Am Wochenende war ich auf dem #tazlab, veranstaltet von der „taz“ und dem „Freitag“. Eine kleine Serie. Teil 1: Lauterbach vs. Beckedahl und Tessa.
Wir sind die SPD, wir wollen Wahlen gewinnen. Also bin ich natürlich direkt in die Session „Wählerfang im Netz: Wie verändert sich die Politik durch das Internet?“. Die SessionmeisterInnen waren: Karl Lauterbach, bekannt aus Funk und Fernsehen als der „„Mann mit der Fliege“; Markus Beckedahl, „dieser Typ aus dem Internet“; Matt Wells, Journalist des „Guardian“ ohne Deutschkenntnisse – wenn das unser aller Außenminister wüsste (noch ist das schließlich Deutschland hier); Philip Grassmann, Medienmensch; Teresa „#hach“ Bücker (<3), Social-Media-Expertin und „spd.de“-Macherin.
Kurz und knapp: am Ende waren sich alle einig. Habe ich jedenfalls zusammengefasst. Bzw. erklärt. Meister im Ungefähren und Nachfolger Salomons, der ich doch bin.
Lang und frivol: Markus Beckedahl (netzpolitik.org-Chef) forderte immer wieder den Terminkalender von Karl Lauterbach (Prof. Dr., MdB) ein. Dieser wollte aber jenem seinen Kalender nicht aushändigen. Und beharrte darauf, dass er für die Öffentlichkeit doch eh nicht interessant sei. Denn: was kümmerte die Leute, was der Abgeordnete Lauterbach mit seiner Zeit anstellt? Entscheidend sei schließlich, was hinten rauskommt (er hat es vornehmer formuliert, aber ich bin auch nur ein einfacher Blogger). Beckedahl blieb stur und forderte weiterhin Transparenz ein und erläuterte, dass man den Abgeordneten dann wenigstens auf Termin X und Ort Y festnageln könne, hinterher oder im Voraus; oder so. Lauterbach blieb rheinisch gelassen und meinte, das sei eh alles sinnfrei, denn totale Kontrolle sei nicht möglich und außerdem seien Politiker sehr gut in Wählertäuschung. Im Zweifelsfall habe „der Mitarbeiter“ eben einen Fehler gemacht. Könne schließlich passieren in diesem stressigen Geschäft.
Der „Guardian“-Journalist (Name schon wieder vergessen) lachte viel und hatte seinen Spaß, davon abgesehen allerdings nicht viel beizutragen. Er erklärte, dass Lauterbach „sofort“ zum „Internet-Star“ werden könne, was Lauterbach dann doch hellhörig werden ließ. Aber das kann auch nur eine Fehlinterpretation meinerseits gewesen sein. Wir werden es erleben. Denn Teresa Bücker meinte, am Montag werde man (sie und Karl) das noch einmal besprechen.
Internet-Fangirl Bücker war jedenfalls eisern: der SPD-Parteivorstand lerne quasi täglich dazu, „spd.de“ sei auf einem guten Weg, und das Internet eröffne neue Partizipationsmöglichkeiten für alle, besonders für die Unterschicht. Lauterbach konterte und erklärte mit Praxisbeispielen aus seinem Wahlkreis (Leverkusen – Köln IV), dass eben das Internet und öffentliche Planungsverfahren dazu führen könnten, dass neue Umgehungsstraßen von den interessierten bürgerlichen Kräften durch die unterschichtigen Stadtteile geleitet werden und die Gemüsegärten verschont blieben. Lauterbachs Credo: Vorsicht. Interessenausgleich funktioniere nicht so einfach und so ein hartes Geschäft.
Beckedahl und Bücker betonten gleichermaßen, dass der Dialog mit dem Bürger direkt via Twitter gewinnbringend sein könne, da eben die Rückkopplung unmittelbar sei. Den implizit-expliziten Vorwurf aus Publikum und Podium, viele Politiker trauten sich das nicht (zu), da sie den Kontakt mit dem Bürger scheuten, konterte Lauterbach ganz gelassen mit dem Verweis auf seine Bürgersprechstunden, seine Wahlkreistermine und dergleichen mehr.
So verlebten wir eine vergnügliche Zeit miteinander, bis ich dann irgendwann die Diskussion via Schlussstatement finalisierte und erklärte, dass alle Recht gehabt hätten: denn schließlich bleibt es Beckedahl unbenommen, künftig nur die Politiker zu wählen, die ihren Terminkalender ins Internet stellen; als Internet-Fanboy wünschte und wünsche ich mir natürlich mehr Twitter-Politiker (an dieser Stelle: CSU-Frau @Doro_Baer ist superplusgut!), sehe aber auch ein, wenn das manch einer nicht machen möchte. Und musste Lauterbach Recht geben mit seiner Skepsis, ob wir wirklich in eine neue Welt der Mitgestaltung aufbrechen. Denn ich vermute sehr stark: auch künftig wird es viele geben, die zufrieden sind, wenn sie auf eine Veranstaltung gehen und einfach nur zuhören, ohne sich jetzt ausführlich und kenntnisreich via Internet und Wortmeldung zu beteiligen. Interessenausgleich bleibt eben ein hartes Brot und ist kein lila Wunderland.
Abschließend nochmals ein #hach an @fraeulein_tessa.


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