Man traut es der CDU zu

Stuttgart 21 ist überall. Im Twitter-Account @cdu_nrw ist zu lesen:

Ein norma­les Kind geht nicht auf Demos, sondern tritt mit 16 der CDU bei! Also selbst schuld, wenn der nette Polizist ausholt! #s21 #cdu

Enorme Aufregung im Twitterversum! Was erlau­ben CDU?!

Die Auflösung: dieser Account wird nicht von der CDU NRW betrie­ben, sagt die CDU NRW:

Die CDU Nordrhein-Westfalen ist aber weder Betreiber dieses Accounts, noch Absender dort veröf­fent­lich­ter Meldungen.

Das habe ich auch nie vermu­tet. Etliche Twitter-Nutzer jedoch sehr wohl.

Und das müsste die CDU doch erschüt­tern: dass ihr derar­tige Aussagen zuge­traut werden. Wie sehr hat sie es sich mit jungen, intel­li­gen­ten Leuten verscherzt, die jegli­che Medienkompetenz verges­sen und eine leicht als Falschmeldung erkenn­bare Falschmeldung für bare Münze nehmen.

Man traut es der CDU zu, dass sie so denkt und so schreibt. Das ist das eigent­lich Bemerkenswerte an diesem Ereignis. Man traut es der großen Volkspartei CDU zu, dass sie Gewalt gegen Kinder begrüßt. Das ist nicht nur bemer­kens­wert, das ist gera­dezu erschüt­ternd. Die CDU sollte einmal in sich gehen und sich fragen, was sie alles falsch gemacht hat, dass es so weit kommen konnte.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

17 Gedanken zu „Man traut es der CDU zu“

  1. Die CDU sollte einmal in sich gehen und sich fragen, was sie alles falsch gemacht hat, dass es so weit kommen konnte.

    Ja klar. Das Objekt des Hasses soll sich gefäl­ligst fragen, warum die anderen es hassen. Super Schema.

    1. Ja, das wäre eine gute Idee. So, wie sich die SPD fragen muss, warum sie von vielen mitt­ler­weile derart verach­tet wird. Grundlos? Sicherlich nicht.

      1. Ach was. Seit ich poli­tisch denken kann, gibt es Hass auf die CDU von links. Und dass dann einige anfan­gen, ihr eigenes Feindbild zu glauben, gab es auch schon immer.

        Ganz ehrlich: Wer einem offi­zi­el­len Account der CDU abnimmt, dass er Gewalt gegen Kinder befür­wor­ten würde, muss schon ziem­lich einen an der Marmel haben. Auch wenn man die Partei nicht mag, weiß man, dass sie so etwas nie veröf­fent­li­chen würde.

        1. „Seit ich poli­tisch denken kann, gibt es Hass auf die CDU von links.”

          Richtig. Nur ist das eben bei diesem Vorgang keine „linke” Erscheinung. Eine einfa­che Twitter-Suche zeigt, dass ganz normale Leute, keine Ultra-Linken, diese Aussage der CDU zutrauen.

          1. keine Ultra-Linken

            „Ultra” muss auch nicht. Und die Möglichkeit persön­li­cher Dummheit räume ich ganz expli­zit ein.

            Erkennst Du deren poli­ti­sche Gesinnung am Namen oder am Bild?

            Ich schaffe das jeden­falls nicht…

  2. Wenn ich mir die meisten Erwachsenen so anschaue, frage ich mich, ob Kinder auf Demos über­haupt objek­tiv verste­hen, wofür Sie eintre­ten. Oder ob Sie nicht schon mißbraucht werden.

    Gewalt auf Demos halte ich für ein fest einzu­kal­ku­lie­ren­des Risiko, die Eigendynamik eines in Rage gebrach­ten Mobs ist nicht zu unter­schät­zen.

    1. @DGD:
      ob das nun für „alle” gilt, wird niemand einschät­zen können- wer auf Demos geht, weiß aber norma­ler­weise, worum es geht. Du weißt doch auch, warum und was Du hier schreibst- oder?

      1. Ja, vor allem ein 10-jähri­ges Kind wird auf ner Demo eine klare, poli­ti­sche Position vertre­ten… wer lesen kann, ist im Vorteil.

  3. Naja. Überzeugte Feinde trauen fast jeder Partei/Gruppierung in Worten fast jeden Sarkasmus zu. Auf dem Boden wuchern doch erst Verschwörungstheorien.

    Dreh das Spiel doch mal um: Nenne mir eine Partei/Gruppe/Kirche/NGO…, der niemand eine extrem zyni­sche Bemerkung in einer aufge­heiz­ten Athmosphäre zutrauen würde.

    1. @Alex:
      ähnli­che Sprüche habe ich zu Kohls Zeiten auch gehört- und das sogar beim fried­lich-legalen Protest gegen ein Bundeswehrgelöbnis (BS, Löwenwall, 1982).
      Und ja- der Propaganda ist kein Ende :-(

      1. Natürlich, aber ähnli­che Sprüche kommen zuwei­len von allen Seiten.
        Als ich das erste mal von MLPD-Freaks von geschätzt 14 Jahren als Arbeitermörder titu­liert wurde, weil der olle Nolte einst in der Weimarer Republik…, da war ich auch erst mal nur sprach­los ob des absur­den Vergleiches.
        Und irgend­ein Doofer, der den Müll wirk­lich glaubt, findet sich auch erstaun­lich oft.

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