Endlich wieder Schröder

Gerd ist wieder da. Wenn auch nur für eine kurze Rede. Aber man kann sich ja wenigs­tens für die Dauer dieser kurzen Rede vorstel­len, dass Schröder noch Kanzler ist. Unser Gerd. Unser Schröder. Unser Kanzler. Wenigstens für diese wenigen Minuten.

Übrigens steht die Hamburger SPD in einer aktu­el­len Umfrage bei 46 Prozent. Ich kann die abso­lute Mehrheit schon riechen. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht, wer hätte gewagt, dies öffent­lich zu vermu­ten? Vorwärts mit Olaf Scholz!

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

6 Gedanken zu „Endlich wieder Schröder“

  1. Ich finde es gut, dass sich die Hamburger SPD klar zur Agenda 2010 bekennt!
    Ich wette , der Erfolg wird ihr recht geben.

    In Hamburg sorgt ein Blick auf den Unionswahlkampf wirk­lich für Amüsement:

    Die Union führt mit ihren Plakaten und Werbespots (Siehe Citymaut) einen oppo­si­tio­nel­len Angstwahlkampf gegen Rot-Grün, wobei sie sich auf im Wesentlichen auf Positionen der Grünen bezieht, mit denen bislang koalierte. (Es gibt z.B. keine Ausage der SPD pro Citymaut, siehe unten­ste­hen­der Spiegel-Artikel)
    Ja, welche Aussage soll denn das ergeben?
    Hält sie ihren lang­jäh­ri­gen Koalitionspartner für nicht koali­ti­ons­fä­hig?
    Und was hat sie dann die letzten Jahre gemacht?

    Konsequent durch­dacht ist diese Kampagne eine der wider­sin­nigs­ten, an die ich mich erin­nern kann. Als logi­sche Aussage für poten­ti­elle Unionswähler kann man da eigent­lich nur heraus­le­sen:
    Wählt eine starke Regierung, die die Grünen nicht benö­tigt!
    Wählt die SPD, damit diese die abso­lute Mehrheit erreicht!
    Man sollte der Hamburger SPD glatt empfeh­len, in der Diskussion mit konser­va­ti­ve­ren Wählern die unio­nis­ti­sche Kampagne zu nutzen. ;-)

    Auch ein Blick auf die konse­quente Nichtabstimmung der Homepages http://www.cduhamburg.de und http://www.cdu-hamburg.de ist beein­dru­ckend, ebenso die Professionalität dieses Werbespots der Union: http://player.vimeo.com/video/19273729

    Oder die eigenen Aussagen der Union in diesem gran­dio­sen Spiegel-Artikel:
    > „Wann hat sich die SPD für eine Citymaut ausge­spro­chen?”, fragt ein
    > Journalist bei der Vorstellung der Kampagne am Freitag vorletz­ter Woche. „Mir
    > ist keine dies­be­züg­li­che Äußerung von Olaf Scholz oder anderen SPD-Politikern
    > bekannt”, antwor­tet CDU-Wahlkampfleiter Gregor Jaecke.
    >
    > „Und warum schrei­ben Sie das trotz­dem?” Nun ja, die Grünen würden schon dafür
    > sorgen, meint Jaecke. Grinsen im Saal. „Und welche Agentur hat Ihre Kampagne
    > entwi­ckelt?”, will eine Reporterin wissen. Auf den Wangen des CDU-Manns
    > erschei­nen rote Flecken. „Aufgrund der Knappheit der zur Verfügung stehen­den
    > Zeit haben wir uns diesmal für eine Inhouse-Lösung entschie­den”, antwor­tet
    > der Wahlkämpfer in verschwur­bel­tem Deutsch, „wir haben auch ein paar krea­tive
    > Köpfe bei uns.”
    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,742690,00.html

  2. Ich kriege da eher das Kotzen. Jahrelang zieht er („unser Gerd”) sich aus der Öffentlich heraus, zieht aus dem Hintergrund heraus Strippen (zu Gunsten des Clement-Deppen und von Steinmeier u.a.), weigert sich hart­nä­ckig, berech­tig­ten Nachfragen Antwort zu stehen — und kaum, dass ein paar wirt­schafts­nahe Leute sich rund um die SPD Hamburg versam­meln, da lässt er sich feiern.

    Unser Gerd? Meiner ist es jeden­falls nicht. Und ich bin sicher, dass die SPD-Basis in Hamburg Gasgerd Schröder und sein Verhalten in den letzten Jahren mehr­heit­lich kritisch sieht. Er ist in der Tat ein toller Wahlkämpfer; aber ich halte sein Verhalten, jeden­falls in den letzten Jahren, für sehr frag­wür­dig — an Stelle von Scholz hätte ich auf „Gerds Hilfe” eher verzich­tet .

    Männerfreundschaft (d.h. Saufen mit Gerd) hin oder her. Das hätte es nicht gebraucht.

  3. Schröders Einschätzungen und Schwerpunkte in seiner 18-Minuten -Rede teile ich nicht. Außerdem mag ich es nicht, wenn sich ein Redner vor der Rede „Mut antrinkt” — und dies dann so sehr, dass er seine Rede fast schon lallt.

    Außerdem hat er die halbe Rede dazu verwen­det, um die eigene Politik zu recht­fer­ti­gen — und dabei bewie­sen, dass er bera­tungs­re­sis­tent ist, während zu allen Überfluss jetzt auch noch er von einer neoli­be­ra­len EU-Wirtschaftsregierung träumt — was imho kein zwin­gend sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Traum ist, und auch kein Thema, das in den Wahlkampf in Hamburg gehört.

    Für die Rolle von Scholz beim Kurzabeitergeld hatte er nur eine Randbemerkung übrig, und die Worte Mindestlohn, Teilhabe und Stadtentwicklung wollten ihm nicht über die Lippen kommen.

    Peinlich, Gerd. In der Form braucht dich niemand.

  4. Auch, um etwas Positives zu sagen: Das Wahlprogramm bzw. Regierungsprogramm von Olaf Scholz und der SPD Hamburg ist in der Summe ausneh­mend gut sowie erfreu­lich konkret (ganz im Gegensatz zum dürf­ti­gen Blablabla im Programm der CDU Hamburg). Gut ist auch, dass sich die Wirtschaftsvertreter (u.a. Horch) ohne jeden Abstrich hinter dieses Programm gestellt haben — wie auch hier die Rede von Horch deut­lich macht.

    Natürlich — Mängel bestehen trotz­dem noch, und jede Menge guter Ideen und Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung/aktivierung sind noch zu heben. Aber die Richtung ist allemal erfreu­li­cher als die von Schwarzgrün und Schwarzgelb.

    Interessant wäre imho gewesen, dieje­ni­gen poli­ti­schen Forderungen beson­ders heraus zu stellen, die im Fall einer rotschwar­zen bzw. rotgrü­nen Koalition als jeweils unver­han­del­bar gelten. Nicht zuletzt ist so etwas für die Wähler inter­es­sant.

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