Migranten? Nö, Deutsche!

Die „taz” will’s wissen: nun sag, wie hältst Du es mit der Nation? Also: wir sind keine Migranten oder mit Migrationshintergrund — wir sind Deutsche. Und wie schon während der Fußball-WM zeigt sich auch hier: das passt den „progres­si­ven”, „linken” Bio-Deutschen über­haupt nicht! „Wer deutsch ist und wer Migrant, das bestim­men wir”, so unge­fähr sind die Kommentare zu verste­hen.

Norbert Bolz scheint wohl nicht ganz Unrecht zu haben mit seinem Kommentar (auch in der „taz”), in dem er „linke Lebenslügen” beschreibt.

Die Nation hat sich mit Europa nicht erle­digt, auch wenn das die ach so klugen Linksintellektuellen sich auch noch so sehr wünschen. Ob es über­haupt wünschens­wert ist, möchte ich auch bezwei­feln. Richtig ist, dass die moder­nen Nationen neuar­tige Gebilde sind, wenn man sich die Menschheitsgeschichte als Ganzes anschaut. Richtig ist aber auch, dass es kein trag­fä­hi­ges Gegenmodell gibt, in einer natio­na­len Welt. Und, es gilt: keine Dekonstruktion ohne Konstruktion.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

8 Gedanken zu „Migranten? Nö, Deutsche!“

  1. Die TAZ scheint mit der „Deutschland-TAZ” mal wieder lust­voll daran zu arbei­ten, alte linke Schemata kritisch und provo­ka­tiv zu hinter­fra­gen. Und genau dafür, für diese linke Freude an der kriti­schen Reflektion allzu einge­fah­re­ner Denkschemata, auch und gerade bei Chance auf linke Nestbeschmutzerei, liebe ich dich TAZ und halte sie für eine der wich­tigs­ten deut­schen Zeitungen.

    Es war schon immer die Stärke der progres­si­ven Linken, Selbstgewissheiten regel­mä­ßig zu hinter­fra­gen. Dieses Erbe hält die TAZ am Leben, selbst wenn einzelne Linke es verges­sen wollen!

  2. Dass du den Post bei twitter oder Facebook aufge­schnappt und dann einfach die Stichworte verwurs­tet hast, offen­sicht­lich ohne den Artikel oder sonst was dazu gelesen zu haben. Aber solange es provo­kant ist…

  3. Zumindest gegen den EU-kolo­nia­len Neoliberalismus kann der Nationalstaat ein sozia­les Bollwerk sein. In diesem Sinne waren die klaren Nein-Ergebnisse der Volksabstimmungen 2005 (Frankreich, NL) und 2008 (Irland) Ausdruck einer linken UND natio­na­len Emanzipation. Das schwe­di­sche Nein zum TEuro und das wieder­holte Abwinken Norwegens zur EU-Mitgliedschaft unter­strei­chen dies.
    Wäre übri­gens hoch­in­ter­es­sant, wenn in Irland ein drittes Mal abge­stimmt würde…

    1. >kann der Nationalstaat ein sozia­les Bollwerk sein

      Sozialismus erschöpft sich früher oder später immer an natio­na­len Grenzen.

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