Sarrazin oder „endlich sagts mal einer“

8. September 2010
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Die „Sarrazindebatte“ ist auf vielen Ebenen bezeichnend für unsere Gesellschaft. Sie zeigt auf, wie leicht es gelingen kann durch inhaltsleere Sprüche Aufmerksamkeit und Auflage zu erzeugen. Sie zeigt auf, dass es in Deutschland praktisch keine Intellektuellen mehr gibt, die diese Bezeichnung verdienen. Sie zeigt auf, dass Hetze gegen die Unterschicht weitgehend akzeptabel ist, solange eine bestimmte Grenze nicht überschreitet und sie zeigt wunderbar, wie die mediale Welle funktioniert. (Provokation – Empörung – erneute Provokation Empörung [nun wacht auch die Politik auf] – Backlash [der arme Thilo sagt doch nur was alle denken]). Das Ganze ist aber eines sicher nicht: der geeignete Auftakt zu einer sinnvollen Debatte über Migration in Deutschland.

Eine solche Debatte lässt sich vor dem Hintergrund dieser Art der Provokation kaum führen. Fakten, Logik und Fachwissen spielen keine Rolle denn die angesprochenen Massen erkennen den Impuls: „Die Ausländer sind schuld“ und finden ihn gut. Wer dies belegt haben möchte werfe nur einen Blick auf die Kommentarspalten der Onlineausgaben von Zeit, Spiegel, SZ usw.

Die „endlich sagt‘s mal jemand“ Mentalität, die ja auch Leuten wie Broder und Matussek zu Aufmerksamkeit und Auflage verhilft, ist vor diesem Hintergrund auch nicht verwunderlich. Denn auch hier brauchen die fröhlich gestreuten Behauptungen keine reale Grundlage. Die Verteidiger von Herrn Sarrazin wissen ja, dass dieser weder „geköpft (Matussek)“ noch „verbrannt“ (Broder) noch ruiniert wird. Thilo Sarrazin wird mit seinem Buch viel Geld verdienen und wird seine Pension als Finanzsenator und Bundesbanker behalten. Er wird besser leben als die Meisten der von ihm als integrationsunwillig verunglimpften MigrantInnen. Aber warum sollten die Islamophoben bei Ihren Heiligsprechungen mehr Fakten liefern als die katholische Kirch bei den Ihren.

Natürlich schießt hier (wie immer) Herr Broder den Vogel ab, wenn er sich nicht entblödet ernsthaft zu behaupten: “Es ist der erste Fall von Hexenjagd in Deutschland seit Mitte des 17. Jahrhunderts.“ Nun könnten wir hierüber ja aus Pietät einfach den Mantel des Schweigens legen. Der Hinweis sei jedoch erlaubt, dass Broder entweder wirklich glaubt Thilo Sarrazin werde bald gefoltert und verbrannt oder ihm wirklich nicht bekannt war dass die letzte „Hexe“ auf Reichsboden 1756 in Landshut verbrannt wurde (Also Mitte des 18. Jahrhunderts. Dieser Fehler hat aber nichts mit Intelligenz, sondern mit Wissen zu tun) vielleicht ist Herrn Broder aber auch bekannt dass „Hexenjagd“ als Metapher verwendet werden kann, dann ist ihm jedoch jeder Maßstab abhanden gekommen. (Nur ein Paar „Hexenjagdhighlights“ seit Mitte des 18. Jahrhunderts: Demokratenverfolgung nach 1848, Sozialistenverfolgung, Mordserie an Demokraten in der Weimarer Republik, dass 3.Reich, Stasi, RAF-Terror, brennende Asylbewerberheime usw.).

Vor „dem Islam“ zu warnen ist in !

In der Angst vor „dem“ Islam (als ob dieser ein homogener Block sei) liegt eine der drei Hauptursachen für die Zustimmung zu Sarrazin. Denn es ist eben nicht so, dass die Kritik am Islam heute in Deutschland „gefährlich“ wäre. Vielmehr lässt sich mit dieser Auflage und Kasse machen. Dabei ist die Form der „Islamkritik“ wie sie hier vorgebracht wird gerade deshalb problematisch, weil sie mit ihrer Radikalität und ihrem völligen Mangel an Differenzierungsfähigkeit die notwendige Auseinandersetzung mit dem islamischen Fundamentalismus unmöglich macht und sogar zu Solidarisierungstendenzen beiträgt.

Hierfür ein Beispiel. Der sogenannte Intellektuelle Matthias Matussek erklärt uns in einem geschickt aufgebauten Artikel auf Spiegel Online Thilo Sarrazin verkörpere die „Wut von Leuten, die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.“ Er begründet seine schräge These, wie gewohnt durch die Verallgemeinerung von Einzelbeispielen und krönt sein Machwerk mit einem Seitenhieb auf die SZ. „…Die es satt haben, über terrornahe islamistische Vereine zu lesen, über Ehrenmorde, über Morddrohungen gegen Karikaturisten und Filmemacher oder zu hören, dass auf Hauptschulhöfen „du Christ!” als Schimpfwort benutzt wird. …Merkwürdigerweise aber sind nun zumindest viele der bei uns lebenden türkischen Mitbürger — und in der „SZ” am Wochenende werden acht junge vorgestellt — nicht darüber empört, sondern über Sarrazins Buch.“

Nun ist Herrn Matussek natürlich bekannt, dass die erwähnten acht Personen bei der SZ zu Sarrazins Buch und nicht zu der Frage,ob das Wort Christ für Sie ein Schimpfwort ist befragt wurden. Das macht aber natürlich nichts. Warum sollte einer wie Matussek auch zur Kenntnis nehmen, dass zu all den von ihm angeführten Dingen auch viele Muslime kritisch Stellung genommen haben? Denn es geht ja nicht um eine ehrliche Würdigung und sinnvolle Auseinandersetzung, sondern um Stigmatisierung und pauschale Verurteilung. Genauso gut könnte Matussek argumentieren, dass Angela Merkel ein Nazi sein muss, da sie sich in ihrer letzten Regierungserklärung nicht ausdrücklich vom 3.Reich distanzierte.

Angst vor Abstieg, Angst vor Identitätsverlust

Matussek wirft aber ein Schlaglicht auf zwei andere Punkte, die den Erfolg von Sarrazin und seinesgleichen erklären. Eine eng mit ökonomischer Abstiegsangst verbundenen Furcht um die eigene Identität, gerade in der Mittelschicht und damit verbunden der Vorwurf an die MigrantInnen keinen Integrationswillen zu zeigen.

Beide werden genährt von Angst. Angst vor dem Fremden, dem anderen. Angst aber auch davor, liebgewonnenes zu verlieren. Dinge die einem selbst wertvoll sind entwertet zu sehen. Gegen diese Angst hilft kein Argument. Diese Angst kann nur überwunden werden, wenn denen die sie empfinden ein positives Ziel aufgezeigt werden kann. . Hier versagt die deutsche Politik (aber auch die anderswo) bisher und sie hat auch in der Sarrazin Debatte weitgehend versagt, da es ihr offensichtlich unmöglich ist, die Erfolge der bisherigen Integrationspolitik aufzuzeigen und es ihr auch nicht gelingt klar zu machen, warum wir erst am Anfang stehen.

Vielleicht gelingt dies deshalb nicht, weil am Anfang einer solchen Stellungnahme das Eingeständnis der eigenen Fehler stehen müsste. Und Fehler gab´s genug. Vor allem fehlte die Erkenntnis, dass Integration nur auf Gegenseitigkeit funktioniert. Wir brauchen nicht nur jemand der integriert werden will sondern auch jemanden der integrieren will. Diesen Willen gab es in der deutschen Politik bis Ende der 90er Jahre aber so gut wie nicht.

Heinz Kühn, der erste „Ausländerbeauftragte“ der Bundesregierung, erhob 1979 in einem bahnbrechenden Memorandum die Forderung Integration in den Vordergrund politischen Handelns zu stellen. Doch daraus wurde nichts. Vielmehr ging die Bundesrepublik weiter von der Annahme aus die „Gastarbeiter“, die wir geholt haben, würden irgendwann wieder in Ihre „Heimat“ zurückkehren und ihre Kinder und Enkel einfach mitnehmen. Was Integration angeht, zielte man auf „Integration auf Zeit”. Die Kultusminister hatten dies als Zielvorgabe für den Umgang mit Kindern der ArbeitsmigrantInnen gemacht und strebten gleichermaßen eine „Förderung der Rückkehrfähigkeit” an.
Dagegen wurden in Kühns-Memorandum Förderprogramme gefordert, damit die zweite Generation in Bezug auf schulische und berufliche Bildung, Arbeit und Wohnen den BundesbürgerInnen nicht nur formal, sondern auch real gleichgestellt ist.

Deutschland ist kein Einwanderungsland, die „Gastarbeiter“ gehen wieder „heim“!

Diese Lebenslüge der deutschen Politik verhinderte über Jahrzehnte eine sinnvolle Integrationspolitik, verhinderte staatlich geförderte Sprachkurse und politische Partizipation. Sie schuf erst die Parallelgesellschaft über die wir uns heute so bitter beklagen, sie schuf erst eine ganze Generation von „Gastarbeiterkindern“, die in der Situation leben in dem Land ihrer Geburt und in dem Land ihrer Eltern als Ausländer behandelt zu werden. Diese Haltung wurde erst seit 1998 durch rot/grün langsam aufgebrochen.

Statt Sarrazins Buch sollten deutsche Journalisten und Politiker lieber den Jahresbericht des Sachverständigenrats der deutschen Stiftung für Migration lesen, der 2010 feststellt: „Im internationalen Vergleich ist ‚die Integration‘ in Deutschland keineswegs ‚gescheitert‘. Sie ist vielmehr in vielen empirisch fassbaren Bereichen durchaus zufriedenstellend oder sogar gut gelungen.“

Es ist kaum verwunderlich, dass die Bundesrepublik in zwölf Jahren nicht die Versäumnisse von Jahrzehnten aufholen konnte. Dass die Integrationspolitik wie sie seitdem betrieben wurde dennoch eher ein Erfolg ist, geht jedoch an den Sarrazins, Broders und Mattuseks genauso vorbei wie die Tatsache, dass es eine unglaubliche Frechheit ist den gleichen Leuten denen über Jahrzehnte Integration konsequent verweigert wurde (um die Rückkehrfähigkeit nicht zu gefährden) nun für mangelnde Integrationsfähigkeit zu kritisieren.

Wenn wir heute z.B. türkische Eltern mit geringen Deutsch-Kenntnissen haben, dann ernten wir die Ergebnisse einer jahrzehntelangen Realitätsverweigerung in Politik und Gesellschaft.Es ist einfach ein Skandal die Opfer dieser Verweigerung nun zu Schuldigen zu machen.


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30 Responses to Sarrazin oder „endlich sagts mal einer“

  1. Kalle Kappner on 8. September 2010 at 14:41

    Sehr gut, endlich sagt’s mal jemand ;)!

    Das ganze Theater ist doch nur die periodisch auftretende Reaktion von Konservativen, denen die gesellschaftliche Entwicklung zu schnell geht. Das gibt es doch dauernd. Diese Leute, und auch ein Großteil des Volkes, denke ich, sind schlicht überfordert mit der Schnelligkeit der Entwicklungen um sie herum. Ausweg sucht man dann in simplen Weltbildern, monokausalen Erklärungen und „Endlich sagt’s mal jemand!”-Attitüde.

  2. der_gute_don on 8. September 2010 at 15:08

    Statt Sarrazins Buch sollten deutsche Journalisten und Politiker lieber den Jahresbericht des Sachverständigenrats der deutschen Stiftung für Migration lesen, der 2010 feststellt: „Im internationalen Vergleich ist ‚die Integration‘ in Deutschland keineswegs ‚gescheitert‘. Sie ist vielmehr in vielen empirisch fassbaren Bereichen durchaus zufriedenstellend oder sogar gut gelungen.“

    na dann ist ja alles gut — Das muss man jetzt nur noch den „5080%” der Deutschen erzählen, die das je nach Umfragedetail anders sehen. Diese Tölpel kriegen das ja anscheinend nicht mit! Und internationaler Vergleich, hey das ist super, keine Hutu/Tutsi Verhältnisse in D’land .… Zeit sich jetzt mal wieder kräftig auf die Schulter zu klopfen, den wir reden ja jetzt total inhaltlich und so darüber.

    Und wen interessieren schon Stimmen wie diese?
    http://www.newsweek.com/2010/09/06/the-scandal-behind-the-sarrazin-scandal.html

    • Christian Soeder on 8. September 2010 at 15:53

      Wenn 90% des Volkes denken, dass 2+2=5 ist, dann ist das dennoch nicht richtig. Wissenschaftliche Wahrheitsfindung geht nicht über Mehrheiten.

      • der_gute_don on 8. September 2010 at 15:56

        Was für eine Integration soll das sein, die ohne die Menschen in diesen Umfragen auskommt?

        • Christian Soeder on 8. September 2010 at 16:24

          Hast recht, am besten schnell alle Statistiken einstampfen! Wissenschaft, dieser Eierkopfquatsch!

      • Rayson on 8. September 2010 at 23:17

        Nur 35% sind für Stuttgart 21 — vielleicht muss man die Zahl gewissen Leuten vortanzen, damit sie es endlich kapieren.

        ;-)

        • Ralf Spoerkel on 9. September 2010 at 09:11

          Ich denke nicht, dass der Mappus in der Waldorfschule war :)

        • Christian Soeder on 9. September 2010 at 12:08

          Stuttgart 21 ist ja keine Wissenschaft, sondern eine dezidiert politische Entscheidung. Insofern fühle ich mich mit meinen Aussagen sehr wohl. :)

          • der_gute_don on 9. September 2010 at 12:27

            soso, wie es also gerade passt …

    • Ralf Spoerkel on 8. September 2010 at 16:23

      erstmal zu Newsweek: wer ernsthaft den Blödsinn den Westerwelle verzapfte mit dem Blödsinn den Sarrazin verzapfte vergleicht disqualifiziert sich eigentlich schon selbst. Ich kann der These, dass der deutsche Sozialstaat an den Integrationsproblemen schuld sein soll im übrigen wenig abgewinnen, zumal es hierfür auch keinen Beleg gibt.

      Zur Frage der Diskrepanz zwischen einer im Kern erfolgreichen Integrationspolitik und der öffentlichen Wiedergabe könnte ich nochmal einen ähnlich langen Text schreiben, aber hier die Kurzfassung:

      a) Niemand behauptet es sei alles gut. Solches schwarz-weiß Denken hilft uns kaum eine sachliche Diskussionsgrundlage zu schaffen. Wenn Du dass Zitat nochmal liest wird Dir sicher auffallen, dass zwischen „alles ist gut” und zufriedenstellend ein Unterschied besteht. Ich empfehle die Lektüre des Jahresberichts zur Schärfung des Problembewusstseinsssss (http://www.svr-migration.de/wp-content/uploads/2010/05/einwanderungsgesellschaft_2010.pdf)

      b) Es ist kein Wunder, dass Thesen wie Sie Sarrazin aufstellt viel Beifall erhalten. In welcher Zeitung in welchem Fernsehbeitrag ist erfolgreiche Integration den ein Thema und wo ist die gesellschaftliche Debatte darüber was Integration eigentlich sein soll ? All zu viele verwechseln Integration mit Assimilation.

      c) Sollte es nicht stutzig machen, wenn jemand 5080 % Zustimmung für die gleiche These erhält ? Eine derartige Schwankungsbreite kommt in der Sozialwissenschaft nicht vor und dürfte auch in diesem Fall eher dem Wunschdenken derer entsprechen die solche Zahlen verbreiten.

      d) Es wird ja immer wieder gesagt wer dass Buch nicht gelesen hat darf es auch nicht kritisieren. Gilt dass auch umgekehrt also sollten die BBefürwortericht erstmal dass Buch lesen bevor ihre Zustimmung ernst genommen werden kann ? Egal wie diese Frage beantwortet wird, sollten z.B. die Hauptschüler die nach Umfragen Sarrazin am stärksten zustimmen dass Buch unbedingt lesen, denn dann merken Sie mit welcher Verachtung und welchem Zynismus dieser Mann Ihnen begegnet.

      e) Ich würde gern wissen welche konkreten Vorschlägt Die Sarrazin Unterstützer eigentlich machen um dass von Ihnen Angesprochene Problem zu lösen. Wenn dann wie bei Sarrazin die Schuluniform die Lösung der Probleme ist können wir die Diskussion aber auch lassen.

      • Nörgler on 8. September 2010 at 18:11

        Ich kann der These, dass der deutsche Sozialstaat an den Integrationsproblemen schuld sein soll im übrigen wenig abgewinnen, zumal es hierfür auch keinen Beleg gibt.”

        Es gibt eine Studie, für die ich leider gerade keinen Link zur Hand habe. Verglichen wurde die soziale Situation von somalischen Einwanderern in Malmö (in Schweden) und in Minneapolis (Minnesota, im mittleren Westen in den USA). In beiden Städten leben besonders viele Somalis.

        Dabei stellte sich heraus, dass die Somalis in Malmö (Schweden dürfte zu den großzügigsten Sozialstaaten in der Welt gehören) zu einem dramatisch hohen Anteil (ich glaube es war von 80 % die Rede) von Sozialhilfe leben. Die Krawalle, die in Malmö regelmäßig stattfinden, gehen von somalischen Immigranten aus.

        Demgegenüber gelten die Somalis in Minneapolis (wo es für Einwanderer kaum Sozialleistungen gibt) als gut integriert, sie betreiben dort kleine Gewerbe und sind z. B. oft Taxifahrer.

        Auch sonst ist in den USA die Situation der muslimischen Migranten weitaus besser, und das sind durchaus nicht nur Hochschulprofessoren, die meisten gehören zur Mittelschicht.

        Was speziell die Türken in den USA angeht, so findet sich darüber heute ein interessanter Artikel in der Welt:

        http://www.welt.de/die-welt/kultur/article9427069/Warum-Amerikas-Tuerken-anders-sind.html

        Kurzes Fazit: In den USA gehören Türken in der Regel zur Oberschicht.

        • Ralf Spoerkel on 8. September 2010 at 18:45

          Um es platt zu sagen, der Türke der USA ist der Mexikaner. Wenn die Hauptursache für mangelnde Integration und fehlenden sozialen Aufstieg wirklich im Sozialsystem begründet läge, hätten die nicht die Debatten und Probleme wie sie zur Zeit z.B. um das Pass-Gesetz in Arizona.

          Wer wirklich glaubt die Workfare und Welfare to Work hätten einen positiven gesellschaftlichen Auswirkungen gehabt möge sich die verschiedensten Sozialindikatoren der USA anschauen, diese sind bei Armutsquote, Kriminalität usw.,. Äußerst verheerend.

          • Kalle Kappner on 8. September 2010 at 21:11

            Natürlich hat das Integrationsproblem mit dem Sozialstaat zutun. Wenn es in Deutschland Aussicht auf großzügige staatliche Leistungen gibt, dann ist das attraktiv für Einwanderer und bietet wenig Anreiz zur Integration (da Integration auch durch ökonomische Integration — Job haben, Steuern zahlen etc. — funktioniert!). Das ist nur menschlich. Das muss ein Sozialdemokrat schon anerkennen, wenn er vernüftig debattieren will. Daraus muss man ja nicht zwangsläufig den Schluß ziehen, dass der Sozialstaat abgebaut bzw. eingeschränkt (wie in Amerika) werden muss, aber zur Kenntnis nehmen sollte man diesen Zusammenhang auf jeden Fall, sonst macht man sich unglaubwürdig.

          • der_gute_don on 8. September 2010 at 23:21

            @RS:

            zunächst mal, Deinen Diskreditierungsversuch des newsweek Artikels finde ich albern.

            Die Korrelation zwischen dem deutsche Sozialstaat und Integrationsproblemen könnte in folgender Problematik liegen (auf die sich TS u.a. bezieht)

            Eine erstaunliche Statistik der europäischen Einwanderungsgeschichte belegt, dass in Deutschland die Zahl der ausländischen Einwohner von 1971 bis 2000 kontinuierlich von 3 Millionen auf 7,5 Millionen gestiegen ist, die Anzahl angestellter Ausländer in der arbeitenden Bevölkerung sich aber nicht verändert hat. Sie blieb eisern bei ungefähr 2 Millionen stehen. 1973 gehörten 65 Prozent der Einwanderer in Deutschland zur arbeitenden Bevölkerung, 1983, zehn Jahre später, waren es nur noch 38 Prozent.

            in http://www.weltwoche.ch/ausgaben/200944/artikel-200944-ansturm-auf-europa.html

          • Ralf Spoerkel on 9. September 2010 at 09:03

            Ich bin mir nicht sicher wie sinnvoll es ist über nicht belegte Zahlen die im SVP-Blocher Hausblatt von jemandem dem der Guardian Islamophobe Tendenzen bescheinigt zu diskutieren, aber bitte. Jedenfalls ist der Artikel ein Stück übelster Stimmungsmache:

            a) Es ist kaum verwunderlich, dass die Zahl der arbeitenden Migrantinnen etwa gleich bleibt, da wir es hier mit einer normalen Generationenverschiebung zu tun haben. Die Leute die wir in den 60er und 70er Jahren geholt haben sind älter geworden und haben Ihre Frauen hergeholt haben Kinder gekriegt. Dies äußert sich z.B. darin dass der Frauenanteil an von ca. auf knapp 50% gestiegen ist (siehe Mikrozensus 2002). Methodisch ist der ganze Artikel eh nichts wert, da er fröhlich Zeiträume und Skalen vermischt.

            b) Herr Caldwell versäumt es, darauf hinzuweisen dass im von Ihm angeführten Zeitraum die 1,5 Mio. Flüchtlinge die sich in Deutschland aufhalten keine Arbeitserlaubnis hatten und deshalb nicht arbeiten dürfen. Schon ändert sich dass Verhältnis dramatisch.

            c) Es wird, auch in diesem Artikel so getan als hätten wir es mit einem dramatisch ansteigenden Ausländeranteil in Deutschland zu tun. Dies ist falsch 1996 lebten in Deutschland 7,3 Mio. Ausländer (8,9%) 2006 waren es 6,7 Mio. (8,2%) Auch wenn wir die 1,1 Mio. eingebürgerten Menschen dazu rechnen sind 7,8 Mio. kaum (also ein Anstieg um 0,5 Mio.) kaum dramatisch. ( Siehe Ausländerbericht der Bundesregierung)

            d) Statt darüber zu lamentieren, dass 1983 nur 2 Mio. von 7,3 Mio. Ausländern gearbeitet hätten (und es ist mir völlig unklar woher Herr Caldwell seine Zahlen nimmt) sollten wir doch lieber die momentane Situation analysieren Die stellt sich laut Bericht der Bundesregierung und Mikrozensus wie folgt dar. 2006 gab es in der BRD ca. 6 Mio. Arbeitsfähige Personen mit Migrationshintergrund (6,7 Mio. Ausländer und ca. 1,1 Mio. Eingebürgerte.) Von diesen gingen ca. 5,1 Mio. einer Beschäftigung nach (= arbeiteten) während ca. 900000 arbeitslos waren. Dies entspricht einer Quote von 15%. Das sind natürlich viel zu viele, weil wir ja wollen dass alle Menschen arbeiten, die These es gäbe eine Massenhafte Einwanderung in die Sozialsysteme lässt sich aber auf Grundlage der Arbeitsmarktdaten schlicht nicht aufrecht erhalten, zumal knapp die Hälfte dieser Menschen ALG I bezieht, also nach längerer Arbeitstätigkeit arbeitslos geworden ist.

            Um dass auch noch klipp und klar zu sagen, ich halte es für eine menschenverachtende Vorgehensweise, wenn Arbeitslose nur nach Ihrer Nützlichkeit bewertet werden. Gesellschaftliche Solidarität lässt sich eben nicht an ökonomischen Nutzen-Kriterien festmachen. Ich meine, dass jeder Mensch ist aus sich selbst heraus wertvoll ist und deshalb muss auch der Sozialstaat so ausgestaltet sein dass arme menschenwürdig leben können. Dass es hier, wie in jedem großen System (Steuerhinterziehung usw.) auch zu Missbräuchen kommen kann ist mir bewusst, dies nehme ich mangels menschenwürdiger Alternative aber in Kauf.

            Weiterhin würde ich doch dazu rate die Glorifizierung des deutschen Sozialsystems einzustellen, ich kann mit nur schwer vorstellen dass es für viele verlockend ist von 359 € im Monat (plus Miete in Freiburg bis zu 305 €) zu leben. Wer dass für üppig hält kann gern den Selbstversuch machen.

          • der_gute_don on 9. September 2010 at 10:59

            Ich bin mir nicht sicher wie sinnvoll es ist über nicht belegte Zahlen die im SVP-Blocher Hausblatt von jemandem dem der Guardian Islamophobe Tendenzen bescheinigt zu diskutieren, aber bitte.

            Ja, das Deine prinzipielle Arbeitsweise die ist, erstmal alle gegensätzlichen Quellenangaben zu diskreditieren habe ich jetzt auch kapiert. Dem ARD und Frau Maischberger ist der Chefredakteur der Weltwoche zumindest eine Einladung wert.

            Im Übrigen unterstellts Du mir falsche Schlussfolgerungen. Die Daten stellen zunächst nur einmal deutlich fest, das die Zuwanderung in den letzten 3 Jahrzehnten nicht in das (integrierende) Arbeitsleben sondern in die Sozialsysteme stattgefunden hat. Nicht mehr und nicht weniger.

            Und jetzt können wir diskutieren, wie man dieses Problem löst.
            Ich persönlich würde das sofortige Erteilen einer Arbeitserlaubnis für Immigranten begrüßen. Wie vermutlich die viele weitere Liberalen …

          • der_gute_don on 9. September 2010 at 11:03

            Weiterhin würde ich doch dazu rate die Glorifizierung des deutschen Sozialsystems einzustellen, ich kann mit nur schwer vorstellen dass es für viele verlockend ist von 359 € im Monat (plus Miete in Freiburg bis zu 305 €) zu leben. Wer dass für üppig hält kann gern den Selbstversuch machen.

            Das ist schlichtweg eine dümmliche verkürzte Darstellung. Eine mittellose Familie mit zwei Kindern erhält neben Wohung (ggfs. kostenfreier Möbilierung, Haushaltgeräten, Babyausstattung etc.pp) und Übernahme der Nebenkosten, über 1100 euro im Monat netto.

          • Ralf Spoerkel on 9. September 2010 at 13:45

            Ja Entschuldigung, aber die Quellenkritik gehört halt zur wissenschaftlichen Arbeit. Im übrigen habe ich nicht „diskreditiert“ sondern einen Hintergrund geliefert, oder stimmt dass was ich schrieb etwa nicht?

            „Im Übrigen unterstellst Du mir falsche Schlussfolgerungen. Die Daten stellen zunächst nur einmal deutlich fest, das die Zuwanderung in den letzten 3 Jahrzehnten nicht in das (integrierende) Arbeitsleben sondern in die Sozialsysteme stattgefunden hat. Nicht mehr und nicht weniger.”

            Und ich habe Dir anhand des statistischen Datenmaterials belegt, dass Deine Behauptung falsch ist. (siehe hier vor allem Punkt d) Nimm bitte auch zur Kenntnis, dass die Integrationserfolge sich z.B. darin zeigen, dass die Zahl der ALG II Empfänger in der zweiten Generation von Migrantinnen im Vergleich zur ersten deutlich zurück geht.

            „Das ist schlichtweg eine dümmliche verkürzte Darstellung. Eine mittellose Familie mit zwei Kindern erhält neben Wohnung (ggf. kostenfreier Möblierung, Haushaltegräten, Babyausstattung etc.pp) und Übernahme der Nebenkosten, über 1100 € im Monat netto.”

            Ich bitte doch darum, dass wir sachlich bleiben und uns keine Kraftausdrücke an den Kopf werfen.

            a) Die von mir angegebenen Zahlen beziehen sich auf Alleinstehende und sind völlig korrekt. Diese habe ich verwendet weil es sonst Kompliziert wird, aber bitte.

            b) Für alleinerziehende errechnet sich der Mehrbedarf nach dem Alter der Kinder:
            bis zum 6. Lebensjahr: 215€,
            zwischen dem 7. und 13. Lebensjahr: 251
            und danach 287€ pro Kind.
            Die Frau selbst bekommt 359€.
            Dies sind, wenn bekannt ist was ein Kind kostet, keinesfalls üppige Beträge. Es ergibt sich daraus für eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern ein „Bedarf“ zwischen 789 bis 933 €.

            c) Auf die Erstausstattung der Wohnung besteht kein finanzieller Rechtsanspruch. Dies kann jede BA/Arge selbst festlegen. Außerdem ist eine Bedürftigkeitsprüfung zu absolvieren. Es herrschen hier also kaum paradiesische Zustände.

            d) Die Kosten der Unterkunft werden für angemessenen Wohnraum bis zur, regional unterschiedlichen, Höchstgrenze ersetzt. Was Angemessener Wohnraum für eine dreiköpfige Familie ist richtet sich u.a. auch nach dem Alter der Kinder. Maximal gelten 45 m² plus 15m² für jede weitere Person als Angemessen. (In Deinem Beispiel also höchstens 75 m²). Welche Mietkosten angemessen sind richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten. In Freiburg z.B. wird ein m² Preis von höchstens 6,77 € als angemessen betrachtet. Die Durchschnittsmiete beträgt hier knapp 7€, die Frau wird sich mit Ihren Kindern also eher im unteren Wohnsegment bewegen müssen.

            e) Da also nur die tatsächlich anfallende Miete ersetzt wird, muss die allein erziehende Mutter zweier Kinder mit einem Betrag der zwischen 789 und 933 € liegt auskommen, sie hat nicht wie von dir insinuiert 1100 € im Monat zur Verfügung. Brechen wir dass nun auf die dem Bedarf zu Grunde liegende Berechnungswerte herunter bedeutet dies, dass die Frau für sich selbst für Getränke und Ernährung pro Tag 4,43€ zur Verfügung hat, für jedes Kind über 13 kommen nochmal 3,52 € hinzu. Sie kann also Ihre dreiköpfige Familie von 11,47 am Tag ernähren.

            Ich bleibe dabei, dies ist keine üppige besonders verlockende soziale Hängematte.

          • der_gute_don on 9. September 2010 at 17:51

            Im übrigen habe ich nicht „diskreditiert“ sondern einen Hintergrund geliefert,

            Selbst wenn Deine Aussagen stimmen (und darüber kann man sicherlich lange streiten) führt weder ein in der newsweek vorkommender Vergleich zweier dt. Politiker dazu, daß der komplette Beitrag indiskutabel sei, noch führt eine Deiner nach Ansicht nach zutreffendeEinstufung in rechte/islamophobe oder sonstige Ecken dazu, daß die Inhalte in Summe falsch sind. Für mich ist das ein Muster der Diskreditierung der Quellen, solches Vorgehen kennt ich vor allen aus dem Zeugenstand oder bei Politikern.

            Und ich habe Dir anhand des statistischen Datenmaterials belegt, dass Deine Behauptung falsch ist.

            Sehe ich nicht so. Zum einen weiß –glaube ich– jeder wie die Zahlen Arbeitslosigkeit betreffend in D’land getunt werden, zum zweiten ziehst Du beispielsweise als stat. Grundmasse die „Arbeitsfähigen” und nicht die Gesamtmasse heran. Das blendet Teile der Immigrationsproblematik damit dann vollkommen aus.

            Bei der Sozialhilfe greifst Du Dir vorsichtshalber die Fälle heraus (Alleinstehende, Alleinerziehende Mutter) die in der Tat weniger gut dastehen, die aber in Migrantenfamilien statistisch unterproportional vertreten sind. Aber ich weiß, auch hier könnte man jetzt stundenlang um die Zahlen streiten.

            Ich bleibe dabei, dies ist keine üppige besonders verlockende soziale Hängematte.

            ja, nicht für Dich und auch nicht für mich. Aber wir reden hier von Menschen die teilweise aus sehr armen Verhältnissen kommen. Alleine den Wert einer kostenfreien Krankenversorgung ist für viele dieser Menschen eine enorme Lebensverbesserung.

  3. R.A. on 8. September 2010 at 18:19

    > Die „Sarrazindebatte“ ist auf vielen Ebenen bezeichnend für unsere Gesellschaft.
    Richtig. Sie zeigt, daß es eine Diskussionskultur immer noch nicht gibt.

    > Sie zeigt auf, dass es in Deutschland praktisch keine Intellektuellen mehr gibt,
    > die diese Bezeichnung verdienen.
    Richtig. Deutsche „Intellektuelle” argumentieren nicht, sondern plappern Propaganda auf Stammtisch-Niveau nach. Die linke Gesinnung ersetzt die Argumente.

    > Sie zeigt auf, dass Hetze gegen die Unterschicht weitgehend akzeptabel ist, …
    Die Darstellung von Fakten ist keine Hetze. Zur Diskussionskultur gehört eben auch, die Realität komplett zu diskutieren und nicht mißliche Fakten auszublenden oder für tabu zu erklären.

    > Das Ganze ist aber eines sicher nicht: der geeignete Auftakt zu einer sinnvollen
    > Debatte über Migration in Deutschland.
    Mal sehen. Bisher hat es diese Debatte jedenfalls nicht gegeben. Es ist möglich, daß es Sarrazin jetzt gelungen ist, sie anzustoßen. Wobei er in dieser natürlich keine Rolle mehr spielen wird — die Politiker werden im Zweifelsfall seine Thesen nur umformuliert einbringen.

    > Fakten, Logik und Fachwissen spielen keine Rolle …
    Das ist das Hauptproblem der bisherigen „Diskussion”. Die Sarrazin-Gegner ignorieren die Sachebene komplett.

    > Die Verteidiger von Herrn Sarrazin wissen ja, dass dieser weder „geköpft (Matussek)“
    > noch „verbrannt“ (Broder) noch ruiniert wird. Thilo Sarrazin wird mit seinem Buch
    > viel Geld verdienen und wird seine Pension als Finanzsenator und Bundesbanker
    > behalten.
    Das ist schon infam.
    Da wird jemand mit höchster Unfairness öffentlich diffamiert, verliert seinen Job — und das alles soll problemlos sein, nur weil er trotzdem nicht auch noch finanziell ruiniert ist?

    > Der sogenannte Intellektuelle Matthias Matussek erklärt uns in einem geschickt
    > aufgebauten Artikel auf Spiegel Online Thilo Sarrazin verkörpere die „Wut von
    > Leuten, die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.“
    Stimmt ja auch. Wobei das natürlich nur eine Gruppe derer ist, die jetzt Partei ergreifen. Es sind unvermeidlich auch die dabei, die Integrationsangebote nie wollten — aber zu denen gehört Sarrazin deutlich nicht.

    > Merkwürdigerweise aber sind nun zumindest viele der bei uns lebenden türkischen
    > Mitbürger — und in der „SZ” am Wochenende werden acht junge vorgestellt — nicht
    > darüber empört, sondern über Sarrazins Buch.“
    Das findet die SZ also acht Leute, die das Buch nicht gelesen haben, und die erklären sich für empört. Was auch kein Wunder ist, wenn diese acht nur die Medienhysterie mitbekommen haben. Das sagt noch lange nicht, ob es Grund für Empörung gibt.

    > Hier versagt die deutsche Politik (aber auch die anderswo) bisher und sie hat auch in
    > der Sarrazin Debatte weitgehend versagt, da es ihr offensichtlich unmöglich ist, die
    > Erfolge der bisherigen Integrationspolitik aufzuzeigen …
    Diese Erfolge werden doch gar nicht bestritten. Im Gegenteil beruht Sarrazins Argumentation zu großen Teilen darauf, den Kontrast zwischen Integrationserfolgen und Integrationsproblemen darzustellen. Denn daraus kann man lernen, wie mit den Problemen besser umzugehen ist.

    > Vor allem fehlte die Erkenntnis, dass Integration nur auf Gegenseitigkeit funktioniert.
    Im Prinzip ja — aber die noch bestehenden Integrationsprobleme gibt es ja nicht, weil die Deutschen nicht integrationsbereit wären. Gerade die Erfolge zeigen doch, daß es geht — der entscheidende Unterschied liegt in der Integrationsbereitschaft der Einwanderer.

    > Diese Lebenslüge der deutschen Politik verhinderte über Jahrzehnte eine sinnvolle
    > Integrationspolitik, verhinderte staatlich geförderte Sprachkurse und politische
    > Partizipation.
    Diese Lebenslüge gab es in der Tat über lange Jahre. Sie verhinderte aber nicht die Integration, sondern nur eine „Integrationspolitik”. Die Mehrheit der Einwanderer hat sich nämlich ganz ohne offizielle Politik, staatliche Förderung oder spezieller Partizipation integriert, hat deutsch gelernt, die Bildungschancen genutzt und ist heute weitgehend problemfreier Teil der deutschen Gesellschaft.
    Die Erfolge der „Integrationspolitik” der letzten 30 Jahre sind dagegen eher überschaubar.

    • Ralf Spoerkel on 8. September 2010 at 19:09

      „Richtig. Deutsche „Intellektuelle” argumentieren nicht, sondern plappern Propaganda auf Stammtisch-Niveau nach. Die linke Gesinnung ersetzt die Argumente.”

      Dass was wir vom rechten Rand hören zeugt auch nicht gerade von Intellekt.

      „Die Darstellung von Fakten ist keine Hetze. Zur Diskussionskultur gehört eben auch, die Realität komplett zu diskutieren und nicht mißliche Fakten auszublenden oder für tabu zu erklären.”

      Ich halte die Pauschale Verurteilung einer ganzen Volksgruppe (in diesem Fall die Armen) für nicht akzeptabel aber welche Fakten sollen dass den sein, bitteschön ? Die von Herrn Sarrazin falsch wiedergegebene Kriminalitätsstatistik? Ich lese in diesem Buch und höre in der Diskussion drum herum viele Behauptungen und bekomme wenig belege. Eventuell haben Sie einen ?

      „Mal sehen. Bisher hat es diese Debatte jedenfalls nicht gegeben. Es ist möglich, dass es Sarrazin jetzt gelungen ist, sie anzustoßen. Wobei er in dieser natürlich keine Rolle mehr spielen wird — die Politiker werden im Zweifelsfall seine Thesen nur umformuliert einbringen.”

      Herr Sarrazin selbst hat doch in seinem mehr als mageren Vorschlagsteil nur aus Programmen von Parteien abgeschrieben und in keinem Punkt etwas neues gebracht. Die Einführung des amerikanischen „Sozialsystems“ forderte Koch schon von 10 Jahren, Schuluniformen sind ein Dauerbrenner und das verpflichtende dritte Kindergartenjahr will jeder. Nur iss halt so, dass Herr Sarrazin der in Berlin die Mittel für die Sprachförderung strich hierfür auch kein Geld übrig hatte als er noch Verantwortung trug. Es ist eben einfach ein Buch zu schreiben und schwer wirklich etwas konkretes zu tun.

      „Das ist schon infam.
      Da wird jemand mit höchster Unfairness öffentlich diffamiert, verliert seinen Job — und das alles soll problemlos sein, nur weil er trotzdem nicht auch noch finanziell ruiniert ist?”

      Wo wird er den Diffamiert? Für mich ist der man kein Opfer, da er mit seinem wohlkalkulierten Provokationen die Auflage für sein Buch steigern wollte, was ja wohl auch gelungen ist. Er fällt auf jeden Fall weich und wusste was er tat. Mein Mitleid hält sich in engen Grenzen.

      „Das findet die SZ also acht Leute, die das Buch nicht gelesen haben, und die erklären sich für empört. Was auch kein Wunder ist, wenn diese acht nur die Medienhysterie mitbekommen haben. Das sagt noch lange nicht, ob es Grund für Empörung gibt.”

      Ich kann nichts dafür wenn der Matussek dass nicht versteht.

      „Diese Erfolge werden doch gar nicht bestritten. Im Gegenteil beruht Sarrazins Argumentation zu großen Teilen darauf, den Kontrast zwischen Integrationserfolgen und Integrationsproblemen darzustellen. Denn daraus kann man lernen, wie mit den Problemen besser umzugehen ist.”

      Nein darauf beruht seine Argumentation ja gerade nicht, seine Argumentation beruht darauf dass er behauptet dass in Deutschland besonders viele Kinder in Bildungsfernen Schichten geboren werden und diese häufig mit unterdurchschnittlicher Intelligenz aufwüchsen. (Lesen Sie mal Seite 53f). Diese setzt er dann noch (S, 173 f) weitgehend mit Ausländern, vor allem Muslimen gleich. Dass er weiterhin die erbliche Struktur ganzer Gruppen postuliert ist eben nicht nur falsch sondern auch rassistisch.

  4. Wayfarer on 9. September 2010 at 08:36

    Sarazin betreibt indirekt Kritik gegen das deutsche Bildungssystem und Sozialpolitik, unfreiwillig zwar, aber das ist der einzige Punkt wo der Mann überhaubt nen Punkt hat.

    In beiden Bereichen werden seit Jahren die Gelder gekürzt, das Ergebnis darf man sich jetzt anschauen.
    Natürlich entwickeln sich Parallelgesellschaften, das ist aber nicht nur auf Moslems beschränkt und wieder kommen wir auf Hartz 4 zurück, wie zu einen guten alten Freund.
    Wer was anderes behaubtet lebt in einer anderen Welt.
    Natürlich könnten wir die Schrauben noch fester anziehen, aber was nix kostet das bringt auch nix.

    Die ganze Diskussion ist eine billige Blendgranate um von den Kernproblemen abzulenken, Sarrazin war der Idiot es auszusprechen und die Meute stürzt sich drauf um nicht darüber sprechen zu müssen.

    Entweder alle mindergebildeten Einfangen, oder endlich mal Geld dort rein stecken
    wo es auch was bringt, anstatt die xte Bank die von unserer geistigen Elite in den Boden gerammt wurde aufzufangen.

    • Ralf Spoerkel on 9. September 2010 at 09:09

      Ja aber da macht sich doch der Bock selbst zum Gärtner. Sarrazin war es doch der in Berlin die Mittel für Spracherziehung und Integrationsangebote gekürzt hat.

      Im übrigen werden in seinem Buch zwar Dinge wie dass verpflichtende dritte Kindergartenjahr und Schuluniformen gefordert, aber viel Konkreter wird es nicht.Finanzierungsvorschläge fehlen auch. Aber da reicht es ja wenn wir der Unterschicht noch etwas wegkürzen. Die können ja wie Sarrazin Ihnen schon mal vorgeschlagen hat im Winter die Heizung aus lassen und einfach mal einen Pullover mehr anziehen. Auch die 4,43 € Essenspauschale in Regelsatz ist Ihm ja zu hoch.

      Auf der ebene bekommen wir keine bessere Bildungs-, Sozial. und Integrationspolitik.

      • Wayfarer on 9. September 2010 at 09:45

        Das ist ja der Witz daran Sarrazin ist ein Idiot, er unterstützt diese unsoziale Politik und beschwert sich dann über die Folgen.
        Der Mann ist eine wandelnde Karrikatur. Dumm wie ein Brot.

        In seiner Konsequenz passt er absolut zu der Partei in der er gerade sitzt, auch wen sie ihn gerade loswerden will, ist er das Abiehbild dieser Politik
        Wie keiner anderer verkörpert er den Widerspruch von Ideal und wirklicher Politik.

      • der_gute_don on 9. September 2010 at 10:49

        Ja aber da macht sich doch der Bock selbst zum Gärtner. Sarrazin war es doch der in Berlin die Mittel für Spracherziehung und Integrationsangebote gekürzt hat.

        Im bundesdeutschen Schnitt ist Berlin in den pro Kopf Ausgaben Spitzenreiter, was finanzielle Zuwendungen für Integrationsangebote betrifft.

        • Ralf Spoerkel on 9. September 2010 at 12:55

          Ich hätte da gern einen Link, da ich vermute dass hier erneut Äpfel mit Birnen (hier Flächenländer mit Stadtstaaten) verglichen werden. Laut Statistischem Landesamt sind in Berlin unter Sarrazin KiTa Plätze gestichen worden, was ja wohl kontraproduktiv ist.

          http://www.statistik-berlin.de/

  5. […] ? Ecrit par Ralf Spoerkel sur Rot steht uns gut, le 08 septembre 2010.Traduit par Titus Haenni. Voir l’article original en allemandArticle traduit aussi en : En Allemagne, le scandale politique de l’été est venu de la […]

  6. […] Scritto da Ralf Spoerkel, blog Rot steht uns gut, 08/09/2010.Tradotto da Alessandro Bortolazzo. Vedere post originale in tedescoQuesto post è anche tradotto in: La pubblicazione del libro di Thilo Sarrazin è stata lo […]

  7. […] Geschrieben von Ralf Spoerkel, Rot steht uns gut, 08/09/2010.Übersetzt von Admin. Hier der Original-Artikel auf DeutschDer Artikel wurde auch übersetzt auf: In Deutschland war das politische Skandal des Sommers […]

  8. […] Written by Ralf Spoerkel, on Rot steht uns gut, September 08th 2010.Translated by Michael Hardy. See the original article in GermanArticle also translated in: The political scandal of the summer in Germany was the publication […]

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