Ich habe es schon einmal geschrieben: Gesundheit wird das Megathema der nächsten Jahre. Wenn die SPD es schafft, ihr Konzept der Bürgerversicherung breit und umfassend zu vertreten, dann bin ich guten Mutes, dass sich das auch in positiven Wahlergebnissen niederschlägt. Karl Lauterbach hat ein recht umfangreiches Papier zur Rösler-Reform publiziert, es zu lesen lohnt sich durchaus.


Zwischen 2005 und 2009 gab es im Bundestag die Chance & die Mehrheit dazu.
Merkels Rockzipfel war für die SPD attraktiver. Lauterbach: guter Mann, in der falschen roten Partei.
Ich halte mittlerweile nicht mehr die Frage „Kopfpauschale oder Bürgerversicherung?” für das relevante Thema in der Bundespolitik. Grade die Hoffnungen der FDP, jetzt endlich ihre Vorstellungen durchzusetzen, wurden doch jetzt massiv enttäuscht.
Das deutsche Gesundheitssystem ist extrem, wirklich extrem, lobbyverseucht. SPD und CDU/FDP versuchen hier, ideologische Grabenkämpfe zu führen. In Wirklichkeit haben beide mit ihren Konzepten keinerlei Chancen, sich gegen die Lobbys im System zu wehren. Das hat Ulla Schmidt längst resignierend zugegeben, Herr Rösler merkt es auch grade.
Ist ja auch alles kein Wunder. Der staatlich regulierte Gesundheitsmarkt ist ein riesen Geschäft. Hier gibt es viel zu holen. Verteilungskämpfe sind programmiert.
Die beste Gesundheitspolitik wird ersteinmal diejenige Partei machen, die es schafft, das Gesundheitssystem von den zahlreichen Mitessern zu befreien.
Rösler hat sich mehr durchgesetzt, als viele denken — leider:
Der Einstieg in die Kopfpauschale ist längst gelungen. Die Zusatz-Zwangsbeiträge sind am gestrigen Freitag nach oben freigegeben worden. So wird eine allmähliche Gewöhnung angestrebt!
Linke, widerständige Politik müsste sein:
Die über eine Million Boykotteure der bisherigen ZusatzErpressung der kranken Kassen weiterhin zum zivilen Ungehorsam zu ermutigen („ichzahlnichtmehr”) & ggf. anfallende Anwaltskosten zu erstatten.
Der Mist ging 2004 ja schon los: Die „Praxisgebühr” ist nix anderes als eine Kopfpauschale. Hmm, wer regierte damals eigentlich?
„Rösler hat sich mehr durchgesetzt, als viele denken — leider:
Der Einstieg in die Kopfpauschale ist längst gelungen. Die Zusatz-Zwangsbeiträge sind am gestrigen Freitag nach oben freigegeben worden. So wird eine allmähliche Gewöhnung angestrebt!”
Stimme dir zu, die Rösler-Reform ist nichts anderes als ein Schritt hin zur Privatisierung der Krankenversicherung.
…und das Problem ist? Abgesehen davon, dass es zu langsam geht?
Es gibt 2 Möglichkeiten:
1. Sozialisierung der Versicherungskosten -> Pleite des gesamten Systems
2. Individualisierung, wie in der PKV -> Sozial ungerecht.
Problem 2 lässt sich aber mit steuerfinanzierten Transfers lösen, Problem 1 ist nicht lösbar.
Nachweis Ihrer These zu 1 steht aus.
These 2 ? Gullydeckel auf, These 2 rein, Gullydeckel zu.
Netter Versuch.
Ach ja: Eine bundesweit (noch) bekannte Partei könnte Verwendung für solche Karnevalsverse haben.
Nachweis zu These 1?
Haushalte des Bundes und der Länder sowie Bilanzen der GKVs der letzten, naja, 40 Jahre… reicht das nicht als Begründung? Vermutlich nicht, wenn man nur sieht, was man sehen will… erinnert mich an: „Die Rente ist sicher” , lol
These 2? Was ist das Problem hier? Jeder Bullshit wird in Deutschland subventioniert, warum also nicht die Krankenversicherung?
Warum kann man Milch subventionieren, aber keine Transfers zahlen?
Naja, fuck it, viel Spass beim Blechen der Staatsschulden :)
@FA:
wenn Reiche sich (mehr) an einer einzelnen KV / RV– einer Bürgerversicherung für Alle– adäquat beteiligen würden, wären diese Versicherungen nicht marode. Wichtig ist, nicht nur den status quo zu sehen. Scheuklappen ablegen– oder kannst Du das nicht?
Erkläre doch mal, welchen Sinn es macht, dass es (wieviele) KVen gibt? Haben Privat-Versicherte einen anderen Krebs, einen anderen Beinbruch als „Normal-Versicherte”? Was rechtfertigt die unterschiedliche Behandlung? Sind Privat-Versicherte bessere Menschen?
meine Rede, reine Grundversorgung für alle, private Krankenzusatzversicherung für alle.
„Grade die Hoffnungen der FDP, jetzt endlich ihre Vorstellungen durchzusetzen, wurden doch jetzt massiv enttäuscht.”
Nicht wirklich. Die FDP hat wirklich das absolute Maximum rausgeschlagen ihrer Ideen. Sie sagen es aber nicht frank und frei heraus. Natürlich Taktik. Klar.
Frag mal einen Liberalen, ob das Gesundheitssystem jetzt ihren Vorstellungen entspricht ;).
Nicht umsonst schreibe ich, dass „die FDP” das Maximum rausgeholt hat — von Liberalen war keine Rede.
:D Okay, akzeptiert.
http://www.fr-online.de/politik/sieg-der-lobbyisten/-/1472596/4826538/-/index.html
Die FR listet hier mal schön auf, was so alles an „Neuerungen” kommt.
Ich denke auch, dass die Bürgerversicherung sich als zentrales Thema zur nächsten BTW geradezu aufdrängt.
@Alex:
vielleicht das einzige RRG-Musterprojekt, das tatsächlich umsetzbar ist– man wird sehen, was geht.
Aber ob das alleine eine Koalition 4 Jahre tragen kann?
Der Streitpunkte gibt es mehr als genug…