Kann man den WikiLeaks-Depeschen trauen?

Kann man den WikiLeaks-Depeschen trauen? Bezogen auf „Sicko” in Kuba muss man fest­halten: nein, kann man nicht:

Yesterday WikiLeaks did an amazing thing and released a clas­si­fied State Department cable that dealt, in part, with me and my film, ‚Sicko.’

It is a stun­ning look at the Orwellian nature of how bureau­crats for the State spin their lies and try to recreate reality (I assume to placate their bosses and tell them what they want to hear). …
Sounds convin­cing, eh?! There’s only one problem — ‚Sicko’ had just been playing in Cuban thea­ters. Then the entire nation of Cuba was shown the film on national tele­vi­sion on April 25, 2008! The Cubans embraced the film so much so it became one of those rare American movies that received a thea­trical distri­bu­tion in Cuba. I perso­nally ensured that a 35mm print got to the Film Institute in Havana. Screenings of ‚Sicko’ were set up in towns all across the country.

Bei Telepolis gibt’s das Ganze auch auf deutsch, außerdem stellt Don Alphonso richtig fest und außerdem die rich­tige Frage:

Extrem pein­lich für die Versager im State Department. Saupeinlich für die Medien. Und schlimm für uns alle, die wir uns fragen müssen: Auf was für einer Wissensbasis machen die USA Politik? Also, jetzt nicht nur im Grossen bei den Massenvernichtungswaffen. Auch im Kleinen. Und was wollen sie, dass wir davon glauben.

Tja. Sind die US-Botschaften wirk­lich so unfähig? Ging es darum, irgend­welche Vorgesetzte zu täuschen oder zu befrie­digen? Oder steckt was völlig anderes dahinter? Man weiß nicht, was schlimmer wäre.

Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

5 Kommentare zu “Kann man den WikiLeaks-Depeschen trauen?

  1. Als ob das irgend­etwas neues wäre.

    Auf dem beschö­nigen von Tatsachen, auf der krea­tiven Auslegung der Wirklichkeit sind zehn­tau­sende Karrieren gebaut.

    Als z.B. Volker Rühe (damals Bundesminister der Verteidigung) unsere Kaserne besucht hat, wurde vorher fest­ge­legt, wo er überall vorbei­kommt. Dort wurde dann gemalt, repa­riert, gejätet […].
    Der Rest sah aus wie Sau, aber unser Kommandeur wollte halt nicht schlecht vor seinem obersten Dienstherr dastehen.

  2. Lichtenberg sagte so schön: „Der schlimmste Feind der Wahrheit ist nicht die Lüge, sondern die Wahrheit, mäßig verdreht”.

    Und genau das ist ja immer die Masche von Moore.

    Und scheint es auch hier zu sein.
    Denn wenn er sagt, daß der Film im April im cuba­ni­schen Fernsehen gelaufen ist — dann wider­legt das ja keines­wegs, daß im Januar noch über eine Sperre geredet wurde bzw. daß der Vorfall mit den Ärzten wahr wäre.

    Die Depeschen geben ja immer nur Momentaufnahmen, Einzeleindrücke, und natür­lich können da auch Fehlinformationen dabei sein.
    Aber wenn Moore hier von Orwell spricht, ist das wieder sein typi­scher Größenwahn. Schließlich sind diese Depeschen NICHT für irgend­eine Propaganda gedacht, sondern interne Vermerke. Da konnte keiner wissen, daß sie Jahre später mal an die Öffent­lich­keit kommen.

    • Du bist so naiv, R.A.

      Die ganzen angeb­lich gegen den Willen der Verantwortlichen lancierten Depeschen hatten doch nur eins zum Ziel, nämlich dadurch den Film von Moore zu diskre­di­tieren. Alles andere war nur Ablenkung.

      Dahinter steckt selbst­ver­ständ­lich der CIA. Wer einen 11. September so perfekt insze­nieren kann, für den ist das biss­chen Wikileaks-Fake doch ein Leichtes.

    • „Die Depeschen geben ja immer nur Momentaufnahmen, Einzeleindrücke, und natür­lich können da auch Fehlinformationen dabei sein.”

      Richtig. Es geht aber auch um die Unfähigkeit der Medien in diesem Beitrag.

      „Aber wenn Moore hier von Orwell spricht, ist das wieder sein typi­scher Größenwahn.”

      Nö, sondern einfach nur Übertrei­bung. „Stilmittel” und so. :-)

  3. Die Depeschen sind keine wissen­schaft­li­chen Aufsätze sondern Äusse­rungen von US-Beamten im Ausland. Dass hier einzelne Schnippsel vom Autor wissent­lich oder unwis­sent­lich einge­führte Fehlinformationen enthalten, ist schlichtweg alles andere als überra­schend. Nur weil die Dinger geheim sind, enthalten sie ja nicht „die Wahrheit”.
    Assange will die Kosten für diskretes Aushandeln in kleinen, abge­schlos­senen Räumen erhöhen, um so einen öffent­li­chen Diskurs herzu­stellen.
    http://fixingtheeconomists.wordpress.com/2010/12/19/the-deleuzian-philosophy-of-julian-assange/
    Ob seine Mittel richtig sind und ob die Öffent­lich­keit überhaupt wünschens­wert ist, steht auf einem anderen Blatt.