Das Menschenbild von Thilo Sarrazin und seine Thesen treffen uns alle und fordern unseren entschiedenen Widerspruch. Unsere freiheitliche Demokratie ermöglicht solche Meinungsäußerungen, sie sind aber im Stil und Inhalt ein Spiel mit den Ängsten und geistige Brandstiftung. Deshalb ist Widerstand und Auseinandersetzung notwendig. Von seinen Positionen sind nicht nur die Migranten betroffen, sein Menschenbild trifft uns alle. Es stellt die Grundlagen unserer humanen Gesellschaft infrage.
Die Basis der Argumentation von Sarrazin ist das Erbgut, eine Reduzierung des Menschen auf seine Biologie. Danach werden sie in erwünschte und unerwünschte, brauchbare und unbrauchbare sortiert. Solches Denken war und ist die Grundlage eugenischer Debatten mit einer eigenen Dynamik, bis hin zu den Euthanasieprogrammen. Als Christen sind wir besonders herausgefordert, solchem Denken entschieden Widerstand zu leisten und die Folgen solcher Werturteile zu benennen.
Die Einlassungen von Herrn Sarrazin sind für die Integration nicht hilfreich sondern sie wirken polarisierend und erschweren damit die Aufgabe. Jeder realistisch denkende Beobachter weiß, dass es gravierende Integrationsprobleme insbesondere bei einem Teil der Migranten muslimischen Glaubens gibt, die aus wenig entwickelten Gegenden kommen. Dies ist kein Tabu, das durch Provokationen erst aufgebrochen werden müsste. Es ist aber unerträglich, durch eine solche Argumentation praktisch alle Muslime zu diffamieren.
Unerträglich ist auch, dass Sarrazin die vom Staat zugewiesene institutionelle Aufgabe als Mitglied des Vorstands der Bundesbank nutzt, um seinen privaten Überzeugungen öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Mit seiner Sprache und seinem Denken ist er ein Wegbereiter rechtspopulistischer und rechtsradikaler Strömungen, wie wir sie in einigen unseren Nachbarländern in Wahlkämpfen, in der Parteienlandschaft und in den Auswirkungen auf die politische Handlungsfähigkeit dieser Demokratien mit Schrecken beobachten.

Dass ein katholischer Funktionär derart intelligentes von sich geben kann… :P
Ich als Protestant bin auch erstaunt! :)
Glück wiederholt nur die üblichen betroffenen Sprechblasen, die die Medienhorde seit Tagen vorgibt. Und natürlich geht auch er nicht inhaltlich auf das Buch ein — dafür müßte er es ja lesen und außerdem noch echte Argumente bringen.
Neu ist nur seine Behauptung, Sarrazin hätte für sein Buch die Möglichkeiten seines Bundesbank-Amts mißbraucht. Das ist wohl schlicht gelogen.
@RA:
Deine Meinung in allen Ehren.
Aber bzgl. des Mißbrauchs seines Amts für die Erzeugung der Publizität– hat Hr. S. sein Buch nicht bei der Bundespresse-Konferenz vorgestellt?
Kann das jede/r einfach so?
Und das S-Bashing ist doch gewollt, um die Auflage zu steigern, reine Krokodilstränen, damit sich Hr. S. als geprügeltes Opfer „einführen” kann.
Um in der politischen Farbenlehre zu bleiben, am besten an*l ;-)
> hat Hr. S. sein Buch nicht bei der Bundespresse-Konferenz vorgestellt?
Die Bundespressekonferenz hat mit der Bundesbank nichts zu tun.
> Kann das jede/r einfach so?
Nein. Aber Ex-Politiker können das regelmäßig — letztlich ist es aber die Entscheidung der Journalisten, wer dort auftreten darf.
> Und das S-Bashing ist doch gewollt, um die Auflage zu steigern, …
Das ist doch lächerlich. Wieso sollten die Sarrazin-Gegner in Medien und Politik ein Interesse daran haben, seine Auflage zu steigern?
@RA:
ok, ein bißchen Nachhilfe in Logik:
ohne Hrn. S. provokante Äußerungen keine/ weniger Buchverkäufe, jetzt klar genug? Und das dümmste „airplay” wie üblich von der „Blöd”.
Das ist die Schulung durch die Scholastik ;-)