Absolute Mehrheit für die Hamburger SPD, vor allem dank Olaf Scholz! Fantastisch! Ein historischer Wahlsieg, gerade in einem Fünf-Parteien-Parlament.
Dazu Thesen und Bemerkungen:
- Wenn sich die SPD glaubhaft für die „kleinen Leute” einsetzt, dann sind 40% plus X nach wie vor möglich.
- Schwarz-Grün zahlt sich insbesondere für die CDU nicht aus. Der Traum von der „Versöhnung der Bürgerlichen” ist genau das: ein Traum. Es hat sich ausgeträumt. Taten zählen. Vor allem ist die CDU keine Großstadt-Partei. Sie muss sich primär als Anwältin des „ländlichen Raumes” aufstellen. Das bringt wenig Prestige, aber Stimmen.
- Die Grünen werden in Umfragen überschätzt, weil sie als moralisch höherwertig gelten: es „tut gut”, sich zu „Grün” zu bekennen. Man steigt also im Ansehen. (Vgl. FAZ, 24.11.2010: „Die Grünen — mit dem Zeitgeist im Rücken”.)
- Die einstmals stolze FDP hingegen hat anscheinend das moralische Ansehen der Linkspartei erreicht: beide Parteien haben die Umfragen getoppt. Es wird anscheinend als Makel begriffen, sich zu FDP oder Linkspartei zu bekennen. (Hinzu kommt der Silvana-Effekt bei der FDP: dass die FDP vor allem dank Silvana Koch-Mehrin 2004 ins Europaparlament eingezogen ist, das bestreitet quasi niemand. Analog kann man also vom KatJA-Effekt sprechen.)
- Die Piratenpartei hat 2% abgeräumt. Ein echter Triumph, ein riesiger Erfolg. Das werden die Parteimitglieder nach der ersten Ernüchterung, nicht ins Parlament gekommen zu sein, merken.
- Das heißt für die SPD: Netzpolitik ist relevant. Man kann damit keine Wahlen gewinnen. Aber man kann Wahlen verlieren. (Ähnlich wie bei innerer Sicherheit.)
So, das war’s. Freue mich auf Zu– und Widerspruch.

Wenn die CDU wirklich keine „Großstadt-Partei” ist (was immer eine solche ausmachen soll), dann ist es aber umso erstaunlicher, wie lang die Partei die Stadt regiert hat. Teilweise sogar alleine.
Sicher sind bessere SPD-Ergebnisse möglich, wenn sich die SPD endlich mal wieder um ihre Stammwähler kümmert. Und diese Stammwähler sind NICHT Hartz-IV-Empfänger, Solardach-Subventionsempfänger oder Gleichstellungsbeauftragte. Sondern die Stammwähler sind (oder überwiegend: waren) die Leute, die mit ihrer Arbeit diese ganzen Sachen finanzieren.
Es bleibt abzuwarten, ob der Scholz-Erfolg den Linkstrend der Bundes-SPD stoppen kann.
Denn umgekehrt ist die CDU sehr wohl Großstadtpartei, die Hamburger Sonderprobleme sind da kein Gegenbeweis. Die SPD kann sich nicht darauf verlassen, daß die CDU sich anderswo so dämlich benimmt wie in Hamburg und de facto kampflos das Feld räumt.
Die FDP kann dagegen ziemlich zufrieden mit diesem Wahlerfolg sein. Insbesondere zeigt er, daß an der ganzen Medien-Inszenierung von der angeblichen FDP-Krise fast nichts dran ist.
Bei den Piraten kann ich dagegen die 2% nicht als Erfolg sehen. Sie bleiben Exoten, ihre Themen ziehen nicht und ihre Strukturen bleiben dilettantisch.
SPD kam im Schlafwagen zum Wahlsieg, da die CDU implodierte.
FDP hat lediglich ein bisschen aus der CDU-Konkursmasse herausschlagen können.
Die Grünen sind ein Umfragen-Soufflé.
Die Linke ist — aus eigener Kraft — erstaunlich stabil geblieben. Platz eins ein Sachsen-Anhalt, Einzug in Mainz und Stuttgart, zweistelliges Ergebnis in Bremen sind nun wieder möglich.
Lesenswerter Kommentar: http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/modell-hamburg/
@Volker:
So ein Schönreden bringen sonst nur die Generalsekretäre am Wahlabend. …
Die Zugewinne von SPD und FDP sind also nur „Schlafwagen”, aber die Linken sind mit „stabil geblieben” die eigentlichen Gewinner?
Das ist so absurd, daß der Verweis auf einen frustrierten taz-Kommentar auch nicht hilft.
„SPD kam im Schlafwagen zum Wahlsieg”
Aha.
Das Argument mit der CDU-Konkursmasse kann so falsch nicht sein, wenn man sich einerseits die Wählerwanderungen betrachtet, andererseits aber auch das Stimmverhalten in den ehemaligen CDU-Hochburgen. Eindeutiger lässt sich kaum belegen, dass die FDP in Hamburg weniger aus eigener Stärke wuchs, denn aus der Schwäche der konservativ gewendeten Ahlhaus-CDU. Dafür spricht noch ein dritter Umstand — nämlich die erschreckend schwache Performance der FDP Hamburg bei den Erstwählern. Während die Piratenpartei hier respektable 7 Prozent für sich mobilisieren konnte, sind es im Fall der FDP Hamburg nur 4 Prozent, obgleich man mit einer blutjungen und sehr hübschen Spitzenkandidatin antrat („Westerwelles next Topmodel”). Nur vier Prozent? Das ist ohne Zweifel ein schwacher Wert — denn üblicherweise, jedenfalls in den letzten Jahren, hat die FDP eine überdurchschnittliche Performance bei den Erstwählern, verglichen mit den übrigen Wählerschichten.
Aus FDP-Sicht ist das Erreichen der Bürgerschaft dennoch ein gutes Ergebnis, und auch, dass die FDP Hamburg in einigen Stadtteilen in Hamburg auf Werte sogar oberhalb von 30 Prozent kam. Die FDP als Schutzmacht der Privilegierten und Bestbegüterten:
Das funktioniert.
(sonst aber auch garnichts… — was den Westwave-Kreischer doch tatsächlich zu Jubelstürmen veranlasst hat, in Verbindung darauf, dass er strengste Vasallentreue zu seinem Kurs für das entscheidende Erfolgsmoment hält — ähem)
Westwave-Kreischer, Privilegiert, Bestbegütert, „next Topmodel”, Schutzmacht
Ganz, ganz stark.
ad „Westwave-Kreischer”: stimmt, das ist eine polemische und eigentlich unsachliche Formulierung. Allerdings nimmt sie zutreffend Bezug auf den deutlich kreischenden Ton in der Ansprache von Westerwelle, auf den sie sich bezieht.
ad „privilegiert”: Ja, was denn sonst? Hast du Gegenargumente?
ad „next Topmodel”: harmlose Polemik — mit wahrem Kern: Der Eindruck ist jedenfalls kaum von der Hand zu weisen, dass weniger ihre politische Erfahrung, weniger ihr politisches Talent und deutlich eher die äußerliche Attraktivität der Kandidatin dafür sorgte, dass sie Spitzenkandidatin wurde — und richtig auch, dass Westerwelle himselfe bei der Auswahl des/der Spitzenkandidaten der FDP in Hamburg ein erhebliches Wort mitgesprochen hat — nach der Wahl hat er sie dann auch umstandslos und geradezu triumphal als eigene Kandidatin gepriesen — und dass Suding in irgendeiner Weise dem Westerwelle-Kures kritisch gegenüber steht, das kann man komplett ausschließen, pardon
ad „Schutzmacht”: Ja, was denn sonst? Die FDP ist eine politische Schutzmacht der Privilegierten, und hat ein deutlich sozialdarwinistisches Profil — oder darf man diese Auffassung nicht mehr vertreten, googlehupf?? Falls ja: Warum?
P.S.
Lieferst du auch Argumente?
Ja die liefere ich. Das Argument was damit zum Ausdruck kommen sollte war das jemand der ein paar Threads weiter Polemik mit „ad hominem” abkanzelt kein Problem hat hier diese zu verwenden. Ging mir also erst mal nur um den Stil.
Ich bin zwar nicht der Schutzpatron der FDP aber sei’s drum. Wahrscheinlich werde ich es bereuen:
Zum Topmodel:
Woher weißt du das alles? Warst du bei der Kandidatenfindung dabei? Ist Dir bekannt, dass sowas auch immer noch von einem Parteitag bestätigt werden muss? Hast du dich mal mit Frau Suding persönlich argumentativ auseinandergesetzt oder dich mit Leuten unterhalten die sie unterstützt haben? Vermutlich nicht. Letztlich gelangst du durch deine eigenen Eindrücke zu deinem Urteil. Das ist nicht schlimm per se. Ich bilde mir ja auch mein Urteil über bestimmte Vorgänge ohne sehr explizites Wissen darüber zu haben. Fragt sich aber ob dein Tonfall angemessen ist.
Darf ich im Übrigen davon ausgehen, dass wenn attraktive Kandidatinnen von dir genehmen Parteien aufgestellt werden, dass du ins gleiche kritische Horn blasen würdest? Sollte eigentlich auch für Männer gelten. Alles andere wäre ja schon ein wenig sexistisch, findest du nicht?
Zur Schutzmacht, Sozialdarwinismus, etc.:
Du darfst alle Meinungen der Welt haben Dean und diese auch entschieden vertreten. Eine weit aufgefasste Meinungsfreiheit ist eine der wichtigsten Säulen meiner eigenen politischen Überzeugung. Die Tatsache, dass du mir unterstellst, dass ich das anders sehen könnte sagt sehr viel mehr über deinen Diskussionsstil als über mich, daher erlaube mir diesen Seitenhieb: Ich kann zwar ganz sicher nicht für alle sprechen (und es gibt genügend Gegenbeispiele – aber das ist universell) aber so mancher Liberaler nimmt das mit der Diskursethik anscheinend etwas ernster.
Falls die FDP ein „deutlich“ sozialdarwinistisches Profil hat macht sie aber einen sehr schlechten Job, mehr sozialdarwinistische Anhänger zu gewinnen. Wenn man sich die letzte Runde der FES-Studie (deren Methodik ich aber immer noch etwas anzweifle) anguckt sieht man schnell das sich das grob um den Bevölkerungsanteil einpendelt der auch solche widerlichen Ansichten teilt einpendelt. Witzigerweise landet die FDP dort unter den Grünen. Aber das ist in den Bereichen eh alles statistisches Rauschen. Der Abstand zu den Rechtsradikalen allerdings nicht mehr. Der ordentliche Sozialdarwinist scheint sich dort besser aufgehoben zu fühlen.
Du brauchst mir jetzt im Übrigen nicht mit Anekdoten kommen – ich weiß, dass es in der FDP Personen gibt die auch mal sozialdarwinistisch argumentieren. Selbst schon kennengelernt. Habe ich allerdings auch schon von anderen Parteianhängern gehört. Leider gibt es Menschen mit beschränkten Ansichten überall.
Dass aber die FDP geschlossen ein „deutlich“ sozialdarwinistisches Profil vertreten sehe ich anders. Aber wahrscheinlich muss man den Begriff einfach etwas überstrapazieren damit das wieder passt.
Zur Schutzmacht, Bestbegütert und Privilegiert:
Hier wird man tatsächlich eher fündig. Ich finde es unerträglich, dass eine angeblich liberale Partei, Kammerzwang, Apothekermonopol und Rettungsschirme ob für Länder, Spekulanten, Unternehmen mitträgt. DAS ist alles für mich Privilegienwirtschaft. Aber ich vermute, dass du das gar nicht mit Privilegien meinst sondern damit einfach eher Wohlhabende meinst – was man durch Privilegien, Glück aber auch durch Leistung werden kann. Ob zu dieser Aussage die Wahlergebnissaufteilung auf Wohnviertel ausreicht (auf die du da ich ja in deinem Beitrag beziehst) wage ich zu bezweifeln.
Ich will eine FDP (die im Übrigen für mich einfach das geringste Übel ist – ich bin derzeit weder Mitglied noch Parteisoldat) die u.a. einen relativ freien, fairen Markt vertritt und eben nicht Wohlstand einiger durch Privilegien sichert. Bei den anderen Parteien wird’s da aber auch nicht attraktive für mich – die Privilegien werden einfach anders verteilt und marktwirtschaftsfreundlicher ist man da ganz sicher auch nicht.
Bitte mach Dir nicht die Mühe mir aufwendig zu antworten und evtl. Nebenkriegsschauplätze aufzumachen. Ich habe im Moment keine Lust darauf im Internet bis an die Stelle zu diskutieren an der man eh nur noch über Grundannahmen aus denen sich das meiste ableitet streitet. Der Anlass war für mein Posting war eigentlich ein anderer und jetzt habe ich mir schon wider unnötigerweise ‚nen Wolf getippt. Widersprich mir einfach an den Stellen die du für wichtig hälst, das reicht mir. ;)
@John Dean:
> Das Argument mit der CDU-Konkursmasse kann so falsch nicht sein …
Nun sicher haben andere Parteien von der CDU-Schwäche profitiert. Wahlen sind immer ein Nullsummenspiel, was einer gewinnt, hat der andere verloren.
Aber Wähler wechseln die Wahlpräferenz nur, wenn auch eine attraktivere Alternative da ist. Sowohl SPD wie FDP haben diese eben bieten können. Und das war in beiden Fällen nicht selbstverständlich wenn man die Vorgeschichte dieser beiden Landesparteien anschaut.
Der Rest des Beitrags ist leider so unsachlich, da lohnt keine Antwort.
Nur eine Anmerkung: Wer eine Spitzenkandidatin von 35 Jahren als „blutjung” abqualifiziert, scheint ein ziemlich antiquiertes Politik-Verständnis zu haben.
Pardon, bist du dir überhaupt sicher, den Rest des Beitrags gelesen zu haben? Ich fand da nichts Unsachliches darin. Sicher hast du damit recht, dass die CDU-Schwäche zwangsläufig Wählerwanderungen produziert. Das meine ich auch, zumal dann, wenn es sogar zu einer Halbierung (!) des vorherigen Zuspruchs zur CDU kam.
Interessant ist dann allerdings, wer von diesen Wählerwanderungen besonders profitiert, oder? In absoluten Zahlen (Wanderungsbilanz der Interparteienwanderungen nach Dimap):
52.000 zur SPD
19.000 zur FDP
7.000 zu den Grünen
4.000 zur Linkspartei
Bemerkenswert daran ist einerseits die starke Wanderung hin zur SPD — bei einer so starken Abwanderung von der CDU, üblicherweise jedenfalls, müsste die Wanderung zur FDP eigentlich relativ stärker ausfallen. Normalerweise erhält die FDP mindestens 1/3 der Parteiabwanderung aus dem CDU-Spektrum, mitunter sogar 50 Prozent. Diesmal erhielt die FDP aber nur: rund 25 Prozent der CDU-Wähler, die zu anderen Parteien wanderten, und noch schlimmer, nur 13,5 Prozent aller Stimmen, welche die CDU verloren hat!
Weiterhin bemerkenswert ist es, dass die FDP von der Zuwanderung aus der CDU auch deshalb nicht so stark profitiert hat, wie es zu erwarten war, weil zugleich auch 5.000 Stimmen von der FDP zur SPD (!) gewandert sind, sowie 6.000 Stimmen zu den Nichtwählern. Das heißt, von 19.000 zugewanderten Stimmen blieben am Ende nur noch 6.000 Stimmen Stimmgewinn für die FDP übrig.
Der prozentuale Zugewinn der FDP bugsierte sie zwar über die 5-Prozent-Hürde, aber er hätte vor dem Hintergrund der Schäche der Ahlhaus-CDU eigentlich deutlich höher ausfallen müssen. Oder liege ich mit dieser Schlussfolgerung falsch? Vergleich man nun die die Abwanderungsbilanz der FDP mit der in Hinblick auf das Wählerklientel (in Hamburg) teils recht ähnlichen, verbürgerlichten grünen Wähler in Hamburg (die ja durch die Regierungsmisserfolge von Schwarzgrün ziemlich frustriert sein müssten, imho sogar stärker noch als die CDU-Wähler, weil viele zentrale grüne Forderungen sich im Regierungsalltag nicht durchsetzen konnten — und damit meine ich nicht nur Moorburg), so fällt die Bilanz der Hamburger FDP sogar desaströs aus!
Von vormals Wählern verlor die FDP an die Nichtwähler rund 6.000 Stimmen. Die Grünen, mit vormals rund doppelt so viel Wählern, verloren jedoch trotz spürbarer Wählerfrustration bei den Stammwählern nur 5.000 Stimmen!
Das heißt, die FDP-Wähler in Hamburg waren von der eigenen Partei stärker (!) frustriert (nimmt man die Abwanderung zu den Nichtwählern als Frustrationsausdruck) als es die grünen Wähler in Hamburg waren…
Das Wahlergebnis weist damit auf eine gefährliche strategische Lage der FDP in Hamburg hin: Wenn sich die CDU Hamburg aus ihrem Umfragetief heraus arbeitet und — sagen wir mal — die Hälfte der Wahlverluste rückgängig machen kann, dann könnten bzw. werden, aller Voraussicht nach, der FDP auch rund die Hälfte der zugewanderten CDU-Stimmen wieder abhanden kommen!
Ergebnis: Die FDP Hamburg verliert dann 8.500 Stimmen und rutscht erneut unter die 5-Prozenthürde.
Autsch!
Diese voraussichtliche Entwicklung (die man auch bestreiten könnte — allerdings meine ich, für meinen Standpunkt gute Gründe angeführt zu haben) spricht in meinen Augen auch dafür, dass die 5-Prozenthürde zu hoch angelegt ist. Auch eine Partei, die nur 3 oder 4 Prozent des Wahlvolks repräsentiert, ist in meinen Augen eine wichtige Stimme im demokratischen Prozess. Und so wenig ich mit der politischen Position der heutigen FDP übereinstimme, so sehr ich ihren Sozialdarwinismus verachte, so sehr respektiere ich, dass die FDP wichtige gesellschaftliche Gruppen vertritt. Ich halte es für notwendig, dass die von der FDP vertretenen Wählerschichten im Parlament vertreten sind!
Meine Forderung:
Die 5-Prozenthürde muss in Hamburg auf 3 Prozent abgesenkt werden!
Es ist in meinen Augen nicht optimal demokratisch (jedenfalls keine gute Repräsentation), wenn Wähler anderer Parteien, z.B. CDU, der FDP „Leihstimmen” geben, um damit das parlamentarische Verschwinden eines geschätzten Koalitionspartners zu verhindern.
Außerdem denke ich, dass es der FDP Hamburg nicht gut getan hat und eine gewisse qualitative Erosion bewirkt hat, dadurch, dass sie nicht mehr in der Bürgerschaft vertreten war. Weiterhin denke ich, dass es zu einer Belebung des demokratischen Prozesses kommt (inkl. der Verhinderung fester Machtpositionen z.B. für Hamburger Sozialdemokraten — was nicht nur im Fall von Sozialdemokraten immer mit einer gewissen Filz– und Korruptionsgefahr verbunden ist), wenn man die 5-Prozenthürde absenken würde. Der politische Prozess würde dynamischer, lebendiger, bürgernäher.
Und das sollten wir unterstützen, auch in Hinblick auf künftig höhere Wahlbeteiligungen.
P.S.
Man kann meiner Argumentation eine Kleinigkeit entgegen setzten: Das neue Hamburger Wahlrecht bewirkte bei 14 Prozent aller Wähler, dass diese ihre Stimmen unter mehreren Parteien verteilten. Eine besondere Neigung zur Stimmverteilung hatten dabei Wähler der Grünen, aber auch der FDP — während klassische CDU– und SPD-Wähler von dieser Möglichkeit so gut wie nie Gebrauch machten. Das heißt mit anderen Worten, das neue Wahlrecht ging eher zu Lasten der kleineren Parteien (mit Ausnahme der Linkspartei). Der Zugewinn der Grünen wäre ohne diesen Einfluss rund 1,2 Prozent höher ausgefallen, und auch die FDP hätte einen immerhin 0,7 Prozent höheren Zugewinn ohne diesen Faktor erlebt.
(Quelle: eigene Schätzung, extrapoliert aus Dimap-Daten)
Die SPD hat überall gewonnen; in allen Schichten, in allen Stadtteilen, in St. Pauli ebenso wie in Blankenese. Die SPD gewinnt, wenn sie wirtschaftlichen Sachverstand und das Herz für die „kleinen Leute”, in der Tat nicht nur ALG-II-Empfänger verbindet.
So erfreulich die Hamburgwahl für die SPD auch ausgefallen ist — es bleiben noch jede Menge Probleme, zum Beispiel auch in Hinblick auf die Wählermobilisierung in bestimmten Stadtteilen. Hier sind viele 1o.000 Stimmen verschenkt worden — bzw., es gibt noch viel zu tun, auch dahingehend, sich Vertrauen in der Bevölkerung zu erarbeiten.
Ich teile aber deine Analyse: Der „Hamburger Zweiklang” aus betont sozialer Orientierung und wirtschaftlicher Vernunft ist eine Erfolgsformel — meines Erachtens auch auf Bundesebene, was Sigmar Gabriel sogar dazu brachte, seine eigene politische Grundorientierung, nämlich die Verbindung von sozialer Orientierung mit Liberalismus, als Erfolgsmöglichkeit für die Bundes-SPD zu loben.
Jedenfalls: Mit dezidiert sozialliberaler Programmatik und Politik können sowohl die bürgerliche Mitte, als auch Arbeitnehmerkreise und Rentner erreicht werden. In Hamburg hat es funktioniert.
Die Bundes-SPD hat bei der HartzIV-Debatte eine Chance zur Profilbildung verschenkt in meinen Augen — das hätte man besser nutzen können, so sehr auch die gefundenen Mindestlohnregelungen zu loben sind, die es ohne den Kurs der Bundes-SPD nicht gegeben hätte, sowohl im Bereich Zeitarbeit, und noch wichtiger wegen des Ausmaßes an Missbrauch, im Bereich der Wachdienste.
Die Bundes-SPD macht aber zuwenig aus dem eigenen Pfund. Auch einer wie Steinmeier wäre imho in der Pflicht, diese Erfolge der eigenen Oppositionsarbeit plakativ heraus zu stellen.
die spd ist nicht (mehr) die partei der „kleinen leute”.
sie setzt sich nachweislich fürs kapital ein und nicht mehr für die kleinen leute.
wer will mir angesichts niedriglöhnen ( schröder war ganz stolz drauf ) und finanzkrise ( steinbrück hat „alternativlos” das kapital zum gewinner gemacht, die kosten sozialisiert) widersprechen?
@ R.A.
frage: welchen links-trend der bundes-spd meinen sie? an welchen personen der spd machen sie diesen links-trend fest?
es bleibt ihnen belassen, die fdp zu wählen. ich kritisiere das nicht. in einer demokratie muß ich das akzeptieren.
aber ich gehöre zu den „kleinen leuten” und brauche eine linke spd.
und wenn die spd nicht mehr links wird, welche daseins-berechtigung hat sie dann?
@jürgen:
> welchen links-trend der bundes-spd meinen sie?
Die SPD hat in den letzten beiden Jahren wesentliche Positionen ihrer Regierungszeit geräumt und fordert nun das Gegenteil (z. B. bezüglich Hartz IV oder Mindestlöhnen). Alles Forderungen, die vorher von den Linken aufgebracht wurden (und von der SPD damals strikt abgelehnt wurden).
Das ist auf jeden Fall ein Linksruck — auch wenn er manchen Linken noch nicht weit genug geht.
@R.A.
mir geht es auch nicht weit genug! ich war mein leben lang — und bin es immer noch — roter, ex-spd-wähler, arbeiter.….. eben ein linker!
mit sicherheit gibt es in der spd auch „linke”, die in die vor-schröder-zeit zurück wollen. das ist dann kein linksruck, sondern ein zurück zu den aufgaben, die eine partei wahrnehmen sollte die das prädikat „sozial” im namen führt!
sie gehören offensichtlich zum sogenannten „konservativen” lager.
soll so sein! deshalb sehen sie es gern, wenn die spd „linke” positionen aufgibt.
aber ich bin ein linker! ich habe 1998 die spd lafontaines gewählt!
und jetzt sagen sie mir mal ehrlich als demokrat und nicht als konservativer: warum sollte ich heute die spd wählen?
Jürgen, Sie täuschen sich an einem Punkt: R.A. ist kein SPD-Rechter. Er gehört nicht zum „konservativen Lager” innerhalb der SPD. Rechts ist er schon…
… und zwar im Sinne eines a) marktfundamentalistisch-sozialdarwinistischen Politikverständnisses und b) eines scharfen weltanschaulichen Gegensatzes zu allen Linken.
Als solcher sind Sozialdemokraten neben Linksliberalen seine bevorzugten politischen Feindbilder/Gottseibeiunses — neben Islamisten, Technokraten, Bush-Kritikern, Neonazis usw. usf.
Es reicht jetzt. Wenn Du nicht ohne Unterstellungen und Beleidigungen argumentieren kannst, lass es sein.
R.A.: Wenn ich den Kommentar entfernen soll, sag Bescheid.
Huch, was ist denn das, Christian??
Ist es in deinen Augen eine haltlose Unterstellung, wenn ich von R.A. sage, dass er nicht dem SPD-Spektrum zuzurechnen ist, sondern dem rechtslibertären Spektrum?
Und: Warum hältst du die (m.E. zutreffende) Charakterisierung dieser politischen Richtung als
a) marktfundamentalistisch-sozialdarwinistischen und die Behauptung eines
b) eines scharfen weltanschaulichen Gegensatzes zu allen Linken
für eine Beleidigung???
Während du im Fall der von R.A. goutierten eindeutigen Beleidigungen gegen mich hingegen als harmloser empfindest als meine Charakterisierung einer politischen Richtung:
a) „beruflichen Unvermögen„
b) „Neidhammel„
c) „degeneriert„
d) „Versager„
e) (A )Soziale wie Du
f) „begrenzten mentalen Fähigkeiten„
g) „liegst anderen Menschen auf der Tasche”
???
Das also ist okay — und die Bezeichnung einer extremistischen sozialdarwinistischen Ideologie als sozialdarwinistisch ist nicht okay und eine nicht zu duldende Beleidigung in deinen Augen???
Christian, gehts noch?
Es geht wunderbar.
Du verwechselst Stefan Balker und R.A. Das sind verschiedene Personen.
Stefan Balker habe ich ebenfalls ermahnt.
Ermahnt? Nunja — du hast ihn weder eine Beleidigung vorgehalten, noch angeboten, die beleidigenden Äußerungen von Stefan Balker zu löschen. Falls du noch fragen willst: Ja, bitte lösche diesen Beitrag von Stefan Balker bzw. streiche alle Beleidigungen (z.B. mit xxx) — wobei ich fürchte, dass dann nicht mehr viel übrig bleibt.
In einer anderen Hinsicht gebe ich dir Recht — allerdings habe ich nicht Stefan Balker verwechselt, sondern F.Afonso mit R.A. — was aber nichts daran ändert, dass er eindeutig zu den Rechtslibertären zu zählen ist.
Christian, kannst du mir bitte erläutern, warum es „beleidigend” sein soll, wenn ich die rechtslibertäre Ideologie als sozialdarwinistisch bezeichne?
@R.A.
grad gelesen:
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a2&dig=2011%2F02%2F19%2Fa0142&cHash=4900389a5b
warum soll ich das gut finden? finden sie’s gut?
@ Christian, betreffs Piratenpartei
Bei den Erstwählern hat die Piratenpartei immerhin 7 Prozent erringen können! Du liegst mit Deiner Einschätzung imho sehr richtig.