Gauck: Demokratie und Freiheit

Fabelhafte Rede von Joachim Gauck. Besonders der Teil mit der Zivilgesellschaft ist wirk­lich sehr richtig beschrie­ben. Die „deut­sche Vereinsmeierei”, die so oft belä­chelt wird, ist ein konsti­tu­ti­ves Element unserer demo­kra­ti­schen und offenen Gesellschaft. Allen passi­ven und aktiven Vereinsmitgliedern muss man einfach dankbar sein. Ganz ausge­zeich­net ist auch der Teil über die, die das Grundgesetz im Geist um den Satz „Die Besitzstandswahrung ist unan­tast­bar” ergänzt haben.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

4 Gedanken zu „Gauck: Demokratie und Freiheit“

  1. Die Heroisierung und Überbewertung (doch, doch) zivilen Engagements seitens von Gauck wirkt, bei jahr­zehn­te­lang einge­üb­ten Floskeln, durch­aus anspre­chend — aber das ist kein Kunsstück.

    Der von Gauck hoch­be­tonte Gesichtspunkt, allemal löblich, geht aller­dings — in meinen Augen — an wesent­li­chen Fragestellungen vorbei, wenn man über die sozia­len Herausforderungen unserer Zeit spricht. Es mag viel­leicht traurig sein, trotz vieler priva­ter Bemühungen ist ein sinn­voll geord­ne­tes Staatswesen nicht zu erset­zen. Der Zufall gelun­ge­ner priva­ter Hilfe und Initiativen kann — bis zu einem gewis­sen Grad — staat­li­ches Handeln erset­zen, mehr noch, weitaus über­trump­fen in Hinblick auf Herzenswärme und Effektivität.

    Aber eben nur bis zu einem gewis­sen Grad — und das über­sieht Gauck, vor allem, indem er nicht darüber spricht, und auch nicht darüber, dass in einer verän­dern­den Welt immer eine — stän­dige ! — Neuordnung des Sozialstaates ansteht, seine Verbesserung in vielen Gebieten, seine Effizienzsteigerung, die Senkung seiner Kosten — idealer Weise auch in Kooperation mit bürger­li­cher bzw. zivil­ge­sell­schaft­li­cher Initiative — aber eben kein Ersatz des Sozialstaats durch die lobens­wer­ten Leistungen (vorwie­gend) der mitt­le­ren Schichten unserer Gesellschaft.

    Auch könnte er ruhig einmal anpre­chen, dass sich Einkommens- und Vermögensmultimilionäre sehr häufig der Steuer- und Abgabenpflicht entzie­hen (während sie z.B. der von allen übrigen finan­zier­ten Rettung von Banken und Vermögensgütern unge­mein profi­tie­ren) — und zugleich NICHTS für die Gesellschaft tun, NICHTS für die Schwächeren in der Gesellschaft, weil sie sich vor den unteren Schichten gera­dezu ekeln und diese verach­ten.

    Allenfalls werden von diesen Kreisen ein paar unnö­tige und zugleich teuer-aufwän­dige Ausgaben im Kulturbereich unter­stützt. Das ist gut für deren Dünkel bzw. für das falsche Gefühl, Wohltäter zu sein. In meinen Augen sind diese Leute, die sich eben­falls im Lob Gaucks Reden sonnen, vor allem Räuber.

  2. Gaucks Redeversuche mit altvä­ter­li­cher Gratismoral von der Stange erin­nern mich immer an „Wenn der Senator erzählt” von F.J. Degenhardt.
    Zum Glück hat von zwei unter­ir­di­schen Kandidaten mit Herrn Wulff das gerin­gere Übel gewon­nen.

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