Pressemitteilung der Deutschen Bundesbank:
Der Vorstand der Deutschen Bundesbank hat heute einstimmig beschlossen, beim Bundespräsidenten die Abberufung von Dr. Thilo Sarrazin als Mitglied des Vorstandes zu beantragen. Der „Corporate Governance“-Beauftragte der Deutschen Bundesbank, Professor Dr. Uwe Schneider, unterstützt diesen Antrag uneingeschränkt.
Gute Entscheidung, aber „einstimmig” kann sie ja wohl nicht gewesen sein; oder hat Thilo Sarrazin etwa zugestimmt?


Hat der Betroffene da überhaupt ein Stimmrecht?
Weiß ich nicht. Ist jedenfalls eine seltsame Formulierung.
Ein neues Detail zu den Vorgängen in der letzten Woche wurde heute bekannt.
Danach hatte man Sarrazin für den Fall, dass er freiwillig zurücktritt, ein finanzielles Versorgungspaket angeboten, dass ihn so gestellt hätte, als wäre er bis zum Ende seiner regulären Amtszeit (30. April 2014) tätig. Mit anderen Worten: Man hätte ihm sein volles Gehalt weiter gezahlt. Das ist ein ganz schöner Batzen Geld…
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/der-fall-sarrazin-wie-feuert-man-einen-bundesbank-vorstand;2649438
Wulff hatte heute morgen ja schon angedeutet, dass er dem Antrag auf Entlassung von Sarrazin entsprechen wird (bevor der Vorstand überhaupt seinen Beschluss gefasst hat).
Jetzt geht das große Kino erst los: Man stelle sich vor, Sarrazin sucht einstweiligen Rechtsschutz — und erhält ihn (was Arbeitsrechtler durchaus für möglich halten). Und dann das Verfahren zur Hauptsache.
Weiter geht es mit dem Parteiordnungsverfahren bei der SPD. Und wenn Sarrazin aus der Partei ausgeschlossen wird, evtl. die Klage dagegen (zuständig ist übrigens das Landgericht Berlin).
Ich bin mal gespannt, wie sich die Verkaufszahlen des Buchs in den nächsten Monaten entwickeln werden.
„Der Vorstand der Notenbank hat in Abwesenheit Sarrazins einstimmig beschlossen, bei Bundespräsident Christian Wulff die Abberufung als Mitglied des Vorstands zu beantragen.”
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/abberufung-verlangt-bundesbank-laesst-sarrazin-rauswerfen;2647745
Achso, in Abwesenheit. Na dann. :-D
Wollte gerade sagen: Er könnte ja abwesend gewesen sein. Zuviele Fernsehauftritte. Das hat er doch sicher gewusst, dass die ihn feuern.
Warum sollte er da auch anwesend sein?
Das ist eine politische Entscheidung und keine sachbezogene Personalpolitik.
Und sie wird wahrscheinlich juristisch geklärt, wie immer, wenn sich Arbeitgeber in das außerbetriebliche Leben ihrer Angestellten einmischen.
Das Ergebnis der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht ist ziemlich gut vorhersagbar: Hohe Abfindung gegen Aufrechterhaltung der Kündigung (gestörtes Vertrauensverhältnis).
Was mich mal interessieren würde: Wenn Angestellte gefeuert werden, weil sie stehlen, betrügen, faulenzen oder sabotieren, stellt sich doch Verdi sofort auf die Seite der Gefeuerten.
Wo steht Verdi, wenn einer gefeuert wird, weil er sich außerbetrieblich politisch engagiert? :D
@cali:
im Falle von Neonazis wird es von Gewerkschaftern begrüßt, dass diese aus dem jeweiligen Arbeitsverhältnis entfernt werden, da sie sich im Normalfall nicht unauffällig verhalten– salopp gesagt, den Grundsatz „Dienst ist Dienst– und Schnaps ist Schnaps”- nicht beherzigen– im Extremfall KollegInnen drangsalieren [„mobben”], weil sie nicht in ihr menschenfeindliches Weltbild passen).
Aber für jemanden ohne Wissen über die Geschichte (der Gewerkschaften) ist sowas erst recht ein Aufreger … oder war Ihre Frage ganz anders gemeint?
Vielleicht „nur” gewerkschaftsfeindlich?
Und– nein, Sarrazin würde sich mit den „Saufbrüdern” wahrscheinlich nie verbrüdern– siehe
er benutzt sie lieber indirekt:
„Auf der Straße Knüppel und Blut
bei Mami bieder und lieb
stark nur in der Meute
eng im Weltbild, hart im Schritt
Geilen sich auf, an den Gehetzten
wollen die Angst im Auge seh’n
hart rasiert, auf harten Sohlen,
brutal im Austeilen, feige im Nehmen
Hart im Hirn, weich in der Birne
ohne Halt, einfältig und klein
auf der Suche nach einem Führer
es ist hart, allein beschränkt zu sein
Egal, ob Mensch im Rollstuhl
Asylant, Obdachloser im Park
alle Mann auf Einen
Hauptsache, wehrlos und schwach
Stellen sich den Kampfhund zur Seite
werten sich auf mit seinem Zahn
verstecken krampfhaft ihre Panik
rassischer Verfolgungswahn
Hart im Hirn, weich in der Birne
ohne Halt, einfältig und klein
auf der Suche nach einem Führer
es ist hart, allein beschränkt zu sein
Hämmern sich Parolen in die Schädel
fest die Ordnung, hart die Zucht
kernige Männerkameradschaft
vor sich selber auf der Flucht
Hart im Hirn, weich in der Birne
ohne Halt, einfältig und klein
auf der Suche nach einem Führer
es ist hart, allein beschränkt zu sein
Angeschoben als Kampfmaschine
der Mob zeigt schamlos seine Lust
im Hintergrund die Schreibtischriege
werden sie als Schlamm in der Schlacht benutzt
Hart im Hirn, weich in der Birne
ohne Halt, einfältig und klein
auf der Suche nach einem Führer
es ist hart, allein beschränkt zu sein
Hart im Hirn, weich in der Birne
einfältig und klein
auf der Suche nach einem Führer
es ist hart, allein beschränkt zu sein”
Der Sabberreflex funktioniert also. Aber seit wann ist denn Sarrazin ein Neonazi? Oder haben wir da mal wieder das Thema verfehlt? :D
Ich find’s nur noch saukomisch, die ganze Hysterie.
@cali:
Lesen ist die Grundlage von Verstehen. Anscheinend haben das nicht alle in „Zonistanien” so lernen können oder wollen, denn ich habe nie behauptet, dass Hr. S. ein (Neo-)Nazi wäre. Womit auch die Reflex-Frage geklärt ist und die Frage, ob alle ehem. Einwohner der DDR im Durchschnitt schlauer sind als „Wessis”.
> Gute Entscheidung, aber „einstimmig” kann sie ja wohl nicht gewesen sein;
> oder hat Thilo Sarrazin etwa zugestimmt?
Hmm. Warum eine gute Entscheidung?
Ist der Job als Bundesbanker ein politisches Amt?
Oder hat er in diesem versagt?
An dieser Stelle bin ich sehr zwiegespalten.
Natürlich ist das ein politisches Amt, auch wenn die Bundesbank eigentlich unabhängig sein sollte. (Wäre sie tatsächlich unabhängig, hätte man ihre Kompetenz nicht einfach an die EZB verschieben könen.)
Das Problem mit den Beißreflexen um Sarazin ist, daß all die eitlen Berufsempörten es einfach nicht schaffen, ihn mal ‚ne Weile zu ignorieren.
Und das Problem mit Sarrazin ist, daß er das weiß und trotzdem nachlegt, obwohl er als Bundesbanker eigentlich dezent im Hintergrund bleiben sollte.
Bei einem derartigen Affentanz, wie ihn die politische Oberschicht und weite Teile des Meinungmacherjournalismus derzeit aufführen, mußte die Bundesbank ihn feuern. Soviel politischem und medialem Druck kann sich kein Arbeitgeber der Welt entgegenstellen.
Und da sind wir dann bei den Arbeitnehmerrechten, der Meinungsfreiheit und was sie den Roten wert sind…
Wie schön waren doch die Zeiten, in denen Nazikollaborateuren zur Arbeit geschickt wurden, statt von dieser abberufen zu werden, um dann die gleichen Bezüge zu erhalten.
In Politbüro-ähnlichen Strukturen gibt es immer einstimmige Entscheidungen.
Und nach der Entscheidung haben sie brav bei Merkel angerufen und Befehlsausführung gemeldet.
Zum Abschluß haben dann alle gesungen: „Die Partei, die Partei, die hat immer recht!”
Ach, tu mal nicht so naiv. :)
Welches politische Konzept vertrittst du nochmal?
DDR-Vergleiche gehören eigentlich zu progressivem Kommunismus, statt zur kleinbürgerlichen Medienkritik.
@Lasse:
Du verstehst das noch nicht–
für cali, RA, DGD usw. gilt
„DDR” ima schläscht–
andäräß imma gutt.
Habe doch Mitleid mit diesem geistig (ver)arm/t(en, verklärten Schwarz-Weiß„Denken”. Sie könnten auch Ceausescu’s letzte Gurken-Truppe geben, keine/r würde den Unterschied merken (können).
Mich verwirrt das Kürzel „R.A.”. Und gerade diese Argumentation, die die Bundesbank aussehen lässt, wie die erstarrte DDR-Regierung, bin ich sonst nur von Linkskommunisten gewöhnt.
@NS
Aus der Tatsache, das die DDR mit ihrem sozialistischen Unrechtsregime viel Leid über die Menschen gebracht hat, zu unterstellen „cali, RA, DGD” würden daraus abzuleiten, „andäräß imma gutt” (sic!) ist schlichtweg unwahr.
Nehme an einen Beweis für Deine Unterstellungen bleibst Du wie immer schuldig.
Das ausgerechnet Du anderen eine eingeschränkte Sichtweise vorwirfst ist der abrundende Treppenwitz.
Ob man Deinen Satz „andäräß imma gutt” als Ausländer imitierende Aussage zu werten hat — keine Ahnung, sinnfrei auch das allemal.