Im Jahr 2011 mit seinen sieben (evt. auch acht) Landtagswahlen möchte ich das Abschneiden nicht der Parteien, sondern der Umfrageinstitute miteinander vergleichen und gern eine Bilanz ziehen, ob ein Institut verlässlicher ist als andere. Ich werde die durchschnittliche Abweichung der letzten Umfrage eines Instituts mit dem tatsächlichen Ergebnis vergleichen und sehen, ob irgendwelche Schlussfolgerungen gezogen werden können.
Ich beginne mit der NRW-Wahl im Mai 2010, weil es der erste größere Stimmungstest nach der Bundestagswahl 2009 war.
| Ergebnis | FG Wahlen | Infratest dimap | Emnid | Forsa | GMS | Durchschnitt | |
| CDU | 34,6 | 35 | 37,5 | 37 | 37 | 37 | 36,7 |
| SPD | 34,5 | 33,5 | 33 | 33 | 37 | 33 | 34 |
| Grüne | 12,1 | 11 | 12 | 12 | 10 | 12 | 11,4 |
| FDP | 6,7 | 8,5 | 7,5 | 8 | 6 | 7 | 7 |
| Linke | 5,6 | 6 | 5,5 | 5 | 5 | 6 | 5,5 |
| durchschnittliche Abweichung | 0,94 | 1,05 | 1,18 | 1,66 | 0,94 | 0,74 |
Man sieht, dass die Umfragen alle bis auf Forsa vergleichbar gut abgeschnitten haben, dass alle bis auf Forsa die SPD unterschätzten und die CDU überschätzten. Bemerkenswert ist, dass alle Umfragen zusammengerechnet recht nah am korrekten Ergebnis sind, jedenfalls kann man kaum erwarten, dass die Umfrage eine geringere Fehlertoleranz als 1% hat.
Ein Schmankerl: Das von mir stets so harsch kritisierte Forsa-Institut hat bei bundesweiten Umfragen immer sehr viel schlechtere Werte für die SPD als die anderen, in NRW schätzte es die SPD zu hoch ein.
Hamburg:
| Ergebnis | FG Wahlen | Infratest dimap | Emnid | GMS | Durchschnitt | |
| CDU | 21,9 | 23 | 23,5 | 24 | 25 | 23,9 |
| SPD | 48,3 | 46 | 45 | 45 | 43 | 44,8 |
| Grüne | 11,2 | 14,5 | 14 | 15 | 15 | 14,6 |
| FDP | 6,6 | 5 | 5 | 5 | 5 | 5 |
| Linke | 6,4 | 6 | 5,5 | 6 | 6 | 5,9 |
| durchschnittliche Abweichung | 1,74 | 2,04 | 2,24 | 2,85 | 2,2 |
Alle Institute waren nicht so gut wie in NRW; alle unterschätzten die SPD und die FDP und überschätzten Grüne und CDU. Recht weit daneben lag GMS, am besten schnitt die von mir geschätzte Forschungsgruppe Wahlen ab. Forsa hatte erst gar nichts veröffentlicht (Angst, ihre abwegigen Umfragewerte an der Realität messen zu müssen?).
Das waren jetzt nur zwei Wahlen. Es ist zu früh, Urteile über die Leistungsfähigkeit der Umfrageinstitute zu fällen; im Laufe des Jahres werde ich mich dazu noch häufiger äußern. Vor allen Dingen das Hamburger Wahlrecht machte es sehr schwierig, Ergebnisse zu prognostizieren.
Jedoch steht eine Schlussfolgerung schon fest: Das 2009 zu beobachtende Phänomen, dass die SPD in den Umfragen viel besser dastand als die Wahlergebnisse bestätigten, ist vorläufig nicht mehr zu sehen.

Schöner (weil polemischer & fundierter) Link zum Thema: http://www.wahlprognosen-info.de/
[…] die vier letzten Wahlen und die dazugehörigen Umfragen untersuchen. Den ersten Teil findet ihr hier. Und bitte schreibt mir nicht, dass es eine Fehlertoleranz gibt; das weiß ich auch selbst. Es ist […]