18 Gedanken zu „Frauenquote? Klar!“

  1. Die FDP-Fraktion in Hessen inter­es­siert mich nicht die Bohne, pardon. Das ist sowieso ein ganz trau­ri­ger Haufen. Interessant ist jedoch die aktu­elle Diskussion um den Erlass einer gesetz­li­chen Vorschrift für DAX-AGs. Lügen-Leyen (welche immer noch behaup­tet, wahr­heits­wid­rig, dass man bei ALGII nur Alkohol und Zigaretten gekürzt hätte) will 30 Prozent — die SPD will 40 Prozent Frauenquote.

    Beides halte ich für falsch — und für einen zu starken Eingriff in die Dispositionsfreiheit von Unternehmen. Andererseits ist die derzei­tige Frauenquote in Vorständen in Höhe von rund 3 Prozent ausge­spro­chen erbärm­lich und belegt in meinen Augen, dass es hier einen Regelungsbedarf gibt.

    (neben­bei: die FDP behaup­tet, in der Frauenquote zeige sich ledig­lich, dass die Unternehmen ohnehin „die besten” Mitarbeiter auswähle — im Umkehrschluss also behaup­tet die FDP, Frauen sind zu 97 Prozent unfähig für derar­tige Jobs…)

    Eine „milde Quotierung” würde ich für ange­mes­sen halten — also ein Quote von 15 bis 20 Prozent. Damit wird zwar auf dem Regelungsweg „nur” etwas mehr als ein Drittel einer Geschlechterparität erreicht (wobei ich es aus frei­heit­li­cher Perspektive für sehr frag­lich halte, ob Geschlechterparität bei der Besetzung von Stellen ein derar­tig vorran­gi­ges Ziel sein sollte) — aber die Unternehmen behal­ten auf diesem Weg den Großteil ihrer Dispositionsfreiheit bei der Besetzung von Spitzenpositionen, während gleich­zei­tig damit ein deut­li­cher Wandel ausge­löst wird. Ich bin mir sogar sehr sicher — sollte man sich für eine 15 Prozent-Quote entschei­den — dass der Großteil der DAX-AGs diese Quote über­erfül­len würde.

    Die gesell­schaft­li­che Signalfunktion wäre damit sehr hoch — und hätte m.E. tief grei­fende Wirkungen auch auf andere gesell­schaft­li­che Bereiche.

    Im Übrigen halte ich es für erstens ausge­schlos­sen, und zwei­tens auch absolut nicht für wünschens­wert, wenn man in allen Gremien eine 50-Prozent-Quotierung anstrebt. Wer so etwas wünscht, der ist in meinen Augen sexis­tisch (und über­be­tont die Bedeutung des Geschlechtes) und hat zugleich keine realis­ti­sche Sicht auf die Schwierigkeit, Gremien/Vorstände über­haupt vernünf­tig zu beset­zen.

    Nebenbei: Wenn sich Frauen prozen­tual weniger als Männer für eine „Power-Karriere” entschei­den, wo sie sich mit Haut und Haaren und mit über 60 Stunden Arbeit pro Wochen einem Unternehmen verschrei­ben, dann ist das in meinen Augen einer­seits klug, ande­rer­seits führt das aber ganz natür­lich dazu, dass es in soge­nann­ten Spitzenpositionen dann prozen­tual mehr männ­li­che Bewerber gibt.

    Na, und!

    Generell denke ich, dass eine Quotierung (ein übri­gens sehr rigides Mittel) nur etwa die Hälfte einer benach­tei­li­gen­den Geschlechterdisparität ausglei­chen sollte. Stellt man/frau dann noch die unter­schied­li­che Geschlechterverteilung bei den Geschlechteranteilen unter den Kanditaten/innen in Rechnung, dann wird m.E. damit klar, dass sogar eine 20%-Quotierung eine recht harte Maßnahme sein kann.

    1. 50% fände ich auch absurd. Fordert ja auch nur die Linkspartei.

      40% finde ich aller­dings okay. Klappt bei der SPD gut. Kann man gut auf Unternehmen über­tra­gen.

      1. Der Unterschied:

        Die SPD hat sich ihre Quotierung selbst verschrie­ben. Hingegen greift eine gesetz­li­che Quotierung in das Selbstbestimmungsrecht von Organisationen ein — meines Erachtens sogar so sehr, dass eine 40-prozen­tige, gesetz­li­che Quotierung von Vorständen vom Bundesverfassungsgericht kassiert werden würde.

        Für mich drückt sich in einer harten Quotierung — im Gegensatz zur oben beschrie­be­nen milden Quotierung — ein diri­gis­ti­sches Denken aus. So lächer­lich ich den radi­ka­len Standpunkt von FDP-Freaks in der Frage der Quotierung finde (jeden­falls dort — wie z.B. bei Vorstandsjobs — wo offen­kun­dig ein großes Problem besteht), so proble­ma­tisch finde ich auch die Geisteshaltung derje­ni­gen, welche sich für harte Quotierungen einset­zen.

        Zugespitzt gesagt: Von einem sexis­ti­schen Geschlechterstalinismus halte ich nichts.

        (dass sich jemand wie Lügen-Leyen für sowas erwär­men kann, wundert mich vor dem Hintergrund ihrer Halbgott mimen­den Hybris kein Stück — und der Zuspruch seitens der SPD zu einer sogar noch härte­ren Quotierung erkläre ich mir einer­seits mit einer verhäng­nis­vol­len Tradition büro­kra­ti­schen Denkens in der SPD, aber auch damit, dass man dort den funda­men­ta­len Unterschied zwischen selbst bestimm­ten Quotierungen und fremd bestim­men­den, gesetz­lich verfüg­ten Quotierungen massiv unter­schätzt)

        1. Wir haben 10 Jahre gewar­tet. Nichts ist passiert. Jetzt ist die Politik gefragt. Da muss der Staat ran.

          Und ja, die SPD liebt Bürokratie. :P

    2. „wo sie sich mit Haut und Haaren und mit über 60 Stunden Arbeit pro Wochen einem Unternehmen verschrei­ben”

      Meiner Meinung nach braucht es auch einen Mentalitätswandel dahin­ge­hend in den Unternehmen. In anderen Ländern ist das anders. Da wird auch im Vorstand nicht 247 gear­bei­tet, sondern 9 to 5.

      1. Ich bezwei­fele sehr stark, dass sich ein Mentalitätswandel sonder­lich leicht errei­chen läßt — so sehr ich die gege­be­nen Verhältnisse auch für eine Übertreibung halte. So ein Wandel würde m.E. viele Jahrzehnte Zeit benö­ti­gen, gerade in Deutschland…

        Im Übrigen, glaube ich, unter­schätzt du imho das Arbeitspensum, das in OECD-Staaten auf Vorstandsebene (und knapp darun­ter) recht allge­mein üblich ist. Ehrgeizige Japaner, Amerikaner und Neuseeländer arbei­ten i.d.R. eben­falls bis zum Umfallen, beson­ders in leiten­den Positionen.

        Das mit dem „Mentalitätswandel” sagt sich leicht dahin — allzu leicht.

  2. Da ist der Feminismus ja endlich bei sich ange­kom­men. Kein Sachargument, dass die Beteiligung von mehr Frauen an gut bezahl­ten Gremien etwa bessere Ergebnisse erwar­ten ließe, keine Frage nach Nutzen und Sinn.

    Hier wollen einfach ein paar Mädels mehr Geld verdie­nen und sich die dazu nötige Ochsentour ersparen.[Wie sinn­voll diese Tour ist, ist eine ganz andere Frage]

    Simple Vorteilserschleichung : Das ist der Kern des Feminismus. Seine Theorie ist ja auch wider­sprüch­lich im Extrem.

    Einerseits wird jeder funk­tio­nale und grund­sätz­li­che Unterschied zwischen Mann und Frau negiert, denn sonst käme am Ende Familie und Mutterschaft dabei heraus und das darf nicht sein. Andererseits wird von weib­li­chen Tugenden oder Fähigkeiten erzählt, die es — wenn Männer und Frauen wirk­lich gleich wären — nicht geben dürfte, gleich­zei­tig wird postu­liert, dass diese in jedem Falle nütz­lich seien.

    Natürlich gibt es spezi­fisch weib­li­che Fähigkeiten und Tugenden (ebenso wie spezi­fisch weib­li­che Fehler), ebenso wie spezi­fisch männ­li­che. Das ist normal so, Leute. Schaut euch einfach mal bei 99,999 % der Menschen zu 99,9999 % aller Zeiten um.

    Es ist nicht im gerings­ten plau­si­bel, dass die Ergebnisse jeder Institution durch einen höheren Frauenanteil besser würden. Ihr wollt ihn ja auch nicht in jeder Institution, sondern nur in denen mit Macht und Geld. Diese Behauptung könntet Ihr sehr einfach entkräf­ten: Fordert die Frauenquote bei der Müllabfuhr.

    [ PS: Dass Du, Christian Söder, Dich als Mann für so etwas hergibst, dich Feminist nennst, ist eine Schande. Vielleicht wird dir das später mal sehr pein­lich sein. Mir sind auch eine Menge Sachen pein­lich, die ich früher mal verzapft habe.]

      1. Jetzt — im Licht des neuen Tages und nach einer durch­schla­fe­nen Nacht :
        Zuerst einmal eine halbe Bitte um Entschuldigung an Sie, Herr Soeder.
        Mein PS war dazu gedacht, zu verletz­ten und zu ärgern und das war in einer Hinsicht nicht recht :
        Sie haben sich öffent­lich zum Feminismus bekannt und das ist mehr Mannesmut, als ich selber in meiner Eigenschaft als anony­mer Poster aufbringe. Dafür hätte ich mehr Respekt aufbrin­gen sollen.

        Auf der anderen Seite halte ich nach wie vor den Feminismus für eine der dümms­ten Perversionen des Zeitgeistes und inso­fern muß ein Mann, der sich dazu bekennt, auch das Echo vertra­gen können.

        Ich habe keiner­lei Problem damit, wenn sie mein Schreiben ‚reak­tio­när’ nennen, dass Sie es ‚Gelaber’ nennen, trifft mich eher.

        Es ist wahr­schein­lich nicht falsch. Ich versu­che hier eine Fundamentalkritik des Feminismus aus dem Ärmel zu schüt­teln, und die ist einfach noch nicht fertig. Ich erlaube mir daher erst einmal einen Link zum Meister Chsterton, der schon Anfang des 20 Jahrhunderts mit diesem Thema kämpfte und es mit mehr Geist und Witz auf den Punkt gebracht hat, als ich es je können werde. http://www.gutenberg.org/ebooks/1717, zum Thema einschlä­gig ist Teil III und IV

    1. Schaut euch einfach mal bei 99,999 % der Menschen zu 99,9999 % aller Zeiten um.

      Toll, was du dir zutraust. Ich geb ja gerne mal das Schweinchen Schlau, aber sowas — was du dir zutraust — kann ich nicht. Meine Viertelkenntnisse in Anthropologie aller­dings besagen, dass es die unter­schied­lichs­ten Verhältnisse gibt/gab und wir Menschen es sind, welche fest­le­gen, wie wir Menschen leben.

      Das mag jetzt etwas banal klingen — aber ich fürchte, du hast bei deinen überaus präzi­sen Berechnungen („ 99,9999 %”) so aller­hand außer Betracht gelas­sen…

      ;-)

      (ich hoffe, du verstehst, was ich dir damit freund­lich durch die Blume sage)

      1. Na ja, ganz verstan­den habe ich es nicht ;)

        Ich muss aber zugeben : ich habe nicht gezählt. Mein Argument sollte sein, dass es bei den meisten Menschen klare Vorstellungen vom unter­schied­li­chen Wesen von Mann und Frau gibt. Daraus sollte zu folgern sein, dass jemand, der von diesem Muster abzu­wei­chen die Absicht hat, gute Argumente vorbrin­gen sollte.

        Es gibt natür­lich ausge­spro­chen viele Menschen und inso­fern gibt es natür­lich nichts, was es nicht gibt. Aber es gibt so etwas wie Common sense und selbst­evi­dente Wahrheiten.

        Und eine dieser selbst­evi­den­ten Wahrheiten ist, dass Mann und Frau im Wesen wirk­lich ziem­lich verschie­den sind. Ich bin 23 Jahre verhei­ra­tet und zwar mit einer Frau, die in vieler Hinsicht klüger ist, als ich und spreche aus Erfahrung.

        Was habt Ihr mit dem grund­le­gen­den Unterschied zwischen Mann und Frau eigent­lich für ein Problem, dass ihr den unbe­dingt platt bügeln wollt ?

        Was sollen eigent­lich die Frauen von dieser Quote haben ?
        Ist es wirk­lich eine erfüll­tere Existenz, sich als Vorstand einer AG im Fernsehen aufzu­blä­hen, als Kinder zu erzie­hen ? Ein Haushalt ist auch eine wirt­schaft­li­che Einheit und wer verwal­tet denn das Geld ? Die Frauen und das ist auch gut so. Aber was ist daran entwür­di­gend ?

        Andererseits muss sich doch jede Frau in einem quotier­ten Bereich selber fragen (und viel­leicht auch manch­mal fragen lassen) ob sie ihren Posten nun wegen ihrer Qualitäten oder ihrer Geschlechtsteile erhal­ten hat. Man verglei­che doch einmal die schiere poli­ti­sche Kraft von Indira Gandhi und Angela Merkel !

        Ganz im Ernst : ich verstehe es nicht.

        1. Mich freut für dich, dass deine Frau selbst­evi­dent klüger ist. Frag also mal deine Frau, welche gesell­schaft­li­che Bedeutung es haben könnte, wenn der Anteil von Frauen in Vorstandspositionen unter 3 Prozent liegt — und wiederum, wie sie die Sache einschätzt bei 22 Prozent. Und: Was wäre ihr lieber?

          Den Hinweis auf die Anthropologie hast du tatsäch­lich nicht verstan­den. Dann wüss­test du nämlich, dass das aller­meiste, was du als Geschlechterunterschied als natur­ge­ge­ben ansiehst, in Wahrheit kultu­rell bedingt ist…

          Eine Frauen diskri­mi­nie­rende Kultur ist aber in den seltens­ten Fällen der Ausweis einer guten Gesellschaft.

          1. „””
            Dann wüss­test du nämlich, dass das aller­meiste, was du als Geschlechterunterschied als natur­ge­ge­ben ansiehst, in Wahrheit kultu­rell bedingt ist…”””

            Die Farge, welcher Anteil am mensch­li­chen Verhalten und seinem Wesen kultu­rell, biolo­gisch oder spiri­tu­ell begrün­det ist, ist natür­lich kontro­vers.

            Die entschei­dende Frage ist jedoch, was an der prin­zi­pi­el­len Verschiedenheit von Mann und Frau denn eigent­lich so proble­ma­tisch sein soll, dass man unbe­dingt meint, sie mit staat­li­chen Zwangsmaßnahmen korri­gie­ren zu müssen. Dafür hätte ich gerne mal ein Argument gehört.

            Selbst wenn sie kultu­rell bedingt wäre, würde das die Änderung recht­fer­ti­gen ? Es würde sie viel­leicht ermög­li­chen, aber das ist auch schon alles.

            Ich gebe mich keinen Illusionen hin . Natürlich wird die Quote kommen. Kein Vernunftargument wird den regie­ren­den Wahnsinn stoppen, bis er an sein natür­li­ches Ende gelangt ist.

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