Anbei die Debatte im Deutschen Bundestag (via „Lafontaines Linke”) über die Forderungen der Vorsitzenden der Linkspartei Gesine Lötzsch, „Wege zum Kommunismus” auszuprobieren:
Besonders sehens– und hörenswert ist der Redebeitrag des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages Wolfgang Thierse. Peinlich sind die Einlassungen Ulrich Maurers, der glaubt, Kommunismus mit dem Urchristentum gleichsetzen zu können. Maurer war einmal Vorsitzender der SPD Baden-Württemberg. Es scheint ihm nichts mehr zu bedeuten.


Dass du Thierse besonders hervorhebst, sei dir aufgrund des Blog-Bias verziehen, aber generell fand ich, dass die von Union, FDP und SPD in dieser Debatte eingesetzten Abgeordneten aus den „Neuen Bundesländern” ein Maß an Glaubwürdigkeit verkörperten, dass sowohl der Frau Lötzsch als auch dem nach meinem Eindruck in dieser Debatte ebenfalls peinlichen Herrn Maurer abgeht.
Ja.
Interessanter Weise kam der stärkste innerparteiliche Protest gegen das Kommunismus-Zitat auch von ostdeutschen Vertretern der Linkspartei, die stärksten Unterstützungen hingegen aus dem Westteil.
Ob auch hier bei einigen ostdeutschen Linksparteiianern ein Denkprozess aus Erfahrung eingesetzt hat, der im Westen fehlt?
„Dass du Thierse besonders hervorhebst, sei dir aufgrund des Blog-Bias verziehen”
:-) Gröhe war auch gut, aber Thierse war nun einmal am besten.
Angesichts der Länge von etwa 1:20 h: Kannst du kurz die jeweilige Minute angeben, in der die jeweiligen Redner sprechen?
Die Linken sind tatsächlich peinlich. Allerdings hat Maurer Recht mit dem Vorwurf, dass sich die sog. bürgerlichen Parteien nie von den Nazis in ihren Reihen distanziert haben. Es ist doch fraglich, was schlimmer wiegt. Dass die Linke heute in Berlin mitregiert, oder dass CDU/CSU 1966 den Altnazi Kiesinger zum Bundeskanzler nominiert haben. Damals war auch keine Reue.
Es geht (zumindest mir) hier weniger um die Personen (alle wissen, dass es viele Ex-Stasis etc. in der Linkspartei gibt), sondern um deren heutige Einstellung.
Hat man etwas aus dem Debakel des realexistierenden Sozialismus gelernt oder nicht? Strebt man langfristig einen demokratischen Sozialismus, bei dem Freiheit und Demokratie unverzichtbare Pfeiler sind (und wo auch ich als Sozi mitgehen wüde), oder strebt man langfristig wieder einen Kommunismus an, also eine Diktatur des Proletariats (oder wie sonst man die dann herrschende Klasse nennt.)?
Bei der PDS hatte ich den Eindruck, die überwiegende Mehrheit der PDS hätte aus der DDR gelernt und würde heute andere Ziele anstreben. So wie ich diesen Eindruck bei den meisten Altnazis in demokratischen Parteien im Westen hatte. Menschen können sich ändern, diese Möglichkeit sollte man ihnen fair zugestehen. Altnazis ebenso wie Exkommunisten.
Aber bei der aktuellen Entwicklung bekomme ich Zweifel, ob der immer stärker werdende westdeutsche Input der Linkspartei das nicht wieder zunichten macht und man wieder über eine kleine kommunistische Diktatur träumt.
„Hat man etwas aus dem Debakel des realexistierenden Sozialismus gelernt oder nicht?”
Eure begriffslose Anti-Kommi-Hetze zeigt jedenfalls deutlich, dass Ihr weder wisst, was Kommunismus ist, noch, was (in Differenz dazu) der reale Sozialismus war. Euch reicht’s auf die unbestritten massenweise Toten innerhalb des Realsozialismus zu deuten um jeden Kommunisten als Moechtegern-Diktator und –Massenmoerder zu outen.
Wenn man umgekehrt auf die ebenso massenweisen Toten deutet, die in Demokratien und ihren Kriegsschauplaetzen anfallen, kommt von Euch sofort das Gegen-Argument „und inwiefern sind die durch Demokratie und Marktwirtschaft begruendet?”. Da faellt Euch ploetzlich ein, dass ein einfaches deuten auf Fakten nicht ausreicht, sondern auch noch ein paar Begruendungszusammenhaenge faellig sind.
Bei Kommunismus hingegen gehen die Klappen runter, nichts wird mehr differenziert, alles ist die gleiche Massenmord-Sosse.
Das zeigt ziemlich deutlich, dass es Euch um Denunziation und nicht um Aufklaerung geht.
„also eine Diktatur des Proletariats (oder wie sonst man die dann herrschende Klasse nennt.)?”
Schonmal was von klassenloser Gesellschaft gehoert als Begriff von Kommunismus?
Nee, klar, der Kommunismus ist super. Schon per Definition. Nur die Wege dahin, die sind eben irgendwie immer beschissen. Ist mit dem Paradies auch so: Der Weg dahin führt über den Tod. Darf jeder für sich gehen, diesen Weg, nur die Folgen als Sozialexperiment andere spüren zu lassen, das wird hier nicht so goutiert.
Begriffslose Hetze, sag’ ich doch.
Dabei liebt ihr doch alle Menschen, ich weiß. Wie ungerecht von uns.
„Dabei liebt ihr doch alle Menschen, ich weiß. Wie ungerecht von uns.”
Nö, so Typen wie Dich finde ich ziemlich unausstehlich…
Die gibt es im Kommunismus dann ja nicht mehr. Dafür wird gesorgt, auf die eine oder andere Art. An Beispielen mangelt es schließlich nicht.
Selbstverständlich geht es um Aufklärung. Die Verharmlosung des Kommunismus ist ja auch einfach nur grotesk.
Die Linkspartei sollte mal mit offenen Karten spielen: entweder, sie will den Kommunismus — dann soll sie es sagen.
Oder sie will ihn nicht — dann soll sie sich distanzieren.
Die SPD verharmlost die Marktwirtschaft.
Die SPD hat spätestens nach Godesberg auch programmatisch ihren Frieden mit der sozialen Marktwirtschaft gemacht. Es gibt eben auch Parteien, die aus der Geschichte lernen, wenn auch langsam :).
> Eure begriffslose Anti-Kommi-Hetze zeigt jedenfalls deutlich,
> dass Ihr weder wisst, was Kommunismus ist, noch, was (in
> Differenz dazu) der reale Sozialismus war.
Genügt Jugend als Christ in der DDR als Erfahrung?
Ich denke schon, dass ich weiß, wovon ich rede.
Und was ich nicht wiederhaben will.
Das Wort „Massenmörder” habe ich nicht verwendet, also danke für das Ablenkungsmanöver.
Ich rede von dem Diktatur-Konzept, dass dem Kommunismus innewohnt. Und dass die Ausschaltung demokratischer Korrekturmechanismen bei Fehlentwicklungen imanent in sich birgt und wegen dem sich recht einfach verschiedenste ungewünschte Freiheiten (Pressefreiheit, Meinungsfreiheit etc.) sehr einfach ausschalten lassen.
Wie weit die Diktatur dann in Gewalt degeneriert, das mag sogar variieren, aber ein gewalttätiges Zwangsmoment wohnt allen Diktaturen inne.
Und das kann nicht das Ziel einer aufgeklärten Linken sein!
„Genügt Jugend als Christ in der DDR als Erfahrung?”
Als Erfahrungsgrundlage vielleicht. Als Begriff vom Realsozialismus als auch vom Kommunismus nicht.
Und nocheinmal: Wenn in D jemand, der nicht mehr weiss, wie er seine Familie ueber die Runden bringen soll (oder in Afghanistan ein Vater, dessen Sohn gerade bei einem Angriff der Amis draufgegangen ist) sagen wuerde: Demokratie, Marktwirtschaft, scheisse. Weiss ich aus Erfahrung.
Dann waere diese reine Erfahrung, ohne jegliche Begruendung, was das denn nun ursaechlich mit Demokratie & Markt zu tun hat, auch kein Argument.
„Ich rede von dem Diktatur-Konzept, dass dem Kommunismus innewohnt.”
Reine Behauptung durch Gleichsetzung von Realsozialismus mit Kommunismus. Der kleine Widerspruch, dass Kommunismus auch klassenlose Gesellschaft und Herrschaftsfreiheit heisst, interessiert Dich nicht.
„aber ein gewalttätiges Zwangsmoment wohnt allen Diktaturen inne.”
Abgesehen davon, dass die Begruendung Kommunismus=Diktatur noch aussteht: ein gewalttaetiges Zwangsmoment wohnt auch der demokratischen Herrschaft inne. Scheint Dich aber nicht zu stoeren.
Vor lauter Hetze seht Ihr Eure offensichtlichsten Widersprueche nicht mehr.
Ich höre mir die ganze Debatte gerade an.
Maurer war wirklich unterirdisch. Angriff auf Nebenkriegsschauplätzen als Ablenkungsmanöver, viel mehr fiel ihm nicht ein.
Insgesamt war der Widerspruch gegen Lötzsch These innerhalb der Linkspartei erschreckend dünn (und kam m.W. fast nur aus dem Osten). Angesichts dessen ist mein Vertrauen in das Freiheits– und Demokratieverständnis der Linkspartei ziemlich erschüttert (Wege zur „Diktatur des Proletariats”?).
Mein Wunsch wäre, dass die SPD daraus resultierend ab jetzt vor weiteren Kooperationsgesprächen mit der Linkspartei auf Kommunal– oder Landesebene erst einmal abklären muss, wo die jeweilige Struktur der Linkspartei inhaltlich steht. Beispielsweise könnte die SPD ein sich deutlich vom Kommunismus distanzierendes Papier aufsetzen, welches jede Kommunal– oder Landespartei der Linkspartei zu unterschreiben und umzusetzen habe, bevor man sich auf der jeweiligen Ebene zu Koalitionsgespräche mit der Linkspartei einlässt.
Ich finde schon, dass man den Kommunismus mit dem Urchristentum vergleichen kann. Wenn es nur zur Rechtfertigung der eigenen Politik dient, ist es natürlich daneben.
Von der Idee ist sicherlich einiges daran. Stellt sich nur die Frage der Umsetzung.
Christen wollen dieses für ihre Gemeinschaften von Freiwilligen umsetzen, und wem das nicht mehr passt, der kann diese Freiwilligengemeinschaft verlassen. (Die einzige mir bekannte größere Gruppe, die das heute praktiziert, sid die Hutterer in Nordamerika. Bei allem Respekt erscheint mir das Gesamtbild dort auch nicht wirklich rosig, arg weltabgewandt und verdammt dogmatisch.)
Kommunisten hingegen wollen es verpflichtend für eine gesamte Gesellschaft durchsetzen, also auch für diejenigen, die darauf lieber verzichten würden.
Es ist die Zwangskomponente, die mich daran stört, wenn ein ganzes Leben in so starkem Maße beeinflusst wird.
Eine Umsetzung in freien Kommunen, Gemeinschaftshöfen oder Kibbutzen finde ich unterstützenswert. Und wenn diese Modellkommunen langfristig gut funktionieren, dann dürften sie auch weitere Leute überzeugen.
Aber selbst die israelische Kibbutz-Bewegung ist mittlerweile (leider) weit von dem anfänglichen sozialistischen Modell entfernt, da dieses anscheinend nicht dauerhaft trägt.
Alles richtig. Niemand wird schließlich davon abgehalten, Kommunen etc. zu gründen. Macht nur fast niemand. Seltsam. Warum wohl?
Der komische Thierse stellt sich immer gern als Widerständler in der DDR dar. Dabei war er durchaus das, was man als „staatsnah” bezeichnen kann: Er arbeitet in den 70ern imDDR-Kulturministerium. Honecker war also quasi sein Oberboss. Dass ausgerechnet so einer der Linken Kommunismus „vorwirft”, ist schon ein starkes Stück…
Uli Maurer hat das Gesabber der antikommunistische Einheitspartei CDSUFDPSPDGRÜNE souverän gekontert. Die SPD ist doch nur neidisch, weil sie ohne Leute wie Maurer in BaWü unter 20 % abstürzt, während die Linke in den Landtag kommt.
Wenn du Maurers Ablenkungsmanöver als souverän ansiehst, nun ja.
Und wenn du einem, der seinen Job (in besagtem Ministerium) verlor, weil er es ablehnte, die Ausbürgerung von Biermann zu unterstützen, diesen ehemaligen Job ankreiden willst — hallo, geht es noch?
Hier hat Thierse in einer Situation, bei der er persönlich einiges zu verlieren hatte, Rückgrat gezeigt. Das machen nicht viele.
Aber schön zu sehen, wie tief mancher im Dreck buddeln muss, um sich angebliche Argumente zusammenzubasteln.
Biermanns angebliche Ausbürgerung war in Wirklichkeit einvernehmlich geplant:
http://www.sopos.org/aufsaetze/3da8953e06b88/1.phtml
sowie:
http://www.focus.de/politik/deutschland/wolf-biermann_aid_139517.html
Auch hatte das „Opfer” Biermann wohl ein Techtelmechtel mit Margot Honecker.
Na dann ist ja alles in bester Ordnung! :)
Derartige Einlassungen sind einfach nur selbstentlarvend. Wenn das der Geist der Linkspartei ist …
@ Lichtgestalt: Heute ist er dann eben kein Kommunist mehr. Man kann ja aus seinen Fehlern lernen.
Lieber Freund, so viel im Namen des Kommunismus angerichtet wurde, der Bezug zum Urchristentum, insbesondere der Person Jesu selbst, ist historisch völlig legitim.
Und irgendwie ist auch die ständige Rückführung auf Stalin langsam nicht nur langweilig sondern auch diskussions-blockierend und denunzierend. Oder hält man Katholiken bei jeder Gelegenheit die Kreuzzüge, die Inquisition und die Vergewaltigungen vor? Das muss man differenziert sehen. Der Kommunismus ist kein Herrschaftssystem sondern ein Gesellschaftssystem. Ob es wünschenswert ist oder nicht ist wieder eine ganz andere Frage. Aber die Diskussion hält sich immer mit so Aufreger auf.
„Lieber Freund, so viel im Namen des Kommunismus angerichtet wurde, der Bezug zum Urchristentum, insbesondere der Person Jesu selbst, ist historisch völlig legitim.”
Das sehe ich nun einmal völlig anders.
Der Unterschied zwischen Kommunismus und Christentum ist einfach der, dass Christentum auch ohne Massenmord und Massenunterdrückung funktioniert. Im Kommunismus dagegen wurden Andersdenkende stets verfolgt und elementare Menschenrechte negiert.
Trotzdem ist es natürlich legitim, wenn erklärte Kommunisten nun nach einem Wege suchen, ihre Ideologie so um– und durchzusetzen, dass es nicht mehr zu Verfolgung und Massenmord kommt. Gleichzeitig kommen sie aber nicht umhin, den Zusammenhang zu diskutieren, der besteht zwischen den bisher ausprobierten Wegen zum Kommunismus und all den unerwünschten und für viele Menschen reichlich unerfreulichen Nebenwirkungen.
Vielleicht können uns soso und Lichtgestalt ja mal erklären, wie es zur massenhaften Pervertierung der zumindest offiziell sogenannten kommunistischen Parteien und Regime kam?
„Trotzdem ist es natürlich legitim, wenn erklärte Kommunisten nun nach einem Wege suchen, ihre Ideologie so um– und durchzusetzen, dass es nicht mehr zu Verfolgung und Massenmord kommt”
Wozu soll man Dir denn noch was erläutern? Du hast den Kommunismus doch schon vorverurteilt. Dass Kommunismus Massenmord systembedingt einschließt, ist für Dich ja eh’ klar. Und jetzt willst Du hören, wie man dem vorbeugen will.
Sowas hab’ zumindest ich nicht im Angebot. Von einem Herrschaftssystem, für welches das Verfolgen, Ausspionieren, Einsperren und Töten von Menschen Routine ist, called Demokratie, habe ich nämlich jetzt schon die Schnauze voll. Da strebe ich doch keine alternative Herrschaft an, sondern lieber gleich eine Gesellschaftsweise, in der der Nutzen des Einen den Nutzen des anderen nicht aus-, sondern einschließt. Dann braucht’s auch keine Herrschaft mehr, die den Laden zusammenhält und dann braucht’s auch keine bekloppten Überlegungen mehr, wie man Verfolgung etc. verhindern kann.
Und nochmal was Methodisches: Ihr denkt immer drüber nach und lobt die Demokratie dafür, wie man Schutzmechanismen finden kann, damit die Herrschaft nicht auf die Leute losgeht. Fragt Euch doch lieber mal, woher diese ganzen Gegensätze und Feindseligkeiten eigentlich kommen, die immer auf dem Sprung sind, in Vernichtung auszuarten, statt das und damit auch die Ursachen einfach als naturgegeben zu betrachten und dann nach Schutzmechanismen zu suchen (die eh’ nie alle möglichen Brutalitäten verhindern: Im Realsozialismus genauso wenig wie in der Demokratie/Marktwirtschaft)!
Die real existierenden SPD-Freunde hier sollten beachten, dass die Verfassungsfeind-Keule genauso gegen den eigenen Laden geschwungen wird:
http://thomastrappe.wordpress.com/2011/01/17/auf-die-verfassung/
Wer sich die schmierig-verlogenen Maßregel-Methoden der „patentierten Christen” (Wehner) zu Eigen macht, spielt Merkels Apportierhund.
Her Mayersty´s loyal Opposition…
@ all:
Nachdem ich mir das alles jetzt durchgelesen habe:
Können wir uns auf einen Kompromiss einigen?
Das von grund auf schlechte neoliberale System, in dem wir alle leben müssen, in dem unsere Eltern schon leben mussten um uns unseren Lebenswandel zu finanzieren, und für dessen Abschaffung wir kämpfen, erlaubt, dass Leute sich (ohne Angst vor Verfolgung) gegen selbiges auflehnen dürfen, richtig? Und es stellt sicher, dass keiner verhungert oder erfrieren muss.
…schaun wir mal, was in Venezuela, dem großartigen Land des ‚Sozialismus des 21ten Jahrhunderts’ los ist… erinnert mich stark an den Sozialismus des 20ten Jahrhunderts…
Arme gibt’s da natürlich keine, weil jeder das gleiche verdient, auch wenn es nicht annähernd reicht, um Lebensmittel und Obdach zu bezahlen.
Arme gibt’s z.B. in Deutschland, wo Armut einfach so definiert wird, dass sie nie verschwinden kann.
Ach ja, vergessen, der Kompromiss:
Ihr schreibt weiterhin diesen Quatsch, und ich werde ihn nicht mehr lesen.
„erlaubt, dass Leute sich (ohne Angst vor Verfolgung) gegen selbiges auflehnen dürfen, richtig?”
Falsch. Wer sich ernsthaft gegen die Demokratie auflehnt, wird von dieser verfolgt, eingesperrt und wenn nötig umgebracht.
„Und es stellt sicher, dass keiner verhungert oder erfrieren muss.”
Falsch: „Winter in Deutschland — 15 Obdachlose erfroren„
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,674928,00.html
Mal davon abgesehen, dass der von Lötzsch übel bearbeitete und als „eigene” Geistesleistung ausgegebenne Text in der jF einfach schlecht ist — und insofern alle unkritischen Rechtfertigungsversuche kaum besser ausfallen können:
Die Mehrzahl der Kritiker sah in meinen Augen zu glücklich aus, endlich wieder über die Gefahr des Kommunismus schwafeln zu dürfen. Pardon — aber die meisten Entgegnungen auf Lötzsch waren ziemlich schwach und konzentrierten sich auf einen Begriff von Kommunismus, der leicht erkennbar nicht der von Lötzsch gewesen war.
Beeindruckend fand ich in der ganzen Debatte nur einen Beitrag einer SPD-Abgeordneten. Vermutlich war ihre Argumentation zu ruhig und besonnen, um im allgemeinen Geschrei noch wahrgenommen zu werden. Gröhes Rede fand ich, trotz einiger Mängel, noch ganz okay.
Es mag etwas ungerecht wirken, wenn ich den meisten Lötzsch-Kritikern mangelnde geistige Auseinandersetzung vorwerfe (ja: sogar fehlende Schärfe der Kritik an Lötzsch), jedenfalls vor dem Hintergrund, dass nicht einmal die Lötzsch ihren eigenen Text komplett kapiert hat…
Was bleibt? Erstens die Erkenntnis, dass politische Debatten im Bundestag allzu leicht überwiegend aus Reflexen bestehen, sogar dort, wo es wirklich gute Gelegenheit gegeben hätte, die Fähigkeit zur geistigen Auseinandersetzung zu demonstrieren. Zweitens, und das ist die vermutlich wichtigere Erkenntnis, leistet sich die Linkspartei eine hochnotpeinliche Vorsitzende Lötzsch, die weder für die Oppositionsarbeit, noch fürs Regieren taugt.
Mir tut es dabei auch um diejenigen leid, die der Linkspartei aus guten Gründen und berechtigten Interessen heraus ihre Wählerstimme verliehen haben. Auch sollte man nicht vergessen, dass es in der Linkspartei einige Politiker gibt, die durchaus Achtung für ihre Arbeit verdienen — so sehr man in sehr wesentlichen Fragen, z.B. hinsichtlich der Entwicklung der Staats– und Steuerquote, auch geteilter Meinung ist.
Der Kommunismus mag ja ein herrschaftsfreies System sein, aber leider finden die Kommunisten keinen herrschaftsfreien Weg dahin. Die freiwillige Selbstauflösung der Linken wäre ein notwendiger erster Schritt, denn eine Partei hat ja den Zweck, Herrschaft auszuüben.
„Der Kommunismus mag ja ein herrschaftsfreies System sein, aber leider finden die Kommunisten keinen herrschaftsfreien Weg dahin.”
Wie soll man denn auch in einer Welt, die bereits durch Herrschaft definiert ist, ohne Machtausübung eine herrschaftsfreie Welt herstellen? Das geht schlechterdings nicht.
Abgesehen davon fände ich eine Selbstauflösung der Linkspartei allerdings nicht tragisch. Deren Kommunismus/Sozialismus-Geschwafel ist nämlich genauso verlogen wie die Aufregung darüber seitens der Antikommunisten. Ganz praktisch und realpolitisch liegen SPD und Linkspartei viel näher zusammen als Linkspartei und Kommunisten.
keine frage: eine geistige glanzleistung wars nicht von der linken-vorsitzenden!
aber die heuchlerische betroffenheit der andren parteien ist schlichtweg zum kotzen!
vorneweg: ich will auch keinen kommunismus! ich bin mir eigentlich sogar sicher, dass er nicht funktionieren kann weil die menschen zu individuell sind.
aber die „blutspur” dem kommunismus anzuhängen ist gewollte volksverblödung.
ich wüsste nicht, wo in der welt wir schon kommunismus hatten. es haben sich aus revolutionen heraus ( die vielleicht ursprünglich in richtung K. gegangen sind ) diktatoren an die macht geputscht. was bitte hatte das mit kommunismus zu tun wie marx ihn wollte?
ich rede ja in bezug auf hitler auch nicht von der blutspur der demokratie. und wer möchte mir widersprechen, dass dieser herre legal nach den regeln der weimarer demokratie an die macht gekommen ist? ist deshalb die demokratie eine untaugliche staatsform??
zitat alex:
„Genügt Jugend als Christ in der DDR als Erfahrung?
Ich denke schon, dass ich weiß, wovon ich rede.„
.… mein lieber alex: in den 1.700 jahren — seit konstantin das christentum zur staatreligion erhob ( etwa 300 n.chr.) — war es bei weitem gefährlicher und auch tödlicher in die hände von christen zu fallen als in die der kommunisten.
es wäre also mehr als angebracht, dass jeder pastor vor seiner sonntäglichen predigt der opfer des christentums gedenkt!
und welcher von der heuchlerischen, lobbyhörigen clique im bundestag will von mir mal was über die blutspur des kapitalismus hören?? gerade in heutiger zeit!!
wobei ich marx und jesus (christus) noch in schutz nehmen muß.
marx hat nichts mit der sowjetunion zu tun oder mit nordkorea, china.…;
und wenn christus geahnt hätte, was machtgeile kleriker in seinem namen treiben…na, ob er sich dafür hätte kreuzigen lassen ist schon ganz stark zu bezweifeln!
die namen und ideen der beiden wurden missbraucht.
und der kapitalismus? nun, wir erleben und sehen ihn grade.….. im blut stehend und elend verbreitend.
also an alle „empörten”: ruhe bewahren!!
Ich möchte meinem Vorschreiber (*g*), äh, Vorkommentator beipflichten. Es kann eigentlich kein Zweifel daran bestehen, dass einer wie Marx die schlimmsten Verfolgungen in Nordkorea oder China zu erleiden hätte — und mutmaßlich auch kaum auf die uneingeschränkte Sympathie von Chavisten stoßen würde. Ich halte viele Schriften von K. Marx, sogar heute noch, durchaus für lesens– und überdenkenswert — selbstverständlich aus einem angemessenen kritischen Abstand heraus. Die beinahe totale Verteufelung von Karl Marx und seinen allemal humanistischen Anliegen seitens von CDUSPDGRÜNFDP ist in Wahrheit ein Armutszeugnis — und je bellender der Ton dabei ausfällt (Adressat: FDP), umso erbärmlicher fällt es aus.
Dennoch richtig ist es Lötzsch zu kritisieren, nicht nur wegen dem zahlreichen Quark und die graduelle Diktaturbefürwortung seitens von Gesine Lötzsch, die sich „in den bürgerlichen Staat hineinpressen” möchte, und sich auch nicht schämt, sich in ihrer Argumentation auf Lenin zu berufen — das ist nämlich genau der Diktatur anstrebende Politiker, von dem die viel zitierte „Blutspur des Kommunismus” ausging.
Ich jedenfalls kann nicht erkennen, dass sich Lötzsch tatsächlich vom diktatorischen „Marxismus-Leninismus” vollends frei gemacht hätte — eher sieht es für mich so aus (doch Vorsicht: das ist keine zwingende Interpretation), als ob ihr Eintreten für Individualfreiheiten Ausdruck einer Art „Realpolitik” der Linkspartei sein, und wohl jederzeit kündbar — wenn dies dazu beiträgt, gegangene politische Schritte hin zum Kommunismus „mit Krallen und Zähnen” zu verteidigen. Noch erbärmlicher, und diesmal wirklich frei von Interpretation ist es, wie die Lötzsch die Programmatik ihrer eigenen Partei abfeiert, und diese Programmatik ausgerechnet auch noch als „Weg zum Kommunismus” versteht, und zwar in einem sich an Linksextremisten ranwanzenden Textzusammenhang, der sich noch lieber einen krisenbedingten Zusammenbruch unserer Gesellschaftsordnung herbeiwünscht (!) und einen derartigen Zusammenbruch als alternativen, „leichten” Weg zum Kommunismus versteht.
Lötzsch erscheint pflichtschuldigst bei einer Tagung von demokratieverachtenden Linksextremisten — aber im Bundestag zeigt sie sich nicht, wenn es um ihre „Wege zum Kommunismus” geht. Ich halte diese Frau nicht nur für eine Bürde für jegliche linke Politik und linke Oppositionsarbeit, für eine schwere Belastung der eigenen Partei, und ganz besonders für:
brunzdumm.
Zitat des Tages (jW vom 27. Januar 2011):
„Juhu!!!!!! Die Kommunismusdebatte zeigt Früchte!”
Thies Gleiss, Vize-Landessprecher der Linkspartei NRW, in einer internen Mail zu einer aktuellen Umfrage, wonach sich die NRW-Linke auf 8,6 Prozent Zustimmung verbessert hat.