Frage: Könnten Sie sich vorstellen, eine neue Partei zu wählen, wenn Thilo Sarrazin Vorsitzender dieser Partei wäre?
Nach Parteianhängern (in %):
- SPD: JA 9 / NEIN 86
- CDU/CSU: JA 17 / NEIN 81
- Grüne: JA 10 / NEIN 88
- FDP: JA 12 / NEIN 68
- Linke: JA 29 / NEIN 66
- Sonstige: JA 54 / NEIN 40
Hieraus geht meines Erachtens hervor, dass SPD-Anhänger gegen den Verführer Sarrazin weitgehend immun sind. Damit ist das Parteiausschlussverfahren durchaus wohlbegründet. Die Linkspartei indessen sollte sich ein paar Gedanken machen. Ob Lafontaines „Fremdarbeiter” vor diesem Hintergrund Kalkül waren, kein Ausrutscher?
Die Frage ist indessen: wie ist in dieser Frage „Parteianhänger” definiert und wie groß ist die Menge „Sonstige”?

Wundert mich bei der SPD ehrlich gesagt.
Bei der Likspartei hätte ich eher mit einem höheren Anteil gerechnet:
– Im Osten gibt es einen großen Anteil linkskonservativer, ausgesprochen xenophober Stammwähler der Linkspartei
– Im Westen wird die Linkspartei von Protestwählern getragen — für die ist eine neue Protestpartei auch nicht uninteressant.
Als Indiz für ein Ausschlussverfahren interessiert mich aber eher, wie solide und fest sich die Unvereinbarkeit mit unseren Grundwerten aufzeigen lässt, als eine Stimmungumfrage.
Die Schiedskommission wird völlig unabhängig urteilen, insofern ist das Drumherum gar nicht so wichtig.
Warum wundert es Dich, dass die SPD immun gegen Sarrazin zu sein scheint? Ist doch ein gutes Zeichen.
Ja, es ist ein gutes Zeichen. Es wundert mich aber aus zwei Gründen:
– Wegen der laut Nachrichtlen großen Anzahl von Protestschreiben von Mitgliedern
– Demographisch sehe ich zumindest den Anspruch der SPD, nicht nur Akademiker und „Bürgertum” zu vertreten und anzusprechen, sondern auch und insbesondere die geringer gebildete Bevölkerung.
Und entsprechend der Mehrheit der mir bekannten Untersuchungen ist diese Schicht für diese Art von Populismus besonders empfänglich.
Daher stellen sich mir zwei Fragen:
– Spricht Sarrazin doch eher das Bürgertum mit Abstiegsängsten an?
– Oder ist die SPD mittlerweile ebenso „bürgerlich” wie die Grünen? Sprich sind wir deshalb so schwach, weil wir das oben beschriebene Segment schon weitestgehend an die Linkspartei verloren haben?
Bei der Linkspartei überrascht mich das ehrlichgesagt nicht wirklich. Die mögen vielleicht ein paar Politiker an Bord haben, die eine emanzipatorische Agenda verfolgen. Aber im Prinzip ist das eine konservative Partei. Entsprechend ist sie natürlich empfänglich für die einfachen Welterklärungskonzepte eines Herrn Sarrazins.
Bei der SPD überrascht es mich sehr.
Die Befragung zeigt in erster Linie ein hohes Maß an Parteibindung — wahrscheinlich wären die Prozentwerte ähnlich, wenn es um eine neue Partei mit Gabriel als Vorsitzenden ginge …
Ob die befragten SPDler den Sozialdemokraten Sarrazin und seine Thesen stärker in der eigenen Partei berücksichtig sehen wollen, wäre eine ganz andere Frage.
Meine Vermutung ist, daß die Zustimmung da deutlich höher wäre.
Stimmt, so kann man es auch lesen, daran habe ich nicht gedacht; aber dann erstaunt mich der hohe Unions-Wert, schließlich begreift sich die Union als politische Heimat.
Eine Frage der statitischen Masse. Es wurden ja keine Parteimitglieder sondern „Parteianhänger” befragt. Vollkommen unklar ist die Vergleichshomogenität der unterschiedlichen Parteien bzgl. der Parteitreue Ihrer „Anhänger”. Die stat. Massen der Anhänger sind deswegen nicht direkt vergleichbar.
Meine Interpretation wäre beispielsweise zunächst, die SPD ist in dieser Umfrage durch einen harten Kern mit wenig Protest– und Wechselwählern vertreten.
Und die Kausalkette „immun” -> „Parteiausschluß gerechtfertigt” ist auch ziemlich fragwürdig.
Die hohe Zahl der Anhänger der SED-Nachfolgepartei lässt allerdings hoffen, das hier aktuell vowiegend alternativlose Protest– und Wechselwähler verharren, bereit zum Sprung gen neuen Ufern …
na, da habe ich für meinen Kommentar wohl zu lange gebraucht und RA ist mir zuvor gekommen :-)
Davon bin ich überzeugt. Die Linkspartei hat ja keinerlei Tradition, kein einigendes Band; die Wähler sind für die SPD nicht verloren.
@Christian (und mittelbar Kalle):
nein, gar keine Tradition… „SED-Nachfolgepartei”, USPD, KPD, Nationalkommitee Freies Deutschland, Thälmann-Kolonne, „RAF”, „2. Juni” usw. , 68er, SDS, Autonome, Anti-AKW-Bewegung, HausbesetzerInnen, nein, gab’s alles nicht, waren alles gediegene Sozialdemokraten– ach, immer so, wie es grad paßt, ja im VS-Bericht, nein, im Forenbeitrag– ihr vertretet eine „bestechende” Logik, wenn man euch mal ein paar Tage allein läßt … „while the cat’s away” ;-) ROFL
Klingt logisch.
Sarrazin gründet keine neue Partei. Außerdem haben die Protestparteien immer hohe Prozentzahlen bei Fragen, die mit: „Könnten sie sich vorstellen…?” anfangen, aber am Wahltag wählt sie doch keiner. Ausnahmen für reine Protestparteien (dazu zähle ich die Linke nicht, die hatte ja schon Strukturen und ein politisches Programm) gibts, aber nur selten und meistens sehr kurzlebig. In Mecklenburg-Vorpommern konnten sich 2002 30 % vorstellen, Schill zu wählen, 1,7 % habens getan.
Sehe ich genauso.
Sarrazin ist kein Typ eines Parteigründers, und noch weniger taugt er zum Volkstribun (dazu fehlt ihm schon das Mindestmaß an rhetorischem Talent).
Die öffentliche Zustimmung zu ihm ist auch weitgehend nur eine Empörung wegen des Umgangs mit ihm. Es sind die Sarrazin-Gegner, die ihm erst Bedeutung verschafft haben. Das läßt sich parteipolitisch nicht verwerten.
@RA:
weitgehend d’ accord– nur bei einem Punkt nicht, Hitler war auch häßlich– und Millionen wählten seine „Partei”.
Zu seiner Zeit galt er wohl als charismatisch-gutaussenhend, seine Beziehung mit Frau Braun wurde nicht zuletzt deswegen geheim gehalten.
Lustig: Alle Beitragschreiber schenken diesen anonym erwürfelten Zahlen ehrfürchtig Glauben.
Manch eine Frage sollte erlaubt sein:
Von welchem Institut soll dieser Zahlencocktail stammen?
Erhebungsgrundlage?
Zeitraum?
Oder hat der gute Christian doch nur wieder in der Heidelberger Fußgängerzone mit Handmikro und Kassettenrecorder unbescholtenen Passanten Wigald-Boning-Fragen gestellt? ;-)
Linktipp zum Thema Glaubwürdigkeit von Umfragen: http://www.wahlprognosen-info.de/
Emnid im Auftrag von BamS.
Die BILD, na dann ist ja alles seriös und glaubwürdig.
Auf der verlinkten Seite werden schon die nächsten Umfragesensationen vorbereitet.
Da wird gefragt „Würden Sie eine Sarrazin-Partei wählen”, und man kann sich entscheiden zwischen:
a) Ja, denn Sarrazins Thesen haben mich überzeugt.
b) Nein, Sarrazins Thesen sind für meinen Geschmack menschenverachtend.
ja, die Suggestiv-Umfragen der Bild sind immer einen Lacher gut ^^
*für*
immer diese Schnelltipperei …
@DGD:
es sei Dir diesmal verziehen :-)
Immun?
Jein.
Immun gegen die Lockrufe vielleicht, aber hier zeigt sich ein massiver Nachholebedarf auch und gerade bei uns.
Ich fand den verlinkten FAZ-Artikel sehr lesenswert: ww.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E0BA58CB76DCA4727AF22D46B029674C2~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Probieren wir es mal darauf, tinyurl zum FAZ-Artikel „SPD — Schmerzvoller Abschied vom Multikulti„
tinyurl.com/3yqm4ou