Antideutsche gegen Sarrazin

Rasch verlinkt: zwei Antideutsche gegen Sarrazin. Zum einen, kurz und knapp und ziem­lich böse, „Sarrazins Kinder” bei „Nichtidentisches”. Zum anderen ein wirk­lich langer Text von Justus Wertmüller in der „Bahamas” mit dem hübschen Titel „Frei nach Thilo Sarrazin. Leistung und Intelligenz in der Beamtenrepublik Deutschland”. Der lange Text schlägt in die gleiche Kerbe wie der kurze, inso­fern muss man nicht beide Texte lesen, wenn man wenig Zeit hat. Lesenswert sind sie jeden­falls beide, auch wenn man nicht voll­stän­dig über­ein­stimmt. (Dank für den Tipp geht an den Kollegen Mark P.)

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

10 Gedanken zu „Antideutsche gegen Sarrazin“

  1. @Christian: Danke für die inter­es­san­ten Bloglinks.

    Ich meine: Es kommt nicht nur darauf an, was gesagt wird, sondern auch von wem. Sarrazins Äußerungen und auch sein Buch sind wertlos, jeden­falls für uns Sozialdemokraten, weil sie im Interesse der Oberschicht Teile der Unterschichten gegen­ein­an­der ausspie­len sollen. So wie es Westerwelle Anfang des Jahres probierte.

    Selbst wenn alle seine Befunde stimm­ten, ist das kein Grund, seine Kritik zu teilen. Denn sein Befunde wären nach­ran­gig.

    Vorrangig ist der Schaden, den die -nein, nicht gebil­dete, sondern:- quali­fi­zierte, übri­gens eben­falls meist qua Geburt, anrich­tet. Ich sehe ein Sittengemälde, in dem es oben eine herme­tisch abge­rie­gelte Überflussschicht gibt, die ihr Erbe schützt, ihre Privilegien absi­chert, die Steuer hinter­zieht und wenn es an der Börse ganz schlecht läuft, der Mittel- und Unterschicht wie selbst­ver­ständ­lich die Rechnung präsen­tiert.

    Ein paar unbe­rech­tigte Sozialhilfeempfänger mehr oder weniger sind dagegen Peanuts.

    Sarrazin hat seit Jahren Funktionen inne, die es ihm ermög­licht hätten, die Lebensumstände für alle zu verbes­sern. Das hat er nicht gewollt. Er teilt das Land in oben und unten, und er gehört zu oben und die anderen zu unten. Und so soll es bleiben,

    Am Tabellenende zählt jeder Punkt beim Kampf ums über­le­ben. Deshalb ist es einfach, unten Zwietracht zu sähen. Am besten kann man oben herr­schen, wenn man unten teilt. Diese Funktion erfül­len in Deutschland die Rechtspopulisten Westerwelle und Sarrazin.

    Übrigens sollte er mal versu­chen, in Deutschland einen Gemüsehandel zu eröff­nen. Und zwar nicht mit geerb­ten Geld, sondern erar­bei­te­ten. Und dann versu­chen, bei einer Bank einen Kredit für die Existenzgründung zu bekom­men.

    Der Herr hat es statt­des­sen bisher vorge­zo­gen, im öffent­li­chen „Dienst” zu stehen. Hat gelernt, Werte zu verwal­ten und zu bewer­ten. Selbst Werte geschaf­fen hat er nie. Er liegt uns auf der Tasche. Schon lange. Als Vertreter der Täterschicht. Er richtet Schaden an. Er sollte gehen.

  2. inter­es­sant zu sehen, wie sich die meisten Leute drücken auf Sarrazins Aussagen an sich einzu­ge­hen und sich an Nebensächlichkeiten erei­fern.

    Nichtidentisches beschreibt einen hessi­schen Stammtischprügler als Kind im Geiste Sarrazins, das ist in etwas so, als würde man Einstein oder Heisenberg als die geis­ti­gen Väter atom­waf­fen­gei­ler Diktatoren bezeich­nen, oder?

    Sicherlich mag Sarrazin nicht den rich­ti­gen Ton treffen, das tun die agents provo­ca­teurs selten, dennoch ist eine inhalt­li­che Ausseinandersetzung wichtig. Werden diese Problemthemen nicht ange­spro­chen, sondern totge­schwie­gen, führen Sie bei den Wählern zu einer Radikalisierung.

    Und dann stellen wir uns irgend­wann die Frage, sind diese Radikalen die geis­ti­gen Kinder der Ignoranten, der „Totschweiger”? ;-)

    1. @don:

      Ich verstehe, was Du meinst. Und ich habe lange Zeit ebenso gedacht, wie Du. Die Gründe waren der 11. September, die Gewalterscheinungen jugend­li­cher Krimineller, in den Medien meist arabi­scher Herkunft, die arabisch­stäm­mi­gen Großfamilien, die orga­ni­sierte Kriminalität begehen. Und der hohe Anteil auslän­di­scher Kinder an den Schulabgängen ohne Abschluss. Usw.

      Ich hatte das alles zusam­men gerührt und war zu dem Schluss gekom­men: Da braut sich was zusam­men, was sich die Politik, vor allem die linke und die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche (z.B. in Berlin) nicht zu adres­sie­ren wagt.

      Aber nachdem ich mich vom Schreibtisch und Internet wegbe­wegt hatte und die Leute, über die ich da las und dachte selbst kennen gelernt habe, jeden­falls einige von ihnen (die orga­ni­siert Kriminellen gehör­ten nicht dazu), da habe ich verstan­den, worüber wir hier eigent­lich reden:

      1. Der Anteil der Nicht-Integrationswilligen oder -fähigen an den bei uns leben­den „Ausländern” oder Deutschen auslän­di­scher Herkunft ist gering. Alle Türken, Iraner, Iraker, usw. die ich persön­lich kenne, und darun­ter sind verschie­dene Bildungsschichten, sind sympa­thi­sche Typen,auf deren Bekanntschaft ich nicht verzich­ten will. Darunter Musiker, Politiker (auch aus der FDP), Historiker, Ruhrpottmalocher und Ingenieure.

      2. Der Sozialmissbrauch ist ein Aufreger. Aber der wird als solcher bewusst kommu­ni­ziert. Aus den Gründen, die ich oben genannt habe. Ich mache keinen Unterschied zwischen urdeut­schen und zuge­wan­der­ten Sozialbetrügern. Weder emotio­nal noch konzep­tio­nell. Ich sehe den Unterschied schlicht nicht mehr.

      3. Dass ein gebil­de­ter Mensch wie Sarrazin auf dumpfen Ausländerhass setzt, ist nicht das Aussprechen unbe­que­mer Wahrheiten sondern berei­tet ein Gesellschaftsbild vor, in dem der Tabellenvorletzte deut­schen Ursprungs auf den Tabellenletzten arabi­scher Herkunft einschla­gen soll, wenn es um die Wurst geht. Und das lehne ich ab.

      Noch was: Ich lehne es übri­gens auch ab, die Befunde der der kürz­lich auf merk­wür­dige Weise verstor­be­nen Kerstin Heisig beiseite zu wischen. Die Dame wusste, wovon sie redete. Aber Sarrazin weiß es nicht, der verfolgt nur ein ganz bestimm­tes Interesse.

      Schöne Grüße,

      Frank

      1. War mal bei einem priva­ten Vortrag eines Mitarbeiters des bw-Innenministeriums, der sich bitter darüber beklagte, das sie nicht alle Kriminalstatistiken veröf­fent­li­chen dürften.

        Wenn alle Informationen frei zugäng­lich wäre wären wir evtl. einen Schritt weiter.

        1. @DGD:
          im Rahmen eines Seminars (Kriminologie) hatte ich mich mit diesem Thema- Kriminal-Statistik bzw. PSB (Polizeilicher Sicherheitsbericht) usw. ausein­an­der zu setzen. Es ist m. E. gewollt, dass nur bestimmte Informationen durch­drin­gen, selbst zur Wissenschaft (egal, ob nun „reine” Kriminologie oder Sozialwissenschaften).
          Forschung als Grundlage der Meinungsfindung wird m. E. bewußt behin­dert, um poli­ti­sche, angeb­lich „neutrale”, Kampagnen zu führen, vgl. verschie­dene Studien des KFI (unter Leitung v. Prof. Pfeiffer bzw. Prof. Meier- Dozenten an der Univ. Hannover) zu der empi­ri­schen Ausgangsbasis für krimi­no­lo­gi­sche Erkenntnisgewinnung.
          Auch mein Krim.-Prof. an der Uni Halle bedau­erte, dass teil­weise mit unzu­rei­chen­den Datenbeständen vorei­lig Aussagen getrof­fen würden.
          (achnee, sorry, dass ich das mal studierte- ich bin ja sonst nur doof)

  3. ich will über diesen kerl keinen kommen­tar loslas­sen.
    man kann garnicht soviel fressen wie man kotzen möchte!
    sowas in den reihen der partei willy brandts!
    oh, spd.….. dein zustand ist zum heulen!!!!!!

    spd, du bist zu feige entschei­dun­gen zu treffen! du unter­schei­dest dich in keins­ter weise von der kanz­le­rin! du hechelst nur noch zwischen „bild”-meinungsmache und deutsch­land-trend hin und her!
    deinen „genos­sen der bosse” samt münte musste der wähler bremsen; clement hat sich selbst ausge­schlos­sen ( du selbst warst dazu unfähig ); du hast zuge­schaut, wie ypsi­lanti von der „bild” liqui­diert wurde; die entschei­dung, dass kraft mp in nrw wurde geht auf die entschluss­kraft der grünen zurück; stein­meier hat sich prak­tisch selbst intro­ni­siert; ewiges geeier in sachen rente und hartz4. steh halt zu deinen entschei­dun­gen oder sag ganz ehrlich, dass du da scheiße gebaut hast!
    und, und, und.…… bloß keine entschei­dung treffen!

    und jetzt dieser .….…..!!!!!.….… mir fällt dazu nix mehr ein! einfach wider­lich!
    auf was wartest du, spd???? auf den nächs­ten „bild”-kommentar? auf die nächste sonn­tags-umfrage?

    spd!!!! jetzt mach mal die augen zu und stell dir deinen dama­li­gen berli­ner bürger­meis­ter brandt vor. und dann lässt du vor deinem geis­ti­gen auge diesen.…diesen.… fitz­li­putzli an seine seite treten!
    .…und wenn dir jetzt nicht die tränen kommen, dann bist du nicht mehr zu retten!

    @frank:
    divide et impera! aktu­elle über­set­zung: „entso­li­da­ri­siere und berei­chere dich!”

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