betr. obigen link: bin ich jetzt antisemit?????
das bin ich garantiert nicht! es muß mir erlaubt sein, kritik an der vorgehensweise des staates israel zu üben.
grob gesagt ist meine meinung: würde der staat israel heute einseitig die waffen schweigen lassen, dann gibt es ihn morgen nicht mehr.
würden aber die palästinenser ein angebot machen, den staat israel anzuerkennen und ihn zu verhandlungen über die zukünftigen grenzen auffordern.…. dann käme israel in zugzwang und — deshalb habe ich zu beginn den link über die siedlugsgebiete gesetzt — in erklärungsnotstand! das ist meine meinung!
zudem habe ich verständnis für ein „besonderes verteidingsbedürfnis” des staates israel — und der juden — aufgrund der zweitausendjährigen christlich-jüdischen tradition (das sagt man heute so… das ist groß in mode! möcht mal wissen, welcher geschichtsdepp dies wortkombination erfunden hat!)
herr soeder… ich habe das gefühl, dass sie diese rede des herrn broder hier veröffentlichen um die linken zu diskriminieren. die rede ist nämlich nicht grade aktuellen datums. herr broder erwähnt den aussenpolitischen sprecher der PDS!!!
zu herrn broder: der mann ist nur noch naiv! wenn er der meinung ist, den antisemitismus bei den linken ausgemacht haben zu müssen, dann ist er völlig weltfremd! der antisemitismus geht in deutschland quer durchs politische regal und ist beängstigend weit verbreitet! mache sie einen test: fangen sie unauffällig eine diskusion über juden an einem x-beliebigen stammtisch an!
„der antisemitismus geht in deutschland quer durchs politische regal und ist beängstigend weit verbreitet!”
Völlig richtig. Genau das ist ja das Problem: dass die politische Linke glaubt, es gäbe innerhalb der politischen Linken keinen Antisemitismus. Das ist nun einmal falsch.
Israel ist so groß wie ein mittleres deutsches Bundesland. Es verfügt aber über eine der mächstigesten und modernsten Armeen der Welt. Jede 18-jährige kann mit einem MG schießen. Auf der anderen Seite sind Gaza und das Westjordanland: Gaza ist halb so groß wie Hamburg — es leben aber fast so genau viele Menschen dort. Außen rum ist eine 5 Meter hohe Mauer, durch die praktisch niemand kommt. Seit 40 Jahren sind diese Landesteile besetzt. Die längste Besetzung in der Neuzeit.
Die Araber dort verfügen über ein paar Kalaschnikows und über ein wenig Sprengstoff — keine Flugzeuge, keine Panzer, keine Kanonen — ab und so schmuggelt jemand einen Bausatz für eine Rakete nach Gaza…
Das Westjordanland wird mit einer Mauer durchzogen, die Stadteile und Familien trennt. Die Araber haben besondere — farblich unterschiedliche Pässe, mit denen nun wenige überhaupt nach Israel dürfen. Die meisten müssen sich alle paar Kilometer an Checkpoints von bewaffneten Jünglingen nerven lassen. Derweil wird ihr Land enteignet und bebaut. In der Innenstadt von Hebron muss sich die arabische Minderheitsbevölkerung seit Jahren von radikalen Siedlern bespucken und mit Müll bewerfen lassen.
Versteht mich nicht falsch. Was Israel da veranstaltet ist nicht im geringsten zu vergleichen mit einer systematischen Vernichtung. Wenn aber Israel Frieden haben wollte, hätte es das schon seit Jahrzehnten haben können. Die besetzten haben einfach nicht das Heft des Handelns in der Hand. Bitte das soll mir Broder mal erklären.
Und ich habe keine Lust mich dafür auch noch als Antisemit im Anzug beschimpfen zu lassen. Jeder Mensch hat das Recht, frei und in Frieden zu leben. Ich weiß, dass sich die Israelis historisch und geografisch ständig in ihrer Existenz bedroht sehen. Das kann ich verstehen und das ist auch in gewisser Weise sicher zutreffend. Ich kann da viel verstehen. Ich glaube aber nicht, dass die Palästinenser zu dieser Bedrohung entscheidend beitragen.
Ein Freund für Henryk Broder!
Das jüngste Buch von Henryk Broder, »Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror«, wird vom Berlin Verlag in Zeitungsannoncen so beworben: „Eine böse, aber große Polemik. – Gerhard Schröder, Bundeskanzler“. Ist hier die Angst im Spiel, man könne Gerhard Schröder ohne Nennung seines Berufs für die Dutzendmaske halten, die er ist? Noch peinlicher ist der Vorgang für Henryk Broder. Was ist ein Polemiker wert, der sich von einem Bundeskanzler loben lässt, den wiederum er zuvor hoch lobte? Broder legt Wert darauf, Gerhard Schröder bei seinem Kurs der besinnungslosen Solidarität mit den USA zu stützen, und im Verein mit Wolf Biermann, Herta Müller, Peter Schneider und ähnlich gedankenfreien Betriebsnudeln erklärte er am 16. November 2001: „Wir unterstützen die feste Haltung der Bundesregierung im Afghanistan-Konflikt.“ Und deshalb ist seine angebliche Polemik jetzt angeblich „böse, aber groß“: Gerhard Schröder hat sich mit seinem Reklamesatz revanchiert – und wer sich an die Hoffnung klammern will, der Kanzler könne, wenn schon nicht sprechen, so vielleicht doch lesen, kann der Empfehlung ja folgen. Broders schwarzrotgolden eingebundener und geschriebener Schnellschuss ist so polemisch wie Springers Bild: grobschlächtig, ungenau, ressentimentgeladen – und abgefasst im Wissen, Millionen fernsehgefütterte Halbalphabeten hinter sich zu haben. Broders Haltung in der Kriegsfrage gleicht dem Agitationsbombardement, mit dem die Zivilbevölkerung seit Monaten von Regierung und Bild eingedeckt wird: Jaaaa, Krieg! Mit dem Brezelkollateralschaden George W. Bush gegen »die Achse des Bösen« – und gegen die, denen das christlich-fundamentalistische Armageddon-Gerede vom Kampf Gut versus Böse doch etwas zu primitiv ist. So kippt ihm der polemisch gemeinte Rundschlag um in eine kurzatmige, aggressiv realitätsflüchtige und sehr langweilige Hetzschrift: Wer seinen Kopf nicht zum willig-begeisterten Propagandaempfangseimer zugerichtet hat, den erklärt Broder billig zum Feind der Menschheit. Man müsste schon ein sehr reizarmes Leben führen, um dieser fadenscheinigen Nummer noch irgendetwas abgewinnen zu können. Ein bisschen bedauerlich ist die Verschrumpfkopfung Broders schon: Wie er in den 80er Jahren dem deutsch-antisemitischen Volkskörper in den Hintern trat, das hatte Wut, Schwung und Wahrheit. Danach ging es meistenteils bergab: Broders bevorzugte Angriffsfläche wurde die ehemalige DDR; je länger sie nicht mehr existierte, um so mutiger drosch er auf sie ein. Broder hat ein Hauptgesetz seines eigenen Genres vergessen oder verdrängt: Polemik aus der Mehrheitsposition heraus funktioniert nicht. Gemeinsam mit dem Bundeskanzler gegen das Volk stänkern, wenn es in Teilen nicht fahnenschwenkend mitläuft, ist nicht Polemik, sondern Parteitags– und Erpresserprosa. Die sich noch mit Weinerlichkeit paart: „80 Prozent“ seiner „Sozialkontakte“, jammerte Broder im Interview mit Springers Welt, habe er „nach dem 11. September verloren“, außer mit seiner Familie habe er nur mit seinem „Freund Reinhard Mohr“ vom Spiegel Telefonkontakt gehabt — es könnten einem die Tränen kommen, zumal sich im selben Interview auch noch eine artige Grußadresse an seinen Arbeitgeber Rudolf Augstein findet, dem Broder claquiert „für das, was er aus dem Spiegel gemacht hat“. Wenn Broder aber niemand mehr geblieben ist als der Friseurgesprächsstoff Gerhard Schröder, sein Zahlmeister Rudolf Augstein und der Pazifistfucker Reinhard Mohr, dann muss man ihm helfen. Zusammenlegen jetzt! Kaufen wir Henryk Broder einen neuen Freund – und wenn es einer zum Aufblasen ist. Denn vom Aufblasen versteht Henryk Broder eine Menge.
Broder: „Man wird ja den Islam ja wenigstens kritisieren dürfen!!!1111″
Broder: „Man darf das Judentum auf keinen Fall kritisieren ihr Fascho-Antisemiten!!!111″
Gottesstaaten haben allgemein kein Existenzrecht. Egal welche Religion.
Israel ist kein Gottesstaat, aber laut Verfassung ein jüdischer Staat. Und genau das ist der Grund, warum sie Westbank und Gaza nicht annektieren: Dann wären nämlich die Palästinenser plötzlich Israelis und 50% der Abgeordneten in der Knesset wären Araber — die Mehrheit der Bevölkerung wäre arabisch. Also tut man so, als wäre diese Menschen nicht da und besiedelt einfach nach und nach die Westbank…
Kannst Du mir irgendwie anders erklären, warum ein Land, das sich freiheitlich-demokratisch nennt, ein anderes seit 40 Jahren besetzt hält? Kannst Du mir irgendwie anders erklären, warum es fast 6000 politische Gefangene in Israelischen Gefängnissen gibt, die zum Teil seit 30 Jahren ohne Gerichtsverfahren dort sitzen? Kannst Du mir erklären, warum ein Land mit einer der mächtigsten Armeen der Welt nicht in der Lage sein soll ein Stückchen Land von der Größe einige Landkreise sich einzuverleiben und dauerhaft befrieden kann — es sei denn, das Land will das gar nicht? Kannst Du mir sagen, warum den Besetzten keine Bürgerrechte zugestanden werden? Warum sie Menschen zweiter Klasse sein müssen? Warum sie nicht reisen können wohin sie wollen? Warum sie durch bis zu 8 Meter hohe Mauern von ihren Familien getrennt werden? Warum sie sich von schwer bewaffneten 17 jährigen drangsalieren lassen müssen?
Versteh mich nicht falsch: Ich kann verstehen, dass sich Israel von seinen Nachbarn bedroht fühlt. Dass der Iran eine große Gefahr ist usw. Auch auf militärische Unterstützung aus Europa würde ich als Israeli nicht hoffen, wenn tatsächlich eine arabische Allianz angreifen würde. Die Gefahr dafür ist äußerst gering, aber ich kann das Bedrohungsgefühl verstehen. Israel ist auf globaler Ebene durchaus bedrängt. Israel gibt aber nur vor, dass Palästina ein signifikanter Teil dieses Problems wäre. Das ist es nicht. Das Problem mit den Palästinenser ist ein anderes:
Sie leben in „Samaria und Judäa” = Westbank. Das wird als historischer Teil Israels angesehen. Deswegen gibt es Leute in Israel, die das haben wollen — es gibt auch viele, denen das egal ist. Die Westbank wurde 1967 besetzt. Ost-Jerusalem annektiert. Warum? Warum hat man nicht auch die Westbank annektiert? Warum nicht Gaza?
Israel wurde gegründet, um den Juden eine Heimat in der Welt zu geben — das kann man nach 2000 Jahren Tod, Elend und Vertreibung verstehen. Man wollte seinen eigenen Staat.
Wenn man aber nun die Westbank und Gaza annektieren würde, wären die Juden in der Minderheit in Israel — und der demografischen Entwicklung folgend, würde sich das in Zukunft noch verschärfen. Also lässt man alles wie es ist, hält den Deckel auf dem Topf und lässt alles wie es ist. Für die Israelis ist die Situation „gut genug”. Die haben ihren Staat, in dem sie als Juden das sagen haben. Und sie können in Samaria und Judäa siedeln.
Leider bedeutet das, dass die Palästinenser in einem Apartheitssystem leben. Sie werden immer weiter zurückgedrängt und ihre Freizügigkeit wird immer weiter eingeschränkt.
Ich finde, man muss die Situation zwischen Israelis und Palästinensern diskutieren können, ohne immer unter Antisemitismusverdacht zu stehen. Ich lass mich gerne eines besseres belehren — aber dann bitte mit Argumenten.
Christian Soeder on 2. Mai 2011 at 22:38
Hast Du den Link angeklickt und gelesen, den ich rausgesucht habe?
ariel sharon: „wir die juden kontrollieren die usa und amerika weiß das auch.”
Erdogan: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette”
Beides nicht nur falsche sondern auch höchst dumme und kontraproduktive aussagen. aber während Broder bei der zweiten aussage schaum vor dem bund bekommt, wird er jede kritik an ersterer als Antisemitismus oder Antizionismus bezeichnen.
Nicht dass er damit nicht recht hätte, aber man erkennt seinen opportunismus. schlecht ist nur der, den broder für schlecht hält.
Stimmt — und das Internet ist ein grandioser Fundus für Fakten, die unsere Positionen bestätigen :-D
Marcus on 3. Mai 2011 at 13:52
Gut und schön. Aber jetzt nicht völlig ins antideutsche Fahrwasser abgleiten. Nur weil die Antiimperialisten intellectually challenged sind, heisst das nicht nicht, dass der andere regressive Pol der deutschen Linken irgendwie weniger dümmlich wäre.
Broder ist ein begnadeter Polemiker. Als politisches Vorbild taugt er nur bedingt. Wer meint, der Unterschied zwischen Islam und Islamismus wäre in etwa so groß wie der zwischen Terror und Terrorismus, hat selbst ein Problem im Oberstübchen.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d8/Westbankjan06.jpg
betr. obigen link: bin ich jetzt antisemit?????
das bin ich garantiert nicht! es muß mir erlaubt sein, kritik an der vorgehensweise des staates israel zu üben.
grob gesagt ist meine meinung: würde der staat israel heute einseitig die waffen schweigen lassen, dann gibt es ihn morgen nicht mehr.
würden aber die palästinenser ein angebot machen, den staat israel anzuerkennen und ihn zu verhandlungen über die zukünftigen grenzen auffordern.…. dann käme israel in zugzwang und — deshalb habe ich zu beginn den link über die siedlugsgebiete gesetzt — in erklärungsnotstand! das ist meine meinung!
zudem habe ich verständnis für ein „besonderes verteidingsbedürfnis” des staates israel — und der juden — aufgrund der zweitausendjährigen christlich-jüdischen tradition (das sagt man heute so… das ist groß in mode! möcht mal wissen, welcher geschichtsdepp dies wortkombination erfunden hat!)
herr soeder… ich habe das gefühl, dass sie diese rede des herrn broder hier veröffentlichen um die linken zu diskriminieren. die rede ist nämlich nicht grade aktuellen datums. herr broder erwähnt den aussenpolitischen sprecher der PDS!!!
zu herrn broder: der mann ist nur noch naiv! wenn er der meinung ist, den antisemitismus bei den linken ausgemacht haben zu müssen, dann ist er völlig weltfremd! der antisemitismus geht in deutschland quer durchs politische regal und ist beängstigend weit verbreitet! mache sie einen test: fangen sie unauffällig eine diskusion über juden an einem x-beliebigen stammtisch an!
„der antisemitismus geht in deutschland quer durchs politische regal und ist beängstigend weit verbreitet!”
Völlig richtig. Genau das ist ja das Problem: dass die politische Linke glaubt, es gäbe innerhalb der politischen Linken keinen Antisemitismus. Das ist nun einmal falsch.
Israel ist so groß wie ein mittleres deutsches Bundesland. Es verfügt aber über eine der mächstigesten und modernsten Armeen der Welt. Jede 18-jährige kann mit einem MG schießen. Auf der anderen Seite sind Gaza und das Westjordanland: Gaza ist halb so groß wie Hamburg — es leben aber fast so genau viele Menschen dort. Außen rum ist eine 5 Meter hohe Mauer, durch die praktisch niemand kommt. Seit 40 Jahren sind diese Landesteile besetzt. Die längste Besetzung in der Neuzeit.
Die Araber dort verfügen über ein paar Kalaschnikows und über ein wenig Sprengstoff — keine Flugzeuge, keine Panzer, keine Kanonen — ab und so schmuggelt jemand einen Bausatz für eine Rakete nach Gaza…
Das Westjordanland wird mit einer Mauer durchzogen, die Stadteile und Familien trennt. Die Araber haben besondere — farblich unterschiedliche Pässe, mit denen nun wenige überhaupt nach Israel dürfen. Die meisten müssen sich alle paar Kilometer an Checkpoints von bewaffneten Jünglingen nerven lassen. Derweil wird ihr Land enteignet und bebaut. In der Innenstadt von Hebron muss sich die arabische Minderheitsbevölkerung seit Jahren von radikalen Siedlern bespucken und mit Müll bewerfen lassen.
Versteht mich nicht falsch. Was Israel da veranstaltet ist nicht im geringsten zu vergleichen mit einer systematischen Vernichtung. Wenn aber Israel Frieden haben wollte, hätte es das schon seit Jahrzehnten haben können. Die besetzten haben einfach nicht das Heft des Handelns in der Hand. Bitte das soll mir Broder mal erklären.
Und ich habe keine Lust mich dafür auch noch als Antisemit im Anzug beschimpfen zu lassen. Jeder Mensch hat das Recht, frei und in Frieden zu leben. Ich weiß, dass sich die Israelis historisch und geografisch ständig in ihrer Existenz bedroht sehen. Das kann ich verstehen und das ist auch in gewisser Weise sicher zutreffend. Ich kann da viel verstehen. Ich glaube aber nicht, dass die Palästinenser zu dieser Bedrohung entscheidend beitragen.
Wiglaf Droste schrieb schon 2001:
Ein Freund für Henryk Broder!
Das jüngste Buch von Henryk Broder, »Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror«, wird vom Berlin Verlag in Zeitungsannoncen so beworben: „Eine böse, aber große Polemik. – Gerhard Schröder, Bundeskanzler“. Ist hier die Angst im Spiel, man könne Gerhard Schröder ohne Nennung seines Berufs für die Dutzendmaske halten, die er ist? Noch peinlicher ist der Vorgang für Henryk Broder. Was ist ein Polemiker wert, der sich von einem Bundeskanzler loben lässt, den wiederum er zuvor hoch lobte? Broder legt Wert darauf, Gerhard Schröder bei seinem Kurs der besinnungslosen Solidarität mit den USA zu stützen, und im Verein mit Wolf Biermann, Herta Müller, Peter Schneider und ähnlich gedankenfreien Betriebsnudeln erklärte er am 16. November 2001: „Wir unterstützen die feste Haltung der Bundesregierung im Afghanistan-Konflikt.“ Und deshalb ist seine angebliche Polemik jetzt angeblich „böse, aber groß“: Gerhard Schröder hat sich mit seinem Reklamesatz revanchiert – und wer sich an die Hoffnung klammern will, der Kanzler könne, wenn schon nicht sprechen, so vielleicht doch lesen, kann der Empfehlung ja folgen. Broders schwarzrotgolden eingebundener und geschriebener Schnellschuss ist so polemisch wie Springers Bild: grobschlächtig, ungenau, ressentimentgeladen – und abgefasst im Wissen, Millionen fernsehgefütterte Halbalphabeten hinter sich zu haben. Broders Haltung in der Kriegsfrage gleicht dem Agitationsbombardement, mit dem die Zivilbevölkerung seit Monaten von Regierung und Bild eingedeckt wird: Jaaaa, Krieg! Mit dem Brezelkollateralschaden George W. Bush gegen »die Achse des Bösen« – und gegen die, denen das christlich-fundamentalistische Armageddon-Gerede vom Kampf Gut versus Böse doch etwas zu primitiv ist. So kippt ihm der polemisch gemeinte Rundschlag um in eine kurzatmige, aggressiv realitätsflüchtige und sehr langweilige Hetzschrift: Wer seinen Kopf nicht zum willig-begeisterten Propagandaempfangseimer zugerichtet hat, den erklärt Broder billig zum Feind der Menschheit. Man müsste schon ein sehr reizarmes Leben führen, um dieser fadenscheinigen Nummer noch irgendetwas abgewinnen zu können. Ein bisschen bedauerlich ist die Verschrumpfkopfung Broders schon: Wie er in den 80er Jahren dem deutsch-antisemitischen Volkskörper in den Hintern trat, das hatte Wut, Schwung und Wahrheit. Danach ging es meistenteils bergab: Broders bevorzugte Angriffsfläche wurde die ehemalige DDR; je länger sie nicht mehr existierte, um so mutiger drosch er auf sie ein. Broder hat ein Hauptgesetz seines eigenen Genres vergessen oder verdrängt: Polemik aus der Mehrheitsposition heraus funktioniert nicht. Gemeinsam mit dem Bundeskanzler gegen das Volk stänkern, wenn es in Teilen nicht fahnenschwenkend mitläuft, ist nicht Polemik, sondern Parteitags– und Erpresserprosa. Die sich noch mit Weinerlichkeit paart: „80 Prozent“ seiner „Sozialkontakte“, jammerte Broder im Interview mit Springers Welt, habe er „nach dem 11. September verloren“, außer mit seiner Familie habe er nur mit seinem „Freund Reinhard Mohr“ vom Spiegel Telefonkontakt gehabt — es könnten einem die Tränen kommen, zumal sich im selben Interview auch noch eine artige Grußadresse an seinen Arbeitgeber Rudolf Augstein findet, dem Broder claquiert „für das, was er aus dem Spiegel gemacht hat“. Wenn Broder aber niemand mehr geblieben ist als der Friseurgesprächsstoff Gerhard Schröder, sein Zahlmeister Rudolf Augstein und der Pazifistfucker Reinhard Mohr, dann muss man ihm helfen. Zusammenlegen jetzt! Kaufen wir Henryk Broder einen neuen Freund – und wenn es einer zum Aufblasen ist. Denn vom Aufblasen versteht Henryk Broder eine Menge.
Broder: „Man wird ja den Islam ja wenigstens kritisieren dürfen!!!1111″
Broder: „Man darf das Judentum auf keinen Fall kritisieren ihr Fascho-Antisemiten!!!111″
Gottesstaaten haben allgemein kein Existenzrecht. Egal welche Religion.
Israel ist kein Gottesstaat. Pass auf mit Deinen Kommentaren.
Israel ist kein Gottesstaat, aber laut Verfassung ein jüdischer Staat. Und genau das ist der Grund, warum sie Westbank und Gaza nicht annektieren: Dann wären nämlich die Palästinenser plötzlich Israelis und 50% der Abgeordneten in der Knesset wären Araber — die Mehrheit der Bevölkerung wäre arabisch. Also tut man so, als wäre diese Menschen nicht da und besiedelt einfach nach und nach die Westbank…
Der letzte Satz ist hart an der Grenze zur Verschwörungstheorie …
Die Problematik ist in Israel bekannt, hier exemplarisch ein Interview:
http://www.hagalil.com/archiv/2010/11/15/abbas-5/
Zu diesem Thema gibt’s etliche Aufsätze und Papiere etc. pp.
Kannst Du mir irgendwie anders erklären, warum ein Land, das sich freiheitlich-demokratisch nennt, ein anderes seit 40 Jahren besetzt hält? Kannst Du mir irgendwie anders erklären, warum es fast 6000 politische Gefangene in Israelischen Gefängnissen gibt, die zum Teil seit 30 Jahren ohne Gerichtsverfahren dort sitzen? Kannst Du mir erklären, warum ein Land mit einer der mächtigsten Armeen der Welt nicht in der Lage sein soll ein Stückchen Land von der Größe einige Landkreise sich einzuverleiben und dauerhaft befrieden kann — es sei denn, das Land will das gar nicht? Kannst Du mir sagen, warum den Besetzten keine Bürgerrechte zugestanden werden? Warum sie Menschen zweiter Klasse sein müssen? Warum sie nicht reisen können wohin sie wollen? Warum sie durch bis zu 8 Meter hohe Mauern von ihren Familien getrennt werden? Warum sie sich von schwer bewaffneten 17 jährigen drangsalieren lassen müssen?
Versteh mich nicht falsch: Ich kann verstehen, dass sich Israel von seinen Nachbarn bedroht fühlt. Dass der Iran eine große Gefahr ist usw. Auch auf militärische Unterstützung aus Europa würde ich als Israeli nicht hoffen, wenn tatsächlich eine arabische Allianz angreifen würde. Die Gefahr dafür ist äußerst gering, aber ich kann das Bedrohungsgefühl verstehen. Israel ist auf globaler Ebene durchaus bedrängt. Israel gibt aber nur vor, dass Palästina ein signifikanter Teil dieses Problems wäre. Das ist es nicht. Das Problem mit den Palästinenser ist ein anderes:
Sie leben in „Samaria und Judäa” = Westbank. Das wird als historischer Teil Israels angesehen. Deswegen gibt es Leute in Israel, die das haben wollen — es gibt auch viele, denen das egal ist. Die Westbank wurde 1967 besetzt. Ost-Jerusalem annektiert. Warum? Warum hat man nicht auch die Westbank annektiert? Warum nicht Gaza?
Israel wurde gegründet, um den Juden eine Heimat in der Welt zu geben — das kann man nach 2000 Jahren Tod, Elend und Vertreibung verstehen. Man wollte seinen eigenen Staat.
Wenn man aber nun die Westbank und Gaza annektieren würde, wären die Juden in der Minderheit in Israel — und der demografischen Entwicklung folgend, würde sich das in Zukunft noch verschärfen. Also lässt man alles wie es ist, hält den Deckel auf dem Topf und lässt alles wie es ist. Für die Israelis ist die Situation „gut genug”. Die haben ihren Staat, in dem sie als Juden das sagen haben. Und sie können in Samaria und Judäa siedeln.
Leider bedeutet das, dass die Palästinenser in einem Apartheitssystem leben. Sie werden immer weiter zurückgedrängt und ihre Freizügigkeit wird immer weiter eingeschränkt.
Ich finde, man muss die Situation zwischen Israelis und Palästinensern diskutieren können, ohne immer unter Antisemitismusverdacht zu stehen. Ich lass mich gerne eines besseres belehren — aber dann bitte mit Argumenten.
Hast Du den Link angeklickt und gelesen, den ich rausgesucht habe?
Anmerkung:
ariel sharon: „wir die juden kontrollieren die usa und amerika weiß das auch.”
Erdogan: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette”
Beides nicht nur falsche sondern auch höchst dumme und kontraproduktive aussagen. aber während Broder bei der zweiten aussage schaum vor dem bund bekommt, wird er jede kritik an ersterer als Antisemitismus oder Antizionismus bezeichnen.
Nicht dass er damit nicht recht hätte, aber man erkennt seinen opportunismus. schlecht ist nur der, den broder für schlecht hält.
Das Sharon-Zitat ist eine Fälschung:
http://www.camera.org/index.asp?x_context=7&x_issue=57&x_article=766
Das Erdogan-Zitat kenne ich nicht.
Schlimm, dass sich immer gerade die gefälschten Zitate verbreiten, die die übelsten Vorurteile bestätigen würden. :-(
So sind die Menschlein halt. Wenn man Vorurteile hat, sucht man sich die „Fakten” so zusammen, dass es passt.
Ich bewundere deine Geduld.
Stimmt — und das Internet ist ein grandioser Fundus für Fakten, die unsere Positionen bestätigen :-D
Gut und schön. Aber jetzt nicht völlig ins antideutsche Fahrwasser abgleiten. Nur weil die Antiimperialisten intellectually challenged sind, heisst das nicht nicht, dass der andere regressive Pol der deutschen Linken irgendwie weniger dümmlich wäre.
Broder ist ein begnadeter Polemiker. Als politisches Vorbild taugt er nur bedingt. Wer meint, der Unterschied zwischen Islam und Islamismus wäre in etwa so groß wie der zwischen Terror und Terrorismus, hat selbst ein Problem im Oberstübchen.
http://www.hintergrund.de/201104261515/hintergrund/medien/ein-fall-von-nachrichtenunterdrueckung.html