Im Jahr eins nach Sarrazin

Die „Welt“ berichtet:

Die Akmans sind geradezu das Urbild einer gut integrierten Migrantenfamilie. Die letzten, von denen man annehmen möchte, dass sie im Zentrum einer Auseinandersetzung um Rassismus stehen würden. Aber seit Wochen ist der Frieden in der Gemeinde Bad Grund gestört. Weil Herr Akman die rassistische Äußerung eines Lehrers gegenüber seiner Tochter nicht hinnehmen wollte. Ein Bericht aus der deutschen Provinz im Jahr eins nach Sarrazin.

Tja. „Aber man muss doch sagen dürfen …“ Nein. Muss man nicht.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

10 Gedanken zu „Im Jahr eins nach Sarrazin“

  1. Durch jetzt aufkommenden Auseinandersetzungen wird es sicherlich zu unschönen Vorfällen kommen, und es ist richtig, da aufzupassen.

    Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass die Einwanderungsbefürworter mit einer kaum fassbaren Leichtfertigkeit agiert haben. Man hat sich anscheinend vorgestellt, massenhaft Fremde aufnehmen zu können und von der eingeborenen Bevölkerung erwartet, sich daran anzupassen und ihre Identität und Gewohnheiten aufzugeben. Abgesichert wurde das ganze mit einer Einheitsfront von Politik und Journalismus.

    Jetzt zeigt sich, dass das ganze nicht funktioniert, jetzt wird es definitiv ungemütlich. Eine Lösung, die darauf hinaus läuft, dass sich die ‚Ureinwohner‘ unterordnen, wird über kurz oder lang scheitern. Die Frage, wie man mit welchen Einwanderern umgehen will, ist jetzt viel schwieriger zu lösen, als es vor 2 0 Jahren möglich gewesen wäre.

    Ich traue den herrschenden Politik- und Medieneliten, die uns diese ganze Malaise eingebrockt haben, nicht die nötige Weitsicht zu, um die jetzt viel schwierigeren Fragen zu lösen.

  2. Wie friedlich und unrassistisch es doch noch zuging damals, bevor Sarrazin sein Buch geschrieben hat. Damals gab es kein einziges Arschloch unter den Lehrern und niemand wäre jemals auf die Idee gekommen, rassistische Sprüche zu äussern. Sarrazin, dieser Blödmann, hat diese ganze Idylle einfach kaputtgemacht, er ganz allein.

  3. Doch, man muss. Das erste Opfer jeder Diktatur ist die Meinungsfreiheit.

    Mal abgesehen davon, dass der Bezug zu Sarrazin nur vom Journalisten hergestellt wurde und – um es mal vorsichtig auszudrücken – einer gewissen Beliebigkeit nicht entbehrt: Es wurde ja neulich mal eine Studie veröffentlicht, wonach die Einstellung der Deutschen Muslimen gegenüber signifikant negativer ist als in den Nachbarländern. Zum Beispiel im Vergleich zu den Niederländern. Aber die guten Wahlergebnisse von Wilders und die eher miesen hiesiger Antiislamisten widersprechen dem doch!? Der Leiter der Studie stellte dazu in einem Interview des SWR die These auf, dass gerade in den Ländern, in denen diese Konflikte vergleichsweise offen ausgetragen werden (wie z.B. in den Niederlanden ausgelöst durch Wilders und seine Vorgänger), Ängste eher abgebaut werden als da, wo durch ständige Tabuisierungsversuche alles unter der Decke gehalten werden soll. Es ist eben das Unbekannte, das Ängste auslöst, und eine Nichtdiskussion fördert das nur.

    1. „Der Leiter der Studie stellte dazu in einem Interview des SWR die These auf, dass gerade in den Ländern, in denen diese Konflikte vergleichsweise offen ausgetragen werden (wie z.B. in den Niederlanden ausgelöst durch Wilders und seine Vorgänger), Ängste eher abgebaut werden als da, wo durch ständige Tabuisierungsversuche alles unter der Decke gehalten werden soll.“

      Das ist doch Quatsch. Gerade in Deutschland wurde umfangreich diskutiert, auch schon vor Sarrazin. In Holland hingegen wurde jahrelang eine Konsenssoße angerührt.

      1. Mit Verlaub: Was du erzählst, ist Quatsch.

        Erstens wurde in Deutschland bislang überhaupt nichts öffentlich in diesem Zusammenhang diskutiert, sonst hätte das Sarrazin-Buch auch nicht wie eine Bombe einschlagen können. Die übliche Reaktion auf einwanderungskritische Stimmen, die auch Sarrazin zunächst zuteil wurde, besteht darin, die sich so Äußernden als verkappte Nazis zu entlarven und damit die Thematik einer Diskussion zu entziehen. Wie ja jüngst unter deinem Beifall wieder von Augstein versucht.

        Und zweitens ist es mit der „Konsenssoße“ in den Niederlanden spätestens seit Pim Fortuyn (ermordet vor acht Jahren!) vorbei. Die Wahlergebnisse von Wilders sind real. Wenn in Deutschland jemand mit so einer Programmatik einen solchen Stimmenanteil erringen könnte, würde die veröffentlichte Meinung längst alle Ausländer in Lebensgefahr wähnen und Horrorbilder von der Wiederkehr des Dritten Reiches malen.

        1. „Erstens wurde in Deutschland bislang überhaupt nichts öffentlich in diesem Zusammenhang diskutiert“

          Aha. Dann lebe ich in einem anderen Land. Na denn.

          1. Dann lebe ich in einem anderen Land.

            Offensichtlich. Leider lässt sich meine Behauptung im Gegensatz zu deiner aus technischen Gründen nicht belegen, denn etwas, das nicht da ist, kann man ja auch keinem zeigen.

          2. Zum ersten Link: Die Debatte war mit der Grundgesetzänderung schlagartig vorbei (also vor 18 Jahren). Und sie umfasste nicht das Zusammenleben mit den bereits jenseits des Asylrechts Eingewanderten.

            Und ich darf zitieren: „Befürworter einer restriktiveren Asylpolitik sahen sich vielfach dem Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit ausgesetzt. “

            Zum zweiten Link: Viele Verweise, aber darunter nichts, was auf eine deutsche Debatte vor Sarrazin hindeutet.

            Zum „etc. pp.“: Wenn das von ähnlicher Güte ist…

          3. @nk:
            Du bist in einem anderen Land aufgewachsen. In meinem (West-) Deutschland wurden und werden Ausländer (jaja, „Menschen mit Migrationshintergrund“ oder solche, die so aussehen) ausgegrenzt und angefeindet- das ging so weit, dass der ansonsten eher handzahme und verschlafene DGB in den 80ern eine Kampagne „Mach‘ meinen Kumpel nicht an“ zu dem Thema ins Leben rief.
            Aber so etwas wird dann ausgeblendet.
            Und ehe es wieder kommt (wird langweilig)- die DDR hat es nicht besser gemacht- die Auswirkungen der Isolation der „Fidschis“ sind bis heute zu merken- je schlimmer, desto dörflicher die Wohnstruktur im Osten ist. Schau‘ mal über Deinen Tellerrand oder gebe Dir wenigstens Mühe. Du bist doch nicht blöde.

            @Rayson:
            laße bitte mal die Kirche im Dorf- es wurden- zum Teil widerliche, da unsachliche- Debatten geführt- Kampagnen losgetreten- erinnere nur mal an Rüttger’s-„Kinder statt Inder “ oder CDU-Koch mit „wo kann ich hier gegen Ausländer unterschreiben“. Mangelnder Realitäts-Sinn sei Dir hiermit mal unterstellt.
            Belehre mich eines Besseren- ich bin gespannt.

            @Christian:
            gut, dass Du Dich hier nicht zum Affen machst, indem Du wertvolle Zeit einer Recherche opferst, die 12-jährige hinbekämen.

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