Loblied der gedruckten Zeitung

11. April 2011
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Ich liebe das Internet. Und ich bin Nachrichtenjunkie. Ich hassliebe „Spiegel Online” für die flachen Artikel und die gleichzeitig unfassbare Schnelligkeit. Und schätze die kleinen und großen Perlen, die man in diesem WWW so findet. Und wühle auch mal gerne im Dreck, suhle mich darin, weiß, dass auch das Dunkle und Düstere zum Leben gehört. Ganz normal ist, so normal wie Essen und Trinken und die Folgen dieser Tätigkeiten. Bin fasziniert von der Banalität. Begeistere mich an tiefgehenden Analysen an unerwarteter Stelle.

Aber ich liebe auch die gedruckten Zeitungen. Erfreue mich an der Haptik des Papiers. Rieche gerne die Druckerschwärze. Höre das Rascheln. Das Papier liebkose ich und streiche es glatt. Falte es. Zerknülle es, wenn mir ein Artikel nicht gefällt. Male wild darin herum, wenn ich einen Gedanken besonders hervorhebenswert und stark finde. Bin überrascht, wenn ich Unerwartetes lese. Und erfreue mich daran. Rege mich auf. Lege die Zeitung beiseite. „Genug davon!” Nehme sie wieder zur Hand. „Und sie wird doch gelesen!” Wie ist es doch schön, sich an kleinen Fehlern zu erfreuen. Zu wissen: der Druck, die Zeitung pünktlich vollenden zu können, war groß. Die Anstrengung zu spüren. Von Menschenhand Gemachtes in Menschenhand zu halten. Das liebevoll gesetzte Layout. Die Schriftart. Das Schriftbild. Der Weißraum. Die Kolumnen. Die Einheitlichkeit. Die Endgültigkeit. Die Zeitung ist, wie sie ist. Sie wird nicht mehr verändert. Sie ist. Sie bleibt. Und sie wird die Zeiten überdauern.

Ich möchte nicht dieses Gefühl missen. Ich hoffe, niemals auf dieses Gefühl verzichten zu müssen. Ich liebe das Internet — und ich liebe gedruckte Zeitungen.

Print is not dead yet.


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