Steffens Analyse ist prinzipiell korrekt. Allerdings gilt dies nur für bestimmte Konservative. Ich muss jetzt die aufrechten, bürgerlichen Konservativen in Schutz nehmen, die Guttenbergs Verhalten abstoßend finden und sich mit Entsetzen abwenden. Hierbei nenne ich stellvertretend für die alten Medien die konservative „FAZ”, die Guttenberg härter kritisiert hat als viele SPD-Politiker.
Und für die neuen Medien, also die Blogger, nenne ich stellvertretend „Zettel”, der Guttenberg derart gnadenlos und mit Hingabe demontiert hat, dass man Guttenberg schon fast bemitleiden muss. Eine kleine Kostprobe:
Aber Latein, das schmückt halt, ob passend oder nicht. Der Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Blender.
Bei Twitter und bei Facebook sind mir weitere anständige Konservative aufgefallen, die von Guttenberg persönlich enttäuscht sind und dessen Rücktritt fordern (ich nenne jetzt nicht deren Namen, damit sie bei ihren Parteifreunden keinen Ärger bekommen). Allerdings sind mir auch die hirnfreien Claqueure aufgefallen, die von einer „Kampagne der SPD gegen Guttenberg” fabulieren.
Es gibt eben solche und solche.


1. Fehler der FAZ: Guttenberg ist nicht Freiherr. Er heißt Freiherr. Karl Theodor … Freiherr von und zu Guttenberg. Adel gibts nicht mehr. Auch als konservatives Blatt kann man das nach fast 100 Jahren mal akzeptieren. Sonst nenn ich meine Kinder mit erstem Namen „Dr.” :-D
2. Konservativismus ist eine Sammlung verschiedener Einstellungen, die das Vergangene als besser erachten als das Neue. Konservativismus ist die feste Burg, die immer nachts, wenn es keiner merkt, dem Zeitgeist hinterher geschoben wird. Das Familienbild ist nur ein Faktor.
3. Die FAZ sieht sich selbst als der strafende Vater…
Ad 1: Das weiß die FAZ sicherlich genau. Es ist ein Stilmittel. Mache ich auch manchmal.
Ad 2: Ja.
Ad 3: Interessante These. :-)
> 2. Konservativismus ist eine Sammlung verschiedener Einstellungen, die das
> Vergangene als besser erachten als das Neue. Konservativismus ist die feste
> Burg, die immer nachts, wenn es keiner merkt, dem Zeitgeist hinterher
> geschoben wird.
Sehr schön formuliert!
Mit Strauß gesprochen: „Konservativ zu sein heißt an der Spitze des Fortschritts zu stehen.” Ist natürlich Quatsch, klar. :-)
> Guttenberg ist nicht Freiherr
Darüber kann man streiten.
Es sind alle Adelsvorrechte abgeschafft worden. Und im vom Gesetz definierten Bereich von Namen und Titeln gilt „Freiherr” nicht mehr als Titel, sondern als Name.
Aber das heißt nicht, daß Guttenberg kein Freiherr mehr ist. Er ist es — aber es ist in Deutschland juristisch unwichtig. Reine Privatsache eben.
Ist natürlich eine völlige Nebensächlichkeit …