Ordentliche Kleidung gehört dazu

Was haben diese Bilder von SPD-Parteitagen gemein­sam? Alle Delegierten sind im Anzug oder im Frack abge­bil­det. Das ist kein Zufall: Sozialdemokraten haben von Anfang an sehr darauf geach­tet, beim Politisieren, sei es auf dem Parteitag oder im Reichstag, ordent­li­che Kleidung zu tragen, also: Anzüge für die Männer, die entspre­chende Kleidung für Frauen. Das liegt daran, dass man sich nicht von den „Bürgerlichen” vorwer­fen lassen wollte, die Würde des Parlaments zu beschä­di­gen. Man darf das nicht gering gewich­ten: die opti­sche Gleichstellung der Parlamentarier war von großer Bedeutung.

Daran sei erin­nert, anläss­lich des kleinen Kulturkampfes um Haltung, Kleidung und Krawatte im Deutschen Bundestag, in dessen Umfeld SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann wie folgt zu verneh­men ist: „Wer im Präsidium sitzt, sollte nicht in Freizeitkleidung erschei­nen.”

Was ist Freizeitkleidung, was nicht? Und: Krawattenzwang für Parlamentarier? Warum nicht! Es bricht sicher­lich keinem der Abgeordneten ein Zacken aus der Krone, dem Hohen Haus Achtung und Respekt entge­gen zu bringen — und somit auch den Wählerinnen und Wähler, dem Souverän unseres Staates. Krawatten — find’ ich gut!

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

7 Gedanken zu „Ordentliche Kleidung gehört dazu“

  1. Pardon, finde ich nicht gut. Bei allem Respekt für Traditionen und der Funktion eines Parlamentariers, aber die Zeiten haben sich geän­dert — derje­nige, dieje­nige, welche/r in gepfleg­ter Freizeitkleidung (u.ä.) im Parlament sitzt, erweist „dem Haus” bzw. seinem Amt imho genü­gend Respekt.

    Wenn es mich träfe: Ich würde gele­gent­lich „Frack” (bzw: Anzug) tragen, z.B. bei der großen Haushaltsdebatte, bei Amtsvereidigungen oder falls ich Minister oder Ausschussvorsitzender wäre. Falls es je dazu käme…

    Wenn sich in der Kleiderordnung in etwa der (gepflegte!) Durchschnitt unseres Volkes träfe, dann enst­sprä­che das deut­lich eher meinem demo­kra­ti­schen Ideal, als eine Horde und teils wider­wil­lig einheit­lich geklei­de­ter Anzugträger. Und, so merk­wür­dig das viel­leicht klingen mag, auf mich (in meiner Eigenschaft als Wähler) wirkt es durch­aus schon eine gewisse Prise „respekt­los”, wenn im Parlament bzw. in der SPD-Fraktion ausschließ­lich Krawattenträger herum­tur­nen.

    Echt jezz.

  2. Meinste nicht, dass Wähler, die sich nicht ausrei­chend respek­tiert fühlen, in einer Demokratie ausrei­chend Möglichkeiten haben, sich dafür zu rächen, als dass man irgend­wel­che Klamottenrichtlinien vorschrei­ben müsste?

  3. Früher: (vor der Finanzkrise und dem kolla­bie­ren­den Neoliberalismus) galten Anzüge als Ausweis der Seriosität. Es schien so, als ob man denen beson­ders vertrauen könnte, die Anzüge tragen.

    Heute: sind Anzüge, wenn sie im Übermaß auftre­ten, eher Ausweis mangeln­der Seriosität…

    (okay, das ist natür­lich etwas über­zeich­net von mir)

  4. Wir haben ja sonst keine Probleme, da kann sich das Parlament solchen Grundsatzdebatten ruhig ausgie­big widmen.

  5. Geht doch nur um die beiden Schriftführer, die deut­lich sicht­bar neben dem Präsidenten sitzen. Die könnten sich ruhig etwas formel­ler kleiden. Der Rest des Hauses läuft seit einigen Jahren eh rum, wie er will, und das kann und wird wohl auch keiner mehr ändern.

  6. Ich würde das locker sehen, nach dem Prinzip ‚selbst Schuld’:

    Erinnere mich an 2 Deutschlehrer aus meiner Schulzeit: Einer kam immer im Anzug in den Unterricht, der andere mit Jogginghose, t-shirt und hübschem Schweissgestank direkt aus der Sporthalle.

    Preisfrage: Vor wem hatten die Schüler wohl mehr Respekt?

    Selbst der Ex-Vandale namens Fischer Josef ist irgend­wann auf den Trichter gekom­men, dass man sich nur lächer­lich macht, wenn man wie ein Asso rumläuft ;)

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