Manche sind eben gleicher

Die Grünen treffen sich gerade in Freiburg zum Parteitag (BDK). Heute wurden die Grünen-Vorsitzenden wieder­ge­wählt. „Spiegel Online” schreibt:

Zur Wahl stehen die bishe­ri­gen Vorsitzenden — und die werden mit über­zeu­gen­den Ergebnissen bestä­tigt: Roth bekommt 79,3 Prozent, Özdemir außer­or­dent­lich gute 88,5 Prozent.

Wir stellen fest: knapp 80 Prozent sind „über­zeu­gend”, gut 88 Prozent sind hinge­gen „außer­or­dent­lich gut”. Fein, denken wir uns, so sieht das „Spiegel Online” eben.

Mh. Wir denken nach, ob da in den letzten Tagen nicht gerade noch ein anderer Parteitag war, gucken bei Google News rein. Und wir finden einen Artikel über den CDU-Parteitag vor knapp zwei Wochen:

Mit großer Mehrheit ist Angela Merkel wieder zur CDU-Chefin gewählt worden. Auf dem Parteitag in Karlsruhe stimm­ten 90,4 Prozent der Delegierten für die Kanzlerin. Vor zwei Jahren hatte die Regierungschefin noch knapp 95 Prozent bekom­men — ein kleiner Denkzettel.

Gut 90 Prozent sind auf einmal ein „kleiner Denkzettel”. Achso, ein anderes Medium? Nein, Pustekuchen. Erneut „Spiegel Online”.

Selten kann man besser sehen, wie Medien Politik machen.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

3 Gedanken zu „Manche sind eben gleicher“

  1. Spiegel Online ist sehr wech­sel­haft mit den Bewertungen, das ist mir auch schon aufge­fal­len. Im übrigen geht das auch anders­herum, gegen die Grünen.

  2. CDU-Vorsitzende fahren tradi­tio­nell bessere Ergebnisse ein als Grünen-Vorsitzende. Merkel ist 95 auf 90 Prozent abge­rutscht, Özdemir hatte 2008 nur knapp 80%.

  3. Man darf das nicht auf die nackten Zahlen beschrän­ken. Kannst du Dir einen CDU-Parteitag vorstel­len, auf dem eine Resolution verab­schie­det wird, die sich gegen ein Projekt richtet, bei dem die Bundeskanzlerin im Kuratorium sitzt?

    Erst wollte ich CDU/SPD schrei­ben, dann fiel mir Herr Drexler ein.

Kommentare sind geschlossen.