BILD: Eine unbequeme Wahrheit

Die „BILD” will „keine Sprechverbote” und postu­liert deshalb „neun unbe­queme Meinungen”, außer­dem „die Fakten”.

Schön und gut. Aber, liebe „BILD”: wer „keine Sprechverbote” will und „unbe­queme Meinungen” einfor­dert, ergo für Meinungsfreiheit und offenen Streit eintritt, sollte keinen Kasten basteln, der gewohnt zurück­hal­tend mit „UND SOLCHE DUMMEN SÄTZE KÖNNEN WIR NICHT MEHR HÖREN!” über­schrie­ben ist. Und vor allem sollte man diesen Kasten nicht auch noch direkt neben die Forderung nach Meinungsfreiheit packen:

Meinungsfreiheit nach BILD
Bild: Bildschirmfoto „bild.de”; Bearbeitung: Christian Soeder

Die neue Definition von „Meinungsfreiheit” frei nach „BILD” geht unge­fähr so: Meinungsfreiheit für die, die die Meinung der „BILD” vertre­ten. Alle anderen haben gefäl­ligst die Fresse zu halten.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

11 Gedanken zu „BILD: Eine unbequeme Wahrheit“

  1. Ich frage mich voral­lem, wo hier jemals ein „Sprechverbot” oder eine Einschränkung der Meinungsfreiheit vorge­nom­men wurde. So, wie ich das beob­ach­tet habe, durfte Sarrazin seinen Dreck in den letzten Wochen unge­hin­dert überall vortra­gen. Die Zeitungen haben sich gradezu geris­sen nach seiner Meinung.
    Und wenn jemand die Meinungsfreiheit für sich selbst zu Recht einfor­dert, dann hat er selbst­ver­ständ­lich auch zu akzep­tie­ren, dass andere Menschen, die anderer Meinung sind, reagie­ren und ihre Meinung eben­falls vortra­gen.

    1. Sarrazin hat mehr Meinungsfreiheit als Du und ich. Wir haben nur dieses kleine Blog zur Verfügung, Sarrazin hinge­gen „BILD”, „SPIEGEL” und über­haupt alle Zeitungen.

  2. Die Frage ist aber nicht ganz unbe­rech­tigt. Es ist schade, dass man sie an der Person Sarrazin fest­ma­chen muss, aber die Praxis, Personen, die unlieb­same Meinungen vertre­ten, als Person nieder­zu­ma­chen bis zur Entfernung aus ihren beruf­li­chen Zusammenhängen, die ist — sagen wir mal: — wenig kompa­ti­bel mit einer allge­mein akzep­tier­ten Meinungsfreiheit. Sicher: Zur Meinungsfreiheit gehört es auch, andere Meinungen zu kriti­sie­ren, gerne auch massiv, pole­misch und unfair. Aber sobald es das offen­sicht­li­che Ziel der Kritik ist, nicht die Positionen des anderen zu wider­le­gen, sondern ihn selbst zu erle­di­gen, sollten wir etwas genauer aufpas­sen.

    Da sind dann schon noch Dinge passiert, die einen aufmerk­sam werden lassen sollten, ange­fan­gen von den öffent­li­chen Verurteilungen durch zwei der höchs­ten Repräsentanten des Staates bis hin zu der von ihnen wenig unauf­fäl­lig gefor­der­ten beruf­li­chen Konsequenz für den Querulanten. Ich sage „aufmerk­sam werden lassen”, denn dass Sarrazin in der Bundesbank nichts zu suchen hat, hätte einem schon vor dessen Berufung klar sein müssen — so gibt es genug Gründe, seine Entlassung gutzu­hei­ßen. Aber der Anlass ist bedenk­lich.

    Von per Zwangsgebühren bezahl­ten Tribunalen à la „Beckmann” mal ganz zu schwei­gen.

    Wo es in der Debatte schon so von Empfindungen und Empfindlichkeiten wimmelt: Der Eindruck, dass jemand mit einer vom offi­zi­el­len Mainstream abwei­chen­den Meinung öffent­lich an den Pranger gestellt wird und seiner Ämter und Mitgliedschaften verlus­tig geht, ist kein guter für Freunde echter Meinungsfreiheit. Zumal, wenn er gefühls­mä­ßig eine hohe Zahl der Bevölkerung hinter sich versam­melt. „Stuttgart 21” und die „Causa Sarrazin” sind sich da sehr ähnlich.

    1. Es ist schade, dass man sie an der Person Sarrazin fest­ma­chen muss, aber die Praxis, Personen, die unlieb­same Meinungen vertre­ten, als Person nieder­zu­ma­chen bis zur Entfernung aus ihren beruf­li­chen Zusammenhängen, die ist — sagen wir mal: — wenig kompa­ti­bel mit einer allge­mein akzep­tier­ten Meinungsfreiheit.

      Würden die Sarrazin-Verteidiger auch Linksautonome vertei­di­gen, die nicht Lehrer werden dürfen, dann wäre das glaub­wür­di­ger.

  3. BLÖD war dabei. BLÖD sprach zuerst mit der Leiche…
    Die B.-„Zeitung” (laut Günter Wallraff ist es gar keine ZEITUNG!) bedankt sich herz­lich für solche unfrei­wil­lige Werbung.
    Ein gewis­ser Herr Schröder tanzte Nachrichtenwalzer mit „B., BamS & Glotze”.
    Er brachte gewisse Hartz-Gesetze hervor (Namensgeber mitt­ler­weile vorbe­straft).
    Ein gewis­ses Wahlergebnis betrug 23 Prozent.
    Merkt mal was!

  4. 1. Sarrazin beklagt sinken­den intel­li­genz in deutsch­land. Da duerfen sich bild und diek­mann durch­aus ange­spro­chen fuehlen. Allerdings als teil des problems, nicht der loesung.

    2. Sarrazin wird nicht fuer „abwei­chende meinung” kriti­siert sondern fuer die abwei­chung vom grund­ge­setz, das diskri­mi­nie­rung verbie­tet. Wir wollen die fehler von weimar nicht wieder­ho­len. Wer hierue­ber geschichts­los denkt, sollte sich poli­ti­scher debat­ten viel­leicht besser enthal­ten.

    3. Sarrazin wollte nur provo­zie­ren und damit aufmerk­sam­keit und geld verdie­nen, so wie das andere extre­mis­ten auch tun. Man koennte ihn auch beschwei­gen.

  5. irgend­wie hab ich das gefühl, dass die „bild” uns in den nächs­ten tagen eine kost­probe ihrer macht zeigen wird!
    der vorstand der bundes­bank hat sich entschie­den.
    nun wäre wulff am zug ( der ja den vorstand gedrängt hatte etwas gegen sarra­zin zu unter­neh­men ).
    aber wulff muß sich erst mit mutti beraten!
    und die entschei­dungs­kraft von mutti kennen wir ja zur genüge!
    ich wage voraus­zu­sa­gen: die bild wird den vorstand der bundes­bank, den präsi­den­ten, mutti und die spd (partei­aus­schluss) am nasen­ring vorfüh­ren!

  6. Sarrazin hat es sogar geschafft, daß die zwangs­weise von uns allen einge­trie­be­nen PayTV-Gebühren für seine freie Meinungsäußerung verbra­ten werden. Denn nichts anderes geschieht seit einer Woche: Die ÖR machen mit ihren zahl­rei­chen Talkshows und Nachrichtensendungen Werbung für sein Buch.

    Wie man da auch noch wegen vermeint­li­cher Meinungsunfreiheit aufschreien kann, erschließt sich wohl nur den Intelligenzbestien bei BILD.

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