Vorgestern war es noch abstrus, die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke in Frage zu stellen. Gestern wollte man sich die dann doch noch mal in Ruhe anschauen. Und heute will man die Laufzeitverlängerung vorübergehend ruhen lassen. Wir dürfen dann wohl erwarten, dass nächste Woche die AKW’s zu den Marschklängen von „Smoke on the water” in den Ruhestand geschickt werden. Die Union hofftaber insgeheim auf ein Comeback…
Das ist wohl die Taktik, wenn man nicht gleich das Richtige tut.
Idee via aristokitten

Mit diesem völlig merkwürdigen Kurs schafft die Regierung es, sich noch ein bisschen unglaubwürdiger aussehen zu lassen. Es ist kaum zu fassen.
Das weckt Erinnerungen an Guttenberg.
Auch das Umfeld reagiert ähnlich. Allerdings sind es
diesmal andere Akteuere. Frei dem Motto:
Schaut nicht auf mich (AKW), es sterben Soldaten (Tsunamifolgen).
http://www.antibuerokratieteam.net/2011/03/12/deutsche-prioritaten/
Zur Gefährlichkeit der Kernkraft, aus aktuellem Anlass:
Tote pro TWh (Terawattstunde):
http://nextbigfuture.com/2011/03/deaths-per-twh-by-energy-source.html
Unter dem angegebenen Link wird die durchschnittliche Zahl an Toten pro TWh durch verschiedenen Stromerzeugungsmethoden verglichen.
Die interessantesten Daten (Hervorhebungen von mir):
Stromerzeugungsmethode ——————- Tote pro TWh
Coal – world average ——————- 161 (26% of world energy, 50% of electricity)
Coal – China ———————————- 278
Coal – USA —————————— 15
Oil ——————————————– 36 (36% of world energy)
Solar (rooftop) (Solarzellen auf Dächern) — 0.44 (less than 0.1% of world energy)
Wind —————————————— 0.15 (less than 1% of world energy)
Hydro ———————————— 0.10 (europe death rate, 2.2% of world energy)
Hydro — world including Banqiao) ————- 1.4 (about 2500 TWh/yr and 171,000 Banqiao dead)
Nuclear ————————————- 0.04 (5.9% of world energy)
Berücksichtigt sind sowohl Tote durch Kontamination (z.B. bei Kernkraft), durch Umweltverschmutzung und ähnlichem. Tschernobyl wurde natürlich berücksichtigt, auch die nachträglichen Todesfälle durch Strahlung und Kontamination.
Meines Wissens nach nicht berücksichtigt wurden zukünftige Tote durch einen durch menschliches CO2 und andere Treibhausgase nennenswert mitverursachten zukünftigen Klimawandel, da dies Zukunftsszenarien sind und somit potentielle zukünftige Todesfälle. Diese Toten würden die Statistik weiter zu Ungunsten von Öl und Kohle verschlechtern, nicht aber die der Kernkraft.
Die niedrige Todesrate pro TWh für Nuklearenergie ergibt sich daraus, dass bei einem schweren Unfall zwar (je nach Umfang des Unfalls, Strahlung und radioaktiven Materiales) eventuell viele Menschen in relativ kurzer Zeit sterben und, je nach Umfang der Verstrahlung und Kontamination mit radioaktiven Material, eventuell auch viele Menschen an Nachwirkungen sterben, dafür solche Unglücke aber sehr selten sind. Kleinere, dafür aber häufigere Unfälle bei anderen Formen der Stromerzeugung können so zu einer höheren Todesrate pro Terawattstunde (TWh) führen.
Natürlich kann die Anzahl an Toten durch Atomkraft durch das jetzige Unglück in Japan kurzfristig größer werden, wenne es zu einem Super-Gau kommt. Langfristig und auch mittelfristig wird dies aber nichts an den Statistiken ändern. So gibt es zwar in folge eines Super-Gaus viele Tote, aber solche Vorfälle sind dafür sehr selten. Dies führt zu kurzfristig sehr hohen Opferzahlen, die eher Medienaufmerksamkeit erregen, als viele kleiner Unglücksfälle mit weniger Toten oder Tote durch die Schadstoffbelastung durch Kohlekraftwerke (wobei auch hier je nach Umweltschutz– und Sicherheitsvorschrifften große Unterschiede zwischen zum Beispiel den USA und China bestehen, wie der Statistik zu entnehmen ist).
Zur Wasserkraft:
Hydro ——————————————- 0.10 (europe death rate, 2.2% of world energy)
Hydro — world including Banqiao) ————- 1.4 (about 2500 TWh/yr and 171,000 Banqiao dead)
Im oberen Wert von 0,1 pro TWh ist das Unglück beim Banqiao-Staudamm 1975 in China nicht berücksichtigt, da weder die Staudammkonstruktion, noch die geographischen Bedingungen unbedingt sehr representaiv für Wasserkraft sind.
Der Banqiao-Staudamm sollte angeblich so ausgelegt sein, das er einer Überschwämmung standhält, wie sie nur einmal in 1000 Jahren stattfände.
Die Wikipedia dazu (Hervorhebung von mir):
Über 170.000 Tote durch einen Wasserkraftanlagenkomplex bei einem großen Naturunglück.
Eine klassische Kettenraktion mit dramatische Folgen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Banqiao-Staudamm
Eine solche Lage ist jedoch nicht auf europäische Staudämme zur Wasserkrafterzeugung übertragbar. Es handelt sich nicht um einen Grund Wasserkraft zu verteufeln. Mehr Tote pro TWh als Atomkraftwerke kommen leider trotzdem vor.
Die Statistik hat in meinen Augen sehr wenig Aussagekraft. Die Millionen Toten durch Luftverschmutzung kann man schwerlich Messen. Außerdem ist dies eine Ist Statistik. In der Atomkraft gab es bis Chernobyl keinen GAU. Genau in dem Unfalljahr machte die Totenstatistik einen Sprung. Ebenso ist es jetzt in Japan. Der Vergleich hinkt also. Vor allem, weil sich viele Effekte nicht abschätzen lassen. So sind die Langzeitwirkungen von niedrigen, aber konstanten Strahlendosen nicht bekannt. Auch sind die Auswirkungen vom Atommüll, welcher immer noch in Frankreich ins Meer (oder die Luft) geleitet wird nicht bekannt. Solche Schätzungen sind eben erst dann Stichhaltig, wenn man alle Einflüsse kennt. Der Rest ist Spekulation. Geht man zu Greenpeace, dann bekommt man sicher eine Statistik, welche zeigt das Atomstrom der Weltuntergang ist.
Deutlich wird dies, wenn man sich die Schätzungen zu den Toten von Chernobyl ansieht. Diese liegen zwischen 4000 und 93000.
@xhriwi: Genau. Die Statistik von @block schaut in die Vergangenheit und ist empirisch. Verführerisch, sie als Basis für Diskussionen zu nehmen. Aber sie bezieht keine Risiken ein, die sich in der Zukunft abrupt einstellen können.
deutscher Atomstop jetzt! Polnische und französiche Atomkraftwerke können unsere Energievesorgung doch problemlos und sofort übernehmen!
Die Atomlobbyisten mit SPD-Parteibuch sollten hier nicht vergessen werden:
Unter anderem deswegen hat Herr Clement kein SPD-Parteibuch mehr.