Sarrazin: Ratio ist nicht alles

30. August 2010
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Die Sarrazin-Verteidiger sagen ja gerne: er argumentiere so stringent, so kühl. Und seine Gegner hingegen, die seien doch gar zu emotional, Fakten oder vermeintliche Fakten würden nicht gesehen. Man müsse über alles wissenschaftlich reden, ökonomisch rangehen, die Fakten genau betrachten, Fakten und Tatsachen können schließlich nicht schmerzen, und wenn sich jemand davon verletzt fühlt, naja — Pech. Die „Gutmenschen” sind eben gar zu simpel.

Alles Unfug. Ratio ist nicht alles.

Wer Menschen rein nach ihrem ökonomischen Nutzen bewertet, der verabschiedet sich von Demokratie und Aufklärung. Ein Mensch ist aus sich selbst heraus Mensch, nicht qua Abstammung, Titel, Amt oder Stellung. Ein Mensch ist ein Mensch — ein Mensch.

Sich von diesem Grundkonsens zu verabschieden, das heißt, Tür und Tor weit aufzumachen für die Unmenschen mit dem Rechenschieber, die mit hübschen Zahlen und Tabellen argumentieren, dieser und jener Mensch koste die Gemeinschaft mehr, als sie von ihm zurückbekomme. Die ökonomische Logik darf eine demokratische Gesellschaft nicht vollends durchdringen. Die Sprache verrät das Denken, das Denken verrät den Geist. Wer eine Nützlichkeitsdebatte dieser Schärfe führt, wer die Menschen in „wertvolle Transferzahler” und „wertlose Transferempfänger” unterteilt, der wird am Ende fordern, „unwertes Leben” sei nicht mehr erwünscht, es koste zuviel.

Das Ende sollte bekannt sein.


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19 Responses to Sarrazin: Ratio ist nicht alles

  1. Rayson on 30. August 2010 at 19:06

    Also darf man einige Fakten nicht zur Kenntnis nehmen, weil das sonst automatisch in den Nationalsozialismus führen würde?

    Sorry, ich verstehe den Sinn des Beitrags nicht.

  2. Scrutograph on 30. August 2010 at 19:10

    Einwanderungsländer wie Australien oder Kanada legen Hürden für Einwanderer auf, die offenbar mit ihrer ökonomischen Nützlichkeit zu tun haben. Dennoch gibt es dort keine Vernichtung „lebensunwerten Lebens”. Die unterstellten Konsequenzen von Einwanderungspolitik auf totalitäre Bevölkerungspolitik werden faktisch nicht gezogen.

    Wenn Deutschland allerdings in dieser bisherigen Weise weiter herruntergewirtschaftet wird, weil ökonomische Zusammenhänge ignoriert werden, könnte interner Mord und Totschlag allerdings wieder auf der Tagesordnung stehen.

  3. Kalle Kappner on 30. August 2010 at 19:17

    Sehr wichtige und wertvolle Gedanken, Christian.

    • Lasse on 30. August 2010 at 19:33

      Mein Ironiemeter schlägt an.

      • Kalle Kappner on 30. August 2010 at 20:12

        Dann solltest du es mal neu kalibrieren. Es scheint anscheinend genau das zu messen, was es nicht messen soll.

  4. der_gute_don on 30. August 2010 at 20:03

    Den Beitrag finde ich schlecht.

    Totschweigen führt am Ende zu dem, von dem ich mir sicher bin, daß Du es vermeiden möchtest. Die echten Schachmeister denken nicht nur 12 Züge vorraus.

    • Nordstadt on 30. August 2010 at 20:21

      @DGD:
      die echten Schachmeister schicken andere Menschen nicht ins Gas.

      • der_gute__don on 30. August 2010 at 20:36

        ja nordie schon gut *tätschel* — Dein Beitrag ist natürlich auch –wie immer– sinnfrei und substanzlos. Wenigstens mußte ich mich diesmal nicht durch die Grammatik kämpfen.

        • Nordstadt @PLI on 31. August 2010 at 11:38

          @DGD:
          freut mich, Dich mal nicht überfordert zu haben.

  5. Paul on 30. August 2010 at 21:59

    Diese Ausführungen lassen nur zu, den Sozialstaat komplett einzustampfen.
    Was uns welcher Transfergeldempfänger kostet oder wo wir schön viel auspressen können (ist genauso schlimm der Gedanke! ) spielen dann keine Rolle mehr.

    Hier wird gerade so ein Kollektiv herangezogen, dass mir übel wird. Da freut sich der deutsche Michel am Stammtisch seiner Überlegenheit über den Muselmännern und ärgert sich seines miesen Leben und gibt die Schuld anderen und wie viel besser es doch wäre, wenn die Migranten nicht wären.

    Gerade in Deutschland bin ich vorsichtig. Der Volksgedanke gehört zerstört!

    • Kalle Kappner on 30. August 2010 at 22:19

      Es ist eine uralte und enorm erfolgreiche Taktik: Suche dir ein Feindbild um das Volk zu vereinen und andere bestehende Konflikte innerhalb des Volkes zu verdecken.

    • Christian Soeder on 30. August 2010 at 22:21

      Diese Ausführungen lassen nur zu, den Sozialstaat komplett einzustampfen.”

      Äh … nein.

      • Paul on 30. August 2010 at 22:49

        pardon!
        Das war überzogen und entspricht nicht deinen Ausführungen.

        Aber wenn wir niemanden bei den Transfer und Abgaben einteilen wollen, dann spricht das doch für ein Grundeinkommen, das unabhängig Alter, Rasse, Ehestand, Wohnort, gespartes Einkommen usw. ausgezahlt wird.
        Gleiches gilt für Abgaben und Steuern.

        • Christian Soeder on 30. August 2010 at 23:08

          Ich kann den Gedankengang nicht nachvollziehen.

          • Paul on 31. August 2010 at 00:21

            Sich von diesem Grundkonsens zu verabschieden, das heißt, Tür und Tor weit aufzumachen für die Unmenschen mit dem Rechenschieber, die mit hübschen Zahlen und Tabellen argumentieren, dieser und jener Mensch koste die Gemeinschaft mehr, als sie von ihm zurückbekomme.

            Man teilt Menschen aber ein, wenn man einigen so und so viel an Transfer auszahlt, anderen hingegen nicht. Genauso wie Menschen ökonomisch bei der Abgabenbelastung eingeteilt werden.
            Du findest das doch unmenschlich?!
            Also Abschaffung oder Grundeinkommen, um Rechenschieberei sein zu lassen.

          • Christian Soeder on 31. August 2010 at 00:23

            Nuja. Getrolle brauche ich hier nicht. Bring was inhaltlich Sinnvolles, oder lass es bleiben, danke.

          • Paul on 31. August 2010 at 01:36

            Schade, dass du es gleich als Getrolle abtust.
            Das ist nicht meine Intention und dafür wäre meine Zeit zu Schade.

            Dennoch, du regst dich über Sarrazin auf, weil er Menschen nach der ökonomischen Leistungsfähigkeit einteilt und das bezweifle ich.
            Er nennt ziemlich kühl Fakten und umschreibt sie in einer etwas eigenartigen Art und Weise, wie es ältere Menschen nun mal gerne tun.
            Auf Lösungsvorschläge geht er nur sehr lethargisch ein, da dies nicht Gegenstand des Buches ist und darin hat er seine Leidenschaft nicht gesteckt. Das kann man kritisieren, aber das bringt nichts.
            Klar, ich mag Sarrazin nicht, genauso wie ich seine Gen Bemerkungen abstrus finde, aber wo teilt er weiter Menschen ein?!
            Er macht eine sachgemäße Pauschalisierung und dabei bleibt es.

            Warum darf ich mich nicht aufregen, wenn die SPD mich einteilt? Ob ich Bafög bekomme oder nicht. Dass ich mehr Steuern zahlen muss als mein Nachbar. (ökonomische Abwägung) usw.

            Hier findet definitiv eine Einteilung nach ökonomischen Gesichtspunkten statt und jährlich, wenn nicht gar öfter, wird eine Haushaltsbilanz aufgestellt und der Bund stellt neue Berechnungen auf, die Abgaben und Belastungen enthält = Rechenschieberei!

            Das kann also nicht dein Kritikpunkt an Sarrazin sein, da das sowieso getan wird.

            Deinen ersten Absatz finde ich im Nachhinein eher gravierend. Realität ist wichtig oder willst du sagen, dass man sich was herbeiträumen kann? Du mixt die Begriffe Tatsache und Fakten mit Ökonomie. Du schlussfolgerst, dass man Menschen nicht rein nach ökonomischen Gesichtspunkten einteilen soll, aber woraus schlussfolgerst du das? Ich stimmte dir dort ja ansonsten überein.
            Es wäre besser, wenn du entweder gleich mit der Ökonomie eingeleitet hättest oder bei dem Tatsachen Argument geblieben wärst.

            Ein Mensch ist ein Mensch — ein Mensch.

            Ja, aber man darf sie doch nach ihren Taten bewerten? Wir reden hier von Erwachsenen und nicht von gerade geborenen Individuen.

            die mit hübschen Zahlen und Tabellen argumentieren, dieser und jener Mensch koste die Gemeinschaft mehr, als sie von ihm zurückbekomme.

            Warum kosten sie der Gemeinschaft mehr? Und warum gehöre ich zur Gemeinschaft?
            Das sind erst einmal staatliche Voraussetzungen, unter denen man leben muss. Wenn derjenige, der in diesem Land darunter leben muss, nicht mal Tatsachen nennen darf, wann dann?
            Wenn man zum System gehört, wird man eingeteilt und auf Nützlichkeit von mehreren Ämtern bewertet. Das ist Realität und nicht bestreitbar. Es gibt in jeder Stadt ein riesiges Finanzamt, das sich nur damit beschäftigt. Auch ohne Moslems.

            Ich bezweifele, dass Einwanderer etwas kosten. Je mehr desto besser, das ist meine Devise.
            Aber unter gewissen Umständen (Umverteilung = Einteilung) können gewisse Schichten mehr einnehmen als sie einzahlen. Es sollte aber ein gleiches Recht für alle gelten und ich würde einer bestimmten Gruppe nichts vorenthalten. Dies wäre eine Einteilung. Also wäre es besser, wenn es so bleibt wie es ist und man jeden Migranten an Tag 1 die Staatsbürgerschaft geben sollte, mit allen Rechten und Ansprüchen.

  6. R.A. on 31. August 2010 at 12:08

    > Ratio ist nicht alles.
    Selbstverständlich.
    Aber ohne Ratio ist alles nichts.

    Eine politische Diskussion ohne Ratio ist eine Farce, eine völlig sinnlose Übung.

    > Wer Menschen rein nach ihrem ökonomischen Nutzen bewertet, der verabschiedet
    > sich von Demokratie und Aufklärung.
    Oh wei. Jedes Jahr bewerten die Tarifpartner die Arbeitnehmer nach ihrem ökonomischen Nutzen, dito die Entscheider über die Besoldungstabellen der Beamten. Demokratie und Aufklärung wären dann ja wohl schon seit Gründung der Bundesrepublik am Ende.

    > Unmenschen mit dem Rechenschieber, die mit hübschen Zahlen und Tabellen
    > argumentieren, dieser und jener Mensch koste die Gemeinschaft mehr, als sie von ihm
    > zurückbekomme.
    So etwas auszurechnen ist keine Unmenschlichkeit, sondern notwendigste Basis für jede seriöse politische Arbeit.
    Und dies auszurechnen präjudiziert noch überhaupt nicht, welche Folgerungen man daraus zieht.

    Selbst Gutmenschen sollten z. B. in der Lage sein zu begreifen, daß ein Rentner die Gesellschaft mehr kostet, als er aktuell bringt. Dies festzustellen ist eine Trivialität, kein Unmenschentum.
    Und die normale Schlußfolgerung ist dann NICHT, die Rentner verhungern zu lassen (erst wer das fordert, wäre Unmensch/Nazi/Paria).
    Sondern mögliche Schlußfolgerungen könnten sein, daß eine Gesellschaft nicht nur aus Rentnern bestehen kann, daß man es mathematische Grenzen für das Rentenalter gibt etc.

    • Nordstadt @PLI on 31. August 2010 at 12:16

      @RA:
      ist damit zu rechnen, dass Hr. S. auch noch RentnerInnen „an’s Bein pinkelt”?
      Der Begriff „Gutmensch” zeigt schon, wes (technokratischen) Geistes Du bist. Hoffentlich bist Du nie alt und/ oder krank.

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