In der FDP wollen einige aufrechte Liberale mehr Liberalismus wagen und haben deshalb den „Liberalen Aufbruch” gegründet. Federführend ist hier vor allem Frank Schäffler, der als Finanzexperte gilt. In diesem Zusammenhang hat der „Deutschlandfunk” mit ihm ein Interview geführt.
Nun, man muss Frank Schäffler nicht zustimmen, allerdings ist es wohl ziemlich glaubwürdig, dass er sich um seine FDP sorgt. Das finde ich durchaus honorig. Sein Parteifreund Daniel Bahr, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, sieht das allerdings offensichtlich anders:

Ein schreckliches Interview mit Frank Schäffler im DLF.
A-Team-Kollege Drungels veranlasste dies zu der treffenden Bemerkung: „Entweder ihr seid für uns oder ihr seid gegen uns.” Wer könnte ihm widersprechen. Die Stimmung in der FDP-Bundestagsfraktion muss in der Tat absolut schrecklich sein. Der Ausspruch eines FDP-Bundestagsabgeordneten, der nächste FDP-Parteitag finde „in der Hölle” statt, ist vermutlich keine Übertreibung. Wenn sich Fraktionskollegen schon in aller Öffentlichkeit bekriegen, dann will man gar nicht wissen, wie es intern zugeht. Nichts für schwache Nerven und kleine Kinder, wie man vermuten darf. (In der Schule würde man das „Mobbing” nennen, was Bahr treibt.)


Ich bin ehrlich gespannt, wohin dieser „Liberale Aufbruch” führt. Abwarten, Tee trinken und sich vielleicht auf ein paar Kontroversen in der FDP freuen :). Kann dieser Partei jedenfalls nur gut tun, wenn sie von Zeit zu Zeit mal darüber reflektiert, was sie überhaupt für eine Politik betreibt und was sie bewirkt.
Richtig; es ist ja doch zu albern, dass bei der FDP lange Zeit behauptet wurde, es gäbe keine Flügel. ;-)
Ob der „Liberale Aufbruch” wirklich ein Flügel ist, da bin ich mir allerdings noch nicht sicher. Sowieso tue ich mich derzeit mit dessen Bewertung noch etwas schwer, so viel ich auch inhaltlich von Schäffler und einigen anderen dort halte und einen echten „Aufbruch” begrüßen würde.
Nun ja, die Netzwerker wurden bei uns anfangs auch nicht einhellig begrüßt.
Wobei sie mit der „Berliner Republik” entlich mal wieder ein intelligentes sozialdemokratisches Debattenmagazin in den Raum geworfen haben.
Weiß ich nicht, lese ich nicht. Ich glaube aber, dass die Netzwerker ihren Anspruch nicht erfüllt haben, zwischen den beiden Flügeln zu vermitteln. Es ist mir auch keine originäre Netzwerker-Programmatik bekannt. Traditionell hatte die SPD immer zwei Flügel, einen „utopischen” und einen „pragmatischen” Flügel. Mir kommen die Netzwerker relativ beliebig vor. Ich sehe nicht, dass sie eine programmatische Lücke gefüllt hätten.
Ein Debattenmagazin kann man auch gründen, ohne eine neue Strömung zu entwickeln. ;-)
> Weiß ich nicht, lese ich nicht
Dann empfehle ich ernsthaft einen tieferen Blick. Ich glaube, die haben auch ein Testabo.
> Ich glaube aber, dass die Netzwerker ihren Anspruch nicht erfüllt
> haben, zwischen den beiden Flügeln zu vermitteln.
Zugegeben, es sind mehrheitlich Pragmatiker, weshalb es des Öfteren Gerüchte einer Fusion mit den Seeheimern gab.
Ich glaube aber eher, dort wollten sich jüngere Abgeordnete sammeln, die unter Schröder und den anderen Alt-Achtundsechzigern zu wenig „hochgelassen” wurden.
> Mir kommen die Netzwerker relativ beliebig vor. Ich sehe nicht,
> dass sie eine programmatische Lücke gefüllt hätten.
Da heutzutage starre Ideologien eh nicht mehr so verbreitet sind, hatte ich von jüngeren Abgeordneten auch nicht eine feste Position erwartet als vielmehr den Versuch, mit offenem Scharnier und sozialdemokratischem Gedankengut aktuelle und langfristige Fragen zu diskutieren. Auf der Suche nach guten undauch und gerade neuen Ideen. Von den Netzwerkern an sich weiß ich wenig, aber die „Berliner Republik” kann diesen Anspruch m.E. einlösen.
> Ein Debattenmagazin kann man auch gründen, ohne eine neue
> Strömung zu entwickeln. ;-)
Stimmt. Aber man braucht eine finanzielle Sicherheit, wenn man ein gewisses Niveau erreichen will. Damit, dass ALLE Netzwerker als Herausgeber fungieren, dürfte auch finanzielle Verpflichtung zur Deckung anfallender Verluste verbunden sein.
Und auch wenn jeder ein sozialdemokratisches Debattenmagazin gründen könnte — Wer hat es denn in der Praxis auch gemacht?
Seeheimer: Fehlanzeige
PL: spw
Ansonsten weiß ich von regionalen Magazinen der Landesverbände Brandenburg und Meck-Pom und traue eurem Juso-Magazin „Kontra” das zuweilen zu.
Und sonst? Wo gelingt es ohne einen derartigen Rückhalt?
Oder brauchen wir sozialdemokratische Debattenmagazine und Debatten einfach nicht, unnötiger Luxus?
Liebe Güte!
Daß ich von Bahrs Bemerkung wenig halte, habe ich ja beim A-Team ausführlich dargestellt. Aber „Mobbing” sieht nun wirklich anders aus als mal kurz einen despektierlichen Tweet rauszuhauen.
Bei innerparteilichen Debatten geht es halt selten Mädchen-Pensionats-mäßig zu — muß auch nicht, Hauptsache, sie finden statt.
> Wenn sich Fraktionskollegen schon in aller Öffentlichkeit bekriegen, dann will man
> gar nicht wissen, wie es intern zugeht.
Der Ton ist FDP-intern nicht so viel anders wie in solchen öffentlichen Äußerungen.
Du darfst da nicht die SPD-typischen Maßstäbe anlegen — die SPD hat wohl von allen Parteien die stärkste Tradition, nach außen Geschlossenheit zu demonstrieren, auch wenn intern die Fetzen fliegen.
„Der Ton ist FDP-intern nicht so viel anders wie in solchen öffentlichen Äußerungen.”
Glaube ich nicht.
Hast du ernsthaft den Eindruck, bei der SPD würden interne Differenzen oftmals nicht nach außen dringen? Nenn mir weitere Parteien, bei denen die einzelnen Flügel derartig offen auftreten und bei denen beispielsweise die Jugendorganisation derart begeistert die Parteiführung attackiert.
Habe ich bei der FDP so noch nicht wahrgenommen.
Auch der große Vorsitzende der FDP wird erst nach einem Jahr regelmäßigen Totalversagens mal deutlicher kritisiert und gebeten, doch wenigstens eines seiner beiden Ämter aufzugeben. Da wäre es bei einem Vorsitzenden der SPD schon VIEL früher richtig rund gegangen, auch in der Öffentlichkeit.