Frauenquote? Klar!

31. Januar 2011
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Warum braucht Deutschland eine Frauenquote?

Damit es nicht in jeder Führungsspitze aussieht wie bei der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag.


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18 Responses to Frauenquote? Klar!

  1. John Dean on 1. Februar 2011 at 09:40

    Die FDP-Fraktion in Hessen interessiert mich nicht die Bohne, pardon. Das ist sowieso ein ganz trauriger Haufen. Interessant ist jedoch die aktuelle Diskussion um den Erlass einer gesetzlichen Vorschrift für DAX-AGs. Lügen-Leyen (welche immer noch behauptet, wahrheitswidrig, dass man bei ALGII nur Alkohol und Zigaretten gekürzt hätte) will 30 Prozent — die SPD will 40 Prozent Frauenquote.

    Beides halte ich für falsch — und für einen zu starken Eingriff in die Dispositionsfreiheit von Unternehmen. Andererseits ist die derzeitige Frauenquote in Vorständen in Höhe von rund 3 Prozent ausgesprochen erbärmlich und belegt in meinen Augen, dass es hier einen Regelungsbedarf gibt.

    (nebenbei: die FDP behauptet, in der Frauenquote zeige sich lediglich, dass die Unternehmen ohnehin „die besten” Mitarbeiter auswähle — im Umkehrschluss also behauptet die FDP, Frauen sind zu 97 Prozent unfähig für derartige Jobs…)

    Eine „milde Quotierung” würde ich für angemessen halten — also ein Quote von 15 bis 20 Prozent. Damit wird zwar auf dem Regelungsweg „nur” etwas mehr als ein Drittel einer Geschlechterparität erreicht (wobei ich es aus freiheitlicher Perspektive für sehr fraglich halte, ob Geschlechterparität bei der Besetzung von Stellen ein derartig vorrangiges Ziel sein sollte) — aber die Unternehmen behalten auf diesem Weg den Großteil ihrer Dispositionsfreiheit bei der Besetzung von Spitzenpositionen, während gleichzeitig damit ein deutlicher Wandel ausgelöst wird. Ich bin mir sogar sehr sicher — sollte man sich für eine 15 Prozent-Quote entscheiden — dass der Großteil der DAX-AGs diese Quote übererfüllen würde.

    Die gesellschaftliche Signalfunktion wäre damit sehr hoch — und hätte m.E. tief greifende Wirkungen auch auf andere gesellschaftliche Bereiche.

    Im Übrigen halte ich es für erstens ausgeschlossen, und zweitens auch absolut nicht für wünschenswert, wenn man in allen Gremien eine 50-Prozent-Quotierung anstrebt. Wer so etwas wünscht, der ist in meinen Augen sexistisch (und überbetont die Bedeutung des Geschlechtes) und hat zugleich keine realistische Sicht auf die Schwierigkeit, Gremien/Vorstände überhaupt vernünftig zu besetzen.

    Nebenbei: Wenn sich Frauen prozentual weniger als Männer für eine „Power-Karriere” entscheiden, wo sie sich mit Haut und Haaren und mit über 60 Stunden Arbeit pro Wochen einem Unternehmen verschreiben, dann ist das in meinen Augen einerseits klug, andererseits führt das aber ganz natürlich dazu, dass es in sogenannten Spitzenpositionen dann prozentual mehr männliche Bewerber gibt.

    Na, und!

    Generell denke ich, dass eine Quotierung (ein übrigens sehr rigides Mittel) nur etwa die Hälfte einer benachteiligenden Geschlechterdisparität ausgleichen sollte. Stellt man/frau dann noch die unterschiedliche Geschlechterverteilung bei den Geschlechteranteilen unter den Kanditaten/innen in Rechnung, dann wird m.E. damit klar, dass sogar eine 20%-Quotierung eine recht harte Maßnahme sein kann.

    • Christian Soeder on 1. Februar 2011 at 10:09

      50% fände ich auch absurd. Fordert ja auch nur die Linkspartei.

      40% finde ich allerdings okay. Klappt bei der SPD gut. Kann man gut auf Unternehmen übertragen.

      • John Dean on 1. Februar 2011 at 12:43

        Der Unterschied:

        Die SPD hat sich ihre Quotierung selbst verschrieben. Hingegen greift eine gesetzliche Quotierung in das Selbstbestimmungsrecht von Organisationen ein — meines Erachtens sogar so sehr, dass eine 40-prozentige, gesetzliche Quotierung von Vorständen vom Bundesverfassungsgericht kassiert werden würde.

        Für mich drückt sich in einer harten Quotierung — im Gegensatz zur oben beschriebenen milden Quotierung — ein dirigistisches Denken aus. So lächerlich ich den radikalen Standpunkt von FDP-Freaks in der Frage der Quotierung finde (jedenfalls dort — wie z.B. bei Vorstandsjobs — wo offenkundig ein großes Problem besteht), so problematisch finde ich auch die Geisteshaltung derjenigen, welche sich für harte Quotierungen einsetzen.

        Zugespitzt gesagt: Von einem sexistischen Geschlechterstalinismus halte ich nichts.

        (dass sich jemand wie Lügen-Leyen für sowas erwärmen kann, wundert mich vor dem Hintergrund ihrer Halbgott mimenden Hybris kein Stück — und der Zuspruch seitens der SPD zu einer sogar noch härteren Quotierung erkläre ich mir einerseits mit einer verhängnisvollen Tradition bürokratischen Denkens in der SPD, aber auch damit, dass man dort den fundamentalen Unterschied zwischen selbst bestimmten Quotierungen und fremd bestimmenden, gesetzlich verfügten Quotierungen massiv unterschätzt)

        • Christian Soeder on 1. Februar 2011 at 12:46

          Wir haben 10 Jahre gewartet. Nichts ist passiert. Jetzt ist die Politik gefragt. Da muss der Staat ran.

          Und ja, die SPD liebt Bürokratie. :P

    • Christian Soeder on 1. Februar 2011 at 10:10

      wo sie sich mit Haut und Haaren und mit über 60 Stunden Arbeit pro Wochen einem Unternehmen verschreiben”

      Meiner Meinung nach braucht es auch einen Mentalitätswandel dahingehend in den Unternehmen. In anderen Ländern ist das anders. Da wird auch im Vorstand nicht 24/7 gearbeitet, sondern 9 to 5.

      • John Dean on 1. Februar 2011 at 12:51

        Ich bezweifele sehr stark, dass sich ein Mentalitätswandel sonderlich leicht erreichen läßt — so sehr ich die gegebenen Verhältnisse auch für eine Übertreibung halte. So ein Wandel würde m.E. viele Jahrzehnte Zeit benötigen, gerade in Deutschland…

        Im Übrigen, glaube ich, unterschätzt du imho das Arbeitspensum, das in OECD-Staaten auf Vorstandsebene (und knapp darunter) recht allgemein üblich ist. Ehrgeizige Japaner, Amerikaner und Neuseeländer arbeiten i.d.R. ebenfalls bis zum Umfallen, besonders in leitenden Positionen.

        Das mit dem „Mentalitätswandel” sagt sich leicht dahin — allzu leicht.

  2. Christian Soeder on 1. Februar 2011 at 10:13

    http://www.bild.de/BILD/news/standards/post-von-wagner/2011/02/01/post-von-wagner.html

    Ich bin für die Frauenquote.” (Franz Josef Wagner)

    :-D

  3. Jan on 1. Februar 2011 at 11:40

    Conny Pieper für alle!

  4. nk on 1. Februar 2011 at 12:49

    Da ist der Feminismus ja endlich bei sich angekommen. Kein Sachargument, dass die Beteiligung von mehr Frauen an gut bezahlten Gremien etwa bessere Ergebnisse erwarten ließe, keine Frage nach Nutzen und Sinn.

    Hier wollen einfach ein paar Mädels mehr Geld verdienen und sich die dazu nötige Ochsentour ersparen.[Wie sinnvoll diese Tour ist, ist eine ganz andere Frage]

    Simple Vorteilserschleichung : Das ist der Kern des Feminismus. Seine Theorie ist ja auch widersprüchlich im Extrem.

    Einerseits wird jeder funktionale und grundsätzliche Unterschied zwischen Mann und Frau negiert, denn sonst käme am Ende Familie und Mutterschaft dabei heraus und das darf nicht sein. Andererseits wird von weiblichen Tugenden oder Fähigkeiten erzählt, die es — wenn Männer und Frauen wirklich gleich wären — nicht geben dürfte, gleichzeitig wird postuliert, dass diese in jedem Falle nützlich seien.

    Natürlich gibt es spezifisch weibliche Fähigkeiten und Tugenden (ebenso wie spezifisch weibliche Fehler), ebenso wie spezifisch männliche. Das ist normal so, Leute. Schaut euch einfach mal bei 99,999 % der Menschen zu 99,9999 % aller Zeiten um.

    Es ist nicht im geringsten plausibel, dass die Ergebnisse jeder Institution durch einen höheren Frauenanteil besser würden. Ihr wollt ihn ja auch nicht in jeder Institution, sondern nur in denen mit Macht und Geld. Diese Behauptung könntet Ihr sehr einfach entkräften: Fordert die Frauenquote bei der Müllabfuhr.

    [ PS: Dass Du, Christian Söder, Dich als Mann für so etwas hergibst, dich Feminist nennst, ist eine Schande. Vielleicht wird dir das später mal sehr peinlich sein. Mir sind auch eine Menge Sachen peinlich, die ich früher mal verzapft habe.]

    • Christian Soeder on 1. Februar 2011 at 12:55

      Reaktionäres Gelaber, wie gehabt.

      Von Ihnen will ich jedenfalls nicht mehr geduzt werden.

      http://www.freitag.de/politik/1104-nicht-nur-der-vorstand-zaehlt

      • nk on 1. Februar 2011 at 19:28

        Tolle Argumentation.

      • nk on 2. Februar 2011 at 11:20

        Jetzt — im Licht des neuen Tages und nach einer durchschlafenen Nacht :
        Zuerst einmal eine halbe Bitte um Entschuldigung an Sie, Herr Soeder.
        Mein PS war dazu gedacht, zu verletzten und zu ärgern und das war in einer Hinsicht nicht recht :
        Sie haben sich öffentlich zum Feminismus bekannt und das ist mehr Mannesmut, als ich selber in meiner Eigenschaft als anonymer Poster aufbringe. Dafür hätte ich mehr Respekt aufbringen sollen.

        Auf der anderen Seite halte ich nach wie vor den Feminismus für eine der dümmsten Perversionen des Zeitgeistes und insofern muß ein Mann, der sich dazu bekennt, auch das Echo vertragen können.

        Ich habe keinerlei Problem damit, wenn sie mein Schreiben ‚reaktionär’ nennen, dass Sie es ‚Gelaber’ nennen, trifft mich eher.

        Es ist wahrscheinlich nicht falsch. Ich versuche hier eine Fundamentalkritik des Feminismus aus dem Ärmel zu schütteln, und die ist einfach noch nicht fertig. Ich erlaube mir daher erst einmal einen Link zum Meister Chsterton, der schon Anfang des 20 Jahrhunderts mit diesem Thema kämpfte und es mit mehr Geist und Witz auf den Punkt gebracht hat, als ich es je können werde. http://www.gutenberg.org/ebooks/1717, zum Thema einschlägig ist Teil III und IV

    • John Dean on 1. Februar 2011 at 12:59

      Schaut euch einfach mal bei 99,999 % der Menschen zu 99,9999 % aller Zeiten um.

      Toll, was du dir zutraust. Ich geb ja gerne mal das Schweinchen Schlau, aber sowas — was du dir zutraust — kann ich nicht. Meine Viertelkenntnisse in Anthropologie allerdings besagen, dass es die unterschiedlichsten Verhältnisse gibt/gab und wir Menschen es sind, welche festlegen, wie wir Menschen leben.

      Das mag jetzt etwas banal klingen — aber ich fürchte, du hast bei deinen überaus präzisen Berechnungen („ 99,9999 %”) so allerhand außer Betracht gelassen…

      ;-)

      (ich hoffe, du verstehst, was ich dir damit freundlich durch die Blume sage)

      • nk on 2. Februar 2011 at 06:08

        Na ja, ganz verstanden habe ich es nicht ;)

        Ich muss aber zugeben : ich habe nicht gezählt. Mein Argument sollte sein, dass es bei den meisten Menschen klare Vorstellungen vom unterschiedlichen Wesen von Mann und Frau gibt. Daraus sollte zu folgern sein, dass jemand, der von diesem Muster abzuweichen die Absicht hat, gute Argumente vorbringen sollte.

        Es gibt natürlich ausgesprochen viele Menschen und insofern gibt es natürlich nichts, was es nicht gibt. Aber es gibt so etwas wie Common sense und selbstevidente Wahrheiten.

        Und eine dieser selbstevidenten Wahrheiten ist, dass Mann und Frau im Wesen wirklich ziemlich verschieden sind. Ich bin 23 Jahre verheiratet und zwar mit einer Frau, die in vieler Hinsicht klüger ist, als ich und spreche aus Erfahrung.

        Was habt Ihr mit dem grundlegenden Unterschied zwischen Mann und Frau eigentlich für ein Problem, dass ihr den unbedingt platt bügeln wollt ?

        Was sollen eigentlich die Frauen von dieser Quote haben ?
        Ist es wirklich eine erfülltere Existenz, sich als Vorstand einer AG im Fernsehen aufzublähen, als Kinder zu erziehen ? Ein Haushalt ist auch eine wirtschaftliche Einheit und wer verwaltet denn das Geld ? Die Frauen und das ist auch gut so. Aber was ist daran entwürdigend ?

        Andererseits muss sich doch jede Frau in einem quotierten Bereich selber fragen (und vielleicht auch manchmal fragen lassen) ob sie ihren Posten nun wegen ihrer Qualitäten oder ihrer Geschlechtsteile erhalten hat. Man vergleiche doch einmal die schiere politische Kraft von Indira Gandhi und Angela Merkel !

        Ganz im Ernst : ich verstehe es nicht.

        • John Dean on 2. Februar 2011 at 09:08

          Mich freut für dich, dass deine Frau selbstevident klüger ist. Frag also mal deine Frau, welche gesellschaftliche Bedeutung es haben könnte, wenn der Anteil von Frauen in Vorstandspositionen unter 3 Prozent liegt — und wiederum, wie sie die Sache einschätzt bei 22 Prozent. Und: Was wäre ihr lieber?

          Den Hinweis auf die Anthropologie hast du tatsächlich nicht verstanden. Dann wüsstest du nämlich, dass das allermeiste, was du als Geschlechterunterschied als naturgegeben ansiehst, in Wahrheit kulturell bedingt ist…

          Eine Frauen diskriminierende Kultur ist aber in den seltensten Fällen der Ausweis einer guten Gesellschaft.

          • nk on 2. Februar 2011 at 11:32

            ”„
            Dann wüsstest du nämlich, dass das allermeiste, was du als Geschlechterunterschied als naturgegeben ansiehst, in Wahrheit kulturell bedingt ist…”””

            Die Farge, welcher Anteil am menschlichen Verhalten und seinem Wesen kulturell, biologisch oder spirituell begründet ist, ist natürlich kontrovers.

            Die entscheidende Frage ist jedoch, was an der prinzipiellen Verschiedenheit von Mann und Frau denn eigentlich so problematisch sein soll, dass man unbedingt meint, sie mit staatlichen Zwangsmaßnahmen korrigieren zu müssen. Dafür hätte ich gerne mal ein Argument gehört.

            Selbst wenn sie kulturell bedingt wäre, würde das die Änderung rechtfertigen ? Es würde sie vielleicht ermöglichen, aber das ist auch schon alles.

            Ich gebe mich keinen Illusionen hin . Natürlich wird die Quote kommen. Kein Vernunftargument wird den regierenden Wahnsinn stoppen, bis er an sein natürliches Ende gelangt ist.

        • John Dean on 2. Februar 2011 at 09:10

          Ganz nebenbei — und mit einer gewissen Sorge: nk, hast du Schlafprobleme? 6:08 als Postingzeit ist schon ziemlich ungewöhnlich.

          • nk on 2. Februar 2011 at 11:33

            Nö!
            Der frühe Vogel usw. Bin schließlich kein Student mehr ;)

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