Ein Schlüssel zu mehr Integration: Religion als Pflichtfach

3. September 2010
By

These 1: Berlin hat deshalb verhältnismäßig mehr Probleme mit Deutschen mit Migrationshintergrund islamischen Glaubens, weil es keinen Pflicht-Religionsunterricht an Berliner Schulen gibt. Gäbe es evangelischen, katholischen und muslimischen Religionsunterricht gleichermaßen, und Ethik für die Nicht-Gläubigen als Ersatz, dann würden die Muslime ihren Glauben besser kennenlernen und es würde sich ein „deutscher Islam” herausbilden.

These 2: Sozialdemokraten mit Hass auf Kirche und Glaube sind die denkbar schlechtesten Personen, um Integration voran zu bringen. Wer keinen eigenen Glauben besitzt, versteht den Glauben der anderen nicht.


Ähnliche Artikel:

Tags: , ,

17 Responses to Ein Schlüssel zu mehr Integration: Religion als Pflichtfach

  1. Jan on 3. September 2010 at 18:02

    Meine These dazu: Der Glaube ist das kleinste Problem in der Integration. Entscheidender sind Sprachprobleme und damit verbundene schlechte Bildung, was alle anderen Probleme nach sich zieht. Woran jemand glaubt ist scheissegal.

    • Christian Soeder on 3. September 2010 at 18:12

      Quasi eine Gegenthese. :-) Glaube ist nicht das Hauptproblem, stimmt. Deshalb ja auch „ein Schlüssel” und nicht „der Schlüssel”.

      • Lasse on 4. September 2010 at 14:08

        An meiner Schule entstehen Integrationsprobleme durch Glaubensfragen zwischen Muslimen und Katholiken.

        So ganz ist der Glauebn oder vielmehr die Religion nicht von der Hand zu weisen.

  2. Alex on 3. September 2010 at 18:12

    Zu These 1: Glaube ich nicht.
    Deutschsprachiger muslimischer Religionsunterricht ist ja an sichnichts Neues.
    Ich stelle hier eine Gegenthese auf: In Berlin sind die Zukunftsperspektiven von Zuwandererfamilien per se schlechter, weil die Stadt ärmer ist und die Perspektiven VON ALLEN Berlinern schlechter ist. Wenn sich schon hochqualifizierte Akademiker massenweise mit schlechtbezahlten Jobs arrangieren müssen, wird der Wettkampf um eben diese Jobs für die Schlechterqualifizierten noch härter. Der Druck wird indirekt nach unten weitergegeben.
    Daraus resultiert Unzufriedenheit, die sich in Ablehnung des herrschenden Systems ausdrückt. Sei es „Deutschland”, sei es „die Scheißdemokratie” oder „das Scheißsystem”.
    Bei Migranten nennt man das schlechte Integration, bei Deutschen nennt man das eine verstärkte Anfälligkeit für rechts– oder linksradikale Propaganda.

    These 2 könnte ich mir vorstellen. Und zusätzlich im Umkehrschluss bestätigen: Als Christ werde ich von Muslimen deutlich besser akzeptiert als Atheisten. „Der hat wenigstens einen Glauben, einen Gott.„
    Ach ja, streich „Sozialdemokraten” und ersetze es durch „Menschen”. Ich denke, das ist ein übergreifendes Phänomen.

    • Christian Soeder on 3. September 2010 at 18:22

      Klar, die schlechten Zukunftsaussichten kommen hinzu. Aber das ist ja weniger eine Gegenthese, sondern eher eine Ergänzung.

      Und ja, natürlich kann man „Sozialdemokraten” durch „Menschen” ersetzen. Ich schreibe hier halt doch eher mit Sozibrille.

      • Alex on 3. September 2010 at 18:29

        Nein, nicht Ergänzung, sondern Ersatz wegen Überlagerung.
        Ich denke, die Ausnahmebedingungen der letzten 20 Jahre in Berlin (Siehe auch meinen Nachschlag) wirken deutlich stärker als die Frage, ob es seit kurzem deutschsprachigen Religionsunterricht gibt.
        Daher bietet sich Berlin nicht als Beispiel für diese These an.
        Wie wäre es mit Bremen? Hat m.W. auch keinen Religionsunterricht, aber die anderen Randbedingungen spielen nicht in dem Maße als „Störungen” hinein.

        PS: Kurzer Werbeblock für meinen späten Kommentar zu „Sarrazin, Ausschluss oder nicht”. ;-)

    • Alex on 3. September 2010 at 18:25

      Nachschlag zur ersten These: Die Berliner Türken waren noch stärker Wendeverlierer als irgendwo anders. Sie hatten die Konkurrenz durch Ostdeutsche sowohl auf dem Jobmarkt als auch in der Politik viel stärker ertragen müssen als sonst irgendwo, denn viele Ostberliner und Brandenburger haben einen Job in Westberlin gesucht und Türken verdrängt.
      Es ist ein Zeichen geglückter Integrationspolitik oder eines sehr starken Solidargefüges in der türkischen Subkultur, dass sich dieser Frust nicht analog zu Paris in Riesenrandalen entladen hat.
      Neukölln interessiert uns erst wieder seit 2 Jahren, die 20 Jahre zuvor musste es sich hinter Marzahn und Hellersdorf anstellen.

  3. Kai on 3. September 2010 at 18:20

    Wer keinen eigenen Glauben besitzt, versteht den Glauben der anderen nicht.”

    Ah ja. Kurze Frage: Und? Wozu genau muss ich den Glauben eines Menschen verstehen?

  4. Benedikt on 3. September 2010 at 18:35

    Ich halte nichts von militantem Atheismus, aber die Anfeindungen gegenüber Religionen kommen meistens aus den „Lagern” der Konfessionen und Religionen. Lieber ein undifferenzierter Atheismus als undifferenzierte Religiösität.

    • Christian Soeder on 3. September 2010 at 18:40

      Komisch, dass ich da eine so andere Wahrnehmung habe. Wer sind denn die großen Islam-Kritiker in Deutschland? Die Kirchen? Ganz im Gegenteil. Worauf stützt Du also Deine Meinung? (Broder ist übrigens Atheist.)

      • Benedikt on 3. September 2010 at 19:59

        Naja, am lautesten nehme ich die Kritik von konservativer Seite wahr, und CSU und Konsorten stecke ich da halt einfach mal in ein „Lager”.
        Was die Kirchen angeht, hast du weitestgehend recht, vergiss aber nicht diverse Papst-Ansprachen und den ganzen Mist aus den USA.

      • Linksman on 4. September 2010 at 15:53

        Broder wedelt oft genug mit seinem Jüdischsein herum. Kritik an ihm brandmarkt er als „Antisemitismus”, nicht als „Anti-Atheismus”.
        Die stimmberechtigte Bevölkerung Berlins hat sich übrigens vor einem Jahr mit großer Mehrheit (inklusiver meiner Stimme) gegen Religion als Pflichtfach entschieden (Mir selbst war die Abstimmung zunächst egal, aber als die Amtskirchen die Lüge verbreiteten, in Berlin gebe es keine Religionsfreiheit, gab ich denn doch mein Kreuzchen ab…).

        • Christian Soeder on 4. September 2010 at 17:10

          Judentum ist mehr als Religion. Vorsicht.

          • Linksman on 5. September 2010 at 05:34

            Ist Hinduismus weniger als Religion — Anteil so bei 90 %? Liegt der perfekte Protestantismus knapp über oder doch unter der Reli-Messlatte (mit oder ohne Verzichtsethik — gnihihi?!)?
            Ist religiöse Plansoll-Erfüllung jetzt sozialdemokratisch?
            Erklimmen die Zeugen Jehovas die Fünf-Prozent-Hürde?
            Bekommen die Zyentologen die Wahlkampfkosten-Erstattung?
            Und wer legt das alles fest — Münte („schönstes Amt neben Papst”)?
            ;-)

  5. Christian Soeder on 3. September 2010 at 18:44
  6. der_gute_don on 4. September 2010 at 18:47

    Ich stimme Dir zu, in These zwei würde ich allerdings relativieren und das Wort „nicht” durch „weniger” ersetzen.

    • Christian Soeder on 4. September 2010 at 18:50

      Dann ist sie aber nicht mehr so schön griffig. ;-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Wir sind dabei

re:publica 12

Facebook

Switch to our mobile site