Stolz auf Deutschland?

Wahlplakat Willy Brandt 1972

Quelle: Haus der Geschichte, Bonn

Ergänzend ein schönes Zitat aus dem SPIEGEL von 1992:

Vielleicht ist das aber so etwas wie ein Vermächtnis des „deut­schen Antinazi” Willy Brandt, daß er in der verschre­cken­den Zeit der allzu eiligen Vereinigung den Weltkindern, Europäern und Postnationalen zwischen Usedom und Konstanz sagt: Drückt euch nicht, Deutsche seid ihr doch. Akzeptiert es lieber und macht was Vernünftiges draus.

Daß jemand anneh­men könnte, ausge­rech­net er habe „über­schäu­men­den Nationalismus” von der groß­mäu­li­gen alten Art im Sinn, wenn er vom „guten Deutschen” rede, hat Brandt stets eher erhei­tert als erzürnt. „Wer ein guter Deutscher sein will, muß heute Europäer sein”, schärfte er schon 1974 seinen Genossen ein. Zugleich aber hielt der „Alte” aus Lübeck immer — nicht erst seit dem Fall der Mauer — alle für „Naivlinge” oder „Stümper”, die meinten, der „Sog der Geschichte” habe „die natio­na­len Fragen der Deutschen” erle­digt. Schon in Erfurt fühlte er sich 1970 bestä­tigt.

Ihm blieb die Nation als Verantwortungsgemeinschaft eine leben­dige Größe: „Mein Volk lebt in zwei Staaten und hört doch nicht auf, sich als eine Nation zu verste­hen” (1973).

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

3 Gedanken zu „Stolz auf Deutschland?“

  1. Man stelle sich vor, die Union würde heute auf Plakaten Stolz auf Deutschland propa­gie­ren — das wäre für Willys Nachfolger * Gabriel doch sofort der Einstieg in den Rechtsextremismus.

    * (die Vorstellung ist schon traurig, daß auf dem Stuhl von Willy Brandt nun ein so unwür­di­ger Epigone sitzt)

    1. @RA:
      haha, das sagt jemand, der sonst die Meinungen der Partei vertritt, die nach Konrad A. den Ludwig E. (und später noch Kiesinger, Rainer B. und Helmut K.) aufge­stellt hat :-)

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