Jugendschutz: Whitelist statt JMStV

Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ist ganz großer Murks. Meine Partei ist natür­lich mal wieder voll dabei. Seufz.

Wenn ich das richtig sehe, sind sich die Juristen einig, dass sie sich uneinig sind. (Alles andere wäre ja auch völlig unty­pisch für Juristen.)

Es ist jeden­falls über­trie­ben, jetzt das eigene Blog zu löschen. Soviel ist klar. Es wird wohl kaum zu massen­haf­ten Abmahnungen oder derglei­chen kommen.

Klar ist, dass Jugendschutz im Internet nicht nur über Medienkompetenz geht. Aber Sendezeiten? Hey. So ein Unfug.

Software, die über Whitelists arbei­tet, wäre doch für Eltern bzw. deren Kinder völlig ausrei­chend: kein Zugriff auf den häss­li­chen Teil des Internets, den es ja gibt, sondern nur auf den Kinderkanal und derglei­chen.

Nach wie vor besteht eine kleine Chance, dass sich eine Partei (viel­leicht meine) erbarmt und diese schwach­sin­nige Novelle stoppt. Wir werden es erleben.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

3 Gedanken zu „Jugendschutz: Whitelist statt JMStV“

  1. Würde nicht eine solche Whitelist 90% aller Blogs aus schlich­ter Unkenntnis/Irrelevanz ausschlie­ßen?

    Für mich steht fest: Der Staat muss versa­gen, wenn er versu­chen will, die „guten” Seiten des Internet objek­tiv auszu­wäh­len und nur diese zu Menschen unter 18 durch­zu­las­sen. Ich halte es schon tech­nisch für unmög­lich, das lücken­los hinzu­be­kom­men, ange­sichts der Vielzahl inter­net­fä­hi­ger Geräte an allen mögli­chen Orten. Aber selbst wenn es tech­nisch möglich wäre, würde der Staat (oder irgend­wer anders) an der Auswahl schei­tern, was denn nun „gut” und was „böse” ist. Pornoseiten kann man sicher­lich eini­ger­ma­ßen sicher ausschlie­ßen, nur gilt ja heut­zu­tage alles Mögliche als „jugend­ge­fähr­dend”, bezie­hungs­weise werden ja auch von der Politik oder auch von Eltern ausge­hend immer wieder mal neue zensie­rungs­wür­dige Inhalte ausge­macht werden.

    Es gibt meines Erachtens im Großen und Ganzen zwei Richtungen, die man einschla­gen kann: Entweder, man versucht den Nachwuchs intel­lek­tu­ell soweit fit zu machen, dass er von selbst mit dem Schmutz mensch­li­cher Abgründe (wie auch immer jeder das für sich defi­nie­ren mag), den es halt auf der Welt gibt und den das Internet ja nicht erzeugt, sondern bloß abbil­det, vernünf­tig umgehen kann. Das erfor­dert natür­lich vor allem Einsatz der Eltern, viel­leicht auch den von Kindergarten, Schule etc.

    Die andere Möglichkeit ist die, die wir erleben: Mehr oder weniger hilf­lose, fast immer wenig bis gar nicht ziel­füh­rende Versuche, das Internet zu behan­deln wie andere Medien und gnaden­los durch­zu­re­gu­lie­ren. Das muss immer zwangs­läu­fig auch Unbeteiligte Dritte (zum Beispiel sämt­li­che Erwachsenen) in Mittleidenschaft ziehen, was wiederum ein Preis ist, den wir für Jugendschutz nicht zu zahlen bereit sein dürfen.

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