Anlässlich des rein quantitativ großen Erfolgs des Anti-Grünen-Spots der CSU bei YouTube dachte ich mir: wie schneiden die Parteien eigentlich allgemein bei YouTube ab? Vorab: der Anti-Grünen-Spot der CSU liegt einsam an der Spitze mit fast 400.000 (!) Abrufen.
Hier ist er noch einmal, in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit:
Auch der ganze CSU-YouTube-Account sieht ordentlich aus, wenn man sich die Abrufzahlen der Videos sortiert nach „meistgesehen” anschaut. Man sieht recht deutlich, welche Videos beliebt sind und welche nicht: Generalsekretär Dobrindt und die stellv. Generalsekretärin Bär scheinen die CSU-Sympathisanten anzusprechen. Allerdings: der Anti-Grünen-Spot ist ein krasser Ausreißer. Nur ein Video kommt noch über 20.000 Abrufe, ein anderes bei gut 17.000, die restlichen dümpeln unter 10.000.
Der Account der Grünen ist auch umfangreich befüllt, ihre Merkel-Satire nach einem Loriot-Sketch aus dem Wahlkampf 2009 ist auf Rang 2 der parteipolitischen Videos.
Auch der Spot zur Europawahl kommt auf über 120.000 Abrufe. Das erstaunt nicht: die Wählerschaft der Grünen hat sich für die Europawahl mit am meisten interessiert, das Grünen-Wahlprogramm war das „europäischste” und fundierteste. Bei den restlichen Videos sieht man recht gut die Schwerpunkte der Grünen-Klientel: ein bisschen grüne Jobs, ein bisschen Anti-Westerwelle, ein bisschen Anti-Merkel, ansonsten war’s das.
Bei der FDP reicht eigentlich ein Wort bzw. ein Name, um den Account zu beschreiben: Westerwelle. Das meistgeklickte Video ist das Wahlversprechen Westerwelles vor der Bundestagswahl, keine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen einzugehen:
Auch ansonsten ist der Account Westerwelle-dominiert. Er passt insofern sehr gut zur FDP, denn auch diese ist zu einer Westerwelle-Partei geworden. (Was sie aktuell nahe an den Untergang geführt hat.)
Auf dem vierten Platz landet die CDU, lustigerweise mit einem Video mit Arnold Schwarzenegger:
Eigentlich sollte man wohl einige der über 100.000 Abrufe subtrahieren, da Videos mit Schwarzenegger wohl auch in den USA in umfangreicher Art und Weise nachgefragt werden. Aber, sei’s drum. Die restlichen Videos im „CDU.tv” sind nicht der Rede wert, es ist nichts Außergewöhnliches dabei. (Sofern man den „tollen” Team-Deutschland-Song einfach mal ignoriert und einen gnädigen Mantel des Schweigens darüber ausbreitet.)
An fünfter Stelle landet, endlich, die SPD. Leider spricht es Bände, dass ausgerechnet der Anti-Spot aus dem Europawahlkampf, der alles andere als erfolgreich war, mit gut 95.000 Abrufen der erfolgreichste ist:
Die restlichen erfolgreichen Videos sind TV-Spots, Reden von Gabriel, Schulz, Steinmeier und Steinbrück. Das Videoblog von Andrea Nahles findet quasi nicht statt, mit einer Ausnahme: das klare Zeichen gegen Sarrazin wird mit gut 10.000 Abrufen belohnt.
Zu guter Letzt soll auch die Linkspartei nicht unerwähnt bleiben, auch hier ist der Spot zur Europawahl der erfolgreichste:
Schon an Rang 3 ist ein Video mit Sarah Wagenknecht mit gut 22.000 Abrufen, was ihren innerparteilichen Stellenwert untermauert. Ihr herausragendes Wahlergebnis bei den Wahlen zum Parteivorstand wird so noch einmal unterstrichen. Ansonsten sieht man auch hier: die Linkspartei wird von Gysi und Lafontaine dominiert, nach wie vor. Die Parteivorsitzenden Lötzsch und Ernst finden überhaupt nicht statt. Hier wird mit den Füßen bzw. mit der Maus abgestimmt …
Zusammenfassung allgemeiner Natur: wenn man von dem Überraschungserfolg (?) der CSU absieht, so lässt sich festhalten: die deutschen Parteien im Bundestag nutzen YouTube nur in sehr unzureichender Art und Weise, jedes Interview in einer Lokalzeitung erreicht mehr Leser als das durchschnittliche Partei-Video.
Nun zur SPD. Was bedeutet diese Mini-Analyse, was kann man an den erfolgreichen Videos erkennen? Wie kann man YouTube besser nutzen, wie kann die SPD YouTube besser nutzen? Zum einen sollte der YouTube-Account aktiver beworben werden. Entweder, ich bin blind, oder er wird auf spd.de überhaupt nicht mehr verlinkt. Außerdem: wozu ein eigenes Videoportal aufbauen, zu sicherlich nicht gerade geringen Kosten, wenn es doch YouTube gibt?
Allgemein müssen die Videos das bieten, was allgemein auch gilt: sie müssen interessant sein, exklusiven Inhalt bieten, gut gemacht sein; ein Mini-Spot kann erfolgreich sein (vgl. CSU), aber auch eine epische Rede wie die von Sigmar Gabriel wird offensichtlich angesehen. Die Mischung macht’s wohl.
Vielleicht wäre eine Umfrage unter den spd.de-Nutzern hilfreich, was sie gerne von oder über die SPD als Video hätten, was es anderswo so nicht gibt. Klare Aussagen nach einer Sitzung des Parteivorstandes könnte ich mir bspw. sehr gut vorstellen: so müssten Sympathisanten nicht bis zur Tagesschau warten, sondern bekämen die neuesten SPD-Inhalte direkt frei Haus.
Jedenfalls sind die richtigen Ansätze gemacht, aber es ist noch ein weiter Weg. Der momentane Wert kann jedenfalls kein Zustand sein, der als zufriedenstellend bezeichnet werden darf.

Das CSU-Video ist dümmlich und offensichtlich für sehr schlichte Gemüter gestrickt. Allerdings sind diese „alle doof außer wir”-Videos das meistens. Ich weiß wirklich nicht was die Macher, egal aus welchem Lager sie kommen, sich davon versprechen. Filmchen dieser Art sind ein besonderer Ausdruck von inhalts– und richtungsloser Politik — wen wundert da noch Politikverdrossenheit?
Ja nun, das stimmt einerseits. Andererseits aber sind Politik und Wahlkampf eben nicht nur für etwas für „gebildete Gemüter”, sondern für alle.
Bei all diesen dümmlichen Spots verwundert es mich nicht, dass man die PIRATEN nicht findet, soviel Dummheit und haudrauf ist der PIRATEN nicht würdig. Inhalt ist Thema!
Grüßle