History Repeating

Vorgestern war es noch abstrus, die Sicherheit deut­scher Atomkraftwerke in Frage zu stellen. Gestern wollte man sich die dann doch noch mal in Ruhe anschauen. Und heute will man die Laufzeitverlängerung vorüber­ge­hend ruhen lassen. Wir dürfen dann wohl erwar­ten, dass nächste Woche die AKW’s zu den Marschklängen von „Smoke on the water” in den Ruhestand geschickt werden. Die Union hoff­taber insge­heim auf ein Comeback…

Das ist wohl die Taktik, wenn man nicht gleich das Richtige tut.

Idee via aris­to­kit­ten

Autor: Steffen Voß

Steffen Voß bloggt meistens unter kaffeeringe.de und twittert als kaffeeringe. Manchmal bloggt er auch beim landesblog.de Sein Motto ist: "Mach es selbst, oder wunder Dich nicht, wenn es nicht passiert."

9 Gedanken zu „History Repeating“

  1. Mit diesem völlig merk­wür­di­gen Kurs schafft die Regierung es, sich noch ein biss­chen unglaub­wür­di­ger ausse­hen zu lassen. Es ist kaum zu fassen.

  2. Zur Gefährlichkeit der Kernkraft, aus aktu­el­lem Anlass:

    Tote pro TWh (Terawattstunde):
    http://nextbigfuture.com/2011/03/deaths-per-twh-by-energy-source.html

    Unter dem ange­ge­be­nen Link wird die durch­schnitt­li­che Zahl an Toten pro TWh durch verschie­de­nen Stromerzeugungsmethoden vergli­chen.

    Die inter­es­san­tes­ten Daten (Hervorhebungen von mir):

    Stromerzeugungsmethode ——————- Tote pro TWh

    Coal – world average ——————- 161 (26% of world energy, 50% of elec­tri­city)
    Coal – China ———————————- 278
    Coal – USA —————————— 15
    Oil ——————————————– 36 (36% of world energy)
    Solar (rooftop) (Solarzellen auf Dächern) — 0.44 (less than 0.1% of world energy)
    Wind —————————————— 0.15 (less than 1% of world energy)
    Hydro ———————————— 0.10 (europe death rate, 2.2% of world energy)
    Hydro — world inclu­ding Banqiao) ————- 1.4 (about 2500 TWh/yr and 171,000 Banqiao dead)
    Nuclear ————————————- 0.04 (5.9% of world energy)

    Berücksichtigt sind sowohl Tote durch Kontamination (z.B. bei Kernkraft), durch Umweltverschmutzung und ähnli­chem. Tschernobyl wurde natür­lich berück­sich­tigt, auch die nach­träg­li­chen Todesfälle durch Strahlung und Kontamination.

    Meines Wissens nach nicht berück­sich­tigt wurden zukünf­tige Tote durch einen durch mensch­li­ches CO2 und andere Treibhausgase nennens­wert mitver­ur­sach­ten zukünf­ti­gen Klimawandel, da dies Zukunftsszenarien sind und somit poten­ti­elle zukünf­tige Todesfälle. Diese Toten würden die Statistik weiter zu Ungunsten von Öl und Kohle verschlech­tern, nicht aber die der Kernkraft.

    Die nied­rige Todesrate pro TWh für Nuklearenergie ergibt sich daraus, dass bei einem schwe­ren Unfall zwar (je nach Umfang des Unfalls, Strahlung und radio­ak­ti­ven Materiales) even­tu­ell viele Menschen in relativ kurzer Zeit sterben und, je nach Umfang der Verstrahlung und Kontamination mit radio­ak­ti­ven Material, even­tu­ell auch viele Menschen an Nachwirkungen sterben, dafür solche Unglücke aber sehr selten sind. Kleinere, dafür aber häufi­gere Unfälle bei anderen Formen der Stromerzeugung können so zu einer höheren Todesrate pro Terawattstunde (TWh) führen.

    Natürlich kann die Anzahl an Toten durch Atomkraft durch das jetzige Unglück in Japan kurz­fris­tig größer werden, wenne es zu einem Super-Gau kommt. Langfristig und auch mittel­fris­tig wird dies aber nichts an den Statistiken ändern. So gibt es zwar in folge eines Super-Gaus viele Tote, aber solche Vorfälle sind dafür sehr selten. Dies führt zu kurz­fris­tig sehr hohen Opferzahlen, die eher Medienaufmerksamkeit erregen, als viele kleiner Unglücksfälle mit weniger Toten oder Tote durch die Schadstoffbelastung durch Kohlekraftwerke (wobei auch hier je nach Umweltschutz- und Sicherheitsvorschrifften große Unterschiede zwischen zum Beispiel den USA und China bestehen, wie der Statistik zu entneh­men ist).

    Zur Wasserkraft:

    Hydro ——————————————- 0.10 (europe death rate, 2.2% of world energy)
    Hydro — world inclu­ding Banqiao) ————- 1.4 (about 2500 TWh/yr and 171,000 Banqiao dead)

    Im oberen Wert von 0,1 pro TWh ist das Unglück beim Banqiao-Staudamm 1975 in China nicht berück­sich­tigt, da weder die Staudammkonstruktion, noch die geogra­phi­schen Bedingungen unbe­dingt sehr repre­sen­taiv für Wasserkraft sind.

    Der Banqiao-Staudamm sollte angeb­lich so ausge­legt sein, das er einer Überschwämmung stand­hält, wie sie nur einmal in 1000 Jahren statt­fände.
    Die Wikipedia dazu (Hervorhebung von mir):

    Am frühen Morgen des 8. August brach der klei­nere Shimantan-Staudamm strom­auf­wärts. Eine halbe Stunde später, 1 Uhr nachts, traf die Flutwelle auf den Banqiao-Staudamm und er brach auch. Das verur­sachte den Bruch von insge­samt 62 Staudämmen.

    Dieser Kaskadenbruch erzeugte eine mehrere Meter hohe Welle, die sich mit fast 50 km/h strom­ab­wärts ins Flachland ergoss. Fünf Kreise Zhumadians (Suiping, Xiping , Runan, Pingyu , Xincai), der heutige Stadtbezirk Yuanhui der Stadt Luohe und der Kreis Linquan der Stadt Fuyang in der angren­zen­den Provinz Anhui wurden über­flu­tet, ebenso tausende Quadratkilometer Land und zahl­lose Dörfer, von denen keines Zeit für eine Evakuierung hatte. Die Beijing-Guangzhou-Eisenbahn, eine Hauptverkehrsader, war unter­bro­chen, genau wie andere wich­tige Kommunikationsleitungen. Neun Tage später waren über eine Million Menschen vom Wasser einge­schlos­sen, uner­reich­bar für die Katastrophenhilfe, während Epidemien und Hungersnöte die Eingeschlossenen dezi­mier­ten.

    Ungefähr 26.000 Menschen starben durch die Überschwemmung und weitere 145.000 durch die darauf folgen­den Epidemien.

    Über 170.000 Tote durch einen Wasserkraftanlagenkomplex bei einem großen Naturunglück.

    Eine klas­si­sche Kettenraktion mit drama­ti­sche Folgen.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Banqiao-Staudamm

    Eine solche Lage ist jedoch nicht auf euro­päi­sche Staudämme zur Wasserkrafterzeugung über­trag­bar. Es handelt sich nicht um einen Grund Wasserkraft zu verteu­feln. Mehr Tote pro TWh als Atomkraftwerke kommen leider trotz­dem vor.

    1. Die Statistik hat in meinen Augen sehr wenig Aussagekraft. Die Millionen Toten durch Luftverschmutzung kann man schwer­lich Messen. Außerdem ist dies eine Ist Statistik. In der Atomkraft gab es bis Chernobyl keinen GAU. Genau in dem Unfalljahr machte die Totenstatistik einen Sprung. Ebenso ist es jetzt in Japan. Der Vergleich hinkt also. Vor allem, weil sich viele Effekte nicht abschät­zen lassen. So sind die Langzeitwirkungen von nied­ri­gen, aber konstan­ten Strahlendosen nicht bekannt. Auch sind die Auswirkungen vom Atommüll, welcher immer noch in Frankreich ins Meer (oder die Luft) gelei­tet wird nicht bekannt. Solche Schätzungen sind eben erst dann Stichhaltig, wenn man alle Einflüsse kennt. Der Rest ist Spekulation. Geht man zu Greenpeace, dann bekommt man sicher eine Statistik, welche zeigt das Atomstrom der Weltuntergang ist.

      Deutlich wird dies, wenn man sich die Schätzungen zu den Toten von Chernobyl ansieht. Diese liegen zwischen 4000 und 93000.

      1. @xhriwi: Genau. Die Statistik von @block schaut in die Vergangenheit und ist empi­risch. Verführerisch, sie als Basis für Diskussionen zu nehmen. Aber sie bezieht keine Risiken ein, die sich in der Zukunft abrupt einstel­len können.

  3. deut­scher Atomstop jetzt! Polnische und fran­zö­si­che Atomkraftwerke können unsere Energievesorgung doch problem­los und sofort über­neh­men!

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