Sarrazin und die Taxifahrer

Taxifahrer 1:

Der türki­sche Taxifahrer, der mich nachts vom Bahnhof Spandau nach Hause fuhr. Bei der Ankunft stieg er aus, berührte meinen Oberarm, schüt­telte mir die Hand und sagte „Gut gemacht“.

Taxifahrer 2:

Der deut­sche Taxifahrer, der mich in Duisburg zum Bahnhof fuhr. Er erzählte: „Die meisten Taxikonzessionen in Duisburg gehen mitt­ler­weile an Türken, die bieten die höchsten Preise. Und im Duisburger Taxifunk wünscht man den Taxifahrern mitt­ler­weile alles Gute zum Opferfest, anstatt zu den Weihnachtstagen.“

These: wüsste Taxifahrer 1, dass Sarrazin nicht nur ihn, sondern auch Taxifahrer 2 derge­stalt zitiert, er sagte wohl nicht „Gut gemacht”, sondern etwas nicht Jugendfreies.

Und im Übrigen hat Jakob Augstein im „Freitag” das Notwendige über Sarrazins Lügen in der „FAZ” geschrieben. Ausgerechnet an Weihnachten veröf­fent­licht die „FAZ” so einen Unfug. Peinlich.

Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

14 Kommentare zu “Sarrazin und die Taxifahrer

  1. Sarrazin kann man zu seinen Gegnern nur gratu­lieren. Deren Unsinn ist sein bestes Argument. Augstein z.B. wider­legt mit dem Beweis, dass es keine gene­tisch vererbte Intelligenz von Völkern oder Ethnien gibt, eine Behauptung, die Sarrazin nicht aufge­stellt hat, schreibt ihm diese aber damit zu. Und gibt dem, was er in der FAZ schreibt, somit recht: Diese Art von Angriffen auf, oder, wo wir schon dabei sind, Lügen über ihn zeigen deut­lich, dass da etwas im Argen ist mit der demo­kra­ti­schen Kultur in diesem Land. Wie übri­gens auch die Tatsache, dass die FAZ dafür geta­delt wird, Meinungsfreiheit zuzulassen.

    • „die Sarrazin nicht aufge­stellt hat”

      Doch, hat er. Vielleicht nicht in seinem Buch, aber in seinen diversen Interviews.

      „Wie übri­gens auch die Tatsache, dass die FAZ dafür geta­delt wird, Meinungsfreiheit zuzulassen.”

      Was für ein Unfug. Wer hat denn mehr Meinungsfreiheit als Sarrazin?

  2. Vielleicht nicht in seinem Buch, aber in seinen diversen Interviews.

    Dann nenn doch mal zwei, wenn es denn „diverse” sind. Aber mir würde schon eins reichen. Ich sage das, kopf­schüt­telnd ahnend, was jetzt kommt, weil genau das dann immer kommt. Und mir ein weiteres Beispiel über die mise­rable Qualität der öffent­li­chen Diskussion hier­zu­lande bieten wird, wenn ich nicht zu faul bin und einfach nur auf „Zettel” verweise, der dazu alles Nötige gesagt hat.

    Wer hat denn mehr Meinungsfreiheit als Sarrazin?

    Das ist nicht der Punkt, sondern die Tatsache, dass einige Leute es offen­sicht­lich für ein Vergehen halten, ihm diese zu gewähren.

    • Meinungsfreiheit heißt nicht, dass man ein Recht darauf hat, die eigene Meinung in einer großen Zeitung zum Besten zu geben.

      • Man hat nicht ein Recht darauf, aber das Recht, es zu tun. Und die Zeitung hat das Recht, es zu veröf­fent­li­chen. Zumal übri­gens, wo die ableh­nende Haltung des zustän­digen Herausgebers zu Sarrazins Werk bekannt ist.

        Augstein besteht aber darauf, Sarrazin „das Wort zu entziehen”. So läuft also poli­ti­scher Diskurs, wenn es nach Meinung einiger Leute geht: Der unlieb­same Gegner wird erst — notfalls mit Hilfe unge­schickter Äuße­rungen in inqui­si­to­ri­schen „Interviews”, was mit dem selbst­ge­fäl­ligen Sarrazin, der auf alles eine Antwort haben zu müssen meint, ziem­lich einfach zu machen war — zu einer Unperson erklärt, damit man ihm dann den Mund verbieten kann und alle, die sich nicht an das Kontaktverbot halten, zu Komplizen erklärt. Nicht Sarrazin ist „gefähr­lich”, sondern diese anma­ßenden Möchtegernzensoren sind es.

  3. Liebe GenossInnen,

    es gibt keine unein­ge­schränkte Meinungsfreiheit. Auch die Meinungsfreiheit wird in unserer Verfassung sank­tio­niert. Das bedeutet, dass Volksverhetzung strafbar ist und Beleidigung ebenso dazu zählt. Sarrazins Thesen sind ganz klar sozi­al­dar­wi­nis­tisch, denn Kollektive sowohl posi­tive als auch nega­tive Eigenschaften zuzu­ordnen, halte ich persön­lich für sehr gefähr­lich. Das ist ein Menschenbild, das er zeichnet. Dieses gefähr­liche Gedankengut (bzw. diese Gedanken) wird dank der Medien, in die mani­pu­lier­baren Köpfe der Massengesellschaft trans­por­tiert. Jeder Mensch, der sich offen für „Meinungsfreiheit in den Medien” ausspricht, ist in meinen Augen ein Befürworter der Postdemokratie (Postdemokratie: die Medien gehören nur einigen reichen Leuten, die die Macht besitzen, die Meinung der Massengesellschaft zu beein­flussen. Sogar Parteien müssen ihr Parteiprogramm „medi­en­ge­recht” formuliere).

    Ein Beispiel aus dem Leben: Eine Dame liest das Buch von Sarrazin und unter­hält sich in der Bahn. Sie sagt, dass er mit Zahlen arbeitet und manches nicht nur Klischees sind, sondern Fakten und Tatsachen <—- wer sich mit Literatur beschäf­tigt und fit ist in Rethorik, sollte wissen, dass dieser Satz so viel bedeutet wie: Dieser Mann bestä­tigt meine Vorurteile.

    Ich frage dieje­nigen, die ihn doch so sehr unter­stützen:
    Warum hat Sarrazin einiges aus seinem Buch gestri­chen und umge­än­dert? Wenn seine Thesen doch so wahr sind…

    Liebe Grüße

  4. Den besten Kommentar zu Sarrazin äußerte einer meiner Arbeitskollegen:
    Der kann ja selber nicht richtig deutsch!
    :-D

  5. warum veröf­fent­licht ihr nicht mein kommentar? ich dachte hier kann man diskutieren!?

  6. Pingback: Sarrazin, der Klarsichtige » QuerBlog.de

  7. Wahrscheinlich geht das nie vorbei. Der deut­sche Michel braucht wohl ein Dampfventil für seine einge­bil­dete Unterdrückung … Elite will wohl Elite bleiben und „Unterschicht” eben „Unterschicht” … und Sarrazin und seine Fans gehören ins Sarrazin-Forum. oder wie die aktu­ellen Trolltummelfelder wohl heißen mögen.