Antideutsche gegen Sarrazin

25. August 2010
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Rasch verlinkt: zwei Antideutsche gegen Sarrazin. Zum einen, kurz und knapp und ziemlich böse, „Sarrazins Kinder” bei „Nichtidentisches”. Zum anderen ein wirklich langer Text von Justus Wertmüller in der „Bahamas” mit dem hübschen Titel „Frei nach Thilo Sarrazin. Leistung und Intelligenz in der Beamtenrepublik Deutschland”. Der lange Text schlägt in die gleiche Kerbe wie der kurze, insofern muss man nicht beide Texte lesen, wenn man wenig Zeit hat. Lesenswert sind sie jedenfalls beide, auch wenn man nicht vollständig übereinstimmt. (Dank für den Tipp geht an den Kollegen Mark P.)


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10 Responses to Antideutsche gegen Sarrazin

  1. Frank on 25. August 2010 at 08:05

    @Christian: Danke für die interessanten Bloglinks.

    Ich meine: Es kommt nicht nur darauf an, was gesagt wird, sondern auch von wem. Sarrazins Äußerungen und auch sein Buch sind wertlos, jedenfalls für uns Sozialdemokraten, weil sie im Interesse der Oberschicht Teile der Unterschichten gegeneinander ausspielen sollen. So wie es Westerwelle Anfang des Jahres probierte.

    Selbst wenn alle seine Befunde stimmten, ist das kein Grund, seine Kritik zu teilen. Denn sein Befunde wären nachrangig.

    Vorrangig ist der Schaden, den die –nein, nicht gebildete, sondern:- qualifizierte, übrigens ebenfalls meist qua Geburt, anrichtet. Ich sehe ein Sittengemälde, in dem es oben eine hermetisch abgeriegelte Überflussschicht gibt, die ihr Erbe schützt, ihre Privilegien absichert, die Steuer hinterzieht und wenn es an der Börse ganz schlecht läuft, der Mittel– und Unterschicht wie selbstverständlich die Rechnung präsentiert.

    Ein paar unberechtigte Sozialhilfeempfänger mehr oder weniger sind dagegen Peanuts.

    Sarrazin hat seit Jahren Funktionen inne, die es ihm ermöglicht hätten, die Lebensumstände für alle zu verbessern. Das hat er nicht gewollt. Er teilt das Land in oben und unten, und er gehört zu oben und die anderen zu unten. Und so soll es bleiben,

    Am Tabellenende zählt jeder Punkt beim Kampf ums überleben. Deshalb ist es einfach, unten Zwietracht zu sähen. Am besten kann man oben herrschen, wenn man unten teilt. Diese Funktion erfüllen in Deutschland die Rechtspopulisten Westerwelle und Sarrazin.

    Übrigens sollte er mal versuchen, in Deutschland einen Gemüsehandel zu eröffnen. Und zwar nicht mit geerbten Geld, sondern erarbeiteten. Und dann versuchen, bei einer Bank einen Kredit für die Existenzgründung zu bekommen.

    Der Herr hat es stattdessen bisher vorgezogen, im öffentlichen „Dienst” zu stehen. Hat gelernt, Werte zu verwalten und zu bewerten. Selbst Werte geschaffen hat er nie. Er liegt uns auf der Tasche. Schon lange. Als Vertreter der Täterschicht. Er richtet Schaden an. Er sollte gehen.

  2. der_don on 25. August 2010 at 08:33

    interessant zu sehen, wie sich die meisten Leute drücken auf Sarrazins Aussagen an sich einzugehen und sich an Nebensächlichkeiten ereifern.

    Nichtidentisches beschreibt einen hessischen Stammtischprügler als Kind im Geiste Sarrazins, das ist in etwas so, als würde man Einstein oder Heisenberg als die geistigen Väter atomwaffengeiler Diktatoren bezeichnen, oder?

    Sicherlich mag Sarrazin nicht den richtigen Ton treffen, das tun die agents provocateurs selten, dennoch ist eine inhaltliche Ausseinandersetzung wichtig. Werden diese Problemthemen nicht angesprochen, sondern totgeschwiegen, führen Sie bei den Wählern zu einer Radikalisierung.

    Und dann stellen wir uns irgendwann die Frage, sind diese Radikalen die geistigen Kinder der Ignoranten, der „Totschweiger”? ;-)

    • Frank on 25. August 2010 at 19:57

      @don:

      Ich verstehe, was Du meinst. Und ich habe lange Zeit ebenso gedacht, wie Du. Die Gründe waren der 11. September, die Gewalterscheinungen jugendlicher Krimineller, in den Medien meist arabischer Herkunft, die arabischstämmigen Großfamilien, die organisierte Kriminalität begehen. Und der hohe Anteil ausländischer Kinder an den Schulabgängen ohne Abschluss. Usw.

      Ich hatte das alles zusammen gerührt und war zu dem Schluss gekommen: Da braut sich was zusammen, was sich die Politik, vor allem die linke und die sozialdemokratische (z.B. in Berlin) nicht zu adressieren wagt.

      Aber nachdem ich mich vom Schreibtisch und Internet wegbewegt hatte und die Leute, über die ich da las und dachte selbst kennen gelernt habe, jedenfalls einige von ihnen (die organisiert Kriminellen gehörten nicht dazu), da habe ich verstanden, worüber wir hier eigentlich reden:

      1. Der Anteil der Nicht-Integrationswilligen oder –fähigen an den bei uns lebenden „Ausländern” oder Deutschen ausländischer Herkunft ist gering. Alle Türken, Iraner, Iraker, usw. die ich persönlich kenne, und darunter sind verschiedene Bildungsschichten, sind sympathische Typen,auf deren Bekanntschaft ich nicht verzichten will. Darunter Musiker, Politiker (auch aus der FDP), Historiker, Ruhrpottmalocher und Ingenieure.

      2. Der Sozialmissbrauch ist ein Aufreger. Aber der wird als solcher bewusst kommuniziert. Aus den Gründen, die ich oben genannt habe. Ich mache keinen Unterschied zwischen urdeutschen und zugewanderten Sozialbetrügern. Weder emotional noch konzeptionell. Ich sehe den Unterschied schlicht nicht mehr.

      3. Dass ein gebildeter Mensch wie Sarrazin auf dumpfen Ausländerhass setzt, ist nicht das Aussprechen unbequemer Wahrheiten sondern bereitet ein Gesellschaftsbild vor, in dem der Tabellenvorletzte deutschen Ursprungs auf den Tabellenletzten arabischer Herkunft einschlagen soll, wenn es um die Wurst geht. Und das lehne ich ab.

      Noch was: Ich lehne es übrigens auch ab, die Befunde der der kürzlich auf merkwürdige Weise verstorbenen Kerstin Heisig beiseite zu wischen. Die Dame wusste, wovon sie redete. Aber Sarrazin weiß es nicht, der verfolgt nur ein ganz bestimmtes Interesse.

      Schöne Grüße,

      Frank

      • der__gute_don on 25. August 2010 at 20:43

        War mal bei einem privaten Vortrag eines Mitarbeiters des bw-Innenministeriums, der sich bitter darüber beklagte, das sie nicht alle Kriminalstatistiken veröffentlichen dürften.

        Wenn alle Informationen frei zugänglich wäre wären wir evtl. einen Schritt weiter.

        • Nordstadt on 28. August 2010 at 13:24

          @DGD:
          im Rahmen eines Seminars (Kriminologie) hatte ich mich mit diesem Thema– Kriminal-Statistik bzw. PSB (Polizeilicher Sicherheitsbericht) usw. auseinander zu setzen. Es ist m. E. gewollt, dass nur bestimmte Informationen durchdringen, selbst zur Wissenschaft (egal, ob nun „reine” Kriminologie oder Sozialwissenschaften).
          Forschung als Grundlage der Meinungsfindung wird m. E. bewußt behindert, um politische, angeblich „neutrale”, Kampagnen zu führen, vgl. verschiedene Studien des KFI (unter Leitung v. Prof. Pfeiffer bzw. Prof. Meier– Dozenten an der Univ. Hannover) zu der empirischen Ausgangsbasis für kriminologische Erkenntnisgewinnung.
          Auch mein Krim.-Prof. an der Uni Halle bedauerte, dass teilweise mit unzureichenden Datenbeständen voreilig Aussagen getroffen würden.
          (achnee, sorry, dass ich das mal studierte– ich bin ja sonst nur doof)

  3. jürgen on 25. August 2010 at 11:24

    ich will über diesen kerl keinen kommentar loslassen.
    man kann garnicht soviel fressen wie man kotzen möchte!
    sowas in den reihen der partei willy brandts!
    oh, spd.….. dein zustand ist zum heulen!!!!!!

    spd, du bist zu feige entscheidungen zu treffen! du unterscheidest dich in keinster weise von der kanzlerin! du hechelst nur noch zwischen „bild”-meinungsmache und deutschland-trend hin und her!
    deinen „genossen der bosse” samt münte musste der wähler bremsen; clement hat sich selbst ausgeschlossen ( du selbst warst dazu unfähig ); du hast zugeschaut, wie ypsilanti von der „bild” liquidiert wurde; die entscheidung, dass kraft mp in nrw wurde geht auf die entschlusskraft der grünen zurück; steinmeier hat sich praktisch selbst intronisiert; ewiges geeier in sachen rente und hartz4. steh halt zu deinen entscheidungen oder sag ganz ehrlich, dass du da scheiße gebaut hast!
    und, und, und.…… bloß keine entscheidung treffen!

    und jetzt dieser .….…..!!!!!.….… mir fällt dazu nix mehr ein! einfach widerlich!
    auf was wartest du, spd???? auf den nächsten „bild”-kommentar? auf die nächste sonntags-umfrage?

    spd!!!! jetzt mach mal die augen zu und stell dir deinen damaligen berliner bürgermeister brandt vor. und dann lässt du vor deinem geistigen auge diesen.…diesen.… fitzliputzli an seine seite treten!
    .…und wenn dir jetzt nicht die tränen kommen, dann bist du nicht mehr zu retten!

    @frank:
    divide et impera! aktuelle übersetzung: „entsolidarisiere und bereichere dich!”

    • Kalle Kappner on 25. August 2010 at 13:39

      Spalten ist zu Zeit in. Versöhnen kommt anscheinend nicht so gut an.

      Schade.

  4. jürgen on 25. August 2010 at 11:40

    *seufz
    …auf die bestätigung hätt ich verzichten können!

    http://nachrichten.t-online.de/gabriel-legt-sarrazin-spd-austritt-nahe/id_42638720/index

  5. Wayfarer on 25. August 2010 at 11:59

    Doch schön wie der Provokateur komplett ohne Fakten auskommt.
    http://www.heise.de/tp/blogs/6/148257

  6. Nichtidentisches on 26. August 2010 at 11:20

    Danke für den Link.
    Hier geht es auch um unterirdische Kanäle zwischen H&M-Werbung, Sarrazin und Westerwelle.

    http://nichtidentisches.wordpress.com/2010/03/03/die-abwehr-des-geniesens-in-der-hm-werbung-und-der-hartz-iv-debatte/

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