Im „Handelsblatt” erschien ja recht schnell ein Kommentar, der Guttenberg zum Rücktritt aufforderte. „Potzblitz”, dachte ich, „das ‚Handelsblatt’ traut sich was”. Denn mutig, mutig war (!) dieser Kommentar:
Der noch amtierende Verteidigungsminister weiß es: In der Frage des Plagiats geht es für ihn um Ehre und Anstand. Wer geistiges Eigentum stiehlt, setzt seine Ehre aufs Spiel. Wer als ertappt gilt, kann seinen Anstand nur mit einem beweisen: mit seinem Rücktritt vom öffentlichen Amt. Denn das beschädigt er. Eine andere Möglichkeit, die eigene Ehre zu retten und einen Rest Anstand zu wahren, gibt es nicht.
Wer den Link angeklickt hat, der hat jedoch gemerkt: der Kommentar, er ist nicht mehr. Technisches Versagen? Abmahnung? Was kann dafür der Grund sein? Ach. Er ist banal. Der Chefredakteur Steingart fand es doch gar zu garstig, wie Guttenberg behandelt wurde:
Ich habe den Kommentar, in dem von ‚unverzeihlichen Todsünden’ die Rede war, die zum ‚unvermeidlichen Rücktritt’ des Verteidigungsministers führen müssten, als unverhältnismäßig empfunden
Glücklicherweise dokumentiert das „Bildblog” diesen Vorgang. Es denke sich jeder seinen Teil. Soviel sei jedoch angemerkt: Steingart ist Autor des Buches „Die Machtfrage: Ansichten eines Nichtwählers”. Und außerdem ist es ein Glück, dass es das Internet gibt. Deshalb ist der Artikel noch verfügbar.
Wir lernen: wer die Macht hat, der bestimmt. Das „Handelsblatt” jedenfalls ist bei Steingart in „interessanten” Händen. Gelobt sei die „FAZ”, die den schwarzen Baron nicht vom Haken lässt und einen schönen Artikel mit dem hübschen Titel „Die Studierstube ist seine Bühne nicht” präsentiert. Wir lernen: bei der „FAZ” abschreiben ist tunlichst zu vermeiden — die nehmen das persönlich.
Zu guter Letzt sei auf einen Blog-Eintrag verwiesen, der sich mit der Urheberrechtsthematik als solcher beschäftigt, die mit diesem Fall möglicherweise auch in Zusammenhang zu bringen ist.
PS: Noch ein rascher Verweis auf einen ähnlich gelagerten Fall, dokumentiert von „Archivalia”.


Die soziale Marktwirtschaft war schon mal besser.
Frei nach R.E.M.: Losing my religion…
Mit den Todsünden lag der HB Kommentator gar nicht falsch. Hochmut gehört nämlich dazu. Und Guttenberg nennt sich doch gläubiger Christ. Oder sagt bloß, das stimmt auch nicht?