Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.
Martin Niemöller


Christian, falls dich mal die Nazis holen sollten, kannst du dir meiner Unterstützung sicher sein.
Ansonsten aber ist 2010 nicht 1933; ich find’s ehrlich gesagt albern, wegen einer Popel-Diskussion (du hast das sicher mit Sarrazin im Hinterkopf geschrieben) gleich ein riesen Fass aufzumachen (oder: Panik zu machen).
Die Nazis in Deutschland, die tatsächlich als Propagandisten taugen würden, kann man an einer Hand abzählen, der Rest ist ein Haufen versoffener Vollidioten (die nur aus Dresche lernen), die man wirklich nicht zu ernst nehmen sollte, sorry…
Es gibt da andere politische Strömungen, die m.E. wesentlich schneller zum Totalitarismus führen könnten, weil sie dem Zeitgeist entsprechen, genau wie die Nazis in den 30ern.
@FA:
na, kleiner Aufguß mit Totalitarismustheorie?
Du bist so langweilig :-(
Und die Verniedlichung der tödlichen Auswirkungen des gewalttätigen Wirkens der Neonazis mit mehr als hundert Toten (wohlgemerkt– seit 1990)- darunter Menschen mit und ohne dt. Paß– ist schon etwas anrüchig und läßt Deinen ersten Satz schal wirken– im Zweifel würdest Du es gar nicht mitbekommen (wollen), wenn es einzweit „‚33″ gäbe.
Im Gründe auch nicht Deine Baustelle– oder?
„Es gibt da andere politische Strömungen, die m.E. wesentlich schneller zum Totalitarismus führen könnten, weil sie dem Zeitgeist entsprechen,…”
Könntest du das erläutern, bitte?
Totalitarismus entsteht aus kollektivistischer Politik. Rechtsextreme kollektivistische Politik (vulgo: Nazis) sind zur Zeit nicht „in”. Linsextreme kollektivistische Politik dagegen scheint dem Zeitgeist eher zu entsprechen. Ich vermute, dass das gemeint wurde ;).
Wie definierst du denn kollektivistische Politik? Wenn du damit die Entstehung einer iNteressensgruppe meinst, dann sei versichert, dass wir hier auch eine koll. Politik erleben und wenn du auf Umverteilung des Eigentums abziehlst, dann muss ich dir sagen, dass im 3. Reich jene stattfand, wie sie heute in umkämpften Gebieten üblich ist.
Dein zweiter Punkt ist, der aufstößt, ist der Begriff „extrem(-ismus)”. Du definierst durch Abweichung von der jetzigen Politik und damit stellst du dich doch jedem Fortschritt entgegen, wenn du eine Entwicklung sofort als negativ polarisierst, weil sie abweicht vom jetzigen Gesellschaftsbild. Losgelöst vom Rechts-Links-Spektrum stelst du dich also auch jedem weiteren andersgearteten Fortschritt in den Weg, folglich scheint mir, dass du das Grundkonzept des Konservativismus nicht ganz erfasst, denn es benennt als wichtigsten Aspekt di Bewahrung nur der richtigen Werte der Vergangenheit und nicht die willkürliche Reaktion.
„Wie definierst du denn kollektivistische Politik?”
Kollektivistische Politik ist Politik, die von der Vorstellung geleitet ist, dass es ein kollektives Ziel, eine kollektive Meinung, einen kollektiven Wunsch gäbe. Beispiel: Ein Wirtschaftslenker in der DDR stellt einen Plan auf, in der alle Wirtschaftsaktivitäten aller Menschen in der DDR definiert werden. Derjenige, der den Plan aufstellt, muss davon ausgehen, ein gemeinsames, kollektives Ziel aller Menschen zu kennen.
Zu deinem zweiten Ansatz: Ich verstehe nicht ganz, was du mir sagen willst. Nur soviel: Von Rechts-Links-Schema halte ich eigentlich relativ wenig. Es ist sicherlich tauglich um grobe Kategorisierungen vorzunehmen und in der täglichen politischen Debatte zu argumentieren. Aber sobald man Politik etwas genauer betrachtet, ist es eigentlich unzureichend. Ist jemand, der für freien Markt und Homo-Ehe gleichzeitig ist ein „Linker” oder ein „Rechter”? Ist jemand, der Planwirtschaft will und „Ausländer raus!” ein „Linker” oder ein „Rechter”? Schwierige Fragen. Hier kommt man mit „links” und „rechts” sehr schnell an die Grenzen.
Zum Extremismus: Extremismus bedeutet für mich, Politik auszuüben, die sich außerhalb des Grundgesetzes bewegt und zudem Gewalt als Mittel der Durchsetzung nicht ausschließt. Das sagt erstmal nichts darüber aus, ob extremistische Politik „gut” ist oder nicht. Es ist keine normative, sondern eine faktische Einordnung. Von Blickwinkel des 18. Jahrhunderts aus wäre soetwas wie ein Frauenwahlrecht auch extremistisch. Aus heutiger Sicht dagegen wäre die Ablehnung eines Frauenwahlrechts extremistisch. Was „extremistisch” ist, ist also nicht fix, sondern hängt vom Zeitgeist ab.
Und was du aufeinmal mit Konservatismus willst, verstehe ich nicht…
„Christian, falls dich mal die Nazis holen sollten, kannst du dir meiner Unterstützung sicher sein.”
Puh, eine Erleichterung. :)
Nebenbei bemerkt:
Ich glaube die Tatsache, dass die EU sich immer mehr Kompetenzen anmaßt und nur noch Verordnungen erlässt, über die national nicht abgestimmt werden kann, wird wohl in den nächsten Jahren dazu führen, dass nationalistische Parteien in Europa an Einfluss gewinnen werden.
Man muss kein Prophet sein, um das zu sehen, der Unmut steigt überall…
Als sie den S. rausgeschmissen haben hat Christian geschwiegen, weil er den sowieso blöde fand.
Und als dann Rausschmeißen wg. Wahrnehmen von Bürgerrechten allgemein üblich wurde, haben die anderen bei Christians Rausschmiß geschwiegen — sie wollten ja ihren Job behalten.
Nun, wenn Du das so siehst, dann musst Du dafür eintreten, das Beamtenrecht abzuschaffen. Denn als Beamter gibt man einen Teil der Bürgerrechte ab, man hat eine eingeschränkte Meinungsfreiheit. Ein Beispiel: Wenn sich Lehrer gegen die Schulpolitik ihrer Minister stellen, bekommen sie eins auf den Deckel und möglicherweise ein Disziplinarverfahren.
Ebenso wird ein Staatssekretär entlassen, wenn er seinem Minister widerspricht — das ist doch völlig klar. Ein Polizist oder Richter wird das Strafgesetzbuch auch nicht grundlegend infrage stellen können.
Den politischen bzw. administrativen Bereich kann man mit der freien Wirtschaft eben nicht so einfach vergleichen.
Sarrazin ist aber kein Beamter, das darf man nicht übersehen. Deswegen wurde das Dienstverhältnis der Bundesbankvorstände so ausgestaltet, dass sie ein Höchstmaß an persönlicher Unabhängigkeit besitzen sollen, vergleichbar mit der richterlichen Unabhängigkeit oder der von Angehörigen eines Rechnungshofs.
Was man Sarrazin vorwirft, bezieht sich nicht auf seine berufliche Tätigkeit. Er hat seine Dienstgeschäft immer einwandfrei erledigt. Sein Buch, so kontrovers es ist, ist dem Vernehmen nach frei von Parteipolitik.
Eine Verfehlung wäre es gewesen, wenn er Insider Trading gemacht hätte oder wenn er in einem Interview gesagt hätte, die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank sind alle unfähig und überbezahlt. Das hätte jeweils mit seiner Tätigkeit als Bundesbankvorstand tun und würde die Institution Bundesbank schädigen.
Wie zu lesen war, hatte Sarrazin das Manuskript seines Buches extra von Juristen prüfen lassen, ob dienstliche Belange beeinträchtigt sind.
P. S.:
Auskunft der Buchhandlung heute: Lieferzeit ca. 14 Tage.
Sarrazin steht seit 35 Jahren im Staatsdienst. Wenn der „gute Ratschläge” an Hatz-IV-Empfänger oder prekär Beschäftigte absondert, dann erinnert er zwangsläufig an die TV-Comedyfigur „Dittsche” (Olli Dittrich im versifften Bademantel), der mittels Viertelwissen und Halbverstandenem aus Bild, RTL und Glotze abstruseste Theorien („Weltidee”) aufstellt und dafür nur Kopfschütteln und mitleidiges Schulterklopfen erhält.
Ich finde es auch falsch, Sarrazin rauszuwerfen. So schafft man doch nur Märtyrer.
Allerdings war es auch schon saublöd, ihm überhaupt noch mal einen Spitzenposten zu geben, nachdem er als Finanzsenator in Berlin ja schon gezeigt hat, dass er zu gefährlicher Polemik neigt.
> Denn als Beamter gibt man einen Teil der Bürgerrechte
> ab, man hat eine eingeschränkte Meinungsfreiheit
wobei es noch zwischen politisch besetzten Ämtern und nicht-politisch besetzten Ämtern zu unterscheiden gilt. Ein Lehrer ist nicht aufgrund seiner politischen Orientierung eingestellt worden, ein großteil der Staatssekretäre hingegen schon.
Die Randbemerkungs sei bitte erlaubt, daß unter rot-grün die politisch besetzten Sekretärposten eine Ebene weiter in die Operative geschoben wurde.