Nicht von sich auf andere schließen

17. August 2010
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Dass die Linkspartei ein ernstes Problem hat, ist bekannt. (Sorry für den Kalauer.) Allerdings ist es nicht in Ordnung, wenn ich bei „Welt Online” lesen muss:

Laut Bartsch versuchen Kreisvorsitzende immer möglichst viele Delegierte zu schicken. Deswegen würden sie zu Stichtagen, an dem der Delegiertenschlüssel festgelegt wird, im Zweifel pro Mitglied entscheiden. Das gelte für alle Parteien. Dietmar Bartsch räumte ein, die Partei habe von vielen Nichtzahlern gewusst.

Wir wissen jetzt, dass Kreisvorsitzende in der Linkspartei so agieren. Schade, wenn man das nötig hat. Nicht korrekt ist jedoch, zu behaupten, dass das „für alle Parteien” gelte. Zumindest für die SPD kann ich sagen: die Mitgliederverwaltung erfolgt zentral über das EDV-System „MAVIS”. Die Delegierten, die jedem Kreisverband/Unterbezirk zustehen, werden ergo von den Bezirken/Landesverbänden errechnet und dann den jeweiligen Verbänden mitgeteilt. Was die anderen Parteien so treiben kann ich nicht sagen.

Nun, Herr Bartsch: man sollte eben nicht von sich auf andere schließen.


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12 Responses to Nicht von sich auf andere schließen

  1. Marcel on 17. August 2010 at 19:20

    Also Beitragseinzug machen auch Landes/Bezirksverbände bei euch? Und einmal im Jahr muss dann jedes Mitglied zum Appell und dann wird in Reih und Glied gezählt?
    Ganz ehrlich, bei jeder Partei kann getrickst werden wenn es der Kreisvorstand möchte.

    • Christian Soeder on 17. August 2010 at 19:25

      Nein, Beitragseinzug machen die Ortsvereine. Die Delegierten werden über das komplette Jahr im Schnitt berechnet. Masseneintritt zu Zeitpunkt X bringt also nichts.

  2. MGentsch on 17. August 2010 at 22:17

    Nene,
    der Landesverband zieht bei uns in der BaWü-SPD das Geld ein und verteilt es nach einem bestimmten Schlüssel auf die Gliederungen. Die OrtsvereinszahlerInnen sind die absolute Seltenheit geworden. Die Möglichkeit steht noch offen, ist aber für die KassiererInnen eher nervig. Da gibt’s mit NichtzahlerInnen auch immer wieder Probleme. Und die Eherenamtlichen, die eh schon den A*loch-Job haben, wollen nicht auch noch ausstehendem Geld hinterher jagen.

    Was die OVs bestimmen ist die Aufnahme und Abgabe von Mitgliedern. Denn der aufnehmende Ortsverein kann eine Aufnahme verweigern. Jedenfalls nach Bundesstatut. Da gibt’s allerdings in der Landessatzung wohl noch ein paar Unklarheiten… Und dass es Tricksereien bei Ummeldungen auch in der SPD gab und gibt, beweist ja nun der Fall Niels Annen verdammt gut.

    Prinzipiell ist nur wer zahlt auch Mitglied in der Partei. Bei den Jusos gibt es allerdings die Mitgliedschaft auf Probe, die für zwei Jahre umsonst ist. Und da gibt’s die Tricksereien schon gerne mal. Da sieht man auf einer Jahreshauptversammlung völlig neue Gesichter, hehehe

  3. der_gute_don on 17. August 2010 at 22:18

    ein ernst-hafter Demokrat … *haha*

  4. Karsten on 17. August 2010 at 23:38

    Ihr seid ja auch eine reiche Partei, die sich solche EDV leisten kann. :P

    • Jan on 18. August 2010 at 01:56

      Die FDP hat seit Möllemann auch so ein ziemlich krasses und vor allem teures EDV-Programm laufen, dass praktisch die komplette Arbeit der Schatzmeister vor Ort übernimmt. Die müssen eigentlich nur noch die Belege nach Berlin schicken. Nicht sehr liberal (denn man hat meines Wissens als OV praktisch gar nicht die Wahl, da nicht mitzumachen und muss für die Nutzung natürlich auch noch einen gewissen Obolus blechen) — aber wenns denn hilft, dass keiner rummauschelt von mir aus.

      Jedenfalls hat sowas mit Reichtum nicht unbedingt was zu tun und kann auch mal aus der Not heraus in eher weniger vermögenden Parteien geboren werden.

      Ob deswegen bei der FDP wirklich keine Schummeleien mit Delegiertenzahlen möglich sind, weiss ich nicht so ganz genau. Es dient halt doch eher der Abrechnung.

      • Karsten on 18. August 2010 at 09:03

        Seit Möllemann, soso. Hatte der nicht ne Software-Firma? ;)

        • Jan on 18. August 2010 at 17:26

          Unpräzise von mir ausgedrückt: Seit die Partei unter den Millionenstrafen leidet, die Möllemann ihr aufgebrummt hat hätte es richtig heissen müssen.

  5. Linksman on 17. August 2010 at 23:51

    Dass auch in der „alten Tante” mit Blitzeintritten sehr wohl Politik gemacht wird, beweist die hamburger Wahlkreisposse um den schillernden Danial Ilkhanipour gegen Nils Annen: http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E400BEFD9FA5D40D189EF799D5A484048~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Die Sache mit dem Glashaus und den Steinen also…

  6. Nordstadt on 18. August 2010 at 22:25

    @Christian:
    die allerneueste Kampagne gegen Klaus Ernst direkt und mittelbar gegen die Linkspartei im Ganzen und gegen all unsere Mitglieder ist an Perfidie kaum zu überbieten– einerseits sind es nicht Kreis-, Landes– oder Bundesvorsitzende, die sich um die Einnahme-Seite einer Partei kümmern– sondern die Kassenverantwortlichen, die auf Basis von Beschlüssen der jeweiligen Kreis-, Landes– oder Bundes-Gremien agieren. Andererseits hat die Linkspartei die heterogenste Mitgliederstruktur und dabei auch die präkärste– vielen GenossInnen ist es gar nicht möglich, gleichbleibend ihren Mitgliedsbeitrag SELBST zu zahlen, da werden dann Umlagen gemacht, im besten Falle seitens aller zahlungskräftigeren Mitglieder. Wenn das illegal sein sollte, Parteimitglieder zu halten, dann faßt euch alle an die eigene Nase. So sieht es aus– *diese* Kampagne ist für Euch in den anderen Parteien ein Danäergeschenk. Viel Spaß damit. Und beim Verlieren von Mitgliedern, die zu uns kommen (im Übrigen in den letzten Jahren verstärkt aus FDP und CDU). Ätsch ;-)

  7. MGentsch on 19. August 2010 at 22:12

    @Linksman

    Das hatte ich bereits, als SPDler als der ich unschwer erkennbar bin, eingeräumt. Aber:

    Das waren keine „Blitzeintritte”, sondern Ummeldungen von Jusos aus verschiedenen Kreisen nach Eimsbüttel. Zwischen Neueintritten und Ummeldungen besteht ein Unterschied. Ilkhanipour ist vorher „zufälligerweise” Praktikant bei MdB Khars, einem Sprecher der Seeheimer, gewesen. In der Partei wird allgemein vermutet, dass Khars die Sache Lanciert hatte, um Annen als prominente Figur der SPD-Linken wegzukriegen.

    Aber das bekommt ja irgendwie keiner in den Medien mit… An Flügelkämpfen sind ja immer nur die Linken schuld. Jedenfalls waren Ilkhanipours Chancen nie groß, da hat die FAZ einfach mist geschrieben. Denn natürlich wählt so einen niemand, vor allem nicht im Eimsbush.

    Dass wir durch den Skandal drei hamburger Direktmandate verloren haben, die glaube ich seit Beginn der BRG rot waren, ist ein weiterer Beweis für die glorreiche und extrem weise Nutzung der momentanen Mehrheit von der Parteirechten in der SPD.

    • Linksman on 20. August 2010 at 01:54

      Hallo MGentsch,
      da haste Recht, es waren Ummeldungen, mea culpa. Ansonsten: Full ACK.
      Interessant auch, dass Ilkhanipour (will ja als Seeheimer „neue Wählerschichten” erschließen…) das Ergebnis des böslinken Annen nahezu halbiert hat: 23,8 zu 45,1 % & Sturz von Platz eins auf drei.

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