Piraten in die SPD

26. Januar 2011
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Piratenpartei-Mitglied „tarzun” hat einen Artikel über die real existierende Piratenpartei geschrieben. Zitat:

Pressesprecher Stammtisch“. „Co-Koordinatorin AG“. „Ersatzrichterin am LSG“. Drei willkürliche ausgewählte Titel aus in Mailinglisten aufgetauchten Signaturen. […] So durfte sich der Autor der Kritik stellen, als er nach einem Naziüberfall auf einen Piraten auf der sächsischen Webseite eine „Piraten lehnen Nazigewalt ab“-Beitrag schrieb. Statt zu fragen wie es dem Piraten geht, war die Pressesprecherin lieber an einem „Rechercheprotokoll“ interessiert, obwohl im Blogbeitrag klar angegeben wurde, das zu dem Zeitpunkt tatsächlich nur der überfallene Pirat und sein Wort als Quelle dienen konnte.

Klingt grauenhaft. Wäre nichts für mich. Verlorene Lebenszeit, die anderswo besser investiert wäre.

Zum Beispiel in der SPD.

Warum in der SPD?

  • Die SPD hat in ganz Deutschland Strukturen, die nur ausgefüllt werden müssen: vom Ortsverein über den hauptamtlichen Geschäftsführer auf Kreis-Ebene bis hin zum Willy-Brandt-Haus warten alle nur darauf, dass sich neue Mitglieder einbringen.
  • Die SPD ist gerade in einer Umbruchstimmung. Jetzt, nachdem die Regierungszeit 19982005 langsam abgearbeitet ist, wird sich die Partei neu aufstellen.
  • Die SPD hat ein ausgefeiltes Programm (Ausnahme kommt gleich) und ein starkes Fundament: die Sozialdemokratie.
  • Die SPD hat in der Netzpolitik noch keine endgültigen Beschlüsse gefasst. Da ist gerade einiges im Fluss. Da jetzt mitmachen — das bringt richtig viel.
  • Die SPD bildet, ganz ähnlich wie die CDU, die Gesellschaft als Ganzes ab: vom Schüler bis zum Rentner sind alle dabei. Nur hier kann man die eigenen Argumente und Positionen wirklich an der ganzen Gesellschaft erproben und muss sich nicht auf eine bestimmte Schicht beschränken. Wenn man eine Position in der SPD durchbringt, dann ist diese Position tendenziell auch in der Gesellschaft mehrheitsfähig. Ein starkes Argument.

Also, liebe Piratinnen und Piraten, die ihr mit der real existierenden Piratenpartei nicht mehr auf Kaperfahrt gehen wollt — probiert es doch mal mit der SPD und den Jusos. Wir beißen nicht — versprochen.


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8 Responses to Piraten in die SPD

  1. Florian Wilhelm on 26. Januar 2011 at 21:54

    Hättest Du das vor 30 Jahren auch über die Grünen gesagt? Es hat schon seinen Grund, dass sich diese Partei gegründet hat. Ja, keine Partei ist perfekt. Aber etwas mehr Mut zur kritik, an dem was die SPD in 11 Jahren Regierung falsch gemacht hat hätte ich mir schon gewünscht.

    Die SPD ist historisch gesehen eine, nein, die bedeutsamste Partei. Ob sie in der Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen wird, das werden wir sehen…

    • Christian Soeder on 26. Januar 2011 at 21:58

      Hättest Du das vor 30 Jahren auch über die Grünen gesagt?”

      Vermutlich schon. Und dann wäre ich von den SPD-Dinos verbal verprügelt worden. Hätte die SPD damals auf Eppler u.a. gehört, dann gäbe es die Grünen heute nicht — oder nicht in dieser Form. Da bin ich mir recht sicher.

      Es hat schon seinen Grund, dass sich diese Partei gegründet hat.”

      Absolut. Das bestreite ich ja auch mit keiner Silbe. Die SPD hat in diesem Thema versagt. Das Umdenken hat aber eingesetzt.

      Aber etwas mehr Mut zur kritik, an dem was die SPD in 11 Jahren Regierung falsch gemacht hat hätte ich mir schon gewünscht.”

      Also, dazu haben andere und ich in diesem Blog und anderswo wirklich schon sehr viel geschrieben. :-D

      Es ist doch aber klar, dass es mir lieber ist, wenn sich netzpolitisch Aktive in der SPD tummeln und keine eigene Partei aufmachen, und wenn ich zumindest mit meinen bescheidenen Mitteln klarmache, dass diese Aktiven hier willkommen sind. :)

  2. Lichtgestalt on 26. Januar 2011 at 22:34

    Vielleicht kann ein Bodo Thiesen jetzt wieder hoffen.
    Würde gut zu Sascha Jung und Thilo S. passen.
    ;-)

  3. Thomas Maier on 27. Januar 2011 at 00:31

    Ach, Christian…
    Die SPD wird (eventuell von den Piraten) verdrängt werden wie seinerzeit das Zentrum von der CDU verdrängt wurde.

    • Christian Soeder on 27. Januar 2011 at 00:38

      Nichts ist unmöglich, aber das ist wirklich sehr (!) unwahrscheinlich.

  4. Karl Lebeke on 27. Januar 2011 at 07:15

    Sehr geehrter Herr Soeder,
    Ich schätze Ihren jugendlichen Enthusiasmus und ihr Engagement für ihre Partei, doch leider muss ich ihnen realitätsferne und fehlendes historisches Hintergrundwissen attestieren.
    Die SPD als der geschichtliche Ankerpunkt der sozialen Politik hat in ihrer Geschichte viele angekündigte und bewusst passierende Zerrüttungen und Zerreißproben erlebt und sie als die wachsende und erstarkende Partei der Bürgerinnen und Bürger überlebt. Sie ist zu dem Anker der Sozialdemokratie geworden und hat es geschafft durch Volksinteressen die Regierungspartei zu stellen. Doch genau zu dessen Zeitpunkten hat die Partei versagt und jedes Mal eine weitere Zersplitterung erfahren. Nun 2008/2009 hat die SPD aber auch ihr Oppositionsgesicht gezeigt und somit die romantischen Vorstellungen einer Bürger– und Volkspartei verspielt.
    Auch die CDU ist kurz vor diesen Zusammenbruch, denn beide Parteien haben ihre Gegenseitigkeit, ihr Profil, an sich zerrieben und stehen nun ohne Ecken ud Kanten in einem politisch-gesellschaftlichen Wandel ohne zu Wissen, was eigentlich zukünftig ihr Anliegen sein wird.

    Die Grünen, Die Linke und Virologie auch die Piratenpartei haben diese Probleme nicht. Selbst die FDP als markante Klientelpartei wird sich schneller wieder entdecken als die SPD und die CDU. Denn ihnen merkt man Beständikeit und Neuerung, Beharrlichkeit und Öffnung, politischen Fortschritt und gesellschaftliche Transparenz an.

    Die SPD als die Mutter des Gedankens der Sozialdemokratie hat ihr Kind in die weite Welt gehen lassen und hat es lange nicht mehr gesehen. Nun steht Sie alleine da, weiss nichts mit ihrer Zeit anzufangen und schaut zu wie ihr Kind in anderen Familien erwachsen wird.

    Glauben Sie mir: Lieber wähle ich meine letzten verbleibenden Wahlen eine noch nicht ausgereifte, nicht erwachsene Idee einer zukunftsfähigen Partei, als die vereinsamte Witwe SPD ohne bisher erkennbare Zukunftsalternative.

    Der Gedanke der SPD bleibt, doch die Umsetzung der Aufgabe liegt in anderen Händen. Vielleicht in der Piratenpartei.

    Mit freundlichen Grüßen
    K. Lebeke

  5. tarzun on 27. Januar 2011 at 16:10

    Hallo Christian, herzlichen Dank für das Angebot, aber: Nein, Danke. Es hat einen Grund, warum ich nicht in einer der etablierten Parteien bin und auch einen Grund, warum die Piratenpartei bei allen Unzulänglichkeiten noch die „beste” Alternative ist, wenn man der Meinung ist, sich parteipolitisch engagieren zu müssen. Nach meinem verbalen Roundhouse-Kick kommt in den nächsten Tagen noch ein „Warum bin ich Pirat” hinterher, da wird das vielleicht etwas deutlicher, warum ich das Angebot ablehnen muss :-)

  6. Stefan on 27. Januar 2011 at 16:53

    Fakt ist:
    –Die SPD ist für Vorratsdatenspeicherung
    –Die SPD lehnt ein Verbot der Abgfeordnetenbestechung ab
    –Die SPD ist undemokratisch (Parteitage nicken das ab, was vorher in Hinterzimmern ausgeklüngelt wird — Siehe BuVo-Wahl 2009)
    –Die SPD steht genau wie C[DS]U, Grüne, Linke und FDP für ein verkrustetes System, beidenen persönliche Bindungen und taktische Fragen wichtiger sind als Sachentscheidungen

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