Die Zukunft der SPD als Volkspartei”

11. April 2011
By

Eine rasche These von mir: die Linkspartei muss sterben, damit die linke Volkspartei SPD leben kann. Mit „leben” ist hierbei explizit leben gemeint und nicht bloßes überleben. Überleben allein reicht nicht aus — die SPD ist nach wie vor so groß, dass sie auf lange Zeit überleben würde, vielleicht irgendwann dauerhaft nur noch auf Rang 3, aber sie würde überleben. 500.000 Mitglieder, eine riesige Stiftung, die AWO, die Naturfreunde, die Gewerkschaften, etc. pp., all das verschwindet natürlich nicht von heute auf morgen. Vielleicht würde es niemand von uns mehr zu unseren Lebzeiten erleben. Wollen wir das testen, wollen wir es darauf ankommen lassen? Nein! Wir wollen mehr als nur überleben — wir wollen leben. Wild und bunt, frei und laut, links und stark. Eine linke Volkspartei sein, das wollen wir. Wie soll das gehen mit dieser pseudolinken Linkspartei am Rand, vor der die SPD in Schockstarre verharrt? Die stört, die klaut uns Wähler. Die muss weg, damit die linke Volkspartei SPD sich frei und laut entfalten kann, damit sie wieder groß und mächtig werden kann. Und wie schaffen wir das? Klar: wir müssen die Linkspartei als Gegner begreifen. So, wie wir von diesen Komikern attackiert werden, müssen wir eben mit gleicher Münze Kontra geben. Warum auch nicht? Links, das sind wir schon lange — seit 1863, um genau zu sein. Und sturmerprobt. Das kann man so sagen. Und so müssen wir uns auch geben. Immer hart in der Sache, verbindlich im Ton, mit der klaren Ansage: wir akzeptieren die Linkspartei nicht als Konstante im deutschen Parteiensystem. Linke Volkspartei, das sind wir. Nicht die, nicht jene — sondern wir.

Frischauf, frischauf, vorwärts — wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir wollen unsere Wähler und unsere Mitglieder zurück.

PS: Ergänzend und ohne es gelesen zu haben verweise ich auf ein Papier der SPD-Grundwertekommission, das sich mit der Zukunft der SPD als Volkspartei beschäftigt. Es scheint (!) gut zu sein, aber, wie angemerkt — ich habe es noch nicht gelesen, da ich eben erst darauf gestoßen bin. Erreicht habe ich es durch puren Zufall, weil ich ein anderes Dokument gesucht habe. Gehört habe ich von diesem Papier noch nie. Obwohl es brandneu ist, nämlich von Dezember 2010. Auf „spd.de” ist es zwar verlinkt, aber so schüchtern versteckt, als sei es nichts wert. An mir jedenfalls ist das Papier vorbeigegangen, obwohl ich einige SPD-Newsletter im Abo habe. So.

Tags: , ,

9 Responses to Die Zukunft der SPD als Volkspartei”

  1. Alex on 11. April 2011 at 08:47

    Einerseits Zustimmung, deshalb bin ich auch gegen Vereinigungsduselei und Softball im Umgang mit indiskutablen Positionen der Linkspartei.
    Andererseits Realiätssinn: In den Neunziger Jahren hielten wir das im Osten für eine Frage der Zeit. Die überalterte Linkspartei stirbt aus. Ganz im Gegenteil, die Linkspartei verankerte sich wieder in der Gesellschaft und wurde selber Volkspartei. Im Osten ist die Linkspartei verankert, da kriegt man sie auch nicht mehr weg, im Bundestag wahrscheinlich auch nicht. Im Westen wird sie schon deshalb immer wieder auftauchen.
    Die Fünf-Parteien-Gesellschaft ist Realität und lässt sich wahrscheinlich nicht mehr komplett umkehren.

    Und angesichts der Schwäche von CDU und FDP halte ich eine neue, erfolgreiche rechtspopulistische Partei wie in den meisten anderen europäischen für wahrscheinlichlicher denn je zuvor.

  2. Markus Ritter on 11. April 2011 at 17:01

    Du möchtest also am linken Rand keinen Wettbewerb um den Wähler, weil er dich dabei stört, wild und bunt und frei und stark und überhaupt zu sein.

    Wäre es nicht schön, wenn die eigene Partei um ihrer Inhalte gewählt würde und nicht nur deshalb, weil sie von den vorhandenen Parteien das kleinere Übel darstellt?

    Wie stört denn die Linke die SPD?
    Sie lullt den (dummen) Wähler ein, der lieber die vorgelogene Taube vom sozialistischen Dach nimmt, statt den realistischen Spatz aus SPD-Hand?
    Durch die Abwanderung von Linken aus der SPD schiebt sich die SPD in die Mitte und macht deswegen schlechtere Politik?

  3. m-DiS on 11. April 2011 at 18:01

    Die Linkspartei muss sterben, damit die linke Volkspartei SPD leben kann”? Das hört sich aber etwas heftig an, ist wohl auch so gemeint. Trotz der Heftigkeit ist das völlig falsch. Natürlich haben sich in der Linken enttäuschte SozialdemokratInnen gesammelt, aber die Linke hat auch viele Leute aktiviert, die niemals in die SPD eingetreten wäre.
    Nein, die SPD muss sich als linke und realistische Volkspartei einen gewissen Wettbewerb gefallen lassen.

    Für einen solchen Wettbewerb ist die SPD allerdings denkbar schlecht gerüstet. Denn die SPD ist durchaus in der Lage überzeugende Konzepte, Ideen und Grundsatzpapiere zu produzieren. Nur versteckt man — wie Du festgestellt hast — den Output lieber. Auch wenn man mit einem Papier zur Zukunft der SPD als linke Volkspartei sicherlich keinen Wähler gewinnt, teilt das Papier doch das Schicksal vieler weiterer.
    Wer spricht denn jetzt noch vom Fortschrittsprogramm? Neben den SPD-Medien kaum jemand. Dabei war die Idee doch, es in einem gesamtgesellschaftlichen Dialog weiterzuentwickeln. Aber man konnte sich ja nicht einmal auf eine Kurzversion einigen.

    Denn das muss der Weg sein:
    – gute Idee
    – gutes Papier
    – gute Kurzversion
    – gute Aussagen unserer Spitze dazu in den Medien

    Meistens bleibt der Prozess beim zweiten Schritt stehen. Leider.

  4. jürgen on 11. April 2011 at 18:24

    weiß nicht, was ich dazu sagen soll. da kann man nur noch den kopf schütteln!!
    wenn die spd die linke „sterben” lassen will, dann geht das in einer demokratie ganz einfach: ein programm/ziel haben und das so formulieren, dass es auch der einfachste bürger versteht.
    NATÜRLICH DABEI NICHT VERGESSEN, DASS DIESES PROGRAMM/ZIEL DEN WÄHLER AUCH ÜBERZEUGEN SOLLTE; DAMIT ER SEIN KREUZ BEI DER SPD MACHT!
    auf sowas muß man heutzutage hinweisen!
    weil, was da seit längerem schon in der spd vorgeht ist nur arrogante rechthaberei.
    je weiter zum vorstand hoch, desto schlimmer!
    „wir haben das rezept, du scheinst es nicht zu begreifen, halt die klappe, kann garnicht verstehen, warum du links wählst!!!”

    die linke „klaut” der spd keine wähler. wie soll man das denn verstehen?? kann die spd sie wieder zurück-klauen???
    und eins ist sicher: wer den links-wähler für dumm verkauft kriegt seine stimme bestimmt nie zurück!

    Frischauf, frischauf, vorwärts — wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir wollen unsere Wähler und unsere Mitglieder zurück.„
    .….naja, überzeugen tut mich das jetzt auch nicht grad! :-/

  5. jürgen on 11. April 2011 at 22:17

    noch was: sie verweisen auf das grundsatzprogramm nur im post scriptum und geben an, dass sie es nicht gelesen haben.
    sie sollten das tun. zum teil widerspricht es ihrem beitrag hier.
    (seite 12, absatz 4.4 und dann noch mal am ende)
    die spd verwirft die option rot/rot/grün eben nicht schon im vorfeld.
    was auch richtig ist! wir haben in der republik schon seit einiger zeit eine linke mehrheit. allein die spd verweigert sich!

    • Christian Soeder on 12. April 2011 at 21:31

      noch was: sie verweisen auf das grundsatzprogramm nur im post scriptum und geben an, dass sie es nicht gelesen haben.”

      Das ist nicht das Grundsatzprogramm, sondern ein Papier der SPD-Grundwertekommission. Das SPD-Grundsatzprogramm heißt „Hamburger Programm”:

      http://www.spd.de/Politik/grundsatzprogramm/

      • jürgen on 12. April 2011 at 21:41

        ich bezog mich schon auf dieses papier der grundwertekommission.ich denke, dass sie das inzwischen auch gelesen haben.
        ich für meinen teil sag nochmal: ich erwarte von der spd, dass sie das linke lager endlich erfolgreich in die regierungsverantwortung führt! und ich glaub, da denk ich nicht alleine so!

        • Christian Soeder on 12. April 2011 at 21:44

          ich denke, dass sie das inzwischen auch gelesen haben.”

          Nein, bisher noch keine Zeit gehabt.

          ich erwarte von der spd, dass sie das linke lager endlich erfolgreich in die regierungsverantwortung führt!”

          Ich verabschiede mich emotional Tag für Tag mehr von der rot-grün-roten Option. Ich sehe einfach überhaupt keine Bewegung in der Linkspartei, die scheint mir gefangen zu sein zwischen dem Anti-SPD-Kurs Lafontaines und im PDS-Kurs der Lokalfürsten im Osten.

  6. Volker on 12. April 2011 at 03:45

    Soeders putzig-folkloristischer Antikommunismus wird eher den SPD-Sinkflug beschleunigen, im Osten besonders schön sichtbar.
    Auch wer die LINKE hasst, wird zugeben müssen, dass ihre Existenz das Aufkommen der Naziparteien lange verhindert hat.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Facebook

Switch to our mobile site