Protest in Spanien: Linkliste

In Spanien protestieren Hunderttausende und in Deutschland erfährt man davon in den Massenmedien – nichts. Da mir für mehr die Zeit fehlt, gibt es hier nur ein paar Links – aber immerhin!

¡Democracia Real YA! No somos mercancía en manos de políticos y banqueros

Spreeblick: Regierungsproteste in Spanien – Nobody expects the #spanishrevolution [Update]

Kotzendes Einhorn: Massenproteste in Spanien

YuccaTreePost: Spanien: Die Revolution findet nicht statt – jedenfalls nicht in den Medien

taz: „Wir haben keine Zukunft“

Sehr überraschend, dass in Spanien anscheinend auf einmal die Stimmung umschlägt. Ich hatte schon befürchtet, man habe sich mit der Jugendarbeitslosigkeit von 20 Prozent arrangiert. Was viele nicht wissen: sehr viele Spanier (vielleicht die meisten) leben heute bis Anfang 30 daheim – nicht, weil sie es wollen, sondern weil sie keine Wahl haben: denn sie haben kein Geld für eine eigene Wohnung. Wer es hingegen sich leisten kann, flieht aus dem ländlichen Raum in die großen Städte. Die Landflucht ist ganz außerordentlich hoch. Eine aktuelle Umfrage ergab zudem, dass 75 Prozent der spanischen Studenten zum Arbeiten ins Ausland gehen wollen. 75 Prozent! Wenn sich nichts ändert, steht Spanien vor einem derart gewaltigen Braindrain, dass man sich fragen muss, wie Spanien jemals wieder wachsen soll.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

14 Gedanken zu „Protest in Spanien: Linkliste“

  1. Tja, die deutschen „Qualitätsmedien“ …

    Das Problem bei den spanischen Protesten ist halt, daß dabei de facto für die Beibehaltung und Verschärfung der Probleme demonstriert wird.
    Denn die jetzt abrupt abgebremste Schuldenwirtschaft ist ja die wesentliche Ursache für die Krise und die schlechten Wirtschaftsaussichten.

  2. Vielleicht wird 2011 das Jahr der Mittelmeer-Revolutionen. Die Menschen in Griechenland, Italien, Portugal & Spanien haben genauso Grund für Volksaufstände wie in den Staaten am Südufer.

    1. Das ist wahr.

      Allerdings: Die leben ja im menschennatürlichen System der Freiheit und Menschenrechte, vertreten durch ihre Regierungen. Daher wäre jeder Aufstand wegen elender materieller Verhältnisse auch illegitim und die Niederschlagung des „Krawalls“ und „Mobs“ zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung die Pflicht dieser den Menschenrechten verpflichteten Regierungen. Wer meint, bloß wegen Armut aufmucken zu müssen, ist kein ehrenwerter Demonstrant, sondern ein „Gauner“ (Sarkozy), der natürlich weggesperrt gehört. Ist doch klar.

    2. > Die Menschen in Griechenland, Italien, Portugal & Spanien haben
      > genauso Grund für Volksaufstände wie in den Staaten am Südufer.
      Und wer soll da konkret gegen wen aufstehen?

      Soll z. B. die Mehrheit in Griechenland einen Aufstand machen gegen den aufgeblähten öffentlichen Dienst, der die Überschuldung des Landes verursacht hat und derzeit mit „Generalstreiks“ versucht seine Privilegien zu retten?

      1. Deine Stoßrichtung ist klar, simpel und gemein.

        Wenn die bezahlte Arbeit und damit der Lebensstandard von Menschen nicht für’s Kapitalwachstum oder die Haushaltssanierung taugt, dann taugt sie gar nichts. Dann soll sie unterbleiben und die Menschen verarmen. Alles andere ist „aufgebläht“.

        Kapitalwachstum und Staatshaushalt ist alles, was Dich interessiert. Das Elend der Leute interessiert Dich einen Dreck. Das willst Du vergrößern (z.B., in dem der aufgeblähte öffentliche Dienst eingestampft wird), um das Land zu retten.

        1. In Griechenland gibt es etwa doppelt so viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst als in anderen Ländern.
          Und das liegt nicht etwa daran, daß doppelt so viel für die Bürger getan wird – sondern daß alle möglichen Parteipolitiker ihre Freunde und Verwandte untergebracht haben. Die zwar Gehalt beziehen, aber in der Regel nichts arbeiten.

          Wenn daran die Staatskasse pleite geht, hat das nichts mit „Kapitalwachstum“ etc. zu tun, sondern ist schlichte Ausbeutung der normalen Bürger durch diese politischen Cliquen.

          1. „Wenn daran die Staatskasse pleite geht, hat das nichts mit „Kapitalwachstum” etc. zu tun, sondern ist schlichte Ausbeutung der normalen Bürger durch diese politischen Cliquen.“

            Ich hab‘ ja auch von der Staatskasse gesprochen und nicht nur von Kapitalwachstum.

            Im Übrigen: Dein Vorschlag ist doch nicht im Ernst, das Geld vom öffentlichen Dienst zu den „normalen“ Bürgern umzuverteilen, oder?

            Also: Dein Programm ist Verarmung zum Wohle von Staat und Kapital.

          2. > Dein Vorschlag ist doch nicht im Ernst,
            > das Geld vom öffentlichen Dienst zu den
            > „normalen” Bürgern umzuverteilen, oder?
            Sicher ist das mein Vorschlag – und das ist wohl auch der einzig sinnvolle.

            Griechenland hat doppelt so viele Leute im öffentlichen Dienst hat, wie gebraucht werden, und hat kein Geld, die überflüssigen Beamten zu besolden.
            Da ganze System hat überhaupt nur laufen können, weil beständig das Ausland Geld zugeschossen hat. Und wenn das aufhört, bleibt überhaupt nichts anderes übrig, als die Ausgaben den Einnahmen anzupassen.

            Oder aber man erhöht den griechischen Bürgern ganz krass die Steuern. Das wäre dann wirklich Verarmung.

          3. „Sicher ist das mein Vorschlag — und das ist wohl auch der einzig sinnvolle.“

            Also nochmal zum Mitschreiben: Du willst, dass im öffentlichen Dienst gespart wird und die gesparte Summe dann den „normalen“ Bürgern ausgezahlt wird?

  3. >Vielleicht wird 2011 das Jahr der Mittelmeer-Revolutionen. Die Menschen in Griechenland, Italien, Portugal & Spanien haben genauso Grund für Volksaufstände wie in den Staaten am Südufer.

    Nicht nur dort. Auch auf dem (Rest-)Balkan ist die Lage explosiv. In Serbien ist die Stimmung zwar noch resignativ, aber die Leute dirkutieren darüber, dass ein kleiner Funke rechen würde.

    In Kroatien gabs vor ein paar Wochen schon grössere Demonstartionen die ganz ähnliche Parolen hatten, wie die in Spanien.

    Von Bosnien & Herzegowina ganz zu schweigen. Die haben wohl noch zu viel Schiss, dass das ganze in einen neuen Krieg münden könnte. Aber auch das kann ganz schnell anders aussehen, wenns rundherum knallt.

    Es ist wirklich der ganze Mittelmeerraum, der bald hochgeht.

    Besser wird in diesem System auf jeden Fall nicht mehr.

  4. Nach Gerhard Schröder könnte Zapatero der nächste „Sozialdemokrat“ sein, dem neoliberale Politik den Job kostet. So wird aus dem Mr.-Bean-Double eine ganz echte Lachnummer.

    1. Wäre ja zu schön wenn die heutige SPD sich mal auf die Forderungen der Demonstranten beziehen würde und vielleicht auch einige Punkte übernimmt:

      http://www.nachdenkseiten.de/?p=9519

      Man braucht sich ja nur an einigen Punkten daran zu orientieren und schon würde der Wähler darauf reagieren…

      Wenn nicht wird wohl 2013 der Pariser Platz zu unserem Tahir Platz. Das wird dem Kanzler Gabriel dann aber nicht gefallen.

  5. Seit dem 1. Mai herrscht in Deutschland die nächste Stufe der europäischen Freizügigkeit, auch zahlreiche Osteuropäer dürfen Ihren Lebensmittelpunkt zukünftig nach D’land verlegen. Dazu kommt, das seit dem Januar 2005 die europäische Regelung gilt, das jeder Einwohner des jeweils europäischen Landes nach 5 Jahren Anspruch auf Sozialleistungen hat.

    Da würde mich jetzt glatt interessieren, was Ihr davon haltet?

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