlaufen als die vor dem 4. Juni 1967. Israel wird nicht zu den nicht zu vertei­di­genden Grenzen von 1967 zurückkehren.

Wir sehen ein, dass ein paläs­ti­nen­si­scher Staat groß genug sein muss, um über­le­bens­fähig, unab­hängig und pros­pe­rie­rend zu sein. Präsident Obama hat zu Recht von Israel als dem Heimatland des jüdi­schen Volkes gespro­chen, so wie er auch vom zukünf­tigen paläs­ti­nen­si­schen Staat als Heimatland des paläs­ti­nen­si­schen Volkes gespro­chen hat. Juden aus aller Welt haben ein Recht darauf, in den jüdi­schen Staat einzu­wan­dern. Palästinenser aus aller Welt sollten – wenn sie sich dazu entscheiden – ein Recht darauf haben, in einen paläs­ti­nen­si­schen Staat einzu­wan­dern. Dies bedeutet, dass das paläs­ti­nen­si­sche Flüchtlingsproblem außer­halb der Grenzen Israels gelöst werden wird.

Was Jerusalem angeht: Nur das demo­kra­ti­sche Israel hat die Religionsfreiheit aller Glaubensrichtungen in der Stadt geschützt. Jerusalem darf nie wieder geteilt werden. Jerusalem muss die vereinte Hauptstadt Israels bleiben. Ich weiß, dass dies eine schwie­rige Angelegenheit für die Palästinenser ist. Aber ich glaube, mit Kreativität und gutem Willen kann eine Lösung gefunden werden.

Dies ist der Frieden, den ich mit einem paläs­ti­nen­si­schen Partner, der dem Frieden verpflichtet ist, zu schmieden plane. Aber Sie wissen sehr gut, dass im Nahen Osten nur ein Frieden Bestand haben wird, den man vertei­digen kann.

Der Frieden muss also in Sicherheit veran­kert sein. In den letzten Jahren hat sich Israel aus dem Südlibanon und aus Gaza zurück­ge­zogen. Aber wir haben keinen Frieden bekommen. Stattdessen wurden von Hisbollah und Hamas 12 000 Raketen von diesen Gebieten auf unsere Städte, unsere Kinder abge­feuert. Den UN-Friedenstruppen im Libanon ist es nicht gelungen, den Schmuggel dieser Waffen zu verhin­dern. Die euro­päi­schen Beobachter in Gaza haben sich über Nacht verflüch­tigt. Sollte Israel also einfach so die Gebiete verlassen, würde der Waffenstrom in einen zukünf­tigen paläs­ti­nen­si­schen Staat unkon­trol­liert sein. Raketen von dort könnten nahezu jedes Haus in Israel in weniger als einer Minute errei­chen. Ich will, dass sie auch daran denken. Stellen Sie sich vor, wir hätten jetzt weniger als 60 Sekunden Zeit, vor einer eintref­fenden Rakete Schutz zu suchen. Würden Sie so leben wollen? Würde irgend­je­mand so leben wollen? Nun, wir wollen auch nicht so leben.

Die Wahrheit ist, dass Israel aufgrund seiner einzig­ar­tigen Größe einzig­ar­tige Sicherheitsvorkehrungen benö­tigt. Israel ist eines der kleinsten Länder auf der Welt. Herr Vizepräsident, ich gestehe Ihnen das zu, es ist größer als Delaware. Es ist sogar größer als Rhode Island. Aber das ist es dann auch. Israel inner­halb der Grenzen von 1967 würde halb so breit sein wie der Washington Beltway.

Hier noch ein wenig Nostalgie. Zum ersten Mal kam ich nach Washington vor 30 Jahren als junger Diplomat. Ich brauchte eine Weile, aber am Ende stellte ich fest: Es gibt ein Amerika jenseits des Beltway. Aber Israel in den Grenzen von 1967 wäre nur 90 Meilen breit. So viel zur stra­te­gi­schen Tiefe.

Es ist also absolut lebens­not­wendig für Israels Sicherheit, dass ein paläs­ti­nen­si­scher Staat voll entmi­li­ta­ri­siert ist. Und es ist lebens­not­wendig, dass Israel eine lang­fris­tige mili­tä­ri­sche Präsenz am Jordan beibe­hält. Solide Sicherheitsvorkehrungen vor Ort sind nicht nur notwendig, um den Frieden zu schützen; sie sind auch notwendig, um Israel in dem Fall zu schützen, dass der Frieden zerbricht. Denn in unserer insta­bilen Region kann niemand garan­tieren, dass unsere Friedenspartner von heute morgen noch da sein werden.

Und wenn ich sage morgen, meine ich nicht irgend­einen entfernten Zeitpunkt in der Zukunft. Ich meine morgen. Frieden kann nur am Verhandlungstisch erreicht werden. Der paläs­ti­nen­si­sche Versuch, durch die Vereinten Nationen eine Lösung zu erzwingen, wird keinen Frieden bringen. Ihm sollte von allen, die das Ende dieses Konflikts sehen wollen, kraft­voll entge­gen­ge­treten werden.

Ich weiß die klare Position des Präsidenten in dieser Frage zu schätzen. Frieden kann nicht aufge­zwungen werden. Er muss verhan­delt werden. Aber er kann nur mit Partnern verhan­delt werden, die dem Frieden verpflichtet sind.

Und die Hamas ist kein Partner für Frieden. Die Hamas bleibt Israels Zerstörung und dem Terror verpflichtet. Sie haben eine Charta. Dies Charta ruft nicht nur zur Vernichtung Israels auf, sondern sagt: ‚Tötet Juden, wo immer ihr sie findet.‘ Der Führer der Hamas verur­teilte die Tötung Osama bin Ladens und pries ihn als heiligen Krieger. Nun möchte ich es aber­mals klar­stellen. Israel ist bereit, sich heute hinzu­setzen und mit der Palästinensischen Autonomiebehörde über Frieden zu verhan­deln. Ich glaube, wir können eine strah­lende Zukunft für unsere Kinder gestalten. Aber Israel wird nicht mit einer paläs­ti­nen­si­schen Regierung verhan­deln, die von der paläs­ti­nen­si­schen Version al-Qaidas gestützt wird.

So appel­liere ich an Präsident Abbas: Zerreißen Sie Ihren Vertrag mit der Hamas! Setzen Sie sich hin und verhan­deln Sie! Machen Sie Frieden mit dem jüdi­schen Staat? Und wenn Sie das tun, verspreche ich Folgendes: Israel wird nicht das letzte Land sein, das einen paläs­ti­nen­si­schen Staat als neues Mitglied der Vereinten Nationen will­kommen heißt. Es wird das erste Land sein, das dies tut.

Meine Freunde, die folgen­schweren Prüfungen des letzten Jahrhunderts und die sich entfal­tenden Geschehnisse dieses Jahrhunderts zeugen von der entschei­denden Rolle der Vereinigten Staaten bei der Förderung des Friedens und der Verteidigung der Freiheit. Die Vorsehung hat die Vereinigten Staaten zum Wächter der Freiheit gemacht. Unter den dank­barsten Nationen ist meine Nation, das israe­li­sche Volk, das gegen unmög­liche Widerstände für seine Freiheit und um sein Leben gekämpft hat, in früherer und in neuer Zeit gleichermaßen.

Ich spreche im Namen des jüdi­schen Volkes und des jüdi­schen Staates, wenn ich Ihnen, den Repräsentanten Amerikas, Danke sage. Danke Ihnen für Ihre uner­schüt­ter­liche Unterstützung Israels. Danke Ihnen für die Sicherstellung, dass die Flamme der Freiheit auf der ganzen Welt hell brennt. Möge Gott Sie alle segnen. Und möge Gott die Vereinigten Staaten für immer segnen.

3 Kommentare zu “Netanyahus Rede vor dem US-Kongress

  1. Bei aller Kritik, die ich auf dieser Website immer wieder übe. Ich aner­kenne, dass Sie auf dieser Website nicht in das allge­meine Israel-Bashing der poli­ti­schen Linken einstimmen .

    Danke für diese Doku.