Verlogen in Deutschland

Das deut­sche Aufenthaltsrecht und die deut­sche Einbürgerungspraxis sind ein einziger Skandal. Menschen wird es viel zu schwer gemacht, einen deut­schen Pass zu erwerben, also: Deutsche zu werden. Es ist dies eine Bürde, die Deutschland belastet, ohne dass damit etwas gewonnen ist, im Gegenteil. Menschen, die etwas leisten wollen, die hier leben wollen, die sich als Deutsche fühlen, werden behin­dert, können nicht arbeiten, dürfen also nicht den Wohlstand mehren, müssen sich alimen­tieren lassen und werden im schlimmsten Fall abge­schoben. In der „WELT” ist gerade ein weiteres bedrü­ckendes Beispiel zu lesen. Auf eine Protestnote oder gar eine gemein­same Anstrengung aller Parteien in Bundestag und Bundesrat kann man wohl vergeb­lich warten. Nicht über­ra­schend in einem Land, in dem promi­nente Personen unter Beifall der Mehrheitsgesellschaft Unterschriften gegen Ausländer sammeln und damit Wahlen gewinnen, „Kinder statt Inder” skan­dieren und gegen Muslime hetzen (und noch so einiges mehr).

Die glei­chen Parteien finden es hingegen ganz und gar in Ordnung, und ich meine wirk­lich alle Parteien, gleich­zeitig in die Belange eines anderen, souve­ränen Staates hinein­zu­re­gieren, sich in dessen Belange einzu­mi­schen, obwohl sie niemand dazu ermäch­tigt hat. (Aber hey, es geht gegen Israel, da kann man schon einmal an einem Strang ziehen.)

Man sollte meinen, die Parteien sollten sich erst einmal darum kümmern, hier, in Deutschland, ein faires Einbürgerungsrecht und Staatsbürgerrecht zu schaffen, um dann den mora­li­schen Zeigefinger mit Recht erheben zu können. Aber nein, so funk­tio­niert Politik nun einmal nicht. Den fünften Schritt vor dem ersten zu tun, da gerät man zwar manchmal ins Stolpern, aber es sieht halt auch ziem­lich forsch aus.

Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

8 Kommentare zu “Verlogen in Deutschland

  1. Ich mag solche sugges­tiven, halb­garen Presseberichte nicht.
    Welche Bedingung soll denn fehlen für eine normale Einbürgerung? Ist das Gesetz unzu­rei­chend? Oder ist das Ausländeramt schuld? Oder hat die Zeitung umge­kehrt die Behörde gefragt, welche Gründe diese sieht (man muß ja als Reporter einem Klageführenden nicht auto­ma­tisch alles glauben).

    Es ist gut möglich, daß hier wirk­lich ein Skandal vorliegt. Aber der Bericht macht nur Stimmung, es fehlen die Fakten.

    • Nachtrag: Der Hinweis auf die Parteienheuchelei ist aber berech­tigt.
      Unabhängig vom Fall in der Welt gibt es für die Verantwortlichen genug vor der eigenen Tür zu kehren, anstatt popu­lis­tisch angeb­liche Mißstände anderswo anzuprangern.

      • Korrekt. Eigentlich geht es uns rein garnichts an, was in Israel/Palästina passiert. Aber es wurde ja auch entschieden, dass es uns etwas angeht, was in Afghanistan passiert.

        • „Eigentlich geht es uns rein garnichts an, was in Israel/Palästina passiert.”

          Wenn sogar ein Sozialdemokrat — mithin ein Anhänger einer Bewegung, die sich stets als inter­na­tio­na­lis­tisch defi­nierte — eine solche Ansicht hat, dann gute Nacht, Sozialdemokratie.

          Natürlich gehen uns Missstände auch außer­halb der engen Grenzen des deut­schen Nationalstaats etwas an. Ich finde, dass deut­sche Politiker dies eher zu wenig als zuviel thematisieren.

          • Ich bin nicht der Meinung, dass es uns zusteht, Palästinensern oder Afghanen unsere west­li­chen Ideale aufzu­drü­cken, erst recht nicht mit Militärgewalt. Dagagen kann es immer sinn­voll sein, mit gutem Beispiel voran zu gehen und vermit­telnd zu wirken, wie aktuell auch in Israel.

          • „Am deut­schen Wesen soll die Welt genesen?”

            Eben nicht. Wenn wir glauben, dass unser Lebensstil über­legen ist, dann sollten wir darauf vertrauen, dass die Afghanen und Palästinenser ihn von selbst adop­tieren werden. Per Krieg und Intervention werden wir jeden­falls genau das Gegenteil erreichen.