Fragen zur deutschen Mehrheitsgesellschaft

Was ist „deutsch”, was ist die deut­sche Mehrheitsgesellschaft? Wann ist Integration abge­schlos­sen, was ist das Ziel von Integration? Wann ist man ein „guter Deutscher”? Muss man ein „guter Deutscher” sein, um in Deutschland zu leben? Muss man Deutscher sein, um in Deutschland zu leben? Müssen alle in Deutschland Lebenden die deut­sche Sprache beherr­schen? Welche „deut­sche Sprache” über­haupt? Sind Dialekte bald verbo­ten? Müssen Schwaben und Sachsen befürch­ten, abge­scho­ben zu werden?

Warum spricht niemand über die gran­dios geschei­terte Integration der Russlanddeutschen? Was halten eigent­lich die diver­sen Subkulturen von dem Ansinnen, eine deut­sche Mehrheitsgesellschaft zu defi­nie­ren? Ist Abweichung von dieser Mehrheitsgesellschaft bald verbo­ten? Müssen Techno-Liebhaber, Swinger-Club-Besucher und Hip-Hopper bald Gefängnis wegen Norm-Abweichung befürch­ten?

Dürfen in Deutschland nur Menschen leben, die zur Wirtschaftsleistung etwas beitra­gen? Was machen die, die das nicht können, aus welchen Gründen auch immer? Sind Nicht-Akademiker wertlos, wie Sarrazin insis­tiert?

Wer defi­niert über­haupt die deut­sche Mehrheitsgesellschaft? Ich mag Wagner, die SPD und Döner, bin evan­ge­li­scher Christ und Mitglied im Heimatverein, außer­dem wurde ich schon als „Mustafa” ange­spro­chen. Wie passe ich da rein? Gibt es eine deut­sche Mehrheitsgesellschaft? Wenn ja, wie sieht diese aus? Wie groß ist diese Mehrheit? Was haben Niederbayern mit Niedersachsen am Hut? Was hat der Arbeiter am Fließband mit dem Professor für Gräzistik gemein­sam? Was ist eine Parallelgesellschaft? Sind sude­ten­deut­sche Trachtenzüge gefähr­li­che Parallelgesellschaften?

Eine Antwort auf diese Fragen ist: die Debatte geht am eigent­li­chen Thema völlig vorbei. Es geht nicht um „deutsch”, „nicht-deutsch”, „un-deutsch”, „fremd”. Jedenfalls sollte es nicht darum gehen.

In Deutschland leben ist schön, weil es eben (fast) keine Vorschriften gibt, wie man zu leben hat: es ist okay, Fußball nicht zu mögen, es ist okay, nicht in die Kirche zu gehen, es ist okay, schwä­bisch und säch­sisch zu spre­chen, es ist okay, schwul und Metzger zu sein, es ist okay, Taxifahrer zu sein, es ist okay, Millionär zu sein. Es ist okay, Moslem zu sein. Es ist, mit einem Wort, eine ziem­lich offene Gesellschaft.

Diese offene Gesellschaft ist Kulturkämpfern notwen­di­ger­weise ein Dorn im Auge. Sie muss es sein, da sie „ihre” eigene Kultur als über­le­gen betrach­ten. Sie ertra­gen es nicht, dass Menschen Eminem hören und Burger essen und die Vorzüge Brahms und Kafkas nicht erken­nen. Sie wollen keine Raucherkneipen, auch wenn sie diese niemals besu­chen würden, sie wollen Konsum und Kommerz.

Deutschland ist heute eine offene Gesellschaft in bester huma­nis­ti­scher Tradition. Die Menschen können sich frei entschei­den, wie sie ihr Leben verbrin­gen wollen, ob sie rund um die Uhr arbei­ten, ob sie Fußball oder Backgammon spielen, ob sie ihre Heimat lieben oder gegen Deutschland raven. Es liegt an den Menschen, was aus unserem Land wird.

Den Schlusssatz über­lasse ich dem ollen Bert Brecht:

Und weil wir dies Land verbes­sern
Lieben und beschir­men wir’s.
Und das liebste mag’s uns schei­nen
So wie andern Völkern ihrs.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

33 Gedanken zu „Fragen zur deutschen Mehrheitsgesellschaft“

  1. Ich kann dir nur zustim­men. Die Mär von der Leitkultur, die nun schon so lange vergeb­lich versucht wird zu defi­nie­ren, wird doch nur am Leben erhal­ten weil sie konkre­ten Interessen nützt: Politische-takti­schen Zielen, Profilierung, Ablenkung.
    Wir sollten nicht weiter so tun, als gäbe es DAS DEUTSCHE, das man klar von allem UNDEUTSCHEN abgren­zen und dann vertei­di­gen könnte. Wo und vor allem wann in der Kulturgeschichte unseres allein durch die geogra­phi­sche Lage vielen Einflüssen ausge­setz­ten Landes sollte man da die Momentaufnahme machen? Denn eine Gesellschaft und Kultur verän­dert sich doch ständig flie­ßend. Das aufhal­ten zu wollen ist so sinnlos wie sich in die Elbe zu stellen um diese zu stoppen.

    Wir haben das Grundgesetz, das die Menschenrechte und jeden einzel­nen schützt, ob Deutscher oder nicht. Das reicht. Alles Andere sind Einzelbaustellen, die man auch so angehen sollte. Wir brau­chen kein über­ge­ord­ne­tes Denk-Dach, unter dem wir die Debatten über Sachfragen führen. Diese Kulturdebatten brau­chen nur Populisten die auf Stimmenfang gehen oder Bücher verkau­fen wollen. Der Gesellschaft bringt das gar nichts.

  2. > Sind Nicht-Akademiker wertlos, wie Sarrazin insis­tiert?

    wo genau sagt er das? Ich halte es für unlau­ter und popu­lis­tisch anderen Menschen Aussagen unter­zu­schie­ben, die diese nie getä­tigt haben. Ich denke das hast Du nicht nötig.

    Bei Brecht würde mich hinge­gen inter­es­sie­ren, wie er sich in die heutige Debatte einbrin­gen würde, wäre er denn noch am Leben.

    1. Das habe ich aus Sarrazins Vorschlag, Akademikerinnen eine Kopfprämie pro Kind von 50.000 Euro zu zahlen, geschluss­fol­gert. Das ist eine zuläs­sige Zuspitzung und mitnich­ten unlau­ter.

      1. Dein Umkehrschluß ist schlicht­weg falsch. Lässt sich sogar mathe­ma­tisch bewei­sen.
        http://de.wikipedia.org/wiki/Bijektivit%C3%A4t

        Du kannst das gerne als Zuspitzung (oder wie ich als unwahre Unterstellung und persön­li­che Diffamierung) bezeich­nen, falsch ist Dein Umkehrschluß in jedem Fall.

        Und wie gesagt, ich denke nicht daß du das nötig hast.

        1. Der geneigte Leser wird sich sein Urteil bilden.

          Das eigent­li­che Thema hast Du jeden­falls gnaden­los verfehlt.

          1. An solchen Phantomkämpfen sehe ich wenig Sinn mich zu betei­li­gen, ich würde mir ohnehin eine Gesellschaft wünschen die noch offener ist.

            Aber wie Marc Aurel, ein Anhänger der philo­so­phi­schen Schule der Stoiker, sagen würde, das Leben ist mehr Ringen als Tanzen. Und Offenheit heisst auch die Mißstände offen anzu­spre­chen. Ich weiß, das tut weh.
            Und noch mehr tut es mir weh anzu­se­hen, wie solche Meinungen wegge­wischt, wie sie mit Unterstellungen belegt werden, die man dann anschlie­ßend bekämp­fen kann.

            Dieser Kampf gegen eine Person, die man persön­lich vernich­ten will, beruf­lich und gesell­schaft­lich, indem man Ihr Aussagen unter­schiebt, die sie nicht getä­tigt hat, das passt in meinen Augen nicht mit dem Bild einer offenen Gesellschaft überein. Das ist nicht die Freiheit und die offene Gesellschaft für die ich einste­hen möchte.

          2. die Ergebnisse der so weit verbrei­te­ten Unterstellungen und Hetze gegen Sarrazin kan man jetzt sehen. Irgendwelche Idioten glauben den allge­mei­nen Empörungen und erste Morddrohungen trudeln ein. Zufrieden Christian?

      2. Sind denn männ­lihe Akademiker wertlos, wenn es Bonusmittel für Frauenförderung gibt[0]?

        Sind denn männ­li­che Existenzgründer wertlos, weil es spezi­elle Programme nur für weib­li­che Existenzgründer gibt[1]?

        Oder Jungen wertlos, weil es zwar jahre­lang einen Girls day, aber erst ab 2011 einen bundes­wei­ten Boys day geben soll?

        Davon abge­se­hen halte ich weder etwas von einer Kopfprämie für schwan­gere Akademikerinnen noch etwas von den Schlussfolgerungen, die Sarazzin aus seiner prin­zi­pi­ell rich­ti­gen Zustandsbeschreibung zieht.

        [0] http://www.ukaachen.de/go/show?ID=9119238&DV=0&COMP=page&ALTNAVID=9139219&ALTNAVDV=0

        [1] http://www.bmbf.de/de/2578.php

          1. wo habe ich das geschrie­ben?

            Mit Zustandsbeschreibung habe ich unter anderem gemeint, dass 15% aller auslän­di­schen Schüler das Bildungssystem ohne Abschluss verlas­sen.
            Mit falschen Schlussfolgerungen meine ich genau das, was Du geschrie­ben hast.

            Es gibt Gründe, warum auslän­di­sche Schüler im Bildungssystem fast 3x so häufig schei­tern wie deut­sche Schüler. Es ist eine Tatsache, dass es den jewei­li­gen zustän­di­gen Landesregierungen (gleich welcher Partei) nicht gelun­gen ist, diese Ursachen zu besei­ti­gen (die nicht erst seit 3 Jahren exis­tie­ren, sondern seit mindes­tens 35).
            Wir hatten von Anfang der 80er bis Mitte der Neunziger eine starke Verbesserung (von 30% ohne Abschluss auf 17%), seither hat sich fast nichts getan. Man scheint sich damit abge­fun­den zu haben.

            Genausowenig wie ich glaube, dass in die USA ausge­wan­derte Iren ein Polizisten- bzw. Feuerwehrgen haben, glaube ich, dass die Religionszugehörigkeit oder die Herkunft einen Aufschluss über die Intelligenz eines Menschen geben.
            Das ändert aller­dings nichts an der Tatsache, dass der Bildungserfolg auslän­di­scher Jugendlicher nicht über alle Gruppen hinweg gleich gut ist. Ich glaube nicht an die Ursachen, die Sarazzin benennt (so wenig wie ich seine Schlussfolgerungen teile), ich glaube aller­dings auch nicht, dass man das am besten dadurch ändert, in dem man es totschweigt.

          2. „Mit Zustandsbeschreibung habe ich unter anderem gemeint, dass 15% aller auslän­di­schen Schüler das Bildungssystem ohne Abschluss verlas­sen.”

            Achso. Ja, das ist unbe­strit­ten.

          3. @Markus:
            weit­ge­hend d’ accord- nur:
            „ich glaube aller­dings auch nicht, dass man das am besten dadurch ändert, in dem man es totschweigt.”
            soweit ich es bisher mitbe­kom­men habe, wollte in diesen Fragen noch nie jemand irgend etwas „tot schwei­gen”- ganz im Gegenteil, so ziem­lich jede/r „Volldulli” hat eine Meinung dazu- sogar z. B. die kürz­lich umbe­nannte „Familienministerin” Müller oder so ;-)
            Im Ernst- der Ton macht die Musik- und zu einer redli­chen Debatte gehören belast­bare Zahlen und keine metho­di­schen Schnellschüsse- inso­fern war die Debatte- wer spielte noch mal ständig die Flöte „alle Assi außer Mutti”?!- sofern sie denn jemals ernst­haft zu führen gewünscht gewesen wäre, durch Hr. S.‚s „Beitrag” eher desavou­iert / korrum­piert als sie es davor zumeist war.
            Aber schön, dass es in der FDP auch ein, zwei (wirk­lich zwei?) kriti­sche Geister gibt.

    2. @DGD:
      Brecht war Kommunist, das dürfte Dir, falls Du den Raum zwischen Deinen Ohren mal etwas mehr für seinen ursprüng­li­chen Zweck bemühst, Deine Frage zumin­dest größ­ten­teils beant­wor­ten. Und trotz­dem „darfst” Du „die Maßnahme” und „der Ja/Nein-Sager” gelesen haben, ohne Dich schul­dig zu fühlen.

  3. Es hat nur am Rand mit der Sarrazin-Debatte zu tun und ist doch eine nicht unin­ter­es­sante Frage:
    Wie sehr ist Deutschland ein Einwanderungsland?
    Wie hoch ist der Anteil der (offi­zi­el­len) Einwanderer zur Gesamtbevölkerung?

    Zur Einleutung, warum ich die Frage inter­es­sant finde: Je höher der Anteil der Zuwanderer in eine Gesellschaft und eine Kultur, desto wich­ti­ger ist es, sich auf eine gemein­same Sprache und gemein­same Grundregeln zu einigen:
    — deut­sche Sprache für alle –> kostel­ser und verbind­li­cher Sprachunterricht,
    — Verhältnis zu Bildung: Mehr Chancengleichheit, aber auch mehr Forderung
    — Gewalt und das Eingeständnis staat­li­chen Gewaltmonopols: Das Verhältnis zu Gewalt und Kriminalität ist einer­seits eine soziale, aber ande­rer­seits auch eine kultu­relle Frage. Das gilt für Gewalt gegen Frauen ebenso wie für Jugendgangs.
    — Frauenrechte nicht zuletzt in der Familie: Unterdrückung, Zwangsheiraten und Prügelorgien lassen sich nicht als kultu­relle Besonderheiten tole­rie­ren. Es war ein langer Weg in Deutschland, den wir nicht zurück­ge­hen sollten. Hier gilt unser Rechtsstaat ohne wenn und aber, und diesen kann man auch als unsere verbind­li­che Leitkultur bezeich­nen, die Migranten zu akzep­tie­ren haben.

    Bei all diesen Themen gilt m.E. zugleich: Je höher die Zuwanderung, desto wich­ti­ger ist es daher m.E., sich damit aktiv ausein­an­der­zu­set­zen, fördernd wie fordernd, um einen Grundkonsens in der Gesellschaft zu finden und zu sichern.

    Also, was sagen die Zahlen?
    Ich habe bei Wikipedia eine Liste dazu gefun­den, in der Zahlenmäßig und prozen­tual die Anteile der Länder ange­ge­ben sind: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_immigrant_population
    Mich haben diese Zahlen sehr über­rascht (ich zweifle auch noch etwas daran)
    Rein zahlen­mä­ßig soll Deutschland an Platz 3 bei den aufge­nom­me­nen Migranten stehen:
    USA 38,4 Mio
    Russland: 12,1 Mio
    Deutschland: 10,1 Mio

    Prozentual sieht es ähnlich über­ra­schend aus, wenn man bedenkt, dass Länder wie Großbritannien, Frankreich oder die Niederlande große Einwanderungswellen aus ihren Kolonien erleb­ten und die USA als tradi­tio­nel­les Einwanderungsland gelten:

    USA: 12,8% der Bevölkerung
    Deutschland: 12,3% der Bevölkerung –> ähnlich viel wie das Einwanderungsland USA!
    (zum Vergleich noch weitere popu­läre Einwanderungsländer: Kanada: 18,8%, Australien: 19,9%, Israel 37,7%)

    Auch der euro­o­päi­sche Vergleich verblüffte mich:
    Deutschland: 12,3%
    Großbritannien: 9,0% (Trotz Empire weniger als Deutschland, zahlen­mä­ßig wie anteils­mä­ßig!)
    Frankreich: 10,2% (Und dort kam es schon zu Massenunruhen — wie harmo­nisch ist es doch bei uns!)
    Niederlande: 10,0% (Und daran zog sich Wilders hoch!)
    Belgien: 6,9% (OK, denen fällt gerade das Land ausein­an­der)
    Schweiz: 22,9% (Wieviel davon sind Wohlstandsauswanderer?)
    Österreich: 14,9% (und eine mäch­tige FPÖ!)

    Skandinavien: Dänemark: 7,2%, Schweden: 12,3%, Norwegen: 7,4%, Finnland: 3,0%) Bis auf Schweden überall deut­lich weniger

    Der Süden: Spanien: 10,8%; Portugal: 7,2%; Italien: 4,3%; Griechenland: 8,7%: Überall deut­lich weniger als in Deutschland

    In Osteuropa sind (Ausnahme die Ex-SU-Staaten mit hohen Anteilen russi­scher Bewohner) die Zahlen alle­samt eh wesent­lich nied­ri­ger.

    Kurz gesagt: Deutschland liegt bei Zuwanderern auf einem Level mit dem tradi­tio­nel­len Einwanderungsland USA, und in Europa haben nur die Schweiz und Österreich schei­nen in Europa einen höheren Immigrationsanteil an der Bevölkerung. Angesichts dessen ist das vergleichs­weise geringe Agressionslevel bei diesem Thema (man sehe die Stärke xeno­pho­ber Parteien in anderen Ländern) inDeutschland ein Hinweis für eine im euro­päi­schen Vergleich gar nicht mal so schlechte Integration der Zuwanderer.
    Aber es ist auch ein Hinweis darauf, dass wir uns als Gesellschaft mit dem Thema in den näcsh­ten Jahren inten­siv und ernst­haf­ter als bisher beschäf­ti­gen müssen.
    Von einem Zuwanderungsland und aktiver Integration reden wir erst seit 5–10 Jahren. Da gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Aktivitäten Zeit brau­chen, haben wir sicher­lich noch 10–15 arbeit­same Jahre vor uns, in denen dieses Thema im Fokus der Politik und Gesellschaft sein wird.

    Sozaildemokratische Ansätze des soli­da­ri­schen Förderns und Unterstützens, aber auch des Einforderns dürften hier einen guten Weg weisen.
    Gerade von praxis­er­fah­re­nen Lokalpolitikern wie dem Neuköllner Bezirksbürgermeister Buschkowski lässt sich dabei sicher­lich gut lernen. Wenn man sich anschaut, was mitt­ler­weile aus der Rütli-Schule gewor­den ist, finde ich das wirk­lich beacht­lich!

  4. Das mit der geschei­ter­ten Integration der Rußlanddeutschen habe ich verpaßt. Die, die ich kenne, sind alle perfekt assi­mi­liert. Überhaupt sehe ich kaum Leute, deren Einwanderung proble­ma­tisch wäre, obwohl ich von Einwanderen in erster und zweiter Generation regel­recht umzin­gelt bin. Spätestens die zweite Generation ist von den anderen Deutschen nicht mehr zu unter­schei­den.

    Probleme gibt es mit ein paar Gruppen, die einfach kein Politiker gern beim Namen nennt: Italienische, russi­sche, rumä­ni­sche und alba­ni­sche Mafiabanden sowie Steinzeitmoslems.
    Und letz­tere prügeln, drohen und bomben sich allmäh­lich einen hübschen poli­ti­schen und kultu­rel­len Einfluß zusam­men. Diese Entwicklung besorg­nis­er­re­gend zu finden, macht einen nicht zum Kulturkämpfer im Sinne des obigen Beitrages. Ebensowenig wie die Auffassung, daß man pasch­tu­ni­sche Verhältnisse mit Frauenversklavung, Musikverbot und Sittenjustiz gefäl­ligst nicht in Deutschland anzu­stre­ben hat.
    Wir haben kein Ausländerproblem, wie haben ein Banden- und Islamistenproblem.

    1. Califax, die unin­te­grier­ten Einwanderer zeich­nen sich ja unter anderem dadurch aus, dass du kaum je engeren Kontakt mit ihnen haben wirst. Deine Bekannten in allen Ehren, aber als Statistik taugen sie nicht.

    2. Bei den Russlanddeutschen gab es mehrere Wellen. 199192 habe ich in der Nähe eines Aufnahmewohnheims gewohnt. Die Russlanddeutschen, die damals kamen, waren wirk­lich welche. Sie spra­chen Deutsch, wenn auch in einem anti­quier­ten Dialekt. Vor allen Dingen waren sie stark reli­giös und von einem Arbeitsethos beses­sen, welches man hier­zu­lande viel­leicht zuletzt vor 100 Jahren antraf.

      Diese Menschen haben sich bestens inte­griert. Einige hatten schon Arbeit gefun­den, während sie noch im Aufnahmeheim lebten, und örtli­che Arbeitgeber fragten an, ob man nicht weitere Mitarbeiter vermit­teln könne.

      Die „Russlanddeutschen”, die in den folgen­den Jahren kamen, waren anders. Es waren oft russi­sche Familien, in welche einer der Ehepartner Russlanddeutscher war (oft die Frau), der andere Russe. Die Kinder waren russisch­spra­chig in Russland (oder auch Kasachstan, Kirigistan etc.) aufge­wach­sen und fühlten sich als Russen. Als sie nach Deutschland kamen, wurde sie regel­recht entwur­zelt, das machte und macht noch gewal­tige Probleme. Das wird sich aber in der nächs­ten Generation ausge­wach­sen haben. Im Gegensatz zu Problemen bei anderen Migrantengruppen.

  5. Was du nicht verstehst, Christian, ist dass es im Grunde um die Verteidigung dieses welt­of­fe­nen, plura­lis­ti­schen Deutschlands geht. Es ist ja völlig in Ordnung, wenn jemand nach seiner Facon selig wird. Wenn das aber bedeu­tet, dass jemand das Sozialsystem ausnutzt und die Gesellschaft, in der er lebt, ablehnt, dann ist eine Grenze erreicht.

    Es geht hier aber nicht um Migranten. Die große Zahl ist perfekt inte­griert. Aber es geht auch um Migranten. Genauso wie es um „urdeut­sche Arier mit blonden Haaren” geht, die nichts auf die Reihe bekom­men. Es geht nicht um Rasse (sowas gibt es gar nicht), Herkunft, Intelligenz oder gene­ti­sche Prädestination. Es geht um die Unterschicht aus Deutschen und Migranten, die nichts für das Gemeinwesen tun, es ableh­nen, sich asozial verhal­ten.

    Diese Unterschicht gibt es und es ist poli­tisch fahr­läs­sig sie zu igno­rie­ren oder ihre Existenz zu bestrei­ten, weil ihr dann zum einen nicht gehol­fen wird und zum anderen die Wut im Großteil der Bevölkerung wächst. Das kann dann wirk­lich zu Rechtspopulismus führen. Die jetzige Debatte ist ein weite­rer Schritt in der Entfremdung zwischen Bevölkerung und poli­ti­scher Klasse.

    1. Das Gerede von „poli­ti­scher Klasse” ist schwach­sin­nig.

      Natürlich darf man die Gesellschaft ableh­nen, in der man lebt. Warum auch nicht? Begründe das mal.

      1. Das „Gerede” von poli­ti­scher Klasse ist keines­wegs schwach­sin­nig. Berufspolitiker bilden einen eigenen Mikrokosmus und schmo­ren in ihrem eigenen Saft. Auch im Kleinen fängt es schon an. Die Jusos beschäf­ti­gen sich haupt­säch­lich mit sich selbst. Ihr Kontakt zu anderen gesell­schaft­li­chen Gruppen hält sich in sehr engen Grenzen. Im Übrigen hat Holger vorhin bei Gsichtsbuch schon einige wich­tige Punkte bezüg­lich der Rekrutierung der poli­ti­schen Eliten gesagt.

        Natürlich hast du recht, wenn du beklagst, dass es kaum Parteimitglieder gibt und kaum Leute eintre­ten. Medien und Politik erwe­cken aber auch nicht den Eindruck als würde sich das lohnen. Das ist ja auch das schöne in einer frei­heit­li­chen Gesellschaft zu leben, da man sich entschei­den kann was man tut und was nicht. Und da der Mensch ein Eigennutzmaximierer ist, tritt er allen­falls dann in eine Partei ein, wenn er sich davon einen Nutzen verspricht. Ansonsten kann ihn die Politik mal kreuz­weise und er regt sich ohne tatsäch­li­che Kenntnisse und mit Bildzeitungswissen über die Verhältnisse auf. So läufts.

        Ja, klar, im Sinne einer frei­heit­li­chen Grundordnung, in der jeder tun und lassen kann was er will, kann natür­lich auch jeder die Gesellschaft verach­ten, in der er lebt. Kann Mollis schmei­ßen oder seine Kinder vernach­läs­si­gen und sich durch­schma­rot­zen. Kein Problem, alles persön­li­che Freiheit!

        Mir leuch­tet es beim besten Willen nicht ein warum eine Gesellschaft jeman­den aushal­ten soll, der diese Gesellschaft verach­tet.

        So zerlegt sich der Liberalismus selbst, weil er selbst die tole­riert, die ihn nicht tole­rie­ren.

    2. @KHK (sorry- Satire)

      Was du nicht verstehst, KH, ist dass es im Grunde um die Verteidigung dieses xeno­pho­ben, mili­ta­ris­ti­schen Deutschlands geht. Es ist ja nicht in Ordnung, wenn jemand nach seiner Facon selig wird- es sei denn, er/ sie ist reich genug. Wenn das aber bedeu­tet, dass jemand das Steuersystem ausnutzt und die Gesellschaft, in der er lebt, ablehnt, indem er Steuern hinter­zieht, dann ist eine Grenze erreicht.

      Es geht hier aber nicht um MillionärInnen. Die große Zahl ist perfekt inte­griert. Aber es geht auch um MilliardärInnen. Genauso wie es um „arabi­sche Millionäre mit schwar­zen Haaren” geht, die Steuern hinter­zie­hen. Es geht nicht um Masse (sowas gibt es gar nicht), Herkunft des Geldes, Effizienz oder mone­täre Prädestination. Es geht um die Oberschicht aus Deutschen und Migranten, die nichts für das Gemeinwesen tun, es ableh­nen, sich asozial verhal­ten.

      Diese Oberschicht gibt es und es ist poli­tisch fahr­läs­sig, sie zu igno­rie­ren oder ihre Existenz zu bestrei­ten, weil ihr dann zum Einen nicht gehol­fen wird, sich endlich sozial zu verhal­ten und zum anderen die Wut im Großteil der Bevölkerung wächst. Das kann dann wirk­lich zu Linkspopulismus führen. Die jetzige Debatte ist ein weite­rer Schritt in der Entfremdung zwischen Bevölkerung und poli­ti­scher Klasse.
      (ok, teil­weise ein wenig geschmack­lose Entgleisung)

      1. Trotz der Satire und gerade deswe­gen gefällt das mir sehr (auch wenns hier und da hakt). Aber was diese Substantiversätzung zeigt, ist wie sich unsere Gesellschaft heute aufteilt. Meiner Meinung ist das das Grundproblem.

        Wenn Linke begrei­fen würden, dass es durch­aus Menschen gibt, die das Sozialsystem ausnut­zen und der Gesellschaft nichts zurück­ge­ben, und wenn Rechte begrei­fen würden, dass wohl­ha­bende Menschen keine besse­ren sind und nied­ri­gere Steuern und die Finanzindustrie nicht zu einer besse­ren Gesellschaft beitra­gen, wären wir viel­leicht einen Schritt weiter.

        1. @KHK:
          nie wirst Du von mir zu hören bekom­men, dass es etwa keinen verwerf­li­chen Mißbrauch gibt- und das Wort *verwerf­lich* das unter­schei­det uns mitt­ler­weile in der Rezeption- die Masse der SPDler will Hartz4 in der „light”-Variante, dezent weich­ge­spült- und der Linkspartei ist das zu wenig- so einfach kann „man” am Infostand erklä­ren, wo mitt­ler­weile in dieser Frage der Unterschied liegt. Ihr habt irgend­wann … 1974, .… 1993 … 1999 … 20405 aufge­hört, klas­si­che Reformer zu sein- ihr habt euch von blasier­ten BWL-Schnöseln, salopp gesagt, verar*chen lassen- und jetzt will es keine/r gewesen sein (abge­se­hen von ein paar Beton-Köpfen wie- ach, Du kennst sie ja besser…). Und die schiere Anzahl ist wahr­schein­lich vergleich­bar- nur macht es einen Unterschied, ob jemand auf 8000 pro Jahr Betrugssumme kommt oder auf 8.000.000 EUR. Wenn wir uns da (im Ganzen als Parteien- na, erst mal hier- einig wären, dann wäre auch mehr Gemeinsames möglich.

          1. Man kann ja über alles reden, aber mich mit ‚ihr’ anzu­re­den, geht gar nicht, da ich hier nicht als SPD Funktionär oder so, sondern als Einzelperson schreibe. Außerdem kennst du meine Meinung zu diesem Thema nicht wirk­lich. Wir können uns gerne darüber austau­schen in gege­be­nem Umfeld — in diesem Faden ist das nicht. Und ich glaube, dass wir da mehr Gemeinsamkeiten fest­stel­len als Unterschide. Aber bitte unter­stell mir nicht einfach eine Haltung.

          2. @KHK:
            ok, das „ihr” war zu allum­schlie­ßend- kriti­sche Stimmen hat es wohl auch früher schon in der SPD gegeben- und nicht alle sind Linksparteiler gewor­den ;-)

      2. > weil ihr dann zum Einen nicht gehol­fen wird, sich endlich
        > sozial zu verhal­ten

        In Anlehnung an Deine zahl­rei­chen Kommentare glaube ich nicht­mal, daß dieser Teil sati­risch gemeint ist.

        1. @DGD:
          Ein Kamel geht eher durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich :-)
          Nee, war tatsäch­lich ein Fehler beim Redigieren- aber im Deuten von Texten waren Rechte nie so richtg gut- oder hat jemand mal von „konser­va­ti­ven” LiteraturkritikerInnen gehört (nein, damit ist nicht das Feuilleton der FAZ gemeint ;-)

        2. Wer ernst­haft den Blödsinn den Westerwelle verzapfte mit dem Blödsinn den Sarrazin verzapfte vergleicht disqua­li­fi­ziert sich eigent­lich schon selbst. Ich kann der These, dass der deut­sche Sozialstaat an den Integrationsproblemen schuld sein soll im übrigen wenig abge­win­nen, zumal es hierfür auch keinen Beleg gibt.

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