Nachdenken über Sarrazin

29. August 2010
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Was mich an Sarrazin am meisten ärgert, das wird mir gerade klar: seine Schlussfolgerungen aus seinen Beobachtungen und Annahmen finde ich zu großen Teilen richtig, nämlich: Kita-Pflicht für alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr, Deutsch-Pflicht, Ganztags– und Gemeinschaftsschulen, alle fördern, die hier leben. Der Schlusssatz im „Welt am Sonntag”-Interview fasst mein Unbehagen zusammen:

Im Bildungsteil meines Buches vertrete ich ein rigides Programm, das bürgerliche Wähler bestimmt für den endgültigen Tod der Familie halten. Aber keiner kann sagen, dass das nicht sozialdemokratisch wäre. Das gleiche gilt für die Armutsbekämpfung. Da entwerfe ich doch genau ein Szenario, das den Arbeitslosen den Einstieg in die Arbeitswelt und sozialen Aufstieg ermöglichen soll. Das ist sehr sozialdemokratisch. Und Sie werden nirgendwo die Forderung finden, irgendjemanden, der schon hier ist, abzuschieben, wie das andere Parteien gelegentlich tun. Im Gegenteil. Ich will alle fördern.

Diese Forderungen sind in der Tat sozialdemokratisch. Aber durch die Wortwahl, den kruden Genetik-Unsinn, die angebliche Prädestination, dafurch werden diese Forderungen kontaminiert.

Ist Sarrazin also ein Teil jener Kraft, die das Gute will, aber das Böse schafft? Im FAZ”-Interview ist zu lesen:

Die Unterstellung, ich hätte irgendwo in diesem Buch behauptet, muslimische Migranten seien aus genetischen Gründen anders, die hat mich schon betroffen gemacht. Es ist eine böswillige Interpretation, die einer, der das Buch mit Verstand liest, dort nicht finden kann. Aber nachdem die Redaktion einer Wochenzeitung zwei Stunden lang vergeblich versucht hat, mich in diese Richtung zu lenken – eine sportliche Leistung von beiden Seiten –, habe ich mir gesagt, ich hätte vielleicht noch stärkere Trennlinien zwischen unterschiedlichen Argumentationssträngen ziehen sollen. Darin sehe ich aber höchstens einen lässlichen didaktischen Mangel.

Sarrazin scheint schlicht und ergreifend nicht zu merken, dass man Aussagen so und so lesen kann. Oder weiß er es und spielt mit dem Feuer? Das wäre schlimm.

Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.

Was will Sarrazin mit dieser Aussage erreichen? Ihm muss doch klar sein, dass er damit auch die letzten Wohlmeinenden gegen sich aufbringen wird? Es ist schlicht und ergreifend nicht richtig, dass alle Juden ein bestimmtes Gen teilen, schließlich ist Konversion zum Judentum für jeden Menschen möglich.

Hätte sich Sarrazin darauf beschränkt, anhand von dieser und jenen Statistik aufzuzeigen, wo die Probleme liegen, die allerdings schon bekannt sind und dann seine Reformvorschläge aufgemacht, dann könnte man darüber sachlich sprechen. Aber wie soll man auf Biologismus, auf Prädestination, auf Teil-Sozialdarwinismus eingehen?

Am Ende vom Tag wird Sarrazin der Integrationsarbeit, dieser gesellschaftlichen Großaufgabe, einen Bärendienst angetan haben. Er ist wohl tatsächlich ein Teil jener Kraft, die das Gute will, aber das Böse schafft.

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49 Responses to Nachdenken über Sarrazin

  1. Nörgler on 29. August 2010 at 18:19

    Die Formulierung „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen” ist so sicherlich nicht haltbar, sie dürfte aber der Interview-Situation geschuldet sein.

    Grundsätzlich spricht Sarrazin aber auch hier Dinge an, die längst Gegenstand einer seriösen wissenschaftlichen Diskussion sind, vgl.:

    http://www.tagesspiegel.de/wissen/abrahams-kinder/1860976.html
    http://www.nytimes.com/2010/06/10/science/10jews.html

    • Christian Soeder on 29. August 2010 at 18:23

      Warum sagt er das dann derart radikal? Die meisten Juden haben sicherlich eine genetische Gemeinsamkeit, dagegen sage ich ja nichts, es wäre auch seltsam, wäre es anders. Er sagt aber „alle”. Warum?

      • Nörgler on 29. August 2010 at 18:44

        Sarrazin gibt in diesen Tagen eine große Anzahl Interviews, da kann einem schonmal eine Formulierung missraten. Zudem sind die interviewenden Journalisten überwiegend feindselig eingestellt und versuchen durch aggressives Fragen einen skandalösen Sound Bite herbeizuführen.

        Hätte er in diesem Zusammenhang lediglich die Basken erwähnt, wäre der Fallout bei weitem nicht so riesig gewesen. Die Wörter Juden und Genetik in einem Satz zu nennen lässt natürlich in Deutschland alle Alarmglocken losgehen.

        Diese Forschungsansätze sind in Deutschland offenbar noch nicht so bekannt; ein Wikipedia-Artikel wie dieser:

        http://en.wikipedia.org/wiki/Genetic_studies_on_Jews

        wurde noch nicht auf Deutsch übersetzt

        • Christian Soeder on 29. August 2010 at 18:53

          Die Wörter Juden und Genetik in einem Satz zu nennen lässt natürlich in Deutschland alle Alarmglocken losgehen.”

          Das muss Sarrazin doch wissen? Wieso bringt er das ohne Not ins Spiel?

          • Karsten on 29. August 2010 at 19:13

            Weil er es weiß. Und sein Buch verkaufen will. Etwas freundlicher: Weil er ein Buch verkaufen will, mit dem er etwas bewegen will. Wer weiß das schon.

          • Christian Soeder on 29. August 2010 at 19:18

            Aber zum Zeitpunkt des „WAMS”-Interviews ist sein Buch bereits ausverkauft …

          • Nörgler on 29. August 2010 at 19:27

            Es war etwas fahrlässig, zugegeben, aber andererseits kann man Sarrazin vielleicht alles mögliche vorwerfen, aber sicher keinen Antisemitismus. Vielleicht hat er zu sehr darauf vertraut, dass niemand in der Öffentlichkeit auf so einen abwegigen Gedanken kommen würde.

            Der Welt-Redakteur fragte danach, ob es so etwas wie „genetische Identität” gebe. Tatsächlich gibt es das, wie man durch die DNA-Analyse heute weiß, aber das muss man einem Publikum, welches sich mit den Hintergründen nicht auskennt, erst noch erklären.

            Und bei Sarrazin wird freilich von den Journalisten jede kleine Formulierung mit der Prämisse interpretiert, etwas anstößiges zu finden, um es dann in die Welt hinauszuposaunen.

            Hier übrigens ein gutes Interview beim Deutschlandfunk:

            http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1259519/

          • Christian Soeder on 29. August 2010 at 20:11

            Ich habe Sarrazin keinen Antisemitismus vorgeworfen …

        • Alex on 29. August 2010 at 23:31

          > Sarrazin gibt in diesen Tagen eine große Anzahl Interviews,
          > da kann einem schonmal eine Formulierung missraten.
          Eine Formulierung an so einem zentralen Punkt?
          Glaube ich schlicht nicht, dazu ist Sarrazin zu erfahren.

      • Karsten on 29. August 2010 at 19:29

        @CS:
        Glaubst Du, dass die erste auch die letzte Auflage sein wird? ;)

        @Nörgler:
        Lustig, dich zu sehen, wie Du Sarrazin (möglicherweise zurecht) in Schutz nimmst. :)

        • Rayson on 29. August 2010 at 19:58

          Der Name „Nörgler” ist nicht markenrechtlich geschützt. Du liest zu wenige rechtsextreme Websites, Karsten. „Zu wenig” im dem Sinn, als dass du diesen Kommentator schon hättest woanders in Aktion erleben dürfen, nicht in einem normativen ;-)

          Interessant ist aber, dass der Nick Extremisten diverser Couleur anzuziehen scheint…

          • Nörgler on 29. August 2010 at 20:38

            @Rayson

            Ich werde bestimmt nicht anfangen, rechtsextreme Seiten zu lesen, nur weil Du da zu Hause bist.

            @
            Christian Soeder

            Wg. Antisemitismu (vgl. Deine Anmerkung oben): Ich bezog mich selbstverständlich nicht auf Dich, ich meinte die Stellungnahmen von Guido Westerwelle und Dieter Graumann.

          • Karsten on 29. August 2010 at 21:09

            @Rayson: Also, ich lese schon so viele extremistische Kommentare, da muss ich nicht auch noch Seiten besuchen, die speziell dafür gemacht sind. :)

            Aber ich gebe zu: Ich hielt ihn für den anderen „Nörgler”, von dem ich öfter mal was lese. Und war irritiert. :)

  2. Lasse on 29. August 2010 at 18:20

    Was will Sarrazin mit dieser Aussage erreichen?„
    Bei der medialen Resoanz würde ich mich langsam fragen, ob er nicht für solche Aussagen bezahlt wird. Klingt nach Verschwörungstheorie, aber wie ich die Politik kenne, könnte das durchaus möglich sein.

  3. […] mich stattdessen der Sozialdemokratie zugewandt habe, habe ich wieder einmal festgestellt, als ich diesen Beitrag von Christian Soeder gelesen habe. Christian schreibt: Was mich an Sarrazin am meisten ärgert, das […]

  4. Mathias on 29. August 2010 at 19:29

    Sarrazin spricht viele Wahrheiten klar und deutlich an und aus!
    Es wäre zu wünschen, dass die Politik sich Gedanken darüber macht, dass Sarrazin in großen Teilen der Bevölkerung sehr wohl verstanden wird und man ihm zustimmt.
    Sicherlich sind einige Aussagen unglücklich formuliert und in ihrer Schärfe zu viel. Er hat zudem nicht mit allen Ansichten recht. — Aber im wesentlichen stimmen ihm etliche Menschen, auch fast alle, die ich persönlich gesprochen habe, zu! — Diese Menschen sind weder rechtsradikal oder ausländerfeindlich, diese Menschen entstammen alle dem Bürgertum und setzen sich aus SPD, CDU, FDP und Grünen Wählerklientel zusammen und äussern: „Endlich mal einer, der die Wahrheit sagt” — Verbunden mit einigem Kopfschütteln über Wortwahlen und vorwiegend dem Wunsch, dass die Politiker insgesamt aufwachen und Themen wie: Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Integration und Migration überdenken! Die Integrationspolitik ist gescheitert, es muss neue Wege gefunden werden, damit geht der überwiegende Teil der Bevölkerung konform.
    Wehe den Parteien, wenn Sarrazin und Clement eine eigene Partei gründen würden!

    • Lasse on 30. August 2010 at 19:41

      Glaubst du wirklich die sozialliberalen Elemente der SPD überwiegen in der Partei? Glaubst du wirklich Sarrazin und Clement würden irgendwen von der SPD mitziehen? Vielleicht solltest dich mal ein wenig mehr mit Geschichte auseinandersetzen las mit deinem Stammtisch.

  5. Klaus-Henning Kluge on 29. August 2010 at 22:38

    Die Causa Sarrazin regt uns alle auf, aber wir haben auch Spaß daran. Wie kann er nur? Er kann eben. Er vergreift sich absichtlich in der Wortwahl, bietet Interpretationsmöglichkeiten. Aber ich muss Sarrazin zum Teil in Schutz nehmen. Zum einen, weil die Medien ihn so an den Pranger stellen und teilweise völlig zusammenhanglos zitieren. Zum anderen aber, weil er mit dieser kruden Mischung durchaus einen Teil der Bevölkerung vertritt. Im Übrigen auch einen Teil sozialdemokratisches Milieu. Das ist es, was ich ernst nehme. Und seine Schlussfolgerung sind ja sozusagen voll und ganz auf Parteilinie. Versucht Sarrazin also hier einen Teil vorurteilsbehafteter Menschen einzufangen? Oder will er einf ach nur provozieren.?

    Für uns in der Kurpfalz wirken solche Aussagen über Muslime ziemlich befremdlich. Die Integration ist bei uns sicher höher. Aber wenn ich die Erfahrungswelt aus Berlin oder anderen Großstädten heranziehe, kann mit Sicherheit ein negativer Eindruck über Migranten entstehen, der sich dann in solchen kruden Erklärungsversuchen niederschlägt.

    Verstehe mich nicht falsch, ich möchte Sarrazin nicht verteidigen vor dem was er selbst verzapft. Ich finde aber, dass ein wenig mehr zuhören angebracht wäre. Und ich würde mich auch nicht an jeder Provokation Sarrazins aufgeilen. Das macht der eben so. Einen Parteiausschluss hielte ich im Übrigen aus mehreren Gründen für falsch.

    • Christian Soeder on 29. August 2010 at 22:45

      Vermutlich ist ein Parteiausschluss rechtlich gar nicht möglich. Da setzt das Parteiengesetz ziemlich hohe Hürden.

      Deinem Kommentar kann ich aber nicht wirklich zustimmen. Sarrazin ist Profi. Er kennt die Medien. Er weiß, wie sie funktionieren. Vor allem, da das nicht sein Erstkontakt mit den Medien ist. Ergo muss man ihn nicht verteidigen. Das kann er alleine.

      • Christian Soeder on 29. August 2010 at 22:46

        PS: Das ist Baden hier! ;-)

        • Rayson on 29. August 2010 at 23:37

          Seit wann? ;-)

          • Christian Soeder on 29. August 2010 at 23:38

            Aufpassen! ;)

          • Nachdenker on 30. August 2010 at 00:01

            Ich bin mir bei Sarrazin nicht sicher.

            Die Frauenrechtlerin Necla Kelek , bekannt als Kritikerin
            aus der Zeitschrift EMMA, Muslimin und Soziologin,
            sagt das er einen wichtigen Beitrag zur Integrationspolitik
            leisten will.
            http://de.news.yahoo.com/2/20100829/tts-sarrazin-sorgt-fuer-neue-empoerung-c1b2fc3.html

            Zu denken gibt mir das nahezu alle Poltiker nur Hasspredigen
            über ihn loslassen — sie wollen nur von Ihrer gescheiterten
            Migrationspolitik ablenken.

            Die Integrationspolitik hat kläglich versagt wenn ein Fachkräfteprogramm geplant war um neue Nicht-EU Bürger
            aus dem Ausland anzulocken.

            Man gibt somit den vielen arbeitslosen Hartz4 Empfängern,
            unter ihnen überproportial viele Muslime, keine Chance mehr.

            Das greift er auf, wenngleich außerordentlich ungeschickt, aber
            so ist er.

            Ärgen tue ich mich darüber das alle Welt in Deutschland nur über Sarrazin spricht während Klein Napoleon einfach Flugzeuge
            mit Roma besetzt und sie aus Frankreich ausweist.

            Kein Wort hierzu liest man von linken, liberalen, konservativen oder grünen Politikern bzw. das Thema geht unter bei der Sarrazin Debatte.

            Schwach — kein Wunder das keiner mehr wählen geht !

      • Klaus-Henning Kluge on 30. August 2010 at 02:55

        Nein, natürlich muss man ihn nicht verteidigen — insofern ist das die falsche Wortwahl. Er ist ein Profi, ja. Gerade deswegen macht er das so, wie er es macht. Würde Sarrazin nur irgendein Buch über Integration schreiben, das nur davon ausgeht, dass alle Imigranten gut und integrationswillig seien und allein die Politik versage, würde es auch kein Aufsehen erregen. Es wäre mainstream. Im Gegenteil blendet er eine milde Sichtweise vollkommen aus und fordert von den Immigranten Integration und vermischt das mit merkwürdigen Ansichten. Da ist er der Einzige in dieser Schärfe. Und nur so kann er im Medienzeitalter Aufmerksamkeit erregen. Seine Wortwahl ist für mein Empfinden zu extrem. Das gefällt mir nicht.

        Aber nochmal: Es muss in einer Demokratie jemanden geben wie Sarrazin und diese Demokratie muss ihn aushalten können. Das gilt für mich auch für die SPD. Denn er gibt damit weitverbreitete Klischees und Stereotypen von sich, die von der political correctness unter den Tisch gekehrt werden, in der arbeitenden Bevölkerung aber weitverbreitet sind. Es ist nun mal nicht alles so, wie Claudia Roth es sich wünscht. Und Freiburg und Neukölln sind eben zwei Paar Schuhe.

        Und in meinen Augen spricht er hier wichtige Probleme an. Für einen beachtlichen Teil der Migranten, aber auch der ‚Ureinwohner’ trifft die Tatsache zu, dass sie für niemanden ‚nützlich’ sind. Anderherum gesagt: ‚Sie machen nichts aus ihrem Leben’. Das liegt zum einen mit Sicherheit an den Verhältnissen, in denen sie aufgewachsen sind. Diese Verhältnisse haben zum anderen aber historisch-politische Gründe.

        Die Forderungen, die er daraus ableitet entsprechen einem Fördern und Fordern, das sich jemand ausdenkt, der einfach die Nase voll hat. Sie mögen dem ein oder anderen zu radikal sein. Aber hier verhält es sich wohl wie mit dem Handeln auf dem Basar. Sarrazin hängt die Latte hoch.

        Aber Sarrazin hin oder her: Ich denke, dass man sich generell mit der Unterschicht aus Deutschen und Migranten beschäftigen sollte. Es kann sich kein Land leisten so viele Jugendliche in die Verblödung und Nutzlosigkeit abdriften zu lassen. Im Übrigen gebietet sowohl das Christentum, als auch die Sozialdemokratie sowie die Aufklärung, dass wir diesen Menschen aus ihrer Situation heraushelfen. Dazu gehört an aller erster Stelle diesen Menschen Bildungsmöglichkeiten zu bieten, ihnen Anreize zu geben eine Arbeit aufzunehmen, bei einigen auch ein Coaching oder schlicht und ergreifend Erziehung.

        PS: Wenn schon, dann ist das hier sowohl Baden, als auch die Kurpfalz. Vierdimensionalität sozusagen ;-)

        • Nordstadt on 30. August 2010 at 07:58

          @KHK:
          vorab– mir sind Leute, die, das Ende ihres Erwerbslebens im Blick, noch schnell, in Verwirklichung einer lebenslang geübten Mitnahmementalität, nicht etwa ein Buch über sich selbst und ihre Großtaten schreiben (lassen), sondern meinen, in gut geölte Debatten, extremistisch-polarisierend eingreifen zu müssen. Ja, um „Kälte” geht es Hr. Sarrazin und dafür ist Kritik das Mindeste– und– sein Buch gerade nicht zu kaufen– leider ist die politische Landschaft hierzulande in der Mehrheit zu blöd, um den Marketingsanteil an Herrn S.’ Aussagen auszufiltern und den menschenfeindlichen Kern der Aussagen in Nicht-Handeln um zu setzen.
          Nun zu Deinen (Ihren?) Statements im Einzelnen:
          „Nein, natürlich muss man ihn nicht verteidigen — insofern ist das die falsche Wortwahl. Er ist ein Profi, ja. Gerade deswegen macht er das so, wie er es macht. Würde Sarrazin nur irgendein Buch über Integration schreiben, das nur davon ausgeht, dass alle Imigranten gut und integrationswillig seien und allein die Politik versage, würde es auch kein Aufsehen erregen. Es wäre mainstream. Im Gegenteil blendet er eine milde Sichtweise vollkommen aus und fordert von den Immigranten Integration und vermischt das mit merkwürdigen Ansichten. Da ist er der Einzige in dieser Schärfe. Und nur so kann er im Medienzeitalter Aufmerksamkeit erregen. Seine Wortwahl ist für mein Empfinden zu extrem. Das gefällt mir nicht.„
          Da sind wir einer Meinung. Thema diskursfähig und Diskurs notwendig– nur Art des Diskurses untauglich– so viel im Übrigen zur „Didaktik” des Hr. S.

          Aber nochmal: Es muss in einer Demokratie jemanden geben wie Sarrazin und diese Demokratie muss ihn aushalten können. Das gilt für mich auch für die SPD. Denn er gibt damit weitverbreitete Klischees und Stereotypen von sich, die von der political correctness unter den Tisch gekehrt werden, in der arbeitenden Bevölkerung aber weitverbreitet sind. Es ist nun mal nicht alles so, wie Claudia Roth es sich wünscht. Und Freiburg und Neukölln sind eben zwei Paar Schuhe.„
          Den „PC”-Begriff fand ich schon immer „affig”- aber leider gehöre ich damit wohl einer zu kleinen Minderheit an, die sich nicht jedem „newsspeak”-Begriff anheftet wie die Hundeschei*e am Schuh in Berlin.
          „Und in meinen Augen spricht er hier wichtige Probleme an. Für einen beachtlichen Teil der Migranten, aber auch der ‚Ureinwohner’ trifft die Tatsache zu, dass sie für niemanden ‚nützlich’ sind. Anderherum gesagt: ‚Sie machen nichts aus ihrem Leben’. Das liegt zum einen mit Sicherheit an den Verhältnissen, in denen sie aufgewachsen sind. Diese Verhältnisse haben zum anderen aber historisch-politische Gründe.„
          Und das ist typisch „neue” Sozialdemokratie– anstatt Verhältnisse historisch-materialistisch zu analysieren, wird wild eingeschlagen– so Gerd S. gegen Lehrer („faule Säcke”) in den 90ern und nun Hr. S. gegen „faule Penner, Asis und sonstiges Gesocks”.

          Die Forderungen, die er daraus ableitet entsprechen einem Fördern und Fordern, das sich jemand ausdenkt, der einfach die Nase voll hat. Sie mögen dem ein oder anderen zu radikal sein. Aber hier verhält es sich wohl wie mit dem Handeln auf dem Basar. Sarrazin hängt die Latte hoch.„
          Auch das ist eine Demarkationslinie zwischen eurer „neuen” Sozialdemokratie und den Positionen, die außerhalb der KP-Minderheit in der Linkspartei vertreten werden. Hier werden wir uns noch vortrefflich streiten (müssen). Dass es dafür eines Hr. S. gebraucht hätte, bezweilfe ich allerdings.

          Aber Sarrazin hin oder her: Ich denke, dass man sich generell mit der Unterschicht aus Deutschen und Migranten beschäftigen sollte. Es kann sich kein Land leisten so viele Jugendliche in die Verblödung und Nutzlosigkeit abdriften zu lassen. Im Übrigen gebietet sowohl das Christentum, als auch die Sozialdemokratie sowie die Aufklärung, dass wir diesen Menschen aus ihrer Situation heraushelfen. Dazu gehört an aller erster Stelle diesen Menschen Bildungsmöglichkeiten zu bieten, ihnen Anreize zu geben eine Arbeit aufzunehmen, bei einigen auch ein Coaching oder schlicht und ergreifend Erziehung.„
          Und am Ende sollen sie doch in „Verwahrung” gehen– ein Schelm, der dabei nicht an Reichsarbeitsdienst, Arbeits– und Vernichtungslager denkt. Hatten wir schon– gibt’s nicht wieder, es sei denn, gegen bewaffneten Widerstand (Art. 20 GG „… jeder Deutsche … zu verteidigen…”) desjenigen Teils der Linken, denen an Demokratie und Menschenrechten noch etwas liegt– die nicht, vermeintlich populistisch agierend, Teile-und-Herrsche-Spielchen mitmachen. So uhrig und teilweise ulkig die DGB-Kampagne „Mach’ meinen Kumpel nicht an!” von 1992 war– so sehr trifft sie doch den Kern.
          Hr. S. macht diese Kumpels an– und soll sich in bestimmten Ecken der Republik, bei bestimmten Klientels besser nur kurz sehen lassn, besser nicht den „Herrenreiter” spielen.

          • Klaus-Henning Kluge on 30. August 2010 at 12:37

            Nur um dem Missverständnis vorzubeugen: Ich sehe es nicht so, dass die Unterschicht aus freien Stücken so geworden ist. Stattdessen ist sie das Resultat aus Wirtschafts– und Politikentscheidungen, hat aber natürlich auch eine eigene Dynamik gewonnen.

            Man muss sich überlegen was man jetzt tut. Sarrazin liefert dazu einen Gesprächsbeitrag. Wir sind uns aber ja einig, dass die Art und Weise völlig daneben ist.

            Das mit dem Reichsarbeitsdienst und den KZs halte ich aber für eine Provokation deinerseits.

          • Nordstadt @PLI on 30. August 2010 at 14:57

            @KHK:
            danke für die Ergänzung.
            Nicht nur die Diktion und dessen diskursfähiger Inhalt, sondern auch eben dieser Inhalt an sich– siehe dazu W. Lieb bei den Nachdenkseiten (http://www.nachdenkseiten.de/?p=6608)
            Nein, die BundesRep. ist nicht die WR, genau so wie Arbeitslager so nicht heißen werden und der historisch-soziologische Nachfolger des RAD nach Frau vdL eben „Bürgerarbeit” heißt.
            Insofern mitnichten eine Provokation, es sei denn dazu, mal darüber nach zu denken, wie weit „wir” gekommen sind seit 1945. Schade um John, Ludmilla und Joe, die in Holland, Polen und Belgien für unsere (spätere) schöne Demokratie litten, froren und gestorben sind.

  6. Nörgler on 30. August 2010 at 19:00

    Zu dem vielen diskutierten „jüdischen Gen” hat sich Sarrazin jetzt klarstellend geäußert. Es ist, wie ich vermutet habe, er hatte sich ungenau ausgedrückt:

    Eine Interview-Äußerung von mir vom 29. August 2010 hat für Irritationen und Missverständnisse gesorgt, die ich bedauere. Als ich sagte, dass „alle Juden ein bestimmtes Gen teilen“, habe ich mich nicht hinreichend präzise ausgedrückt.

    Ich bezog mich mit meiner Äußerung — wegen der Interviewsituation leider verkürzt — auf neuere Forschungen aus den USA. Ich bin kein Genetiker. Aber ich habe zur Kenntnis genommen: Aktuelle Studien legen nahe, dass es in höherem Maße gemeinsame genetische Wurzeln heute lebender Juden gibt, als man bisher für möglich hielt.

    Damit ist keinerlei Werturteil verbunden, damit ist auch nichts über eine wie auch immer zu verstehende „jüdische Identität“ ausgesagt. Die Frage, was aus möglichen genetischen Übereinstimmungen von Bevölkerungsgruppen zu schließen ist, ist vollkommen offen. Entscheidend für politische und wirtschaftliche Sachverhalte, die im Zentrum meines Buches stehen, sind kulturelle Faktoren.

    Über diese Forschungsergebnisse hatte ich im Berliner „Tagesspiegel“ gelesen, davor hatte die New York Times darüber berichtet — und viele andere Medien auch. Die beiden von einander unabhängigen Studien wurden in den renommierten Fachzeitschriften „Nature“ und „American Journal of Human Genetics“ im Juni 2010 veröffentlicht.

    Wenn neue genetische Forschungen zeigen, dass viele heutige Juden zahlreiche Gene von einer ursprünglichen jüdischen Bevölkerungsgruppe, die vor etwa 3000 Jahren im Nahen Osten lebte, gemeinsam haben, ist das zunächst einmal interessant. Politisch ist diese These neutral. Um eine rassistische Äußerung handelt es sich nicht.

    Thilo Sarrazin

    ( http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~ECC46C81351DA40E7B3219E328A122494~ATpl~Ecommon~Scontent.html )

    Heute habe ich vergeblich versucht, das Buch zu bekommen, es war aber bereits überall ausverkauft (4 Buchhandlungen in 2 Städten).

    • Kalle Kappner on 30. August 2010 at 19:16

      Interessant. Und Sarrazins Entgegnung ist ja sogar intelligent.

      Allerdings hat er meinen Hauptkritikpunkt wieder einmal bestätigt: Er hat sich „ungenau” ausgedrückt. Bei einer derartigen Häufung von missverständlichen Äußerungen glaube ich nicht daran, dass er sich versehentlich „ungenau” ausdrückt. Dahinter steckt natürlich Kalkül.

      • Rayson on 30. August 2010 at 19:27

        Natürlich.

        • Lasse on 30. August 2010 at 19:50

          Warum nicht? Ein Rassist, der sich in die mediale Öffentlichkeit drängen will macht Aussagen, die er wieder zurücknimmt oder sie präzisiert und damit entschärft. Das Ergebni: Wir diskuttieren drüber und Menschen fangen an ihm zuzuhören und zu glauben. Die Frage: „Ist er ein Rassist?” bleibt im Raum stehen und dient nur zur Verbreitung seiner Ansichten.

          In der Musikindustrie ist das gängige Praxis. Die Band „Böhse Onkelz” oder auch „Rammstein” spielen mit dem Klischee einer Naziband, um mehr Hörer zu gewinnen, die sie vor diesem Vorwurf verteidigen und schon strömen die nächsten nach (man denke an zB Frei.Wild).

      • Nörgler on 30. August 2010 at 20:05

        Die Meinung teile ich nicht. Ich habe mir heute die Vorstellung des Buches bei der Bundespressekonferenz auf Phoenix angesehen (gestern habe ich übrigens Sarrazin überhaupt zum ersten mal sprechen gehört, vorher *las* ich nur Texte von und über ihn).

        Sarrazin ist ein schlechter Redner, der Redefluss ist zäh, er verhaspelt sich vergleichsweise oft. Zum Populisten, zum Volkstribunen, taugt er überhaupt nicht. Man kann in einem mündlich geführten Interview sehr leicht etwas unausgegorenes von sich geben.

        Und wie bereits früher ausgeführt: Die veröffentlichte Meinung seziert jeden Halbsatz, jede Geste Sarrazins, um über ein vermeintliches Skandalon berichten zu können.

        • Kalle Kappner on 30. August 2010 at 20:15

          Man kann in einem mündlich geführten Interview sehr leicht etwas unausgegorenes von sich geben.”

          Interviews werden selbstverständlich vor dem Druck noch mehrmals durchgelesen und dann durch den Interviewten authorisiert. Sarrazin kennt die Medien. Er würde dort wohl kaum „aus Versehen” derart oft etwas sagen, was er so garnicht gemeint hat.

        • Nordstadt on 30. August 2010 at 20:15

          @Nörgler:
          ein Medienprofi wie Hr. S. hat ein nicht Live gesendetes Interview höchstwahrscheinlich nachträglich authorisiert– mir ist 2003 mal der Fehler passiert, ein Interview nicht authosisieren zu lassen– selbst ich als „kleines Licht” bin da schlauer– also Hr. S.’ Gesabbel = reine Schutzbehauptung. Aber toll, dass die Neo… diesen Hrn. verteidigen, da weiß „man” gleich, woher der Wind weht.
          Und ja, ich werde das beknackte Buch nicht kaufen und wer es mir (egal zu welchem Anlaß) schenkt, ist nicht mehr mein/e Freund/in). Habe auch „Mein Kampf” weder gekauft, noch sonstwie beschafft (das Internet ist ja [leider?] ein Hort für so manch Absonderliches)- Dreck, Schund und Ötterkot*e braucht niemand.

          • Nörgler on 30. August 2010 at 20:37

            Wer das Buch nicht liest, darf sich aber auch kein Urteil erlauben.

            Sarrazins Buch mit „Mein Kampf” zu vergleichen ist absurd. Mehr muss man dazu nicht sagen.

          • Kalle Kappner on 30. August 2010 at 22:22

            Wer das Buch nicht liest, darf sich aber auch kein Urteil erlauben.”

            Aha. In letzter Konsequenz heißt das also dann: Zurück zur nicht-arbeitsteiligen Gesellschaft :)?

            Sarrazins Buch mit „Mein Kampf” zu vergleichen ist absurd. Mehr muss man dazu nicht sagen.”

            Die Gleichsetzung wäre absurd. Der Vergleich ist es nicht. Denn der Vergleich zielte nicht darauf ab, dass die Inhalte gleich (gefährlich) wären, sondern dass es in beiden Fällen nicht erforderlich ist, das Buch komplett zu lesen um es bewerten zu können.

  7. Linksman on 30. August 2010 at 22:19

    Herr Sarrazin steht in „bester” SPD-Tradition:
    Kriegskredite 1914, Ebert-Gröner-Pakt, Blutminister Gustav Noske, Ernst Niekisch vor ´33, Wehrmachtsleutnant Helmut Schmidt, Abschiebeanthroposoph Otto Schily, Nazi-Juso Sascha Jung (SPD-Parteibuch bis heute) & BildBamsGlotze-Schröder („kriminelle Ausländer rausundzwarschnell”) nach ´45

    • Kalle Kappner on 30. August 2010 at 22:25

      Ah, die alte Leier wieder.

      Die „Wer hat uns verraten?”-Leider ist ein zuverlässiger Indikator dafür, dass eine sachliche Argumentation ab diesem Punkt sinnlos wird. Mit Menschen, die von Hass auf die SPD zerfressen sind, kann man nicht sinnvoll über die SPD diskutieren. Tschüss, „Links„man.

      • Christian Soeder on 30. August 2010 at 22:25

        Kommunisten halt. Muss man nicht ernstnehmen. ;)

        • Nörgler on 30. August 2010 at 23:47

          Doch, muss man. Sehr ernst sogar. Bei Indymedia und bei Facebook finden wir Anti-Sarrazin-Seiten mit einem Foto des von der RAF entführten und ermordeten Hans-Martin Schleyer. Auf den Kopf von Schleyer wurde der Kopf von Sarrazin kopiert:

          http://www.facebook.com/#!/pages/Sarrazin-muss-rausss-aus-der-SPD/148103468547407?ref=ts

          Was will uns der Dichter damit sagen?

          • Nordstadt @PLI on 31. August 2010 at 11:36

            @Nörgler:
            ach, Gottchen, jetzt schon Kreativität diskrimiert,
            Malt doch, angesichts des rechtsaußen-Rollback, nicht die „RAF” an die Wand– die Jungs (und Mädels) sitzen entweder noch ein oder werden sich hüten, nochmal mit Knarre los zu ziehen.
            Die neue RAF gründet ihr gerade mit.

          • Linksman on 31. August 2010 at 13:22

            Schleyer war 194345 immerhin Heydrichs Stellvertreter in Prag.

  8. Hubertus Künzler on 31. August 2010 at 13:08

    Es ist schlicht und ergreifend nicht richtig, dass alle Juden ein bestimmtes Gen teilen, schließlich ist Konversion zum Judentum für jeden Menschen möglich.„
    Oh mein Gott, was für eine Aussage! Alle nicht konvertierten Juden teilen also ein bestimmtes Gen? Das ist ebenso rassistisch wie es wissenschaftlich komplett unhaltbar ist. Langsam wundert mich bei der SPD wirklich NICHTS mehr.

    • Christian Soeder on 31. August 2010 at 13:24

      Oben sind schon einige Artikel verlinkt, die erläutern, was damit gemeint ist; hier gibt’s weitere Informationen:

      http://www.bernerzeitung.ch/ausland/europa/Juedisches-Gen-erzuernt-die-Deutschen-und-macht-Israelis-stolz/story/30847587

      Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet und kann die Diskussion bzw. die Debatte nur zur Kenntnis nehmen.

      Hier noch mehr, vor allem die Kommentare sind spannend:

      http://fdogblog.wordpress.com/2010/08/29/sorry-sarrazin/

    • Kalle Kappner on 31. August 2010 at 13:59

      Juden” meint sowohl eine Religionsgemeinschaft als auch ein Volk aus Israel. Was falsch ist, ist die Behauptung, dass
      (1) alle Juden
      (2) ein Gen
      miteinander teilen.

      Richtig wäre: Viele Juden (im Sinne des israelischen Volkes, nicht der Religionsgemeinschaft) teilen bestimmte Genkonstruktionen.

      Das Problem ist nur: Daraus lässt sich so gut wie nichts abwandeln. Erst recht nichts über soziale Fragen wie Arbeitslosigkeit, volkswirtschaftlicher „Nutzen” und schon garnicht über Intelligenz.

      Dass verschiedene Menschengruppen tendenziell verschiedene Genkonstellationen in sich tragen, ist eine triviale Feststellung. Problematisch ist es, diese Genkonstallationen als Grund für soziale Unterschiede zu machen.

      • Christian Soeder on 31. August 2010 at 14:21

        Judentum als Religion und jüdisches Volk sind nach jüdischer Mehrheitsmeinung, Israel sieht es ebenfalls so, nicht zu trennen. Das sollte man respektieren, finde ich.

        Deine weitergehenden Ausführungen sind eine sehr gute Zusammenfassung, danke.

        • Nörgler on 31. August 2010 at 14:54

          Man kann doch wunderbar die Paradoxien studieren:

          Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, der sich permanent zu Wort meldet, ist erst als Erwachsener zum Judentum konvertiert. Wer als Erwachsener die Religion wechselt, ist mit Sicherheit ein tief religiöser Mensch.

          Henryk M. Broder anderseits stammt aus einer polnisch-jüdischen Familie, die den Holocaust überlebt hat. Broder bezeichnet sich aber selbst als Agnostiker, an den Gott des Tanach glaubt er also nicht.
          Gleichwohl schreibt er über jüdische Themen und erhält körbeweise antisemitische Hass-Briefe und Morddrohungen.

          Im Dritten Reich wurden einige evangelische Pfarrer im KZ ermordet. Warum? Sie waren ursprünglich Juden, waren aber zum Christentum konvertiert und evangelische Geistliche geworden. Für die Nazis waren sie aber immer noch Juden.

          • Christian Soeder on 31. August 2010 at 15:08

            Ich würde die Nazis gerne aus der Diskussion raushalten. Das erschwert die Diskussion unnötig.

            Jedenfalls unterscheidet der Staat Israel nicht zwischen Juden, die von einer jüdischen Mutter geboren wurden, und einem zum Judentum Konvertierten. Für Israel gehört jeder Jude zum jüdischen Volk und hat damit das Recht, nach Israel einzureisen und israelischer Staatsbürger zu werden.

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