Einstimmig

2. September 2010
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Pressemitteilung der Deutschen Bundesbank:

Der Vorstand der Deutschen Bundesbank hat heute einstimmig beschlossen, beim Bundespräsidenten die Abberufung von Dr. Thilo Sarrazin als Mitglied des Vorstandes zu beantragen. Der „Corporate Governance“-Beauftragte der Deutschen Bundesbank, Professor Dr. Uwe Schneider, unterstützt diesen Antrag uneingeschränkt.

Gute Entscheidung, aber „einstimmig” kann sie ja wohl nicht gewesen sein; oder hat Thilo Sarrazin etwa zugestimmt?


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20 Responses to Einstimmig

  1. Kiri on 2. September 2010 at 17:28

    Hat der Betroffene da überhaupt ein Stimmrecht?

    • Christian Soeder on 2. September 2010 at 17:29

      Weiß ich nicht. Ist jedenfalls eine seltsame Formulierung.

  2. Nörgler on 2. September 2010 at 17:32

    Wulff hatte heute morgen ja schon angedeutet, dass er dem Antrag auf Entlassung von Sarrazin entsprechen wird (bevor der Vorstand überhaupt seinen Beschluss gefasst hat).

    Jetzt geht das große Kino erst los: Man stelle sich vor, Sarrazin sucht einstweiligen Rechtsschutz — und erhält ihn (was Arbeitsrechtler durchaus für möglich halten). Und dann das Verfahren zur Hauptsache.

    Weiter geht es mit dem Parteiordnungsverfahren bei der SPD. Und wenn Sarrazin aus der Partei ausgeschlossen wird, evtl. die Klage dagegen (zuständig ist übrigens das Landgericht Berlin).

    Ich bin mal gespannt, wie sich die Verkaufszahlen des Buchs in den nächsten Monaten entwickeln werden.

  3. Christian Soeder on 2. September 2010 at 17:35

    Der Vorstand der Notenbank hat in Abwesenheit Sarrazins einstimmig beschlossen, bei Bundespräsident Christian Wulff die Abberufung als Mitglied des Vorstands zu beantragen.”

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/abberufung-verlangt-bundesbank-laesst-sarrazin-rauswerfen;2647745

    Achso, in Abwesenheit. Na dann. :-D

  4. Karsten on 2. September 2010 at 18:28

    Wollte gerade sagen: Er könnte ja abwesend gewesen sein. Zuviele Fernsehauftritte. Das hat er doch sicher gewusst, dass die ihn feuern.

  5. califax on 3. September 2010 at 10:48

    Warum sollte er da auch anwesend sein?
    Das ist eine politische Entscheidung und keine sachbezogene Personalpolitik.
    Und sie wird wahrscheinlich juristisch geklärt, wie immer, wenn sich Arbeitgeber in das außerbetriebliche Leben ihrer Angestellten einmischen.
    Das Ergebnis der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht ist ziemlich gut vorhersagbar: Hohe Abfindung gegen Aufrechterhaltung der Kündigung (gestörtes Vertrauensverhältnis).

  6. califax on 3. September 2010 at 11:12

    Was mich mal interessieren würde: Wenn Angestellte gefeuert werden, weil sie stehlen, betrügen, faulenzen oder sabotieren, stellt sich doch Verdi sofort auf die Seite der Gefeuerten.
    Wo steht Verdi, wenn einer gefeuert wird, weil er sich außerbetrieblich politisch engagiert? :D

    • Nordstadt @PLI on 3. September 2010 at 14:36

      @cali:
      im Falle von Neonazis wird es von Gewerkschaftern begrüßt, dass diese aus dem jeweiligen Arbeitsverhältnis entfernt werden, da sie sich im Normalfall nicht unauffällig verhalten– salopp gesagt, den Grundsatz „Dienst ist Dienst– und Schnaps ist Schnaps”- nicht beherzigen– im Extremfall KollegInnen drangsalieren [„mobben”], weil sie nicht in ihr menschenfeindliches Weltbild passen).

      Aber für jemanden ohne Wissen über die Geschichte (der Gewerkschaften) ist sowas erst recht ein Aufreger … oder war Ihre Frage ganz anders gemeint?
      Vielleicht „nur” gewerkschaftsfeindlich?

      Und– nein, Sarrazin würde sich mit den „Saufbrüdern” wahrscheinlich nie verbrüdern– siehe

      er benutzt sie lieber indirekt:
      „Auf der Straße Knüppel und Blut
      bei Mami bieder und lieb
      stark nur in der Meute
      eng im Weltbild, hart im Schritt

      Geilen sich auf, an den Gehetzten
      wollen die Angst im Auge seh’n
      hart rasiert, auf harten Sohlen,
      brutal im Austeilen, feige im Nehmen

      Hart im Hirn, weich in der Birne
      ohne Halt, einfältig und klein
      auf der Suche nach einem Führer
      es ist hart, allein beschränkt zu sein

      Egal, ob Mensch im Rollstuhl
      Asylant, Obdachloser im Park
      alle Mann auf Einen
      Hauptsache, wehrlos und schwach

      Stellen sich den Kampfhund zur Seite
      werten sich auf mit seinem Zahn
      verstecken krampfhaft ihre Panik
      rassischer Verfolgungswahn

      Hart im Hirn, weich in der Birne
      ohne Halt, einfältig und klein
      auf der Suche nach einem Führer
      es ist hart, allein beschränkt zu sein

      Hämmern sich Parolen in die Schädel
      fest die Ordnung, hart die Zucht
      kernige Männerkameradschaft
      vor sich selber auf der Flucht

      Hart im Hirn, weich in der Birne
      ohne Halt, einfältig und klein
      auf der Suche nach einem Führer
      es ist hart, allein beschränkt zu sein

      Angeschoben als Kampfmaschine
      der Mob zeigt schamlos seine Lust
      im Hintergrund die Schreibtischriege
      werden sie als Schlamm in der Schlacht benutzt

      Hart im Hirn, weich in der Birne
      ohne Halt, einfältig und klein
      auf der Suche nach einem Führer
      es ist hart, allein beschränkt zu sein

      Hart im Hirn, weich in der Birne
      einfältig und klein
      auf der Suche nach einem Führer
      es ist hart, allein beschränkt zu sein”

      • califax on 3. September 2010 at 15:01

        Der Sabberreflex funktioniert also. Aber seit wann ist denn Sarrazin ein Neonazi? Oder haben wir da mal wieder das Thema verfehlt? :D

        Ich find’s nur noch saukomisch, die ganze Hysterie.

        • Nordstadt on 3. September 2010 at 19:50

          @cali:
          Lesen ist die Grundlage von Verstehen. Anscheinend haben das nicht alle in „Zonistanien” so lernen können oder wollen, denn ich habe nie behauptet, dass Hr. S. ein (Neo-)Nazi wäre. Womit auch die Reflex-Frage geklärt ist und die Frage, ob alle ehem. Einwohner der DDR im Durchschnitt schlauer sind als „Wessis”.

  7. Alex on 3. September 2010 at 15:29

    > Gute Entscheidung, aber „einstimmig” kann sie ja wohl nicht gewesen sein;
    > oder hat Thilo Sarrazin etwa zugestimmt?

    Hmm. Warum eine gute Entscheidung?
    Ist der Job als Bundesbanker ein politisches Amt?
    Oder hat er in diesem versagt?

    An dieser Stelle bin ich sehr zwiegespalten.

    • califax on 3. September 2010 at 15:39

      Natürlich ist das ein politisches Amt, auch wenn die Bundesbank eigentlich unabhängig sein sollte. (Wäre sie tatsächlich unabhängig, hätte man ihre Kompetenz nicht einfach an die EZB verschieben könen.)
      Das Problem mit den Beißreflexen um Sarazin ist, daß all die eitlen Berufsempörten es einfach nicht schaffen, ihn mal ‚ne Weile zu ignorieren.
      Und das Problem mit Sarrazin ist, daß er das weiß und trotzdem nachlegt, obwohl er als Bundesbanker eigentlich dezent im Hintergrund bleiben sollte.
      Bei einem derartigen Affentanz, wie ihn die politische Oberschicht und weite Teile des Meinungmacherjournalismus derzeit aufführen, mußte die Bundesbank ihn feuern. Soviel politischem und medialem Druck kann sich kein Arbeitgeber der Welt entgegenstellen.

      Und da sind wir dann bei den Arbeitnehmerrechten, der Meinungsfreiheit und was sie den Roten wert sind…

  8. Lasse on 3. September 2010 at 16:45

    Wie schön waren doch die Zeiten, in denen Nazikollaborateuren zur Arbeit geschickt wurden, statt von dieser abberufen zu werden, um dann die gleichen Bezüge zu erhalten.

  9. R.A. on 3. September 2010 at 16:46

    In Politbüro-ähnlichen Strukturen gibt es immer einstimmige Entscheidungen.
    Und nach der Entscheidung haben sie brav bei Merkel angerufen und Befehlsausführung gemeldet.
    Zum Abschluß haben dann alle gesungen: „Die Partei, die Partei, die hat immer recht!”

    • Christian Soeder on 3. September 2010 at 16:49

      Ach, tu mal nicht so naiv. :)

    • Lasse on 3. September 2010 at 16:51

      Welches politische Konzept vertrittst du nochmal?
      DDR-Vergleiche gehören eigentlich zu progressivem Kommunismus, statt zur kleinbürgerlichen Medienkritik.

      • Nordstadt on 3. September 2010 at 19:55

        @Lasse:
        Du verstehst das noch nicht–
        für cali, RA, DGD usw. gilt
        DDR” ima schläscht–
        andäräß imma gutt.
        Habe doch Mitleid mit diesem geistig (ver)arm/t(en, verklärten Schwarz-Weiß„Denken”. Sie könnten auch Ceausescu’s letzte Gurken-Truppe geben, keine/r würde den Unterschied merken (können).

        • Lasse on 4. September 2010 at 12:40

          Mich verwirrt das Kürzel „R.A.”. Und gerade diese Argumentation, die die Bundesbank aussehen lässt, wie die erstarrte DDR-Regierung, bin ich sonst nur von Linkskommunisten gewöhnt.

        • der_gute_don on 6. September 2010 at 15:38

          @NS
          Aus der Tatsache, das die DDR mit ihrem sozialistischen Unrechtsregime viel Leid über die Menschen gebracht hat, zu unterstellen „cali, RA, DGD” würden daraus abzuleiten, „andäräß imma gutt” (sic!) ist schlichtweg unwahr.

          Nehme an einen Beweis für Deine Unterstellungen bleibst Du wie immer schuldig.
          Das ausgerechnet Du anderen eine eingeschränkte Sichtweise vorwirfst ist der abrundende Treppenwitz.

          Ob man Deinen Satz „andäräß imma gutt” als Ausländer imitierende Aussage zu werten hat — keine Ahnung, sinnfrei auch das allemal.

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