Es reicht jetzt

Ein junger Mann wird wohl am Dienstagmorgen hinge­rich­tet werden. Sein einzi­ges „Verbrechen”: er wollte Christ sein.

Wo soll dieser Mord durch den Staat gesche­hen? In Somalia, Iran, Saudi-Arabien, Pakistan?

Weit gefehlt. In Afghanistan. Im deut­schen Mandatsgebiet in Afghanistan.

Dafür sollen deut­sche Soldaten sterben? Um einen Staat zu schüt­zen, der den Menschen noch nicht einmal die Chance gibt, ihre Religion frei zu wählen?

Es reicht jetzt. Wenn Afghanistan nicht will, dann ist das so. Raus aus Afghanistan, so schnell wie möglich. Es ist genug.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

12 Gedanken zu „Es reicht jetzt“

  1. Es reicht die Einsicht, dass wir ach-so-aufge­klär­ten Menschen aus dem Westen fremde Gesellschaft nicht formen können. Wir können nicht Demokratie, Säkularisierung und Freiheit expor­tie­ren.

    1. Es ginge schon, wenn man nur wollte. Aber es gibt ja die Relativierer und Duckmäuser, die eine Gleichwertigkeit der Gesellschaften propa­gie­ren.

      1. Und wie kommts, dass „man” nicht will?
        Mit Gleichwertigkeit von Gesellschaften hat das ohnehin nichts zutun. Man kann auch über­zeugt sein, in der besten aller mögli­chen Gesellschaftsordnungen zu leben und trotz­dem glauben, dass man sie nicht gewalt­sam anderen aufok­troy­ie­ren kann.

  2. Ich kann verste­hen, dass du dich darüber aufregst.

    Allerdings gibt es sicher viele andere, ganze ähnli­che Anlässe, dies schon seit sehr viel länge­rer Zeit zu fordern.

    Die Gleichwertigkeit der Gesellschaften in Abrede zu stellen macht aller­dings in meinen Augen auch deut­lich, mit welcher Ignoranz und Überheblichkeit wir andere Kulturen teil­weise betrach­ten. Ich bitte, mir das nicht so auszu­le­gen, dass ich für solche Verbrechen Verständnis zeige. Ich verachte das genauso, aber diese gegen unsere selbst­ver­ständ­lichs­ten Überzeugungen versto­ßen­den Greuel machen in erster Linie deut­lich, dass unsere Kulturen nicht mitein­an­der verein­bar sind. Vielleicht wären wir heute weiter, würden wir diesen Tatbestand aner­ken­nen. Aber von dieser Erkenntnis wollen viele auch heute immer noch nichts wissen. Ich gehöre manch­mal auch dazu. Das muss ich ehrlich einräu­men.

  3. Tja, hätte man damals „Von den Sowjetmenschen lernen, heißt, siegen lernen” ernster genom­men, dann wär man besser garnicht erst in Afghanistan einge­fal­len. Was in den 80ern des letzten Jahrhunderts schon nicht gut ging, das wird bestimmt auch dreißig Jahre später nicht klappen.
    Aber natür­lich muss man solche Fehler immer selber machen — ich kann auch schon vorher­sa­gen was passiert, wenn die Besatzer jetzt aus Afghanistan raus­ge­hen: Bürgerkrieg.

    Haben wir von den Sowjetmenschen auch gelernt ;)

    1. die stra­te­gi­sche Lage der Sowjets lässt sich nicht mit der heuti­gen verglei­chen. Und das viele im Westen nicht den Unterschied zwischen Demokratie und Clan-Wesen begrif­fen haben, wird wohl auch so bleiben.

      Solange die afgha­ni­schen Clans kein „Afghanistan” wollen, wird es auch keins geben. Bis dahin wird der Westen wohl versu­chen die Bildung eines funda­men­tal reli­giö­sen Rückzugraums zu verhin­dern und die terror­ris­ti­schen Kapazitäten außer­halb west­li­cher Grenzen zu binden.

      1. > die stra­te­gi­sche Lage der Sowjets lässt sich nicht mit der heuti­gen
        > verglei­chen.
        Mutige Behauptung.

          1. Die opera­tive Lage natür­lich — beim einen gings darum, Gebiete zu erobern, beim anderen den „Kampf gegen den Terror” (wobei inter­es­sant ist, dass die Afghanische „Regierung” seiner­zeit bereit war, Bin Laden auszu­lie­fern, das den Dabbelju Bush aber recht wenig inter­es­sierte).

            Die stra­te­gi­sche ist jedoch genau die gleiche:
            Man ist als Besatzer in Afghanistan, hat die Lage allen­falls mit viel mili­tä­ri­scher Präsenz unter Kontrolle und sobald Truppen abge­zo­gen werden, wird mit Karzai passie­ren, was mit der Regierung damals passiert ist:
            Er wird sich ein paar Tage an der Macht halten und wird dann von den Clans gestürzt. Danach gibts große Chancen für einen weite­ren Bürgerkrieg (wobei die Situation da unten de facto Bürgerkrieg ist) und danach gibt es entwe­der wieder eine clan-domi­nierte oder gruppen-domi­nierte (aka Taliban u.ä.) Politik in Afghanistan — alles wie gehabt.

  4. Die „weiter­füh­ren­den Links” von welt.de geben leider keine Informationen über das Ende dieses Verfahrens. Ist hier etwas bekannt?

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